Die Bildbearbeitung in speziellen Schwarzweiß-Programmen liefert Ergebnisse, die dem „echten“ alten Schwarzweiss-Filmlook sehr nahe kommt. Wie „digital“ das entsprechend bearbeitete Foto noch wirkt, ist geschmacklichen Erwägungen überlassen. Ich gebe hier ein einfaches Beispiel wieder, in dem ich eine (Farb-) Raw-Datei aus der M 240 in Silver Efex mit einer Emulation von Kodak Tri-X bearbeite.

Anhand dieses (obigen) Fotos will ich die Schritte erläutern, die für das editieren erforderlich sind.

Es ist mit dem 90mm Macro-Elmar entstanden, das auf der Ardèche-Fahrt 2015 zum ersten Mal seit ich es hatte so richtig glänzen konnte. Denn bei solchen Fotos im Schwall braucht man nun mal doch etwas Reichweite. Wenn ich auch sonst immer von „nah rangehen“ predige und Robert Capa zitiere, gibt es halt Gelegenheiten, bei denen man notgedrungen Abstand hat. Also sind dort das 75er Apo-Summicron und das 90er Makro meine bevorzugten Objektive. Das knifflige ist natürlich das manuelle fokussieren, aber das ist reine Übungssache. Ich gebe zu, um es mir nicht zu schwer zu machen, wähle ich oft eher eine mittlere Blende, das lässt Spielraum für Fehler, aber insgesamt ist das scharf stellen mit dem Messsucher ein Kinderspiel, selbst mit dem 90er. Von über 600 Bildern im Schwall musste ich nur einen Handvoll aussortieren, die nicht zufriedenstellend scharf waren.

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Leica M mit 90mm Macro Elmar bei f/5.6 1/750sec ISO 200

150% – Vergrösserung des Bildes. Schärfe kein Problem, man erkennt jetzt die Körnung der Tri-X Emulation. Trotz der nicht zu grossen Blende fällt bei der Brennweite der Hintergrund schnell ins Unscharfe zurück, ein erwünschter Effekt, aber das bedeutet auch, dass man beim fokussieren nicht zu nachlässig sein darf.

Warum überhaupt die Tri-X Filmemulation?

Natürlich reine Geschmacksache, aber ich finde die normalen Konvertierungen nach S/W manchmal zu perfekt, zu „digital“. Bei Landschaften bin ich da nicht so fanatisch, aber wenn Personen im Spiel sind, bevorzuge ich den Look eines klassischen S/W-Films, das muss nicht zwangsläufig der Tri-X sein. Gerade, wenn man mal einen etwas grösser-formatigen Print macht, wirkt die Körnung so schön „retro“. Ich gebe ganz bewusst etwas von der digitalen Perfektion auf, aber das Bild wirkt stilvoller.

Wie fange ich an?

Wenn mir ein Foto „würdig“ erscheint, korrigiere ich zunächst die Tonwerte in Lightroom, denn die Software ist ein sehr viel mächtigeres Tool dazu als Silver Efex. Tatsächlich ist es ein guter Ansatz, bei einem normal belichteten Foto (das heisst: Tageslicht, kein Gegenlicht, kein available Light oder low-Light-Foto) einfach mal den Button „Autom.“ unter der Rubrik Tonwerte zu drücken, das Programm macht meist schon einen validen Vorschlag, von dem man ausgehen kann. In der Regel nehme ich die Highlights mehr zurück, aber oft ist das schon alles, was in LR passiert. Dann wird die Datei als Tiff nach Silver Efex transportiert.

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Bildschirmfoto 2015-05-21 um 23.38.16

So erscheint die Datei in Silver Efex, einfach in Grauwerte konvertiert. Wer Grauwerte mit Schwarzweiss verwechselt, verschenkt viel Potential. Solche Bilder sind sehr „flach“.

