Quo vadis, Leica Camera AG?

Quo vadis, Leica Camera AG?

Kommentare

  
  1. AvatarMurat Hürmen sagt:

    Sehr geehrter Herr Sassenberg,
    ich bin ein stiller Leser Ihrer Seite welche mir sehr gut gefaellt, sehr informativ.
    Das Quo Vadis Leica Thema habe ich auch gelesen, teile viele Ihrer Aussagen.
    Aus meinem Fenster gesehen, ist das was sich bei Leica tut mir eigentlich egal. Als (analoger) M-Fan bin ich mit dem was ich habe mehr als zufrieden. Als einzige digitale M habe ich die MM1 das reicht mir vollkommen.
    Für meinen Teil habe ich eigentlich mit den digitalen M’s abgeschlossen, die haben mich nicht wirklich überzeugen können. Ohne Zweifel mögen das gute Kameras sein aber etwas fehlt an den M’s, ich lkann es nicht beschreiben.
    Bin sehr zufrieden mit meinen M7 und habe genügend Filme im Kühlschrank.

    Das Leica als Unternehmen überleben und sich dem Mainstream anpassen muss ist verstaendlich. Keine Frage.
    Jedoch für meinen Part habe ich damit abgeschlossen. Lieber freue ich mich wenn ich alte aber gute Objektive erwerben kann.

    LG aus Istanbul
    Murat

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Guten Morgen Herr Hürmen,

      es stimmt, eigentlich kann man sich als Analog-Shooter entspannt zurücklehnen und und kopfschüttelnd die durchgeknallte Digital-Welt betrachten. Das ist auch ein Grund, warum ich mich zunehmend mit analoger Fotografie beschäftige.

      Ansonsten ist es nicht verkehrt, dass Leica weiter existiert und ggf. noch lange auch den Customer Care für die mechanischen Kameras macht.

      Vielen Dank auch für die Rückmeldung zur Webseite und viele Grüße nach Istanbul (da gibt es bestimmt spannende Motive en masse),

      Claus

  2. AvatarTom Klein sagt:

    Hallo Claus,
    ganz ehrlich? Ich hoffe, die M11 kommt bald mit ganz vielen “bells and whistles” – Megapixel satt und was weiß ich noch alles. Nicht, weil ich so etwas haben möchte, aber weil ich hoffe, dass die “Tekkies” unter den Leicafans sofort umsteigen und den Gebrauchtmarkt dann mit (relativ) günstigen M10 fluten…
    Spaß beiseite – ich denke, der Markt für Marken wie Leica liegt heutzutage gar nicht mehr in Europa. Wie bei Luxusfahrzeugen (Rolls Royce u.ä.) geht es da nach dem Geschmack der Chinesen, wo nicht nur eine riesige Mittelschicht entsteht, sondern auch Millionen von Supperreichen sitzen. Habe neulich in einem Leicastore einen chinesischen Großeinkauf im deutlich 5-stelligen Bereich mitbekommen, während ich über die Anschaffung eines weiteren Gebrauchtobjektivs grübelte… Da geht es dann auch nicht mehr um Traditionspflege im engeren Sinne. Der rote Bömpel auf der Kamera strahlt genug Status und Image aus und dann ist letztlich egal, ob da Panasonic, Huawei oder German Engineering drinsteckt.
    Tom

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Tom,

      deine Einschätzung mit dem “neuen” Märkten trifft sicher zu und ist auch ein Teil meiner persönlichen Entzauberung der Marke Leica in der Gegenwart.

      Wie mir in vielen Kommentaren hier klar gemacht wurde, muss eine Firma überleben und kann nicht in vergangener Romantik schwelgen. Aber ich habe Leica kennengelernt, als sie noch in Solms mit überschaubaren technischen Ressourcen (auch softwaremässig) liebevoll die M9 zusammenfrickelten, eine Manufaktur eben und das hatte einen gewissen Charme. Diese kleine Firma hatte eine gewaltige Geschichte im Rücken. Was das Know-How von mechanischen Kameras betrifft, standen sie aber auf den Schultern von Riesen.

