Skurriler, metaphysischer Titel? (Und sorry, Milan Kundera) Passt aber zur Kamera. Das „ein-Jahres-Jubiläum“ mit der Leica Q3 ist während meines frühen Sommerurlaubs im Juni verstrichen. Und ein Jahr Q3 bedeutet insgesamt neun Jahre Leica Q-Konzept. Denn die grundsätzliche Bedienung ist seit der ersten Q (Typ 116) zum Glück nicht angetastet worden. Ebensowenig wie das Objektiv. Unfassbar, wie gut die Optik schon damals war, um heute noch locker mit 60MP der Leica Q3 klar zu kommen. Die grundsätzlichen Tugenden der Leica Q werden in diesem Artikel anlässlich des 5-jährigen Jubiläums aufgezählt.

Leica Q3
Ostwestfalen. Leica Q3 bei f/5.6 1/125s ISO 100

Die ersten Wochen mit der Leica Q3

Leica Q3
Ein lauer Mai-Abend am Prinzipalmarkt in Münster. Leica Q3 bei f/1.7 1/50s ISO 640

Dabei hatte ich, bevor ich die Q3 letztes Jahr Ende Mai bekam, das ganze Jahr davor ohne irgendeine Q verbracht. Und so gern ich mit einer M fotografiere, habe ich in der Zeit gemerkt, das mir eine Q fehlt (Claudia: Ein Leben ohne Q ist möglich, aber sinnlos!). Ich wollte aber auf die 3er-Version warten, das hat sich dann auch gelohnt. Man könnte sagen, sie „kam, sah und siegte“. Zumindest für mich. Wie immer gab es am Anfang bei einigen Geräten Probleme mit der Software, die Kamera liess sich nicht ausschalten oder fror im Wiedergabemodus ein. Hmmm, einfrieren… alte Leica Tradition. Bei der M11 scheint die Software ja von Käpt’n Iglu entwickelt worden zu sein.

Leica lieferte ein FW-Update (1.3.0) im August (vorher war noch 1.2.0), das das Problem offenbar behob, denn seither hörte man nichts davon. Ein zweites Update (2.0.1) kam im Januar dieses Jahres mit einigen Verbesserungen der Kamerafunktionen insgesamt und ein drittes im Mai (2.0.3), weil es halt noch „glitches“ beim Startup in der FW gab. Wie erwähnt, mein Exemplar hat nie herum gekaspert, mein Eindruck war, dass die Kamera ohne Fehl und Tadel war.

Leica Q3
Skifahren mit den Nichten an einem wunderschönen Tag. Mit der Q3 kann man auch während der Fahrt Fotos machen. Aber den elektronischen Verschluss abschalten! Leica Q3 bei f/7.1 1/1250s ISO 100

Jono (Slack) hatte bei der Markteinführung im Mai 23 einen Artikel über alle Neuerungen der Q3 verfasst, der auch auf der Messsucherwelt erschien. Immer eine lohnende Lektüre. So war ich bestens vorbereitet und hatte auch ziemlich schnell Gelegenheit, die „Neue“ zu testen, vor allem bei weniger idealen Licht. Innerhalb weniger Tage hatte ich Material für ein „Hands On“ zusammen, dessen Inhalt weiterhin Relevanz hat. Insbesondere: Vorsicht bei Funktionen, denen ein kleines „i“ voran steht und ISO 50 ist ein Pull-Wert!

Leica Q3
Steinerne Brücke in Regensburg. Leica Q3 bei f/4 1/2500s ISO 100

Im August letzten Jahres war noch ein Artikel fällig. Es gibt Empfehlungen (selbst von Leica), bei Low-Light ggf. die Auflösung der DNG’s von 60 auf 36 oder 18MP zu reduzieren, weil dies ein besseres Signal/Rauschen-Verhältnis ergibt. Aus bestimmten Gründen, die ich in dem Artikel darlege, ist das keine gute Idee.

Leica Q3
Als ich die Q3 erst ein paar Tage hatte, testete ich die Low-Light-Fähigkeiten in Herford, wo gerade das Hoeker-Fest war. Leica Q3 bei f/1.7 1/500 ISO 100

Einen Bugfix gab es noch, aber der betraf mehr die Bildbearbeitungsprogramme. Aus irgendeinem Grund wurden die numerischen Werte des Weissabgleichs in den Programmen, abweichend von der Kamera, viel zu hoch angezeigt (der Abgleich in sich stimmte). Adobe korrigierte das irgendwann im Dezember, die anderen zogen vermutlich nach.