Eigentlich habe ich ein Preset für Tri-X fix und fertig, das ich nur einmal klicken muss und das Bild ist fertig bearbeitet. Aber hier gehts jetzt einmal hübsch der Reihe nach. Zunächst rechte Seitenleiste Mitte unter „Filmtypen“ im Drop-down-Menü „Kodak Tri-X wählen:

Bildschirmfoto 2015-05-21 um 23.38.59

 

Hat so schon deutlich mehr „punch“, Körnung ist auch dabei, aber entspricht noch nicht ganz dem, was ich als Look bei Tri-X in Erinnerung habe (da ich mit dem „real thing“ schliesslich auch noch fotografiere, bilde ich mir ein, eine Vorstellung davon zu haben). Also werden jetzt noch ein paar Slider bewegt, die mich der Sache näher bringen. Im wesentlichen geht es darum, Kontrast zu verstärken. Hier sind die entsprechenden Einstellungen:

 

Bildschirmfoto 2015-05-21 um 23.40.52-2

Bildschirmfoto 2015-05-21 um 23.40.52

Lächerlich wenig, aber das ist schon alles in diesem Fall. Tonwerte müssen nicht korrigiert werden, das habe ich schliesslich schon in LR getan. Achtung beim Slider „weicher Kontrast“, sehr mächtig, wenn man es ins negative übertreibt, bekommen die Fotos einen HDR-Look, aber auch Artefakte kommen schnell zustande. Ich spare mir auch die selektiven Anpassungen, das führt hier zu weit. Wer im übrigen seine Kenntnisse verbessern will, sollte sich die Tutorials zu Silver Efex auf Youtube anschauen. Dann ist man in Silver Efex fertig und kann die Datei zurück nach LR schicken.

Bildschirmfoto 2015-05-21 um 23.42.18

In Lightroom kann man jetzt noch eine abschliessenden Check der Tonwerte vornehmen, die sich durch Silver Efex leicht verändert haben. Ich klicke meist noch mal „Autom.“ (wohlgemerkt: Nur sinnvoll bei normalen Belichtungen), meist will aber LR die Schatten zu sehr anheben, das mache ich mit Doppelklick auf „Tiefen“ rückgängig.

Bildschirmfoto 2015-05-21 um 23.42.27

Das der Schwarzpunkt im Histogramm links in den Rand hineinläuft, ist nicht so schlimm, sondern für die meisten S/W-Fotos, bei denen man in Silver Efex Schwarz verstärkt hat, typisch. Die Highlights sollten aber möglichst erhalten bleiben, sonst hat man weisse Bereiche ohne Körnung. Um die Bildkomposition ansprechender zu gestalten, wird es noch etwas beschnitten:

Bildschirmfoto 2015-05-21 um 23.43.41

So wird das Bild als JPG exportiert.

Noch mal das fertige Produkt:

L1008987-Bearbeitet

Was ich hier in einige Schritte zerlegt habe, bedeutet eigentlich für mich nur ein paar Klicks, denn in Silver Efex habe ich meine Presets alle schon fertig. Ich möchte nicht mehr Zeit als notwendig vor dem Computer verbringen.

Dies ist allerdings nur eine einfache Möglichkeit der S/W-Bearbeitung, oft benutze ich speziell für Landschaft (wie für das Bild von Chateau Salavas ganz oben) spezielle, etwas kompliziertere Editierung mit Farbfiltern. Grün, Gelb, Orange, Rot kommt je nach Landschaft und Licht für die optimale Tonwerttrennung in Frage. Bei Personen (Hauttönen) z.B. ist ein Gelbfilter dienlich, ggf. Gesichter aufzuhellen, dieser Effekt wird nach Rot hin immer extremer.

Bei der Leica-Monochrom muss man physische Filter benutzen wie bei meiner M3, denn es gibt ja in der RAW-Datei keine Farbkanäle. Eine schöne kleine Einführung zum Sinn von Farbfiltern findet sich auf der Webseite von fotologisch.com, von wo ich meist meine Filter beziehe. Ich schäme mich nicht, hier Schleichwerbung zu machen, weil Herr Stier, der Inhaber, eine tolle Webseite geschaffen hat und auch stets bei persönlicher Ansprache mit Rat und Tat zur Seite steht. So was gibt‘s nicht bei Amazon.

Ein paar Tage, nachdem ich dieses Tutorial verfasst hatte, kam mir die Idee, das es vielleicht doch einfacher ist, Bearbeitungsschritte in einem Video zu zeigen (da bin ich ja weissgott nicht der erste, dem das klar wird), also ergänze ich den Beitrag hiermit durch ein Videotutorial zur Bearbeitung von Landschaftsaufnahmen in Schwarzweiss. Damit erspare ich mir gefühlt hundert Screenshots und einen ganzen Roman, der notwendig wäre, das alles in Prosa darzustellen. Es kann oben in der Sidebar angeklickt werden.