      Vor lauter Charme und Romantik wären sie kurz nach der Jahrtausendwende fast untergegangen, das ist also keine Überlebensstrategie. Logisch, dass man mit der Zeit gehen muss, besser spät als nie.

      Aber das “Weltunternehmen” Leica mit seinen Allianzen mit Megafirmen wie Huawei oder Panasonic erzeugt bei mir nicht mehr das gleiche Gefühl der Loyalität wie vor 10 Jahren. Was immer mir an Vernunftgründen für die Notwendigen Veränderungen vor Augen gehalten wird, diese “irrationale” Wahrnehmung bleibt.

      Viele Grüße,

      Claus

  3. AvatarJürgen sagt:

    Hallo Claus,
    kann Deine Einwände zur Markenstrategie und -entwicklung verstehen. Kam Dienstag in der Kö-Galerie Düsseldorf am neuen Leica-Markenstore vorbei. Soll im November eröffnet werden. Obwohl die Lage im Shoppingcenter eher etwas kommerzieller ist, scheinen sie die Nähe zu den Guccis, Chanels, Pradas und Luis Vuittons der Königsalle zu suchen.
    Nur knapp um die Ecke hat Foto-Leistenschneider bereits eine ziemlich große Leica-Auswahl und fachkundige Betreuung. Wohl noch zu weit weg von Dior und Cartier…
    Geniess einfach Deine M10 und die tollen Optiken. Die sind auch ohne den Markennamen drauf klasse!
    Jürgen

  4. AvatarStefan Dinkel sagt:

    Hallo Claus
    Deinen Ansatz kann ich nicht so ganz nachvollziehen.Die Tatsache, daß Leica neue Wege Wege in der Fotoindustrie sucht, schmälert doch die Qualität der bisherigen Produkte kein bischen. Und wenn die M10 die für Dich perfekte Kamera ist, ist es doch keine Abkehr von Idealen nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.
    Wenn Du mit den 47 MP der Q2 nichts anzufangen weißt, gibt es immer noch die Q1.
    Leica hat doch auch nicht angekündigt die M-Reihe aufzugeben. Also worin liegt das Problem, wenn sich Leica auch bei Handykameras beteiligt? Leica baut doch auch Ferngläser und andere optische Geräte. Und von all diesen Entwicklungen profitiert doch auch die Fotoabteilung.
    Ich verstehe wirklich nicht, was Du mit dem Blog-Post sagen willst.
    Grüße, Stefan

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Stefan,

      das ist alles völlig richtig, was du sagst und auch nicht mein Problem bei der Sache.

      Die bisherigen Produkte sind völlig o.k.

      Ich hatte lediglich einen Anflug von Pessimismus, wohin die Reise geht, ausgelöst durch die Desertation von Erwin Puts.

      Ich hoffe einfach, dass ich zu schwarz sehe (wie mir bisher alle versichern).

      Viele Grüße,

      Claus

  5. AvatarMichael sagt:

    Lieber Herr Sassenberg
    Danke Ihnen sehr für die Gedanken, die Sie im Blog mit uns teilen. Und dass Sie damit ins ‚Volle treffen‘ zeigt die kontroverse Diskussion.

    Ich bin seit etwa drei Jahren stolzer Besitzer einer M10 und einer M6. Und nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit der messsucherjustierung (siehe Kommentare von S Groenveld) möchte ich meine m‘s nicht mehr missen. In bestimmten Situationen nehme ich mir meine digitale DSLR, aber kehre immer wieder zu meinen M‘s zurück. Tatsächlich ist aus meiner Sicht das ‚Erleben des Fotografierens‘ etwas anderes und richtig genussvoll zudem. Und last but not least …. meine Frau hat erst vor kurzem wieder das Besondere des ‚Leica Looks‘ betont.