Leica Q3
Spätnachmittags beim Skifahren in Obertauern. Leica Q3 bei f/6.3 1/1600s ISO 100

Die Leica Q3 im Gebrauch über das ganze Jahr (mit Unterpunkten)

Nach den ersten drei Monaten war also glasklar, was ich von der Kamera verlangen konnte und was nicht, oder welche Einstellungen für mich je nach Lichtbedingungen in Frage kamen. Den Herbsturlaub auf Korsika fotografierte ich ausschliesslich mit der Q3, wo sie ihrem Anspruch auf die ideale Reisekamera gerecht wurde. Diese Aufgabe ist eine ihrer wichtigsten Stärken und ich geniesse die Leichtigkeit, ohne sperrige Ausrüstung nur mit einer einzigen Kamera eine großen Zahl an Aufnahme-Situationen abzudecken. Auch im letzten Urlaub (jetzt im Juni, von dem ein Reisebericht folgen wird) war sie zu 90% die Kamera, die ich dabei hatte. Und 90% statt 100% nur deswegen, weil ich manchmal einfach Lust habe, mit einer M unterwegs zu sein.

Leica Q
Ton Koopmann und das Amsterdam Baroque Orchestra. Orchestersuite Nr.2 h-Moll. Leica Q3 bei f/1.7 1/50s ISO 160

Von allen Q’s ,die ich hatte, ist die Versuchung bei der Leica Q3 am stärksten, die M-(10, oder 11) zuhause zu lassen, wenn nicht ganz spezifische Motive eine Systemkamera erfordern. Wenn es darum geht, eine Kamera für alles Unvorhersehbare dabei zu haben, fällt meine Wahl unweigerlich auf die Q3. Dass einem was begegnet, bei dem die Kompakte überfordert ist, ist selten, sehr selten… das es etwas ist, wo möglicherweise die M noch etwas besser gewesen wäre, kommt vor… aber die beste Kamera ist halt die, die man dabei hat. Und die Q3 ist „all in one“. Mehr Flexibilität, als wenn ich , sagen wir, die M11 mit einem 35er oder 28er Objektiv schnappen würde. Obwohl ich das auch gern tue, aber dann habe ich andere Zielsetzungen. Für das meiste „Zuhause“, was so zwischen Urlauben oder besonderen Events passiert, nehme ich die Q3, weil fotografieren dann Nebensache sein soll. Eine Q ist ja kein Taschenformat, aber dennoch hänge ich mir lieber die Kamera um, als zum Handy zu greifen. Das sehen viele sicher anders.

Leica Q3
Bachfest in der Apostelkirche. Wo andere Handy-Bilder machen, habe ich lieber die Q3 dabei und komme so auch als einfacher Besucher zu qualitativ hochwertigen Erinnerungs-Bildern an eine denkwürdige Veranstaltung. Ich habe selten Werke von Bach mit dieser Perfektion aufgeführt gehört. Leica Q3 bei f/1.7 1/50s ISO 250

Auflösung und digitaler Zoom

Leica Q3
Porträt mit Alpenlandschaft in der Brille. Bildausschnitt noch kleiner als der 90mm Sucherrahmen. Leica Q3 bei f/7.1  1/1600s  ISO 100

Bis vor wenigen Jahren war z.B. digitaler Zoom eher etwas, worüber man die Nase rümpfte wie über vergammelten Fisch. Die Leica Q3 macht das mit ihren Sucherrahmen jetzt gesellschaftsfähig. Ich hätte nie (von mir) gedacht, dass ich so etwas ohne Skrupel einsetzen würde. Klar, ich kann mit dem 50er Rahmen nicht ein „echtes“ weit offenes 50er Summilux auf einer M ersetzen, da sich die Tiefenschärfe, sei auch die Blende auch auf f/1.7 eingestellt, durch die Geometrie beim Digitalzoom rechnerisch auf f/2.8 vergrößert. Beim 75mm Bildausschnitt ist es schon f/4.6 und etwa f/6.3 bei 90mm. Das heisst aber nicht, dass sich nicht trotzdem eine wahrnehmbare Freistellung des Motivs ergibt.