Comments

  1. Jolomy
    3. März 2017

    Leave a Reply

    Moin Claus,
    seit der Anschaffung einer MF-DSLR im Jahr 2004 speichere ich meine digitalen Schnappschüsse konsequent im RAW Format (ORF/CR2) ab und entwickle die Vorlagen mediengerecht mit Photoshop. Allerdings war der zeitliche Aufwand in die Einarbeitung der Rohdatenkonvertierung sowie der Feinjustierung der Farbkontraste etc. mit PS nicht unerheblich, aber inzwischen kenne ich die relevanten Funktion für die Bildbearbeitung via Photoshop ganz gut und verwende heute i.d.R. programmierte Standard Aktionen per F-Tasten für fast alle digitalen Vorlagen (DigiCam/Film-Scan). Von Plug-Ins, wie beispielsweise das oben beschriebene Silver Efex, mache ich keinen Gebrauch.
    Kennst du das „Athentech Perfectly Clear
    Photoshop and Lightroom Plug-in“?
    (Ken Rockwell schwärmt davon, verzichtet bewußt auf RAWs und nimmt als Vorlagen für seine Blog-Bilder nur noch die Camera-JPEG-Files: http://www.kenrockwell.com/tech/athentech/perfectly-clear.htm)

    Beste Grüße
    Jolomy

    • Claus Sassenberg
      3. März 2017

      Leave a Reply

      Hallo Jürgen,

      ich speichere in Raw, seit ich im Jahr 2001 zur digitalen Fotografie übergelaufen bin. Meine Photoshop-Erfahrungen habe ich ebenfalls gemacht, um festzustellen, dass ich Lightroom (für meine Bedürfnisse) wesentlich bequemer finde. Ich fotografiere lieber, als Lebenszeit bei der Bildbearbeitung zu verschwenden, und diese Erkenntnis kommt aus einer Zeit, da ich ein paar Jahre Apha-Tester mit NDA für DxO-Optics Pro war und mich mit Kollegen in Belgien und Frankreich stundenlang über Bugs ausgetauscht habe. Seither ist mein Foto-Französisch exzellent, denn wenn diese Jungs versuchten, englisch zu kommunizieren, dachte man, sie sprechen klingonisch!
      Deswegen: Silver Efex, trotz Tutorial, ist mittlerweile Geschichte für mich, zu viel Aufwand für Ergebnisse, die obendrein zu schnell eine „digitale Signatur“ aufweisen. Ich bevorzuge inzwischen die S/W-Konvertierung in LR, die ich wesentlich schlichter, aber näher am analogen Look halte. Und ca. 20 Sekunden Zeit erfordert.

      Ken Rockwell hin oder her, die Dateien aus einer M oder Q brauchen i.d.R. nicht mehr als etwas Tonwertkontrolle, um genau so auszusehen, wie ich es möchte. K.R.’s Geschmack in Bildbearbeitung ist übrigens absolut nicht meiner. Aber: „De gustibus non est disputandum“. Wir in Ostwestfalen geben dazu die lakonische Stellungnahme: „Wer’s mach!“ (Wer es mag)

      Ich habe über die Jahre alle möglichen bildbearbeiterischen Sünden begangen, um daraus (hoffentlich geläutert) hervorzugehen mit der Devise: Weniger ist mehr. Trotzdem stehe ich zu der Entwicklung. Viele meiner alten Bilder entsprechen nicht mehr meinen heutigen Anforderungen, aber an der Stelle bin ich froh, die RAW’s zu haben.