    Wenn man nun aber die aktuellen Trends verfolgt, geht die Reise tatsächlich in die Richtung, die Leica nun beschreiten will. Die Herausforderung ist aber, sich mit den Großen der Fotografie zu messen und diese sind aktuell weder Sony, Nikon, Canon etc, sondern Apple & Co. Sie schreiben von Innovation und Zukunftsideen …. ich kann sie bei den großen Namen der Szene nicht in dem Maß erkennen, wie Leica das Business in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgemischt hat. Und nun machen andere erneut extrem innovatives. Eben die Apples, Skylum etc

    Auch wenn es die traditionelle Seite in uns zutiefst trifft, halte ich deshalb den Schritt der Leica AG richtig. Zu hoffen ist, dass Leica ihre große Stärke aus der Tradition weiter pflegt. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang ist, dass Leitz/Leica extrem von der Kraft einer weitreichenden Entscheidung in den 40er Jahren profitierte: der eigenen Entwicklung von Glassorten.

    Deshalb bleibt zu hoffen, dass Leica die Türen der Zukunft öffnet, aber die Basis des Erfolges weiterhin pflegt. Vermutlich ist es die richtige Entscheidung, auch wenn es aktuell richtig weh tut.

    Danke und gerne weiter so!
    Ihr Michael Christ

  6. Hallo Claus
    Mir geht es irgendwie gleich wie dir. Bin mit meiner M240, der Q und der M6 zufrieden. Analog habe ich noch die alte Topcon Uni von meinem Vater revidieren lassen. Bei der Wahl des Bildsujets bin ich auch wählerischer geworden gegenüber früher. Des weiteren kommt dazu, dass ich nach 27 Jahre wieder angefangen habe, Musik zu machen. Gitarre. Am liebsten R&B und Blues. Dies erfüllt mich im Moment mit sehr viel Freude und Zufriedenheit.
    Ich beobachte den Kameramarkt insbesondere den von Leica mit gemischten Gefühlen. Die einzige Kamera, die noch in Frage kommen könnte, ist die SL und dies auch nur wegen der Konzertfotografie. Aber da reichen die Q und die M240 ebenfalls. Die gemachten Bilder kommen immer gut an.
    Alles Gute aus der Schweiz 🙂

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Matthias,

      schön, von dir zu hören. Ich denke, mit deiner Kombi von Digital und Analog bist du gut ausgestattet für alle Gelegenheiten. Die SL ist eine Top-Kamera, aber immer, wenn ich eine in die Hand nehme, denke ich: “Was für ein Klotz!”. Bin einfach zu verwöhnt von den M’s. Wenn einen die Dimensionen nicht stören, ist die natürlich im Prinzip schneller als die M (vorausgesetzt, man benutzt die fetten Autofokus-Objektive), aber wie gesagt… nichts für mich.

      Und die Musik ist immer eine weitere Quelle der Zufriedenheit, welches Genre auch immer. Mit meiner Querflöte und einer Bach-Sonate kann ich den Alltag weit hinter mir lassen. Meine Kantorei führt dieses Wochenende Das Fauré-Requiem und eine (ziemlich knifflige, aber superschöne) Bachkantate auf, die Probenarbeit dafür in den letzten Wochen war intensiv, aber auch erfüllend. Es ist ätherische Musik.

      Dass du mit der Wahl deiner Motive kritischer geworden bist, ist glaube ich eine natürliche Entwicklung, wenn man sich intensiv mit Fotografie beschäftigt. Und das muss auch so sein, du weisst: “Alles fliesst”.

      Viele Grüße aus Vlotho,

      Claus

  7. AvatarArne sagt:

    Lieber Autor,
    Du sprichst mir aus dem Herzen, aber der Verstand sagt, dass Ming wohl richtig liegt (https://blog.mingthein.com/2019/10/20/at-the-risk-of-losing-your-customers/). Auch Leica muss sich ändern.
    Und danke für die großartige Webseite. Sie ist eine echte Bereicherung.