Aber wenn man sich mal durchgerungen hat, die Crop-Fähigkeiten der 60MP-DNG’s der Q3 auszunutzen, kann man durchaus argumentieren, dass man sich damit eine Systemkamera und mehrere Objektive erspart. Von den 60MP der Kamera  kann man eine Menge wegschneiden, selbst beim 90mm Rahmen bleiben 5,8MP übrig, genug für einen großen Print (von Upscale-Möglichkeiten ganz abgesehen).

Autofokus

Die Q3 hat den schnellsten Autofokus, der mir je bei einer Kamera untergekommen ist (was nicht heisst, dass es nicht noch schnellere Kameras gibt). Ich fokussiere routinemäßig bei AFs (single Fokus) mit Spot oder sehr klein eingestelltem „Feld“. Zielen, speichern, verschwenken, abdrücken. Aber so schnell der Autofokus ist, ist er nicht unfehlbar. Es kommt vor, dass ich ein Motiv genau anvisiere, das Kreuz oder Feld grün aufleuchtet und die Kamera sich trotzdem den Hintergrund gesucht hat. Gerade, wenn es sich nur um kleine Abstände handelt (unter einem Meter) ist das im Sucherbild nicht unbedingt zu erkennen, erst am Monitor ärgert man sich (je nachdem, wie wichtig einem das Bild war). Sowas ist der Punkt, warum ich gern manuell fokussiere: Man weiss sofort, ob man was im Fokus hatte oder nicht.

Leica Q3
Eine schöne Eisdiele in Capoliveri (Elba). Wie versonnen der Eisverkäufer den Becher füllt! (Wegen des Fotos habe ich ihn übrigens gefragt) Leider hat die Kamera trotz sorgfältigem zielen statt auf ihn auf den Hintergrund scharfgestellt. Fiel mir da nicht auf. Wenigstens war das Eis Extraklasse. Leica Q3 bei f/1.7. 1/100s ISO 100

AFc (kontinuierlicher Fokus) funktioniert, aber man muss den Fokuspunkt sofort auf die Stelle der Bildkomposition legen, wo man das Hauptmotiv platzieren will. Ich benutze das nie, weil der Stellmotor unaufhörlich arbeitet wie ein bei Fortissimo durchgeknalltes Metronom. Das Sucherbild wird nie wirklich scharf, was mich zusätzlich irritiert. Ach ja, und die Methode mit fokussieren und verschwenken kann man auch vergessen, wenn man gar AFi einstellt: Sobald man verschwenkt, denkt die Kamera, das Motiv würde sich bewegen und stellt auf AFc.

Leica Q3
Das Schiffswrack auf Norderney. Leica Q3 bei f/4.5 1/2000s ISO 100

Personen und auch Tiererkennung funktioniert, aber da hatte ich gemischten Erfolg. Da gibt’s vermutlich bessere Kameras (Panasonic?). Ich hatte z.B. bei den (sehr kleinen) Kindern meiner Nichten und Neffen mehrfach, dass die Augen erkannt wurden, der Fokuspunkt aber dennoch nicht sass.

Was richtig gut geht, ist das Fokussieren bei der Serienbildfunktion. Bis 4 Bilder/Sekunde ist der Autofokus dabei und nagelt Bild für Bild die passende Schärfeebene fest, man braucht nicht mal „Verfolgung“ oder AFc einzustellen.

Beim Turnier, Leica Q bei f/2 1/500s ISO 800, 4 Bilder/Sekunde. Der Autofokus kommt ohne Probleme nach, obwohl sich Reiter und Pferd recht flott auf den Fotografen zu bewegen.

Der elektronische Verschluss

Leica Q3
In den Alpilles. Leica Q3 bei f/1.7 1/4000s ISO 100

…ist mit Vorsicht zu geniessen. Nur für statische Szenen (z.B. Landschaft) zu gebrauchen! Die ultrakurzen Belichtungszeiten dürfen einen nicht verleiten, damit irgendwelche schnellen Bewegungen einfrieren zu wollen. Bei der Klassik Q war das weniger auffällig, möglicherweise weil die Auslesezeit bei 24MP kürzer ist als bei 60MP. Jedenfalls ist „rolling shutter“ nichts fiktives, sondern straft einen regelmässig, wenn man bei bewegten Motiven nicht auf die Belichtungszeit achtet (sie unter 1/2000s abfällt). Beim Skilaufen schaltete ich sehr bald von „Hybrid“ auf nur „mechanisch“, da ist man vor ungewollt lustigen Bilder sicher. Das ist bei der M11 das gleiche (ab 1/4000s). Sogar auf bestimmte Lichtquellen muss man achten, Stefano schickte mir ein M11-Foto mit interessanten Streifen auf dem Motiv. Die ganze Serie sah so aus, sagt er, im übrigen hatte er solche Streifen auch bei der M11-Monochrom (die beiden Bilder rechts unter diesem Absatz). Die komplette 60MP-Sensor-Familie scheint damit ein Problem zu haben.

