Leica M10-M: Ein Schauspiel in Schwarzweiss
Noch ein Ereignis (nach der Ardéche-Fahrt), das sich wiederholt: Die Canaillen-Bagage war in Vlotho und hat ihr Stück „Das kalte Herz“ nach dem Märchen von Wilhelm Hauff gezeigt.
Diesmal nicht auf der Burg, denn die Ruine wird renoviert … noch viel schöner und ruinöser. Nebenan am Jugendhof (einer LWL-Einrichtung) konnte die Freilichtaufführung stattfinden.
Nachdem die Theatertruppe Vlotho schon einige Jahre auf dem Tourneeplan hat, füllten sich die Bänke um den Bühnenraum lange vor Beginn mit Fans.
Michael Zimmermann (der Chef der Truppe) reservierte mir eine „Pool-Position“, von der ich das Stück verfolgen konnte. Bei einer Probe würde ich sicherlich (für effektive Bühnenfotografie) mitten zwischen die Schauspieler gehen, bei der Aufführung mache ich das beste draus, wenn ich von einem statischen Ort aus fotografiere.

Trotzdem kann man durch unterschiedliche Brennweiten und durch die Tatsache, dass der gesamte Bühnenraum fürs agieren ausgenutzt wurde, einige Abwechslung in den Perspektiven erzeugen.
Das Licht war im Grunde sehr prosaisch, später Nachmittag, bedeckter Himmel. Die installierten Scheinwerfer zeigten keine sichtbare Wirkung und auch eingesetzter Nebel als „Special Effect“ war leider nicht sehr spektakulär. Das ganze zwei Stunden später hätte deutlich mehr gebracht.

Trotz dieser Nachteile schafft es die Leica M10-M, der Szenerie Charakter zu verleihen. Die Emotionen werden eindringlich transportiert, ohne Ablenkung durch Farbe.

Die ISO hatte ich auf 400 gestellt (was ziemlich der nativen ISO dieser Kamera entspricht, Belichtungskorrektur nach -2/3 (bei den Monochromen sind die Highlights die Achillesferse, die geschützt werden muss. An den Tiefen kann man unendlich ziehen). Später stellte ich auf ISO 1600, weil das Licht etwas nachliess und ich bei kurzen Belichtungszeiten bleiben wollte. Zwischen drei Objektiven wechselte ich ständig: Das 35er Apo-Summicron, das 50er Summilux und das 90er Macro-Elmar kamen zum Einsatz, alle mit Gelbfilter versehen. Nicht nur bei Offenblende, denn manche Szenen brauchten auch mehr Tiefenschärfe).
Schon die Bilder aus der Kamera muten analog an. In LR habe ich lediglich „Schwarz“ (die Tiefen) und „Weiß“ (die Höhen) verstärkt, um so einen kontrastreichen, Tri-X -artigen Eindruck zu erzeugen. Auf Körnung habe ich verzichtet.
Im folgenden Slider einige Szenen aus dem Stück:
Fazit
Um an den „Epilog“ des letzten Beitrags anzuknüpfen: Die Leica M10-M hat ihren Job vollständig erfüllt, ohne das ich etwas vermisst hätte. Die „uralt-Methode“ der Belichtungsmessung war voll ok, der Verschluss leise (und läuft nur einmal ab) und der vergleichsweise kleine (und mittlerweile auch nicht mehr neue) Akku hat bestens durchgehalten (ein zweiter war dabei, aber unnötig).

Der Messsucher war optimal geeignet, auch bewegte Szenen zu fokussieren, was mit einem Visoflex nur desaströs geendet hätte. Und nur mit Messsucher und ohne Monitor oder Visoflex zu arbeiten, ist natürlich extrem energiesparend. Aber deswegen mache ich das gar nicht, sondern weil es für mich die beste Arbeitsweise ist.

Was manche vielleicht beim Epilog im Beitrag vorher missverstanden haben: Mich bewegt gar kein Konservativismus, Bodendeckel oder ähnliches sind mir total egal. Ich hinterfrage eher, was ein Upgrade meiner persönlichen Fotografie bringt. Von der Leica M10-M auf eine M11-M (nichts gegen die Kamera!) sehe ich für mich keine Vorteile, die Veränderung ist einfach nicht stark genug. Andererseits möchte ich z.B. auf die M11-P nicht verzichten, weil die hohe Auflösung durchaus ihre Benefits hat. Es bleibt also für mich abzuwarten, ob eine fiktive M12 bahnbrechende neue Eigenschaften aufweist.
Ansonsten gibt es als Begründung für eine neue Kamera weiterhin den natürlichen Spieltrieb.

























Lieber Claus
mit Freude lese ich deine Beiträge hier auf deiner Seite. Ich finde es immer wieder spannend, wie gut du deine fotografischen Erlebnisse mit den technischen Infos verbindest, und deine Fotos begeistern mich sehr.
Man merkt einfach, dass du dein Handwerk und deine Kamera souverän beherrschst. Die Mischung aus Tempo, Rhythmus, Abwechslung und Perspektive macht deine Bilder zu einem echten Genuss.
Dass du nicht auf die M11 Monochrom wechseln willst, kann ich gut nachvollziehen. Ich habe sie selbst seit dem Erscheinen, und wie du schon schreibst, sind die Unterschiede nicht riesig. Trotzdem schätze ich an ihr sehr, dass man bei hellem Licht mit offener Blende arbeiten kann. Und bei einem Festival über drei Tage hat mir sogar ein einziger Akku gereicht das ist schon stark.
Ich wünsche dir weiterhin gutes Licht und sende dir liebe Grüsse aus der schönen Schweiz.
Maurizio
Lieber Maurizio,
vielen Dank für deine Wertschätzung, von einem Fotografen wie dir zählt das doppelt!
Natürlich habe ich gegen die M11-M überhaupt nichts einzuwenden. Ich schätze an meiner M11-P auch die lange Akku-Laufzeit und den internen Speicher, den Sensor nicht zu vergessen (auch wenn man wegen der hohen Auflösung bei den kurzen Brennweiten mehr abblenden muss, wenn man auf die Ecken wert legt).
Ich mache ja auch gern Infrarot-Fotos mit der M10-M (über Geschmack kann man nicht streiten) und ich meine mich zu erinnern, dass das mit der M11-M nicht so gut gelingt, weil vermutlich ein stärkerer IR Filter vor dem Sensor ist. Vielleicht täusche ich mich da auch.
Viele Grüße aus Umbrien (Bericht folgt 🙂 )
Claus
?
Danke für die Gratulation! Was das andere betrifft … keine Ahnung, was da vor sich geht, sorry!
Ich wollte Ihnen eigentlich zu dem schönen Bericht gratulieren! Aber dann habe ich das gelesen :
„You have been Temporarily locked out of this system. This means that you will not be able to log in for a while.
Time Tue, 2 June 11:28:24 GMT“
For a while – das lässt mich hoffen!
Absolut perfekte Arbeit. Mehr braucht man nicht.
Wieder ein sehr schöner Artikel, mit tollen Bildern. Deine Einstellung gefällt, zu neuem Equipment gefällt mir sehr gut. Da bin ich ganz Deiner Meinung, dass man nicht jedes Upgrade braucht. Zugegeben, lange durchgehalten habe ich bisher leider nicht.
Besten Dank für die immer wieder interessanten und informativen Artikel.
Erneut ein kurzweiliger Artikel mit sehr ansehnlichen Bildern, vielen Dank und Kompliment!