    Gruss aus Hamburg
    Arne

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Lieber Arne,

      du hast recht, kein Zweifel, man muss sich anpassen. Auch als Traditionsfirma. Stures Beharren und Blindheit gegenüber der technischen Entwicklung hätte Leica schon mal fast das Genick gebrochen.

      Ich hatte nur Bedenken, dass Leica vielleicht diesmal über das Ziel hinausschiesst. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass auch weiterhin gutes Design für eine Zielgruppe geliefert wird, die Wert auf “handwerkliche” Fotografie legt.

      Viele Grüße aus Ostwestfalen,

      Claus

  8. AvatarPeter J. Scherer sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Sassenberg,
    Wer wollte es leugnen, gequälter Leica-Freund:
    Enttäuschte Liebe tut besonders weh.
    Und ich denke, viele aus der weltweiten Jüngerschar der Wetzlarer
    Edeloptik werden mit Ihnen fühlen, ich eingeschlossen.

    Aber dämpfen wir unseren gerechten Zorn für einen Moment, trocknen unsere Tränen und tun das, was wir nach dem Urteil des weiblichen Geschlechts am besten können, verbergen wir unsere so schmerzlich verletzten Gefühle – für einen nüchternen – verehrter Doktor, Sie werden wohl lieber sagen – ernüchternden Blick auf die schöne neue Leica-Welt.

    Fast schäme ich mich, Sie diesem Allgemeinplatz auszusetzen, aber er trifft eben doch in aller gebotenen Kürze – genau das Problem, dem sich nicht nur Leica ausgesetzt sieht: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das wäre den Wetzlarern ja beinahe schon passiert, als man in der digitalen Fotografie nur ein „Intermezzo“ sah. Die digitale Revolution fand also zunächst ohne Leica statt, und der deutsche Optikhersteller mit seiner glorreichen Geschichte sah bereits in den existentiellen Abgrund. Hatte nicht Gorbatschow schon einige Jahre zuvor gewarnt? „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Er meinte natürlich nicht Leica, sondern die DDR-Machthaber.

    Aber der Satz traf eben auch auf Leica zu. Natürlich wissen wir alle, daß Fortschritt nicht a priori zur Beglückung des Menschengeschlechts führt und Wachstum meist nicht die Lösung, sondern oft die Ursache des Problems ist. Aber wir sind Kinder unserer Zeit und nur wenige dürften die Kraft zu einer alternativen Existenz jenseits von ihr aufbringen. Dennoch gehört all denen meine große Sympathie, die – vielleicht sogar mit großen Plattenkameras – die feine alte Fotokunst praktizieren. Freilich: Ein Zukunftsprogramm für sichere Arbeitsplätze in einer heiß umkämpften Branche ist das nicht.

    So erhebend und einsichtsvoll existentielle Wolkenschiebereien manchmal sein mögen, im Wirtschaftsleben ist dafür wenig Platz. Wir befinden uns mitten in der zweiten digitalen Revolution. Die „Künstliche Existenz“ hat – ob dies unseren Beifall findet oder nicht – ihren Siegeszug angetreten und Leica – die „Intermezzo“-Fehleinschätzung schmerzlichst verinnerlicht – will seine Existenz kein zweites Mal aufs Spiel setzen. Die Wetzlarer Company hat zwar viel Tradition und weiß sie zu schätzen, aber Leica ist kein Geschichtsverein. Die Firma muss, will sie überleben, ihre zu recht weltweit geschätzte mechanisch-optische Referenz durch eine frische optisch-digitale Innovationskraft ergänzen. Für Leicas Zukunft wird es entscheidend sein, inwieweit ihr es gelingt, beides miteinander zu vereinen. Ich bin da, verzeihen Sie, lieber Dr. Sassenberg, etwas optimistischer. Natürlich. Wir alle lieben die „M“ und sehen jedem neuen Modell mit schlimmsten Befürchtungen entgegen. Aber hat Leica mit der „Q“ nicht vieles richtig gemacht?

