Noch vor vier Jahren hätte mir ruhig jemand erzählen können, dass eine Kompaktkamera den Grad der Wertschätzung von mir erhält, den ich bisher nur einer Leica M (welches Modell auch immer) vorbehalten habe. „Skepsis“ ist noch der vornehmste Gefühlsausdruck, den ich einer solchen Vorhersage entgegengebracht hätte.

Im Dezember 2015 erwarb ich die Leica Q als leichte Autofokus-Alternative zu meiner damaligen M240. Ich stellte in der Folge in kürzester Zeit fest, dass an der Q nichts zweitrangig ist. Bildqualität, insbesondere Sensordynamik, Rauschverhalten und Farben stellten die M240 im Grunde in den Schatten.  Die Bedienung der Kamera ist ein Lehrstück für gutes Design, minimalistisch, gleichzeitig maximal funktionell und so klassisch, dass gerade ein M-Shooter sich sofort zurechtfindet. Als Bonus ein superschneller, top-of-the-line Autofokus sowie Bildstabilisierung, die Fotos aus der Hand möglich macht, die sonst nur mit Stativ realisierbar waren. Es gibt noch einiges mehr zu sagen, aber dies ist kein Review.

Das ganze Jahr 2016 war die Leica Q mein ständiger Begleiter, oft in Ergänzung zur M240, aber immer häufiger „standalone“ bei Gelegenheiten, wenn ich sonst eine Systemkamera mitgenommen hätte. Die Q kann nicht alle Lücken füllen, für die ich eine Systemkamera brauche, aber sie deckt einen verdammt großen Bereich ab. Einfach nur die Q dabei zu haben, stellt eine gewisse Befreiung dar.

Mit Erscheinen der Leica M10 relativierte sich der Stellenwert der Q etwas, aber nicht grundsätzlich. Die M10 zieht in Punkto Sensorqualität gleich (oder ein bisschen an der Q vorbei), aber an den Tugenden der Kompaktkamera ändert das nichts. Es ist auch klar, dass M10 und Q durchaus unterschiedliche Zielgruppen bedienen, in deren Schnittmenge ich mich befinde.

Das ganze Jahr 2016 hatte fast jeder meiner Artikel im Blog irgendwie mit der Q zu tun, dabei zeigt mir Google Analytics an der Zahl und Auswahl der Seitenaufrufe, wie hoch das Interesse an dieser Kamera ist. Eine Menge Fotografen (Amateur oder Pro), die vorher nicht mal im Biohazard-Suit eine Leica angefasst hätten, wurden plötzlich aufmerksam. Verrückterweise lockte das manche über die Q auch zum M-System. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auf dieser „Sonderseite“ will ich noch ein paar teilweise bisher unveröffentlichte Beispielbilder zeigen, um die Leistungsfähigkeit der Q zu demonstrieren, sowie direkte Links zu den am meisten gelesenen Blog-Beiträgen, die die Q betreffen,  anfügen.

  1. Die Leica Q – Hands on: Mein erster Eindruck der Kamera, wenige Tage nach Erwerb.
  2. Ein Statement zur Leica Q: Sehr populärer, emotional gehaltener Artikel, in dem ich eine klare Haltung zur Gebrauchsfähigkeit der Kamera einnehme.
  3. Eine Woche Provence: Viele Bilder aus der Leica Q
  4. Varieté: Joint Venture Videographing: Ein Bericht über die Video-Qualitäten der Q
  5. Q-Tipp: Ein Beitrag über das Firmware-Update, das einige Funktionsverbesserungen brachte.
  6. Im Blog von Juli bis Dezember finden sich einige Beiträge, die viel Bildmaterial der Q enthalten.
  7. Retrospektive: ein Jahr mit der Leica Q: Wie der Titel schon sagt, ein Resümee der Arbeit mit der Kamera.
  8. Leica Q Reloaded
  9. Leica Q: Das dritte Jahr – Auf dem Weg zum Klassiker
  10. Sensor-Ranking, ein Beitrag, den Leute lesen sollten, die zwischen der „klassischen“ Q und der Q2 schwanken.
  11. Leica Q: Design Ikone im 5. Jahr

Heute, Ende März 2017, verdichten sich die Gerüchte, dass Leica an einer Q mit längerer Brennweite arbeitet, weil für viele der einzige „No-Go“ der Kamera die 28mm-Optik ist. Im Laufe des Sommers könnte ein solches Wunderteil vorgestellt werden. Wie die Leica Ingenieure das Kunststück meistern, das Objektiv im Durchmesser bei akzeptabler Lichtstärke (und das kann nur etwas wie  mindestens f/2, besser noch darunter sein) klein zu halten, bleibt abzuwarten. Jedenfalls müssen sie sich was überlegen, denn bei bisher üblicher Technik würde das das Objektivs breiter machen, als die Kamera hoch ist. Es wäre aber nicht das erste mal, das sie das Unmögliche möglich machen.

Update, 21. September 2018: Immer noch kein Nachfolger für die Q in Sicht. Die Q bleibt nach wie vor konkurrenzlos aktuell! Kein besseres Produkt mit der Summe ihrer Eigenschaften auf dem Markt.

Update, 07. März 2019: Die Leica Q2 ist da! Die Brennweite ist geblieben, und das liegt vermutlich daran, dass auch die Leica-Ingenieure die Gesetzte der Physik nicht beugen konnten um ein lichtstarkes 50- oder 75mm-Objektiv zu bauen, dass die Abmessungen einer Kompaktkamera nicht sofort sprengen würde.  Als „Workaround“ hat man stattdessen die Auflösung auf 47 MP erhöht (fast schon Mittelformat!), um exzessives croppen bis zum 75mm Bildausschnitt realistisch zu machen. Aber es wurde noch viel mehr verbessert. Dazu werde ich sicher noch einiges berichten.

