Posted by on 8. Mai 2021

Das Beitragsbild zeigt das 35mm Ultron von Voigtländer an meiner Leica M4, links davon das neue 35mm Apo-Lanthar.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich mir das letzte Mal ein Objektiv gekauft habe. Alle Brennweiten, die für eine Leica M (sei sie analog oder digital) praktikabel sind, hatte ich bereits zur Auswahl. Zudem zeigte sich, dass ich im „realen Leben“ dazu neige, bevorzugt mit nur einem Objektiv vor der Kamera loszuziehen, und das war meist ein 35er oder 28er. Um die Flexibilität auf Touren oder Wanderungen zu erhöhen, kommt dann eine längere Brennweite (75 oder 90mm) dazu, und man ist eigentlich für alles gewappnet. Seltsamerweise habe ich mich mit 50mm als „Universalobjektiv“ nie anfreunden können.

Ultron

M10-M mit 35mm Summilux

Konstatieren wir also, dass ich ein „35mm Typ“ bin. Seit Beginn meiner Liaison mit M-Leicas besitze ich das 35er Summilux Asph. (die neueste Version). Seit fast 12 Jahren (ohne Wartung) Dauereinsatz ist es immer noch voll kalibriert, wenn auch schon mit ein paar Macken versehen, weil es bei Events, Wanderungen, Berg- oder Radtouren „heavy duty“ leisten musste. Es hat mir jedenfalls eine Unmenge Keeper beschert.

Ein paar Jahre nach dem Summilux schaffte ich mir das 35er Summicron Asph. an. Ich fotografierte deutlich mehr analog und ich wollte eine etwas kompaktere Optik für unterwegs. Wichtig zu erwähnen, dass mich auch das Summicron nie enttäuscht hat.

Ultron

Leica M10-M mit 35mm Summicron

Alle Objektive kaufte ich immer bei Leica (bis auf ein 12mm Ultra-Wide Heliar, das ich kaum benutze, das hat aber nichts mit Voigtländer zu tun, nur mit der Brennweite). Der Grund für meine Markentreue war nicht nur Snobismus. Einerseits kann man als gegeben annehmen, dass man mit keiner Leica-Optik irgendetwas falsch machen kann (außer zu viel Geld auszugeben), andererseits hat die Kodierung der Objektive einen gewissen praktischen Wert. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Materialien und Fertigungsqualität bei Leica oberstes Niveau sind. Eine manuelle Linse ist wirklich für Generationen gemacht. Und zwar „Low-Tech“, das heisst, am besten ohne elektronischen Schnickschnack! Erst neulich horchte ich in „Die große Objektivreihe“ von Krolop und Gerst rein, wo genau dieser Standpunkt von Anders Uschold vertreten wurde. Ich zitiere mal sinngemäß daraus: Wenn z.B.  für ein Fuji-Objektiv (so exzellent diese auch sind) in einer fiktiven Anzahl Jahren kein funktionierender Body zur Verfügung steht, ist es faktisch unbrauchbar. Das trifft sicher für die meisten „modernen“ Kamera-Systeme zu, und nicht nur da: Ebensowenig wird ein zeitgenössisches Automobil jemals ein „Oldtimer“ werden können.

Ultron

Leica M10-M mit 35mm Ultron.

Das alles vorausgeschickt, muss ich jetzt mal kurz einen Eimer Eiswasser über uns alle ausschütten und zu Protokoll geben: Leica ist nicht das Maß aller Dinge! Es gibt auch andere, die was können, und das auch noch für bedeutend weniger Geld. Durch die Beschäftigung mit Vintage-Objektiven letztes Jahr und im Februar, dann auch wegen Jörg-Peters „M-Files“ richtete sich mein Augenmerk auch auf das, was Zeiss oder Voigtländer so bieten.