    Porsche wäre längst ein Museum, wenn es nur den wunderschönen Klassiker „356“ gepflegt hätte. War der „911er“ nun Verrat oder doch eher behutsame Fortentwicklung einer großen automobilen Idee auf der Höhe der jeweiligen technologischen Entwicklung? Um eine andere Branche zu nennen. Was wäre aus Chanel ohne die Kreativität von Karl Lagerfeld geworden, der die edle Eleganz der Anfangsjahre von Kollektion zu Kollektion neu befruchtet hat? Es gibt viele solcher Beispiele.
    Verzeihen Sie, ich bin ins Plaudern geraten.

    Doch eines noch, lieber Doktor: Wer sich so wie Sie über Jahre hinweg so intensiv, kenntnisreich und engagiert in der Leica-Welt getummelt hat, sollte sich den finalen Scheidungs-Schritt doch noch einmal überlegen. Denken Sie auch an Ihre Leser. Ihr kritischer Blick auf Leica würde uns fehlen.

    Sehr freundlich
    P.J. Scherer

  9. AvatarKai sagt:

    Ach Claus,
    Fortschritt ist oft ein Schritt fort, oder?
    Da tu ich mich auch oft schwer mit. Auch mit unserem Wachstumswahn. Unsere Wirtschaft basiert auf Wachstum, welch ein Wahnsinn. Leica ist, seitdem Investoren (wurden mal als Heuschrecken bezeichnet) ihr Geld mit der Marke verdienen.
    Was mich aber hoffen lässt, ist, dass Herr Kaufmann die Marke Leica liebt. Irgendwie will ich mich da nicht täuschen.
    Und so hoffe ich auch, dass Leica die analoge M im Programm behält und endlich mal wieder bewirbt. Ich verstehe nicht, warum man die wachsende Begeisterung fürs analoge nicht nutzt. Wie blind kann man sein? Stattdessen ist die M7 leise aus dem Programm verschwunden.
    Ich denke schon lange, dass die sinnhaftige digitale Technik zur Fotografie ausgereizt ist. Bei der Q2 hast Du genau das bemerkt. Faszinierend bei Leica ist, dass die Gebrauchtpreise selbst für die M8 und M9 (Technik von vorgestern) steigen.
    Ich habe mir lange Gedanken über die digitale Ergänzung außerhalb von Leica gemacht und will damit nicht warm werden. Die Leica M ist schlicht meine Kamera. Und so wird wahrscheinlich noch eine M9 oder Monochrom dazukommen, auf jeden Fall aber eine rein mechanische wie die M-A.
    M10 ist unbezahlbarer Luxus für mich und ich hoffe, dass nicht irgendwann ein elektronischer Sucher Einzug ins M-System hält.
    Diese komischen Sondermodelle mit exorbitanten Preisen, sie sollen bezahlt werden und Geld bringen. Die letzte Monochrom in kotbraun hat allerdings schon was verräterisches. So dunkel kann es nicht sein, dass ich mit ihr rausgehen würde. Vielleicht ist sie ja für den Save gedacht, dessen Inhalt keiner sieht.
    Was mir aber Sorge macht, ist die Kooperation mit Huwei, das geht nicht gut. Das habe ich bereits seit Bekanntgabe gedacht. Sehr traurig gemacht hat mich, dass Leica keinen Arsch in der Hose hatte, als es um das Werbevideo mit der Sequenz auf dem Platz des himmlischen Friedens ging und China prompt intervenierte. Ich würde mir von einem Unternehmen wünschen, dann lieber aufs Geschäft als auf die Wahrheit zu verzichten. Aber unsere Unternehmen (auch in Hongkong) nehmen auf die Menschen, die für Freiheit ihr Leben riskieren, keine Rücksicht.
    Dabei war es die Familie Leitz, die Juden im dritten Reich unter hohem Risiko geschützt hat. Ein wenig von diesem Geist hätte ich mir auch heute von Leica gewünscht. Wir füttern täglich mit China einen Drachen, der uns verschlingen will.
    Warum sind wir nur so kleinmütig?
    Ja, die Schnelllebigkeit, die hat mich zur Erkenntnis gebracht, dass ich langsam fotografiere und die Bilder auch langsam bearbeite. Ich muss nicht in Lichtgeschwindigkeit den PC füttern, ich nehme mir auch für die Norwegentour bis zur Fertigstellung ein halbes Jahr Zeit.
    Und so traurig ich die Entwicklung von Leica finde, so freue ich mich an meinem kleinen Fotoapparat mit all seinen Macken, aber mit all seinen guten Ergebnissen. Diese kleine (man nennt sie Leica) fühlt sich gut an in der Hand und wenn ich damit Bilder mache, mit denen ich vielleicht berührte, anstoße auf etwas hinweise, dann geb eich dieser Leica, diesem Fotoapparat, dem Arbeiten mit ihr, einen Sinn.
    Manchmal denke ich, sie hätte die Auszeichnung als nachhaltigste Kamera verdient.
    Ein Schritt zurück ist manchmal ein echter Fortschritt, oder?
    Du hast die M10, was willst Du mehr.
    Lieber Gruß von Kai