Update, Juni 2019: Habe die Q2 verkauft und bin zur „Klassik“-Q zurückgekehrt (in Form der Q-P). Grund: Ich brauche die hohe Auflösung nicht, ausserdem ist das Rauschverhalten der Klassik-Q ganz klar besser. Siehe diesen Beitrag.

 Beispielbilder:

Porträt

Bei Porträts empfiehlt es sich, nicht mit 28mm bildfüllend ein Gesicht zu fotografieren, ausser man möchte Glubschaugen und Rübennase hervorheben! Ich benutze zur Bildkomposition in diesem Fall die Einblendrahmen für 35 bzw. 50mm und halte den entsprechenden Abstand ein, dann ist eine wohlproportionierte Abbildung kein Problem. Bei offener Blende und ausreichend Zeit besser manuell fokussieren (normalerweise wird auf das dem Betrachter zugewandte Auge scharfgestellt).

Leica Q

Leica Q bei f/1.7   1/80sec  ISO 100

Leica Q

Leica Q bei f/2.8 1/60sec ISO 1000

 

Landschaft

28mm ist eine gute Brennweite für Landschaftsfotografie. Im allgemeinen möchte man Schärfe über das ganze Bild, also wählt man Blende f/4.0 bis (höchstens) f/8.0.

Leica Q

Le Pont des Six Liards. Leica Q bei f/4.0 1/400sec ISO 100

 

Bildstabilisierung

Anfangs von mir mit Skepsis betrachtet, hat sich die Möglichkeit der Bildstabilisierung für mich als extrem wertvoll erwiesen, wenn es darum geht, ISO zu sparen. Bei statischen Low-Light-Szenen verlasse ich die Zeitautomatik und gehe auf 1/8sec (oder noch länger). Die Aufnahmen aus der Hand sind trotzdem gestochen scharf.

Bei bewegten Motiven die Stabilisierung unbedingt abstellen!

Leica Q

In der Grotte Rosé. Leica Q bei f/1.7  1/15sec  ISO 320

 

Schneller Autofokus, elektronischer Verschluss

Die Q hat den schnellsten Autofokus, der mir je bei einer Kompaktkamera begegnet ist. Selbst bei schwindendem Licht nagelt er das Motiv ohne merklichen Zeitverlust fest. Ich benutze ausschliesslich einen Fokuspunkt, den ich nach Bedarf verschiebe. Man kann ihn in drei Grössen einstellen („Delete“ drücken, dabei Daumenrad drehen). Der Lamellen-Verschluss geht automatisch in einen elektronischen Verschluss über, wenn 1/2000 Sekunde unterschritten wird. Bis zu 1/16000 Sekunde ist dann möglich. Ein ND-Filter für die Offenblende bei Sonnenschein gehört der Vergangenheit an. Das wäre noch was nettes für die M10…

Leica Q

Leica Q bei f/4.0  1/5000sec  ISO 100

 

Diskretes Auslösegeräusch

Die Q eignet sich hervorragend für Konzertfotografie. Der Lamellenverschluss ist kaum hörbar, selbst in den Pianissimo-Passagen des Solisten kann man hemmungslos fotografieren. Blitz braucht man sowieso nicht.

Leica Q

Flötenkonzert, Leica Q bei f/1.7 1/60sec ISO 320

Leica Q

Duett, Leica Q bei f/1.7 1/60sec ISO 400

 

Hohe ISO

Ein sensibles Thema… manche können den Hals nicht voll kriegen, dabei sind die Low-Light Möglichkeiten der Kamera wegen der lichtstarken Optik und der Bildstabilisierung enorm. Über 6400 muss man je nach Lichtbedingungen vermehrt mit „Banding“ rechnen, darum habe ich mein Auto-ISO im allgemeinen bis dahin begrenzt. Das heisst aber nicht, dass nicht auch 12500 oder mehr ohne Banding möglich sind.

Leica Q

Vampir, Leica Q bei f/1.4  1/125sec  ISO 10 000

 

Reisen, Wandern, Sightseeing

Im Verhältnis zu ihrer Bildqualität ist diese Kamera klein und leicht. Beim Wandern, Mountainbiken oder bei Städtetouren ist man völlig unbeschwert unterwegs, keine Tasche, kein Gedanke, den man an Objektivwechsel verschwenden muss.

Leica Q

Während der Fahrt aufgenommen. Leica Q bei f/4.0  1/800sec ISO 100

 

Makro-Modus

Ein Dreh am Objektiv schaltet mit einer raffinierten Mechanik die Optik und Entfernungsskala auf „Makro“ um (Bereich 17 – 30cm). Ich brauche das zwar selten, aber ab und zu ist die Funktion nützlich.

Leica Q

Das Leicameter auf der M3, Leica Q bei f/5.0  1/60sec ISO 5000

 

Familie, Leute, Events, Street, Reportage, kurz: Alle möglichen Gelegenheiten

Ich würde sagen, es gibt nur eine Limitierung für die Q, und das ist, wenn man mit der Brennweite nicht klar kommt. Sei es, dass man einfach kein Gefühl für die Bildkomposition mit 28mm entwickeln kann (oder  möchte), oder ständig Motive hat, die längere Brennweiten erfordern, weil man einfach nicht nahe genug herankommt (z.B. Sport- oder Tier-Fotografie).

Leica Q

Flower Power, Leica Q bei f/1.7  1/3200sec  ISO 100

 

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