Ultron

Leica M10-M mit dem 35mm Apo-Lanthar

Im März veröffentlichte Sean Reid (der zu meiner Standardlektüre gehört) ein Review über das 35mm Ultron asph. von Voigtländer, und das gab den Ausschlag. Ich war reif für eine neue 35mm Linse. Vor allem die Kompaktheit bei der optischen Leistung überzeugte mich. Im Kaufrausch nahm ich gleich das gerade neu erschienene 35mm Apo-Lanthar dazu, und zwar explizit für den Gebrauch an der M10 Monochrom. Irgendwie war das eine unbewusste Trotzreaktion auf das sündhaft teure 35mm Apo-Summicron. Dessen optische Eigenschaften sind zwar stellar, aber für das, was ich im realen Leben fotografiere (zumindest für mich), völlig „overkill“ und mir daher das Geld auch nicht wert.

Egal, was Leica-Marketing mir posthypnotisch eingeben will, wer hätte je erlebt, dass nicht das Motiv und die Bildaussage eines Fotos, sondern 80 Linienpaare pro Quadratmillimeter wichtig sind? Selbst der Vergleichstest, den ich (weiter unten im Beitrag) durchgeführt habe, bewegt sich schon auf einer Ebene, die für die praktische Fotografie geringe Bedeutung hat. Das Level, auf dem diese Optiken sich befinden, ist bereits so hoch, dass das Ergebnis vielleicht nur von akademischem Interesse ist.

Ultron

Leica M10 mit 35mm Ultron bei f/2 1/3000s ISO 200

Obwohl gerade eine neue Version des Ultron herausgekommen ist, nahm ich die vom optischen Aufbau identische klassische Variante. So kompakt es ist, darin sind 8 Linsen in 5 Gruppen verbaut, es hat 10 Blendenlamellen, 58cm Nahgrenze und die praktische Filtergröße von 39mm (häufig auch bei Leica). Das Apo-Lanthar braucht sein Volumen für 11 Linsen in 9 Gruppen, davon zwei doppelseitige aphärische Elemente, fünf mit anormaler Teildispersion und floating Elements zum fokussieren. 12 Blendenlamellen sorgen für’s Bokeh, Nahgrenze ist bei 0,5m und der Filterdurchmesser ist 49mm (wie bei der Leica Q oder dem 75mm Apo-Summicron).

Apo-Lanthar

Gegenlicht. Leica M10 mit 35mm Apo-Lanthar bei f/3.4 1/1500s ISO 200

Das kleine Ultron habe ich in den letzten Wochen an der M6, der M4 und der M10 im Einsatz gehabt und mittlerweile voll ins Herz geschlossen. Es fühlt sich ebenso hochwertig wie jedes Leica Objektiv an. Der Distanzring ist gerade richtig gedämpft, der Blendenring rastet sicher und mit dem richtigen Widerstand in halben Blendenstufen. Nun hatte ich ja auch das Apo-Lanthar, über das ich übrigens dasselbe sagen kann. Dessen optische „Performance“ ist dem Ultron naturgemäß überlegen. Es ist natürlich ungleich größer, auch verglichen mit dem 35mm Apo-Summicron, aber dafür bleibt bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis die Kirche im Dorf. Komischerweise sind bei Voigtländer die Preise für Gegenlichtblenden (die nicht zum Lieferumfang des Objektivs gehören) auf Leica-Niveau.

Apo-Lanthar

Leica M10 mit 35mm Apo-Lanthar bei f/2.4 1/1500s ISO 200

Sean Reid hat das Ultron mit dem klassischen Summicron und dem neuen Apo-Summicron verglichen. Details aussen vor hat natürlich das Apo-Summicron die beiden anderen „outperformed“, aber das Ultron ließ das Klassik-Summicron ziemlich alt aussehen. Ich fragte mich ernsthaft, ob ich dessen Ergebnisse zumindest zum Teil reproduzieren konnte. An einem regnerischen Tag letztes Wochenende nahm ich mir die Zeit, die vier 35mm Objektive, die mir zur Verfügung stehen (das 35mm Summaron nicht gezählt), miteinander zu vergleichen. Nun hatte ich nicht ganz den Ehrgeiz des seligen Erwin Puts und auch nicht vor, Sean Reids Test in jeder Hinsicht zu kopieren. Ich wollte einfach „die grobe Richtung“ sehen.