Low-Light Fähigkeit und Bildstabilisierung

Leica Q3
Winterlandschaft, St. Jakob. Aus der Hand fotografiert mit 1/4 s. Leica Q3 bei f/1.7 1/4s ISO 2000

Mit einem Wort: Phänomenal. Sicher ist die Bildstabilisierung nicht „fünf Achsen“ am Sensor, sondern im Objektiv, aber sie ermöglicht immerhin, aus der Hand mit 1/4s zu fotografieren. Nimmt man dazu die Sensordynamik auch bei hohen ISO-Werten, liegt die Grenze für die Kamera einfach nur bei pechschwarzer Dunkelheit. Bei Low-Light fotografiere ich meist mit Auto-ISO und wähle manuell eine Belichtungszeit (die Blende sowieso, meist natürlich f/1.7). Will ich Bewegungsunschärfe vermeiden, bleibe ich unter 1/60s (bei moderater Bewegung), geht es um statische Motive (Städte bei Nacht), gehe ich rauf bis zu 1/4s.

Leica Q3
In den „Carrières des Lumières“ war die Bildstabilisierung mehr als nützlich. Leica Q3 bei f/1.7   1/15s  ISO 500

Langzeitbelichtung

Da hat sich seit der Klassik Q eine Menge getan. Zum einen lässt die Kamera Verschlusszeiten bis zu 2 Minuten zu, zum anderen kann man ggf. die Rauschunterdrückung (im Menü) abwählen, wenn man die Verdoppelung der Belichtungszeit dadurch nicht wünscht. Es gibt bei Bedarf eine T-Funktion und ein schönes, analoges Detail ist das Gewinde für den Drahtauslöser. Die Funktionen lassen sich auch im Stockfinstern ohne Probleme anwählen und einstellen. Das memorieren des Button-Layout erfordert keinen Raketenwissenschaftler. Allerdings sollte man, je dunkler es ist, die Entfernung besser manuell einstellen.

Leica Q3
Weserhochwasser im Januar, Langzeitbelichtung. Leica Q3 bei f/4 15s ISO 400
Leica Q3
St. Jakob im Defereggen. Bei weniger „light-pollution“ könnte man deutlich mehr aus dem Sternenhimmel holen, die Kamera gibt’s jedenfalls her. Leica Q3 bei f/4 30s ISO 400

Wetterfestigkeit

Leica Q3
Schneegestöber? Kein Grund, die Kamera wegzustecken… Leica Q3 bei f/5.6 1/320s ISO 100

Die Leica Q3 ist nach IP52 klassifiziert, was immer das heisst. Das ist ja nichts, was man ohne Not ausreizen will. Aber bei mir hat die Leica Q3 bereits einiges aushalten müssen. Tiefe Temperaturen und Schneegestöber im Skiurlaub oder stundenlang im Regen bei „Der Hermann leuchtet„. Jedenfalls habe ich keine Skrupel, die Kamera bei widrigen Bedingungen „am Mann“ zu haben (wenn man denn unbedingt was bei Sch…-wetter fotografieren will). Im Lauf der Jahre nimmt die Dichtigkeit jeder Kamera in der Hinsicht aber ab, daran sollte man denken.

Leica Q3
Lasershow „Der Hermann leuchtet“. Da war ich buchstäblich stundenlang mit der Q3 im Regen. Leica Q3 bei f/1.7. 1/125s  ISO 1600

Das Klappdisplay

…verdient besondere Erwähnung, weil es die Kamera so viel flexibler in der Handhabung macht. Seien es Makro-Motive am Boden, fotografieren aus der Hüfte oder über Köpfe hinweg, das Leben wird einfacher. Aus Gründen der Stabilität hat Leica auf Drehachsen verzichtet und das ist auch besser so.

Akku-Kapazität

Anfangs hatte ich (statt früher einen Zweit-Akku) immer eine kleine Power-Bank mit, wenn ich längere Shootings erwartete, denn damit könnte man unterwegs nachladen. Das war nie nötig, aber ist immerhin eine gute Option. Selbst wenn ich im Urlaub (Städte!) den ganzen Tag fotografiere (und das Display viel an habe) kam ich immer mit einer Akkuladung aus. Nebenbei: Das Ladegerät liegt noch in der Verpackung, ich lade die Kamera immer direkt mit dem iPad-USB-C Kabel.

