„Lass uns mal wieder in die Dauphiné fahren“, sagte meine Frau kurz vor den Sommerferien und ich: „Hä, wollten wir nicht in die Normandie?“ Ich hütete mich allerdings, viele Einwände zu machen. Denn ich wusste: Die Tour de France würde genau zu der Zeit in der Gegend sein. Das wollte ich immer schon mal live erleben. Meiner Frau ging es wohl in erster Linie darum , dass man auf dem Weg Station in Lörrach machen könnte, wo eine ihrer Freundinnen wohnt, die sie schon lange nicht gesehen hatte. Das liegt nun mal nicht auf der Strecke in die Normandie.

In der Dauphiné waren wir so locker dreissig Jahre nicht mehr, und damals fuhren wir in mehreren Urlauben mit der Kanu-AG im jugendlichen Unverwundbarkeitsglauben todesmutig auf der Durance Wildwasser. Das ist wirklich ein wilder und kalter Gebirgsfluss mit gewaltigem Wasserdruck, auf den mich heute keine zehn Pferde mehr bringen. Wenn ich an die „Eisenbahnkurve“ und das „Loch von Chateauroux“ denke, wird mir heute noch ganz anders.

Tour de France
Blick nach Norden über das Tal der Durance, der Ort ist Guillestre. Am Horizont türmen sich die „Ecrins“ auf, wo es richtig hoch hinaus geht. Leica M10 mit Elmarit 28mm

Unser Besuch jetzt fand also unter ganz anderen Aspekten statt. Fairerweise klärte ich meine Frau über die Tour de France Etappe auf, bei der wir landen würden und sie zeigte sich durchaus interessiert. Ich als Hobby-Rennradler verfolgte die Tour über die Jahre durchaus, abgesehen von den „dunklen Jahren“ mit den Skandalen um Jan Ullrich,  Lance Armstrong und Konsorten. Ein paar Jahre lang ignorierte ich dann den Profi-Radsport frustriert. Ein Rest-Zweifel, Doping betreffend wird immer bleiben, aber in welcher Sportart gibt’s das nicht? Andere schauen halt gern Fussball, Handball oder Eishockey. Ich finde es immer interessant, mal in eine Tour-Etappe zu schnuppern, allein schon wegen der schönen Gegenden, die man da zu sehen bekommt. Und manchmal führt es auch da lang, wo ich selber schon gefahren bin, das erzeugt irgendwie ein Gefühl der Verbundenheit.

Rein zufällig in der Gegend… Tour de France

Tour de France
Guillestre, keine Strasse ohne Gefälle… Leica M10 mit 28mm Elmarit

Nach einem entspannten Wochenende in Lörrach kamen wir nach Guillestre, unserem Zielort. Am Ortsrand liegt der Camping Municipal (und mehrere andere), auf dem wir auch einen schönen Stellplatz bekamen. Darüber war ich erleichtert, denn wir waren ohne vorzubuchen mit unserem Bulli einfach „ins Blaue“ gefahren. In der Hauptsaison weiss man ja nie, und dann die Tour de France… Ich habe aber schon festgestellt, dass die ausgebuchten Plätze sowieso meist nicht die sind, auf die wir wollen. Riesige, „vollanimierte“ Dinger mit Badelandschaft und allem Zipp und Zapp meist noch an irgendwelchen Seen oder am Meer vermeiden wir wie der Teufel das Weihwasser. Für uns ist ein schlichter Municipal ganz richtig, schön ist, wenn die Sanitaires einen gewissen Mindeststandard aufweisen.

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Unser Stellplatz. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Giullestre Municipal war so, hat sogar Zugang zum kleinen städtischen Schwimmbad. Auf einer Seite fliesst der „Rif Bel“, ein kleiner Bergbach, am Campingplatz entlang, in den man sich bei den Temperaturen prima zur Abkühlung legen konnte. Die meisten Leute auf dem Platz waren wie immer die Niederländer, gefolgt von Franzosen, Belgiern, ein paar Briten und noch weniger Deutschen im Verhältnis. In der Gegend von Guillestre gibt es kaum flache Stücke, entweder es geht bergauf oder bergab, in jedem Fall deutlich. Dementsprechend waren das fast alles Wanderer oder Radsportbegeisterte, die ihre Familien mitschleppten. Ein sehr spezielles Klientel, dass sich total vom Publikum z.B. am Meer unterscheidet. Die Leute sind hilfsbereit und höflich, und – nicht zu unterschätzen im sozialen miteinander –  halten sich an die Platzregeln, vor allem ist Nachts Ruhe.

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Besonders liebevoll gestalteter Abschnitt den Col d’Izoard hinauf. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Aber die „richtigen“ Tour-Fans sind sowieso nicht auf einem Campingplatz. Die stellen sich schon Tage vorher mit ihren fetten Wohnmobilen an die Pässe mit Bergwertung oder besetzen jede kleine Bucht an den Anstiegen, hissen die Flaggen und malen die Namen ihres Favoriten auf die Strasse.