35mm Objektive

Nach Größe geordnet von links nach rechts: Apo-Lanthar, Summilux, Summicron und Ultron.

Also nahm ich die M10-M, die die höchste Auflösung bietet, platzierte sie auf einem Stativ vor einem Bücherregal, das ich mit „Testobjekten“ bestückte. Von jedem Objektiv fertigte ich eine Blendenreihe an, vom Summicron und Summilux zudem mit etwas Fokus-Brackteting, weil die leider unter Fokus-Shift leiden (der mich in der realen Welt noch nie gestört hat).

Ich erspare es mir (und dem Leser), sämtliche Aufnahmen zu präsentieren, stattdessen zeige ich die aussagekräftigen Bilder vom Zentrum und äußerer Bildecke bei  f/2, f/4 und  f/8. Die DNG’s sind aus LR, ohne irgendeine Bearbeitung (vor allem kein Nachschärfen), die Objektivprofile sind deaktiviert.

Testbild

Testbild im ganzen. M10-M, 35mm Apo Lanthar, 1/30s f/5.6 ISO 400

Zentrum bei f/2 bei 200% Vergrößerung in LR  (zur besseren Beurteilung anklicken)

Reihenfolge: Summicron - Ultron - Summilux - Apo-Lanthar

Reihenfolge: Summicron – Ultron – Summilux – Apo-Lanthar

Das Ultron ist bei f/2 deutlich besser als das vergleichsweise weiche Summicron, mindestens so gut wie das Summilux und getoppt wird alles noch vom Apo-Lanthar.

Bildecke unten rechts bei f/2,  200% Vergrößerung in LR

Reihenfolge: Summicron - Ultron - Summilux - Apo-Lanthar

Reihenfolge: Summicron – Ultron – Summilux – Apo-Lanthar

Off-Axis ist das Ultron bei f/2 ebenfalls besser als das Summicron. Das Summilux zeigt eine gute Leistung, wird aber vom Apo-Lanthar übertroffen.

Zentrum bei f/4

Reihenfolge: Summicron - Ultron - Summilux - Apo-Lanthar

Reihenfolge: Summicron – Ultron – Summilux – Apo-Lanthar

Bei f/4 ist der Unterschied zwischen Summicron und Ultron marginal, das Summilux ist besser als die beiden, aber das Apo-Lanthar setzt noch einen drauf.

Bildecke unten rechts bei f/4

Reihenfolge: Summicron - Ultron - Summilux - Apo-Lanthar

Reihenfolge: Summicron – Ultron – Summilux – Apo-Lanthar

Off-Axis ergibt sich die gleiche Bewertung

Zentrum bei f/8

Reihenfolge: Summicron - Ultron - Summilux - Apo-Lanthar

Reihenfolge: Summicron – Ultron – Summilux – Apo-Lanthar

Ab Blende f/5.6 legt das Ultron gegenüber dem Summicron weiter zu und erreicht die Auflösung des Summilux, das Apo-Lanthar bleibt unangefochten an der Spitze. Nach Blende f/8 setzt bei allen allmählich Diffraktion ein.

Bildecke unten rechts bei f/8

Reihenfolge: Summicron - Ultron - Summilux - Apo-Lanthar

Reihenfolge: Summicron – Ultron – Summilux – Apo-Lanthar

Off-Axis stellt sich die gleiche Rangfolge ein.