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Kai,

      ich sehe auch die M10 als ultimatives (digitales) Werkzeug und brauche nichts anderes (naja, die Q optional…).

      Es ist so, dass sich derzeit meine Vorliebe für analoge Apparate vertieft und ich einfach spannend finde, was es da zu entdecken gibt (in der Vergangenheit).

      Für meine Skepsis Leicas Geschäftsstrategie gegenüber (du erwähntest Huawei, ich habe ähnliche Vorbehalte) und dem Augenmerk auf “analoge” Inhalte habe ich es mir möglicherweise mit manchen verscherzt (siehe voriger Kommentar), wobei ich nicht ganz verstehe, wie ich “übersatt und gelangweilt” herüberkomme. Ich habe jedenfalls viel Freude und Kurzweil 🙂 mit meinen Uralt-Kameras.

      Aber wie gesagt, die M10 wird mich mit Sicherheit noch lange begleiten. Trotzdem werde ich nicht müde hervorzuheben, dass sich auch eine M9 heute absolut nicht verstecken muss.

      Liebe Grüße,

      Claus

  10. “Das M-System ist offenbar nur für rückwärts gerichtete Exzentriker…”

    Wenn ich diesen als auch Ihre vorherigen Beiträge lese, habe ich eher den Eindruck, dass Sie zunehmend zu einem rückwärts gerichteten Exzentriker werden.

    Es tut mir leid, aber die Entwicklung ihrer Beiträge zeigt einfach keine interessante Entwicklung mehr und ist mittlerweile so spannend wie die unerträglichen Fotoforen, in denen regelmäßig neue und alte Mitglieder sich ihre Weltsicht und Erkenntnisse um die Ohren hauen und wo jammern zur Tagesordnung gehört.

    Sie wirken übersatt und gelangweilt. Schade, dass war mal anders.

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Ich bin gerne ein rückwärts gerichteter Exzentriker!

      Wie ich auf Sie wirke, kann ich nicht ändern. Von Langeweile kann nicht die Rede sein. Ich habe halt Spass an der analogen Fotografie.

      Und wenn Sie die nicht interessiert, gibt’s eine einfache Lösung. Woanders rumsurfen. Zum Beispiel in unerträglichen Fotoforen. Die wenig netten Umgangsformen haben Sie ja schon verinnerlicht.

  11. AvatarStefano Strampelli sagt:

    Hallo Herr Dr. Sassenberg,

    Ehrlich gesagt sehe ich es nicht so kritisch. Die SL löst auch bei mir kein „Habenwollen“ aus. Ich finde sie hässlich und die Objektive erinnern mich an Raketenwerfer. Sie stellt aber die Produktdifferenzierung sicher: die SL mit der modernsten Technologie ausgestattet und die M-Serie für Traditionalisten. Es ist auch kein Zufall, dass die M-Serie nach der Einführung der SL wieder „spartanischer“ wurde (wie beim Wegfall der Video-Funktion).
    Eine Monsterauflösung bei der M11 erwarte ich auch nicht. Es würde an die Grenzen des Messsucher stoßen (und vielleicht darüber hinausgehen).