Leica Q3
Ballett beim Hoeker-Fest in Herford. Ich hatte eine Power-Bank dabei, aber trotz exzessiven Gebrauchs war auch am Ende des Tages noch reichlich Kapazität da. Leica Q3 bei f/1.7 1/400s ISO 100

Video-Funktion

Firmware-Update
FW-Updates lassen sich über die App wesentlich bequemer abwickeln

Absolut nicht meine Domäne, aber Clips, die ich gemacht habe, waren für meine Zwecke sehr gut. Leica hat die Videoformate implementiert, die das Herz des Videographen begehrt. Die Wärmeableitung der Kamera lässt freilich nur zeitlich begrenzte Aufnahmen zu. Was man nicht versteht ist, warum nicht von vornherein ein externer Mikrofonanschluss  verfügbar ist. Jetzt hoffen alle, dass das durch ein FW-Update über den USB-C Anschluss geregelt werden kann. Wenn es nicht doch ein Hardware-Problem darstellt, dann ist in der Hinsicht Ende im Gelände. Gut, man kann ein externes Mikro später mit der Footage synchronisieren, aber das ist halt wieder mehr Aufwand.

Fotos-App und Remote Steuerung

Die App findet und weckt die Kamera auch, wenn sie ausgestellt ist. Für Bilder nehme ich die Fotos-App selten, meist kann ich warten, bis ich sie zuhause in LR importiere. Aber wenn ich unbedingt was schon unterwegs brauche, ist das zumindest keine Geduldsprobe. Die Verbindung zur Kamera ist schnell hergestellt und stabil. Auch das Geotagging im Hintergrund erfordert keine Aufmerksamkeit, hat man die Kamera nur einmal mit der App gekoppelt. Sie muss auch nicht geöffnet sein. Die Remote-Funktion der App habe ich bereits über deutlichen Abstand (30-50m) eingesetzt und Fotos oder Videos vom iPhone aus ferngesteuert. Was noch super über die App geht: Die Firmware-Updates. Kein Gefummel mehr mit SD-Karten.

Leica Q3
Wenn man mal von so einem Strand flugs ein Bild zum neidisch machen nach Hause schicken möchte, lässt sich das über die Fotos-App schnell regeln. Leica Q3 bei f/5.6 1/1000s ISO 100

Schlusswort

Vieles andere habe ich im „Hands on“ und Folgeartikeln letztes Jahr abgearbeitet. Hier ist eher aufgelistet, was über die Zeit beim praktischen Gebrauch relevant war und welche Erfahrungen ich gemacht habe. Andere grundsätzliche Dinge kann man sehr gut in Jono’s Artikel nachlesen, der alles gut zusammenfasst, was an der Leica Q3 neu ist. Das ist alles weiter oben verlinkt.

Beim Design der Q’s ist ein genialer Dualismus eingebaut: Einerseits können sie die simpelste Point and Shoot-Kamera sein, mit nicht mehr Bedarf an Bedienung als den Auslöser zu drücken, andererseits verwandeln sie sich mit wenigen Handgriffen an den physischen Kontrollen in vollmanuelle Kreativmaschinen.

Photons to Photos
Rauschverhalten bei zunehmender ISO bei den Leica Q’s (ohne Q-Monochrom).

Die Q-Kameras haben Design-Elemente, die bei der Leica Digilux 2 von 2004 zu finden sind, und die wiederum hat das von der Panasonic Lumix DMC-LC1, auf der sie basiert. Und gut, dass die Entwickler der Q den praktischen Wert dieser Funktionen erkannt und übernommen haben. In der Evolution der Q-Modelle sind bei der Q2 schon viele Details verbessert worden, hier im Q2-Artikel von Jono Slack (ziemlich am Anfang) aufgelistet.  Natürlich war der Sensor, nun mit einer Auflösung von 47MP, umso besser für digitalen Zoom geeignet, aber (was ich damals nicht so prickelnd fand) mit einem trade-off an Dynamik und Rauscharmut bei höheren ISO-Werten verbunden. Erstaunlich, wie rauscharm die Q3 trotz der Riesen-Auflösung ist, aber hier ist wohl mal wieder ein Beispiel für das Mooresche Gesetz.