Ultron

Leica M10 mit 35mm Ultron bei f/2 1/4000s ISO 200

Apo-Lanthar

Leica M10 mit 35mm Apo-Lanthar bei f/2 1/1500s ISO 200

Dieser Versuch mit häuslichen Mitteln ist mit Sean Reids Ergebnis konsistent. Das Ultron zeigt eine erstaunliche Leistung, düpiert das Summicron (nicht nur bei der Auflösung, siehe dazu Sean Reids Review) und kommt auch dem Summilux ziemlich nah. Das Apo-Lanthar zeigt die beste Auflösung bei allen Blenden sowohl im Zentrum als auch Off-Axis. Ich vermute (Achtung, das ist eine unbewiesene Annahme!), dass es ebenfalls kein Problem mit Fokus-Shift hat und auch chromatische Aberration kein Thema ist (beides ist bei Summicron und Summilux durchaus vorhanden). Die Distortion ist bei allen vier Objektiven gering (wenn auch unterschiedlich ausgeprägt) und kann mit Hilfe von Objektivprofilen korrigiert werden (ist aber nicht notwendig).

Ultron

Leica M10 mit 35mm Ultron bei f/2.8 1/3000s ISO 200

Bei der Schlussfolgerung wird ein gewisses Maß an Diplomatie benötigt. Denn unterm Strich lässt das 35mm Ultron für gut 700 Euro das Summicron für 3100 Euro alt aussehen und kommt nah an das Summilux für 5000 Euro, das wiederum vom Apo-Lanthar für 1100 Euro übertroffen wird (natürlich bis auf die Lichtstärke). Es gibt gute Gründe, ein Leica-Objektiv zu wählen (da wäre noch der Werterhalt zu erwähnen), aber es gibt auch von Zeiss und Voigtländer Optiken, die sehr hohen Ansprüchen genügen. Sicher, manches aus deren Sortiment ist auch nur durchschnittlich, manches irgendwie „exzentrisch“ und wird wegen des besonderen Charakters geschätzt. Und hin und wieder kommt mal eins daher, das die Konkurrenz deklassiert. In Bezug auf das Ultron gerät man wirklich in Begründungsnot, warum man jemandem ein 35mm Leica-Objektiv empfehlen sollte.

Ultron

Leica M10 mit 35mm Ultron bei f/5.6 1/500s ISO 200

Das 35mm Ultron ist jedenfalls in kürzester Zeit zu meiner Lieblingslinse geworden. Es ist so wunderbar klein und kompakt, dabei braucht man nicht die geringsten Abstriche bei der Leistung zu machen. Da gibt’s nichts zu meckern. Das Apo-Lanthar kann mit seiner Dimension zwar nicht glänzen, dafür holt es das äußerste aus der M10 und M10-M heraus, wenn ich wirklich mal in Pixel-peeping-Wahn verfallen sollte.

Ultron

Leica M10 mit 35mm Ultron bei f/4.8 1/500s ISO 200

Comments

  1. Stefan
    1. Dezember 2021

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    Ein schöner Testbericht. Ich stehe gerade vor der Entscheidung Voigtländer Nokton 35 mm 1.4 MC oder Voigtländer Ultron 35 mm 2.0 II … die Möglichkeit offener fotografieren zu können mit dem Nokton sehe ich nicht wirklich als DEN Vorteil an. Die kleinere Nahstellstellgrenze beim Ultron fällt auch nicht soo ins Gewicht (sind ja nur 12 cm). Preislich ist das Nokton günstiger zu haben … hmm, so richtig ist die Entscheidung da noch nicht gefallen.

    Andere Objektive kommen leider preislich derzeit nicht in Frage (z.B. Summarit 35 mm 2.4 oder 2.5). Vorhanden ist ein 7Artisans 35 mm 2.0. Das ist zu dem Preis okay. So richtig warm geworden bin ich mit dem Objektiv jedoch nicht.

    Wie seht ihr das? Nokton 1.4 oder das Ultron 2.0? Ich fotografiere übrigens mit der M10-R und der M3. Menschen drinnen und draußen, Landschaften und alles was mir gefällt. Ich würde mich über eure Gedanken und Tipps freuen! Danke und schöne Grüße.