    Viele Grüße
    Stefano Strampelli

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Herr Strampelli,

      es geht eigentlich weniger um die Produktlinien (ich habe auch nichts gegen die SL, ausser, dass es mir wie Ihnen geht, alles zu klotzig), als um firmeninterne Umstrukturierungen (Entlassung von Mitarbeitern etc.), die nur bruchstückhaft nach aussen dringen.
      Ansonsten hoffe ich, dass Sie mit der Prognose für die M11 recht haben.

      Viele Grüße,

      Claus Sassenberg

  12. AvatarGuenther Roetter sagt:

    Hallo Herr Dr. Sassenberg,
    vor kurzer Zeit hat auch ein Hamburger Fotograf Bedenken geäußert, die mich etwas erschüttert haben:
    https://www.stefangroenveld.de/2019/was-du-wissen-solltest-bevor-du-dir-eine-leica-m-kaufst/
    Ich glaube man sollte zufrieden sein mit dem was es jetzt gibt. Und: “Its stupid, its the glass”.
    Da ist diese Firma unschlagbar und wird es wohl bleiben.
    Freundliche Grüße
    Günther Rötter

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Guten Morgen Herr Rötter,

      Stefan Groenveld schätzt das alles richtig ein. Das, was in dem Artikel steht, entspricht dem, was ich denen antworte, die mich fragen (meist per Mail), “soll ich mir eine digitale Leica M kaufen?”

      Man muss sich einfach vorher klar machen, worauf man sich einlässt und welche Schwierigkeiten einen erwarten. Aber das ist eigentlich keine Kritik an Leica, sondern nur ein gutgemeinter Rat. Es geht um die Arbeitsweise mit einem Messsucher, die doch erheblich “handwerklicher” ist als mit, sagen wir einer Sony A7. Dafür liegt eine gewisse Befreiung in der Limitation (schon tausendfach von mir als Argument bemüht).

      Das Leica-Glas Weltklasse ist, wird sich wohl so schnell nicht ändern, wohin rein unternehmensphilosophisch die Firma auch driftet.

      Viele Grüße,

      Claus Sassenberg

  13. AvatarThomas Wilhelm sagt:

    Lieber Claus,
    da sprichst du mir aus dem Herzen.
    Manchmal denke ich das ganze Leica “Geraffel” zu verkaufen und nur noch ganz spartanisch mit wenig Ausrüstung und vielleicht nur noch mit einer alten M6 und einem Objektiv unterwegs zu sein. Das würde einfach entlasten.
    Noch irgendeine ältere Kamera und für das schnelle Foto dann doch dem Trend folgend das Smartphone.
    Ganz viele Grüße
    Thomas

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Lieber Thomas,

      in den letzten Jahren habe ich es schon so ähnlich gehalten, wie du vorschlägst. Die M4 oder M6 TTL mit 35er Objektiv, dazu die M10 (oder wahlweise die Q). Passt zusammen prima in eine kleine Tasche.

      Die M10 und die Q sind tolle Geräte. Im Prinzip fehlt mir da für meine Bedürfnisse nichts. Und wie ich oft betone: Selbst mit der M9 ist man heute noch in der Lage, exzellente Bilder zu machen, die jeden anderen mit modernstem Equipment vor Neid erblassen lassen können.

      Es ist auch nicht so, dass ich jede Hoffnung aufgegeben hätte, dass bei der potentiellen M11 nicht auch etwas Gutes herauskommen kann. Aber die Skepsis bleibt.

      Es gibt auch noch Lichtblicke in der Kameraindustrie, zum Beispiel finde ich die neue X-Pro 3 von Fujifilm extrem gelungen.

      Liebe Grüße,

      Claus

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