Zwei Augen sehen mehr als eines – die Rolleiflex, Teil 1.

Zwei Augen sehen mehr als eines – die Rolleiflex, Teil 1.

Kommentare

  
  1. AvatarHolger sagt:

    Hallo Claus,
    ich habe vor einigen Wochen Deinen blog im Internet entdeckt und mir einen link gesetzt. Ich habe viele interessante Beiträge von Dir gefunden u.a. zu Leicas, Balgenkameras und nun zur 2-äugigen Rolleiflex. Ich schaue immer wieder gerne bei Dir vorbei. Der Beitrag zur 2-äugigen Rolleiflex spricht mir aus dem Herzen. Ich bin in den 60er Jahren aufgewachsen und habe durch meinen Vater früh Kameras u.a. Box und Balgenkameras mit Rollfilm in den Händen gehabt. Da ich in Hannover geboren bin und meine Eltern aus Braunschweig stammten waren wir auch oft in Braunschweig. In den Fotogeschäften dort standen damals häufig die Rolleiflexen, aber das war ein unerfüllbarer Traum für ein Schulkind, aber reizvoll. Dass in Braunschweig in der Salzdahlumer Straße die Rolleiflexen gebaut wurden wusste ich damals schon. In den 70ern bekam ich von unserer Bücherei das ausgemusterte grüne Rolleiflex-Buch, was mich sehr freute. 1975 kaufte ich mir vom Ferienjob-Geld eine neue Yashica Mat 124G für 400.- DM. Ich hätte lieber eine Rolleiflex T gehabt, aber die kostete ca. 1100.- DM und selbst die Rolleicord Vb kostete fast 800.- DM. Als Schüler muss man Kompromisse eingehen. Die Yashica machte gute Bilder und sie benötigte über 45 Jahre hinweg keine Wartung. Natürlich reizte eine Rollei und das Tessar mich mehr als die Japanerin. So kaufte ich mir in den 80ern einen Rolleiflex Automat von 1949 in schönem Zustand, den ich heute noch habe. Auch diese Rollei brauchte in den letzten 35 Jahren keine Wartung und funktioniert. Anfang der 90er kitzelte mir die 2,8F mit dem Planar in der Nase. Ich bekam eine gute gebrauchte und ließ sie sofort in Braunschweig warten. Auch sie funktioniert seitdem ohne Probleme. Letzes Jahr erbte ich eine 2äugige Seagull, die habe ich etwas justiert und dann weiterverkauft. Als Ersatz habe ich mir bei e… Kleinanzeigen eine schöne Rolleicord Vb mit dem Xenar geholt. Obwohl in schönen Zustand und nicht billig benötigte diese eine Wartung. Die Rolleicord habe ich zu Gerald Wiener in München geschickt. Er hat wie immer sehr gute Arbeit gemacht und die Rolleicord ist nun top. Demnächst werde ich sie mit Film probieren. Zur Zeit bin ich in die Rolleicord mehr verliebt als in die Rolleiflex 2,8F. Die Rolleicord ist hochwertig, aber leichter, das Objektiv gut, im Grunde fehlt nichts . Hier stimmt das Preis- Leistungsverhältnis.
    Ja die zweiäugigen Rolleis faszinieren mich noch heute. Wenn ich 120er Rollfilm-Negative in der Hand habe und ein 6×6 oder 6×9 Negativ mit der Lupe ansehe, geht mir noch heute das Herz auf. Ich würde es so sehen Analog ist für mich Jugend und Leidenschaft, digital ist Vernunft.
    Viele Grüße und bleibt gesund
    Holger

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Holger,

      es freut mich, dass ein so “eingefleischter” und erfahrener TLR-Profi wie du bei mir “vorbeischaut”. Ich bin ja nun ganz frisch in der doppeläugigen Welt unterwegs. Und bei der Anziehungskraft der analogen Fotografie geht es mir wie dir, auch ich bin damit groß geworden. “Analog ist Jugend und Leidenschaft, digital ist Vernunft” ist übrigens sehr philosophisch und wahr. Müßte ich eigentlich noch in den Artikel “Analog?” einfügen!