  2. Thomas
    17. Mai 2021

    Leave a Reply

    Hallo Claus,
    leider habe ich mein Cron 50 V verkauft und sofort das VM 50 Apo Lanthar besorgt. Die ersten Bilder überzeugten mich leider nicht so, dass es mein „immer drauf“ wird. Die CA sind mir gleich aufgefallen- (auch bei deinen Bilder).
    Ich machte vielleicht 10 Bilder in 3 Monate bis es bei einen Bild im grauen Frühling alles rosa war. Die Äste der Bäume zum faden Himmelgrau war alles rosa. In LR ( alte Version6) nicht wegzubekommen. Ok- zurück zum Händler mit Rücknahme- was natürlich nicht mehr ging. Also Garantie und Austausch auf ein neues- Bis jetzt ohne Erfolg.
    Momentan bin ich geheilt von den Voigtländer – so das ich sogar meine M240 hergeben möchte.
    LG Thomas

    • Claus Sassenberg
      17. Mai 2021

      Leave a Reply

      Hallo Thomas,

      das mit dem 50er Apo-Lanthar ist natürlich Pech, vor allem, wenn du das Summicron verkauft hast. Dazu kann ich nichts sagen, ich kenne das 50er nicht. Allerdings ist die Chromatische Abberration kein grundsätzliches Problem bei Voigtländer. Das gibt’s bei Leica auch reichlich. Übrigens ist CA nur sehr schwach in dem einen Bild, in dem auch Falko das beobachtet hat, vertreten, sonst gar nicht. Und wie ich schon sagte, das war mit der schwächsten Einstellung in LR zu beseitigen (das kenne ich auch von manchen Leica-Objektiven anders).

      In Sean Reids Vergleich mit dem Summicron zeigt sich z.B. ganz klar, dass das Ultron nur bei voller Öffnung im Zentrum ganz geringfügig CA aufweist, was dann völlig verschwindet. Off axis ist gar nichts, im krassen Gegensatz zum 35er Summicron, das starke CA im Zentrum und in den Ecken zeigt.

      Ich halte es also für problematisch, Voigtländer in Bausch und Bogen zu verurteilen. Manche Objektive sind nicht gut, aber das kann man nicht einfach pauschalisieren. Ich habe keine Aktien bei Voigtländer, aber sowohl das Ultron als auch das Apo-Lanthar sehe ich nicht als Fehlkauf an, im Gegenteil. Ich finde es ganz gut, dass es sowohl bei Zeiss als auch bei Voigtländer Alternativen zu Leica gibt. Man muss sie nur finden.

      Insgesamt solltest du dich von der ganzen Sache nicht so sehr frustrieren lassen, dass du gleich das ganze System verlassen willst, die Kamera kann definitiv nichts dafür. Wenn du beim Objektivkauf auf Nummer sicher gehen willst, aber doch finanziell gewisse Grenzen eingehalten werden sollen, dann schau dich mal bei den (gebrauchten) Summariten um. Alles sehr gute Optiken.

      Kopf hoch und viele Grüße,

      Claus

  3. Falko
    14. Mai 2021

    Leave a Reply

    Hallo Claus,
    Du schreibst zum Apo-Lanthar: „Ich vermute (Achtung, das ist eine unbewiesene Annahme!), dass es ebenfalls kein Problem mit Fokus-Shift hat und auch chromatische Aberration kein Thema ist (beides ist bei Summicron und Summilux durchaus vorhanden).“
    In dem schönen, stimmungsvollen Bild genau Nebendran erkenne ich aber trotz der geringen Auflösung eben chromatische Aberration wie ich sie auch von meinem Summilux kenne?
    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Das Apo-Lanthar ist sehr interessant, wäre mir aber zu groß.