Leica Q3
In den „Carrières des Lumières“. Leica Q3 bei f/1.7   1/30s  ISO 1250

Die Leica Q3 ist zur Zeit die einzige (aktuelle!) Kompakte Vollformat Kamera am Markt und das gestaltet den beliebten Vergleich mit Fuji X100 IV und Ricoh GRIIIx schwierig. Die Geometrie ist allein schon ein Faktor, der einen Unterschied bei Sensorgrößen macht: Um den gleichen Tiefenschärfe-Effekt wie bei Vollformat und einer 28mm-Linse mit f/1.7 zu erzielen, müsste ein entsprechendes APS-C-Objektiv 18mm Brennweite und eine Öffnung von f/1.0 haben. Das ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich. 35mm Vollformat mit f/2.0 übersetzen sich in 23mm mit f/1.25 bei APS-C. Das ist zumindest aufwendig und teuer zu bauen. Umgekehrt entspricht Blende f/2.0 (bei 23mm Brennweite der Fuji X100) einem Tiefenschärfe-Effekt von Blende f/3.2 bei 35mm Vollformat. Alles schön und gut, aber kleinere Sensoren benötigen auch kleinere Optiken und das macht die Kameras natürlich deutlich handlicher, was für viele ein starker Beweggrund ist, zur Fuji, Ricoh oder gar MFT-Kameras wie der Leica D-Lux 7 (oder 8), bzw. Systemkameras von Olympus (OM) zu greifen. Das kann ich sehr gut verstehen, weil das auch für mich eine große Rolle spielt . Die D-Lux 7 vermisse ich manchmal, aber es hatte einfach keinen Zweck, so viele digitale Kameras gleichzeitig zu haben, darum musste ich eine Wahl treffen.

Leica Q3
Teaser: Die Italien Reise, demnächst kommt ein Artikel. In Bologna, Stadt der Arkaden. Leica Q3 bei f/4 1/500s ISO 100

Die Leica Q3 ist eine wahre „Vademecum“ -Kamera, das bedeutet „geh mit mir“ und so benutze ich die Kamera (jede Q bisher): Selbst wenn ich nicht unbedingt Fotogenes erwarte, nehme ich die Kamera mit, obwohl es  handlichere Optionen gibt (vom Smartphone ganz abgesehen). Bloss… ist man erst mal von der Bildqualität und Vielseitigkeit der Q3 verwöhnt, ist man für die besagten Optionen verloren. Für eine Kompaktkamera ist sie ja durchaus sperrig, aber dafür bietet sie ein „all in one-Paket“, das einem eine wesentlich umfangreichere Ausrüstung ersparen kann. Welch letzteres sie zur perfekten Reisekamera macht, unter anderem. Ich denke, ich werde als nächstes noch einen Bericht über unsere letzte Reise nach Italien verfassen, denn auch da bewies die Q3 ihre Stärken und Bilder zeigen mehr als tausend Worte.

2 Kommentare

  1. DI Dr. techn. Tomsu Peter

    Hallo Claus,
    Danke für diesen wirkliche guten und informativen Bericht über die Q3!
    Könntest Du vielleicht irgendwie auch einen Bericht über die Lux 8 machen, diese Kamera interessiert mich als immer dabei Reisekamera eigentlich noch mehr.
    LG aus Österreich
    Peter

    • Claus Sassenberg

      Hallo Peter,

      ich schätze die D-Lux 8 als sehr kompakt und bedienfreundlicher als die D-Lux 7 ein. Sensor und Objektiv sind ja identisch, insofern nützen dir vielleicht noch die Erkenntnisse, die ich damals bei der Lux 7 hatte (Artikel im Blog zu finden).
      Ich war von der Bildqualität des Sensors durchaus angetan, auch ist die Kamera natürlich sehr handlich (ganz anders als die Leica Q) und passt in die Jackentasche.
      Leica hat die Benutzeroberfläche gut an die anderen Modelle angepasst und dass die Kamera DNG’s auswirft, kann nur ein Vorteil sein.
      Leider werde ich keinen Bericht machen können, weil ich sie zwar gern hätte 😉 , aber es einfach für mich nicht sinnvoll wäre, eine weitere digitale Kamera anzuschaffen.

      Falls du sie als Reisekamera ins Auge gefasst hast, kannst du mit ihr sicher nichts falsch machen.

      Viele Grüße,

      Claus

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