      Viele Grüße, viel Freude weiterhin mit den TLR’s (und insbesondere der Rolleicord),

      Claus

  2. AvatarKai sagt:

    Lieber Claus,
    Andreas Feininger war auch so ein Kandidat, der sowohl mit einer Rolleiflex wie auch mit der Leica fotografierte. Ich hatte vor wenigen Jahren eine großartige Ausstellung von ihm in Kiel gesehen, die TLR gehörte wie die Leica dazu.
    Es scheint mir immer wieder, auch aus eigener Erfahrung, diese beiden Kameras gehören irgendwie zusammen.
    Vor einigen Jahren habe ich unsere Nordkap-Tour mit der Rolleiflex fotografiert, die Dias haben eine unwiderstehliche Strahlkraft. Durch den Lichtschacht schaut man die Umgebung ganz anders. Und in meinen Augen gibt es keine bessere Kamera, um kleine Kinder zu portraitieren. Mit solchen Portraits hatte ich sogar mal eine eigene Ausstellung.
    Ich hatte eigentlich nie Probleme ohne Sonnenblende, da war ich ganz überrascht.
    Eigentlich brauchst Du, zumindest fürs Wohnzimmer, jetzt noch ein echtes Berlebach -Stativ, denn diese Kamera ist ein echtes Schmuckstück.
    Und ganz unbedingt solltest Du Euren nächsten Urlaub auf Åland planen. Dort gibt es die größte fototechnische Sammlung Nord-Europas. Und mit Deinen schwedischen Sprachkenntnissen würde Dir von Ole und seiner Frau genug Kaffee nachgeschenkt, weil Ihr aus dem gegenseitigen Schwärmen nicht mehr heraus kommt.
    Ja, irgendwann werde ich auch wieder so eine Box haben, die einem so bewusst macht, wie man einfach unbeschreibliche Bilder alleine mit Zeit und Blende machen kann….

    Lieber Gruß

    Kai

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Das Andreas Feininger auch im TLR-Club ist, war mir nicht gewärtig! Ich habe immer sofort dieses Wolkenbild von der Route 66 vor Augen (keine Ahnung, warum). Jedenfalls habe ich noch mal rasch gegoogelt und dabei ein wunderbares Zitat von ihm entdeckt, dass ich unbedingt einem meiner Beiträge voraus stellen muss:

      „Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.“

      – Andreas Feininger

      Fast alle Bilder mit der Rolleiflex im Beitrag sind ohne Sonnenblende gemacht, die habe ich erst später bekommen. Vermutlich ist sie nur bei bestimmtem Lichteinfall von Bedeutung.

      Und … (seufz!) mal sehen, wann wir wieder reisen können. Åland wäre sicher toll.

      Viele Grüße,

      Claus

  3. Lieber Claus,

    wieder einmal ein interessanter Artikel mit schönen Bildern. Auch wenn ich viel zu selten damit fotografiere, mag ich Lichtschachtkameras. In der inszenierten Personenfotografie liegt der Bildschwerpunkt tiefer. Und das praktischerweise ohne dass man sich bücken muss. Darüber hinaus strahlt die Arbeitsweise mit diesen Kameras auch eine gewisse Ruhe auf den Gegenüber aus, wenn man bei der Bildgestaltung nach unten blickt. Zumindest kommt es mir so vor.

    Ich nutze eine Hasselblad 500C. Dass diese so viel klobiger sein soll, als eine TLR, hätte ich nicht gedacht. Der Auslösevorgang der Hasselblad ist relativ prägnant und stört mich etwas. Darüber hinaus ist das der Lichtschachtsucher für meinen Geschmack etwas dunkel. Welche Erfahrungen hast Du diesbezüglich mit der Rollei im Vergleich zur Hasselblad gemacht?

    Weiterhin viel Freude mit der Rollei und beste Grüße,
    Thomas Berlin

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Lieber Thomas,

      mit der Wirkung der Arbeitsweise des Fotografen und der dabei benutzten “Hardware” auf das “Model” (ausser bei professionellen, die das wahrscheinlich nicht kratzt) hast du sicher recht. Eine “Retro”-Kamera wirkt bekanntermaßen auch weniger bedrohlich. Und der Blick nach unten in den Sucher vermittelt dem oder der Modell Sitzenden das Gefühl, nicht unmittelbar fixiert zu werden.

      Eine Hassi ist wirklich schwerer und klotziger. Vom Auslösegeräusch ganz zu schweigen, wenn der Spiegel hochklappt und der Hilfsauslöser aufgeht, klingt es, als wenn Möbel umstürzen. Trotzdem ist die Hasselblad eine Super Kamera! Ich würde meine nicht hergeben. Und Wechselmagazine sind ein Riesenvorteil bei dem System. Von der Qualität der Objektive ganz zu schweigen.