    BG Falko

    • Claus Sassenberg
      14. Mai 2021

      Leave a Reply

      Hallo Falko,

      richtig beobachtet, in den feinen Ästen am oberen Bildrand rechts findet sich leichtes „purple fringing“. Meine Formulierung, dass chromatische Aberration „vermutlich kein Thema“ ist, war bewußt schwammig ausgedrückt, weil ich diesen Umstand ja gar nicht unter die Lupe genommen hatte (im wahrsten Sinn des Wortes).

      Ich kann aber sagen, dass die chromatische Aberration schwächer ist als bei dem Summilux bei Blende f/2 (denn das war der Blendenwert bei dieser Aufnahme). Der lila Rand lässt sich in Lightroom mit einer ganz geringen Sliderbewegung unter „Objektivkorrekturen/Manuell“ beseitigen (es ist bereits bei „Intensität“ Wert 1 verschwunden). Das geht beim Summilux natürlich auch (aber da muss man höhere Intensität anwenden). In diesem Fall hatte ich mir die Mühe nicht gemacht, ich wollte die Bilder nicht so stark bearbeiten, die Objektivkorrekturen sind „off“. Zumal es für das Apo-Lanthar noch gar kein LR-Profil gibt.

      Wegen der Größe: Kann deinen Standpunkt absolut verstehen, zumal ich da ja in Punkto „Kompaktheit der Ausrüstung“ auch einen gewissen Fanatismus entwickelt habe (weshalb ich speziell das Ultron so attraktiv finde). Allerdings relativiert sich der Umstand, wenn man sowieso nur ein Objektiv dabei hat. Bin z.B. eben von einer Radtour zurückgekehrt, wo ich es vor der M10-M hatte (und nichts anderes dabei). Störte kein bisschen.

      Und es geht mir ja auch nicht darum, das Summilux schlecht zu machen, im Gegenteil, es hat mir bei -zig Events extrem gute Bilder geliefert. Aber es gibt schliesslich Fotofreunde, die vielleicht nicht 5000 Euro ausgeben können, da wird das Apo-Lanthar mit seiner Leistung interessant (trotz der Größe).

      Ich persönlich bin momentan mehr auf dem „Ultron-Trip“ 😉

      Viele Grüße und vielen Dank für den konstruktiven Beitrag,

      Claus

  4. henning
    12. Mai 2021

    Leave a Reply

    Hallo Dirk,
    Hallo Claus,
    ich nutze das Color Heliar 75 mm. Auch dieses finde ich recht weich und für mich fühlt es sich an wie eine 90% Linse. Das reicht mir nicht. Der große Vorteil ist dass es so schön klein ist. In der Nutzung mit analog eine tolle Linse. Digital finde ich das Summarit besser (das Apo-Summicron lasse ich mal außen vor). Als was benutzt Du denn das Nokton hauptsächlich? Als Portraitlinse? Ich gestehe ich bin ein Vintagefan undbevorzuge deswegen andere Gläser mit moderner Linsenrechnung.
    @Claus: ich Danke Dir, für diesen tollen Bericht. In diversen Foren habe ich Kritik gegenüber dem King of Bokeh (mag den Ausdruck nicht) geübt und geäußert das ich das Apo-Lanthar vorziehen würde. Oh je, hätte ich es bloß nicht gemacht. Anderes Thema. Ich fühle mich durch Dich bestätigt.

    • Claus Sassenberg
      13. Mai 2021

      Leave a Reply

      Guten Morgen Henning,

      es gibt leider immer Zeitgenossen, die kompromisslos nur ihre eigene Meinung gelten lassen. Ich habe hier schon Lack gekriegt für Sachen, die ich nicht mal selbst geschrieben habe, z.B. als Mike mal hier einen Gastartikel eingestellt hat über die Gründe, warum er sich von seiner SL (zu groß, zu schwer) getrennt hat. Das wurde nicht gern gehört. Sekundanten, im Morgengrauen am Weserufer, Wahl der Waffen nach belieben, Säbel oder Pistolen. In der Art. 😉