      Liebe Grüße,

      Claus

      • Jolomy
        3. März 2017

        Hallo Claus,
        du bringst es auf den Punkt:
        „Ich fotografiere lieber, als Lebenszeit bei der Bildbearbeitung zu verschwenden!“
        Und je länger ich die Digitalfotografie zusätzlich betreibe, desto mehr befolge ich die Regeln der Filmfotografie. Weder die Komposition noch die Farbgebung etc. können in der Nachbearbeitung meine Fotos verbessern – auch nicht mit Photoshop (andere Software für Fotografen habe ich noch nicht ausprobiert) oder via RAW-Konverter.
        Im Ergebnis ist es auch nicht entscheidend, welche Technik zur Anwendung kam.
        Henri Cartier-Bresson formulierte es etwa so: „Unser Auge muß ständig messen und werten. Wir verändern die Perspektive durch eine leichte Beugung der Knie, wir bringen durch eine winzige Kopfbewegung Linien zusammen, aber das geht nur blitzschnell, reflexartig und hindert uns glücklicherweise daran, uns an Kunst zu versuchen.“
        „Man kann einen schwachen Bildaufbau bei der Aufnahme nur selten retten, indem man ihn in der Dunkelkammer neu komponiert … : Die Ganzheit des Blicks geht verloren.“
        Ich belichte heute immer noch vorzugsweise Farbnegativfilme, die ich in einem guten Labor entwickeln (die Negative werden selbstverständlich in Negativtaschen eingeschnitten) und kleine Bilder für Alben und große Fotos zur Rahmung ausbelichten lasse, alles ohne Anweisungen!
        Kopfzerbrechen bereitet mir z.Zt. die X-ray inspection in Hamburg (EDDH); eine visuelle (manuelle) Sicherheitskontrolle machen die nicht, sondern lassen Filmkameras, die sie im Handgepäck detektiert haben, noch einmal separat durch die Röntgenanlage laufen.
        Now, I am feeling to drop down to digital imaging! Na ja, vielleicht kaufe ich die Filme vor Ort und lasse sie vor dem Rückflug entwickeln? So könnte ich meine Reiseimpressionen mit meiner M4-P fotografieren?
        Die Leica M10 inklusive einem 35 mm Summicron ASPH mit den sechs Kontaken, wäre natürlich prima, aber soviel Geld für eine Flugreise, wegen eines Strahlenrisikos? Zusätzlich wäre noch ein neuer iMac inklusive einem Adobe Mietvertrag erforderlich. Vorsichtshalber habe ich mir schon mal eine schnelle 16 GB CF-Karte für meine DSLR besorgt (reicht für gut 500 RAW Files) …

        Beste Grüße
        Jolomy (blog handle)

    • Claus Sassenberg
      3. März 2017

      Leave a Reply

      Hallo Jürgen,

      ich speichere in Raw, seit ich im Jahr 2001 zur digitalen Fotografie übergelaufen bin. Meine Photoshop-Erfahrungen habe ich ebenfalls gemacht, um festzustellen, dass ich Lightroom (für meine Bedürfnisse) wesentlich bequemer finde. Ich fotografiere lieber, als Lebenszeit bei der Bildbearbeitung zu verschwenden, und diese Erkenntnis kommt aus einer Zeit, da ich ein paar Jahre Apha-Tester mit NDA für DxO-Optics Pro war und mich mit Kollegen in Belgien und Frankreich stundenlang über Bugs ausgetauscht habe. Seither ist mein Foto-Französisch exzellent, denn wenn diese Jungs versuchten, englisch zu kommunizieren, dachte man, sie sprechen klingonisch!
      Deswegen: Silver Efex, trotz Tutorial, ist mittlerweile Geschichte für mich, zu viel Aufwand für Ergebnisse, die obendrein zu schnell eine „digitale Signatur“ aufweisen. Ich bevorzuge inzwischen die S/W-Konvertierung in LR, die ich wesentlich schlichter, aber näher am analogen Look halte. Und ca. 20 Sekunden Zeit erfordert.

      Ken Rockwell hin oder her, die Dateien aus einer M oder Q brauchen i.d.R. nicht mehr als etwas Tonwertkontrolle, um genau so auszusehen, wie ich es möchte. K.R.’s Geschmack in Bildbearbeitung ist übrigens absolut nicht meiner. Aber: „De gustibus non est disputandum“. Wir in Ostwestfalen geben dazu die lakonische Stellungnahme: „Wer’s mach!“ (Wer es mag)

      Ich habe über die Jahre alle möglichen bildbearbeiterischen Sünden begangen, um daraus (hoffentlich geläutert) hervorzugehen mit der Devise: Weniger ist mehr. Trotzdem stehe ich zu der Entwicklung. Viele meiner alten Bilder entsprechen nicht mehr meinen heutigen Anforderungen, aber an der Stelle bin ich froh, die RAW’s zu haben.

      Liebe Grüße,

      Claus

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