      Ich vermute, dass du in deiner Hasselblad noch eine “alte” Standard Mattscheibe hast, die Ende der 80er Jahre durch “Acute Matte” Mattscheiben ersetzt wurden (so eine habe ich). Die sind viel heller. Die in meiner Rolleiflex ist ebenso hell. Infos zu den Hasselblad Mattscheiben (und mehr) findest du hier.

      Schönen Sonntag, viele Grüße,

      Claus

  4. AvatarMartin sagt:

    Lieber Claus,

    die aktuellen gegenwärtigen Umstände werfen uns auf uns selbst zurück, bringen Ruhe in den Alltag und wollen erlebt werden. So wirst Du sicherlich wunderbare Spaziergänge in näher Umgebung erlebt haben, wie es sonst so wohl nicht oft möglich ist. Ein Einlassen auf die neue Kamera dürfte so einen deutlichen Mehrwert an Aufmerksamkeit in erlebten gegenwärtigen Situation sein.

    Die Aufnahmen empfinde ich als sehr “warm”, “ausgeglichen” und “ruhig”. Sie sprechen mich sehr an. Eine wunderschöne Gegend an der Weser.

    Auch wir geniessen die Veränderten Zeiten entsprechend an Donau und vorderem Bayerischen Wald in ausgedehnten Spaziergängen. Ein vollkommen neues Erlebnis von Ruhe und Einlassen. Das Fotografieren hat für mich aktuell einen deutlichen Mehrgewinn. Viel Bekanntes wirkt anders und wird verändert wahrgenommen.

    Rolleiflex: An solch eine Rollei hat ich auch schon immer gedacht. Gerne würde ich damit mal Erfahrungen machen wollen. Jedoch liebe auch die Reduziertheit im Besitz meiner M-P mit wenigen Objektiven als einzige Kamera. Ich kann mich vollends darauf einlassen. Mittlerweile im fünftem Jahr.

    So wünsche ich Dir weiterhin viel Freude mit Deiner Rolleiflex.

    Herzliche Grüße,
    Martin

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Lieber Martin,

      es ist in diesen Zeiten ein Privileg, wenn man wie du und ich in schönen Gegenden wohnt. Mit einer Kamera und wenig Ballast ist man nicht limitiert, sondern eher befreit, vor allem, wenn man mit seinem Werkzeug seit Jahren vertraut ist. Und bei jeder Leica, sei sie analog oder digital, geht mir das genauso. Das Gefühl der Kamera in der Hand ist sofort vertraut, man weiß exakt, was man damit anstellen kann (und was nicht).

      Dabei treibt mich auf jeden Fall noch die Neugier, darum immer wieder diese “Ausflüge” mit z.T. völlig anderen technischen Lösungen. Aber ich finde es ungeheuer spannend, wie man mit Vintage-Kameras arbeitet und welche “Entdeckungen” man damit macht.

      Viele Grüße und schönen Sonntag (unsere Familienwanderung heute steht schon fest),

      Claus

      • AvatarMartin sagt:

        … und wir sind gerade von einem zwei Stunden dauernden Ausflug zurück. Meine Frau holt gerade die Brötchen und dann wird gefrühstückt.

        Viele Grüße und eine schöne Familienwanderung wünscht,

        Martin

  5. AvatarJuna sagt:

    Als ich damals eine Rolleiflex geschenkt bekam, war die technische Präzision eine Erleuchtung für mich. Ich habe eine Rolleiflex Automat, also ein deutlich älteres Modell. Inzwischen gibt es auch eine Hassi, die sehr geliebt wird. Doch beide Kameras haben ihre Zeiten und Orte. Die Rolleiflex ist z.B. meine Museumskamera, da sie wirklich ausgesprochen diskret arbeitet – auch, wenn man mit einem Zweilinser noch seltsamer angesehen wird. Inzwischen wohnt hier auch eine Babyrolleiflex, die ob ihrer sehr sehr handlichen Größe die Idealkamera wäre, wären da nicht die Filme…Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf Teil II und die angekündigte Lösung.

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Die Rolleiflex ist sicher ein “Hingucker” und manchmal entwickeln sich daraus interessante Gespräche!

      Als “Museumskamera” ideal, leuchtet ebenfalls sofort ein. Für mich wäre sie auch eine schöne “klassisches-Konzert-Kamera” (wenn’s mal wieder welche gibt…).

      Der 127 Rollfilm für die Baby-Rolleiflex ist wirklich schwer zu bekommen, obwohl es bei Fotoimpex welche gibt. Sind natürlich im Vergleich zum 120er sehr teuer.

      Viel Freude mit den Mittelformat-Kameras!

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