      Viele Grüße,

      Claus

    • Dirk
      17. Mai 2021

      Leave a Reply

      Hallo Henning,
      ich hatte mir das 75mm Nokton als leichte Telebrennweite angeschafft. Es sollte Portraits können (kann es super, auch wenn die Tiefenschärfe weit offen, f/1.5, naturgemäß die gefühlte Dicke einer Rasierklinge hat) und es sollte auch Landschaft können. Und genau das kann es aus meiner Sicht nicht wirklich. Die Bilder wirken alle so, als wären sie ein bißchen unscharf, ohne es tatsächlich zu sein. Mir fällt es schwer, das zu beschreiben. Ich habe es in der Bucht zum Verkauf eingestellt und mir ein gebrauchtes 75mm Summarit 2.4 gegönnt. Das Teil spielt in einer anderen Liga, nur kann es nicht f/1.5. Es ist scharf, es rendert an der M10 super Farben und kostet keine Unsummen.

      LG Dirk

  5. Jörg-Peter Rau
    10. Mai 2021

    Leave a Reply

    Lieber Claus,
    ich glaube, da hast Du einen sehr guten Fang gemacht. Ich hatte bei meinen Recherchen für die „M-Files“ ja auch zwei Voigtländer-35er in der Mache (https://www.messsucherwelt.com/die-m-files-teil-6-der-messsucher-sonderling-die-bessa-t/ und https://www.messsucherwelt.com/die-m-files-teil-2-die-bessa-r4m/). Ich hatte mich bewusst für das 1.4er und das Pancake entschieden, aber es war nicht leicht, das Ultron rauszulassen. Umso besser, dass Du die Lücke jetzt schließt.
    Ja, es lohnt sich, auch mal links und rechts der Leica-Welt die Augen offen zu halten. Viele der Objektive, die da angeboten werden, sind vielleicht nicht perfekt, aber für viele Anwendungen gut genug. Die Voigtländers und Zeiss-ZM-Objektive haben einen großen Anteil daran, dass die Messsucherwelt auch noch ein Tummeplatz für Leute ist, die aktiv fotografieren wollen und nicht ausschließlich sammeln. Insofern sind die Bemühungen der anderen Hersteller echt verdienstvoll.
    Demnächst kommt nochmals ein Artikel von mir zu dem Thema, der diese Gedanken nochmals abrundet.
    Viel Spaß allen beim Fotografieren!
    Jörg-Peter

  6. Dietmar Grünter
    10. Mai 2021

    Leave a Reply

    Hallo Herr Sassenberg,
    leider hat Leica in den letzten Jahren viele Ausnahme Objektive auf den Markt gebracht die oft völlig Overkill sind oder eben nicht mehr bezahlbar…
    Ich überlege schon länger ob ich das neue 50er Apo- Lanthar kaufe weil auch gebrauchte Leica Objektive sehr hoch gehandelt werden. Ihr Test hat jedenfalls gezeigt, dass für die „normale“ Fotografie durchaus sehr interessante Optiken am Markt verfügbar und bezahlbar sind! Warum also nicht auch mal ein Objektiv kaufen ohne zweijährige Lieferzeiten und ohne das Gefühl einen Kleinwagen zu bestellen;)
    Ich bin jedenfalls mal wieder sehr Dankbar für Ihre ehrliche Recherche!
    Gruß aus Wassenberg Dietmar Grünter

  7. Dirk
    9. Mai 2021

    Leave a Reply

    Lieber Claus,
    vielen Dank für diesen tollen Vergleich der verschiedenen Möglichkeiten im Bereich 35mm. Glücklicherweise habe ich „nur“ das Summicron und bin damit von der Auswahl erlöst.
    In meinem Besitz ist noch das 75mm Nokton von Voigtländer. Zu dem kann ich hier nur sagen, daß es bis 3m richtig gut ist. Aber immer wenn ich es als kurze Telebrennweite benutzt habe, war ich von den Bildern enttäuscht. Sie wirkten alle leicht matschig, obwohl f/8 verwendet wurde. Daher rührt auch mein Entschluß, mich von dem Objektiv zu trennen. Schönes Bokeh aber nur bis 3m Entfernung ist einfach nicht genug, um einen festen Platz in der Fototasche zu bekommen. Diese Aussage mache ich allerdings nur für die M10. Wie es auf Film aussieht, kann ich nicht sagen.

    Liebe Grüße
    Dirk
    p.s. Das 21mm Nokton konnte ich nachts noch nicht richtig probieren, weil einfach die Gelegenheit gefehlt hat. Ich fürchte allerdings, daß der Farbstich an den Seiten auch nachts vorhanden sein wird.

    • Claus Sassenberg
      9. Mai 2021

      Leave a Reply

      Lieber Dirk,

      ich kenne das 75er Nokton nicht, aber das klingt nicht so gut. Eigentlich finde ich die 75er Brennweite recht anziehend (habe ich öfter als Zweitlinse zur Ergänzung eines 28er oder 35er Objektivs dabei). Ich habe allerdings seit langem das 75er Apo-Summicron und dass ist eine Super-Optik, ziemlich nah verwandt mit dem 50er Summilux asph.

      Das 75er Summarit ist bestimmt auch spitze (wenn man es noch bekommen kann).

      Wegen der Farbverschiebung im Randbereich bei den starken Weitwinkeln: Kennst du Cornerfix? Habe ich beim 12mm Ultra Wide Heliar auch mit Erfolg angewendet.

      Schöne Grüße,

      Claus

  8. Philipp
    9. Mai 2021

    Leave a Reply

    Guten Morgen,

    Der Beitrag hat mir große Freude gemacht. Das Ergebnis erstaunt mich nicht. Seit ich vorwiegend die Leica CL einsetze bin ich ein Fan der VLs geworden. Da ist die früher berüchtigte Schwäche in den Ecken ja kein Thema. Und sie sind so schön klein! Mein Lastesel ist das winzige 35/2.5 Color Skopar. Zum Thema Verarbeitung: letzte Woche habe ich Trottel das Schätzchen bei einer Tour auf dem Autodach gelassen, nach dem Bremsen für ein neues Motiv fand ich den Objektivdeckel auf dem Feldweg, den Rückdeckel zwischen Windschutzscheibe und Scheibenwischer und das Objektiv ein paar Meter weiter im nassen Gras des Straßengrabens. Es funktioniert noch immer tadellos. Einige VLs sind digital nicht brauchbar, das 21/4.0 musste ich durch das deutlich teurere 21/3.5 ersetzen. Das ist ein grundsolides und präzises Objektiv. Am Montag kommt das 35/1.4, das eher ein CharakterObjektiv ist und Ende Mai werde ich mir das 28 Ultron ansehen. Zeiss hat seine Objektive leider keiner echten Modernisierung unterzogen (arbeiten wohl eher für Sony) und auch bei Leica würde ich mir ein substantielles Update der Arbeitstiere wünschen.
    Der Artikel war ein schöner Einstieg in einen strahlenden Sonntag.
    Philipp

  9. Holger
    8. Mai 2021

    Leave a Reply

    Hallo Claus,
    ein interessanter Test. Ich hätte nicht gedacht, dass das Summicron asph. im Vergleich das schlechteste ist. Wobei ich sagen muss, dass für mich das Summicron IV der Boke-König immer voll ausreichend war.
    Viele Grüße
    Holger

    • Claus Sassenberg
      8. Mai 2021

      Leave a Reply

      Hallo Holger,

      ich hätte das mit dem Summicron auch nicht erwartet, aber das zeigt nur, dass dieses Pixel-Peeping von zweifelhafter Relevanz für die Praxis ist. Kein Grund, die Summicrons in Ruhestand zu schicken.

      Viele Grüße,

      Claus

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