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Unterwegs zum Col de Vars. Noch ein ganzes Stück bis oben. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Spass am Pass…

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Montag ist Markttag in Guillestre. Ein paar Tage später würden die Tour diese Strasse entlang zischen. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Wir waren Sonntag nachmittag angekommen, am Montag war direkt Wochenmarkt in Guillestre. Der nahm wirklich die gesamte Innenstadt ein und war proppevoll mit Besuchern. Wir deckten uns erst mal mit Früchten, Gemüse und leckerem Bergkäse aus der Region ein. Die Tour würde erst am Donnerstag durchkommen, also planten wir ein paar Wanderungen in der Gegend. Das erste, was ich immer mache, wenn ich irgendwohin komme und so etwas vorhabe: Ich kaufe eine vernünftige Wanderkarte. Und „vernünftig“ sind nur topographische Karten im Masstab 1:25000. In Frankreich sind die „IGN“-Karten die besten. Keine digital verfügbare Karte hat diesen Detailreichtum und dazu die Genauigkeit.

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Am Col de Vars, fast oben. Leica M10 mit 28mm Elmarit
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Solche Schilder sind nicht unbedingt motivierend. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Noch am gleichen Tag fuhr ich mit dem Rennrad auf den Col de Vars, über den von Süden die Etappe auf Guillestre zulief, um von dort über den Col d’Izoard nach Briancon und weiter über den Galibier zum Zielort Valloire. Die Profis hatten also drei Pässe nacheinander zu bewältigen, mir reichte immer einer am Tag. Der Col de Vars war noch der zahmste von den dreien. Am nächsten Tag machte ich mich auf zum Izoard, und der spielt schon in einer ganz anderen Liga. Der Anstieg geht über Kilometer, im Schnitt 7,3 %, aber häufig über längere Strecken 9-14% und mehr, dafür natürlich auch „Erholstücke“ von „nur 6-8% Steigung. Das ist alles für’s Rennrad nicht sehr bequem, aber als Nicht-Profi kann man sich die Geschwindigkeit selbst einteilen und auch mal ’ne Pause machen.

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Bilder von mir sind eine Seltenheit… selbst im Familienalbum. Aber hier hat ein Rennradkollege mal eins auf halber Höhe zum Izoard gemacht. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Es waren einige „Gleichgesinnte“ auf der Strecke unterwegs, und untereinander herrscht ein gewisses Gefühl der Solidarität unabhängig von der Nation. Ein paar Niederländer kamen mit der Flachland-Übersetzung ihrer Räder arg an die Grenzen und mussten an den steilen Stücken Schlangenlinie fahren. Besonders am letzen Drittel hatten sich schon viele Wohnmobile „drapiert“ und zeigten Flagge. Kurz vor der Passhöhe ändert sich die Landschaft auf interessante Weise, Felszacken ragen steil auf, die Monolithes der „Casse Déserte“ haben etwas von Mondlandschaft. Oben ist ein kleiner Kiosk, wo so ziemlich jeder mit Softdrinks seinen Kalorienhaushalt wieder auffüllt. Ich freute mich, oben zu sein, schaute mich gründlich um und machte mich dann an die entsprechend rasante Abfahrt zurück zum Campingplatz. Herrlich, 35km bergab. Dabei bekommt man dann Respekt vor den Abfahrqualitäten der Profis, die mit 80 bis 100 Sachen ins Tal rauschen, ich bekomme schon Fracksausen, wenn der Tacho an die 80 kommt. Aber Spass macht es allemal.

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Das „Val d’Escreins“. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Wandern

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Die Ruinen des Dorfes Escreins, das so um 1906 aufgegeben wurde. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Mittwoch war Wandertag, nachdem mir meine Frau netterweise für die Pässe soviel „frei“ gegeben hatte. Als Nebeneffekt war ich auch froh, meinen Beinen nach den vielen Höhenmetern eine Ruhepause zu gönnen. Die IGN-Karte von Guillestre ist Gold wert, ich fand schnell in der Nähe eine vielversprechende Wanderung. Ein Stück den Col de Vars hoch geht eine Strasse in ein Seitental ab, das Val d’Escreins. Der Rif Bel hat eine tiefe Schlucht gegraben. Weiter oben wird das Tal flacher, bei den Ruinen des verlassenen Dorfes Escreins bei Basse Rua beginnend kann man dem Flüsschen bis zur Quelle „Font Sancte“ folgen. Unterhalb ist auf einer Wiese ein kleiner Marienschrein, und dort fanden wir haufenweise Edelweiss. Eine schöne Wanderung bis ein Stück jenseits der Baumgrenze. Wer weiter will, kann von hier über die Pässe. Die Berge erreichen beeindruckende Höhen, der Pic de Fonte Sancte hat knapp 3400m. Am Ausgangspunkt zurück kehrten wir ins „Refuge de Basse Rua“ ein, auf dessen gut besuchter Terrasse man sich in bester Hüttentradition bewirten lassen kann.

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An der Baumgrenze Richtung Pass. Die Berge, die sich rechts und links auftürmen, sind alle um die 3500m hoch. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Feiertag in Guillestre

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Die Tour kommt näher, man sammelt sich. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Der Donnerstag kam, Tour-Tag. Am Mittwoch waren die Radler in Gap angekommen und heute würden sie in Embrun starten. Der Campingplatz hatte eine gute Internet-Verbindung (ein seltener Luxus), in den Tagen zuvor hatte ich die Etappen-Zusammenfassung im französischen Fernsehen bei einem kühlen Glas Rosé verfolgen können und war auf dem Laufenden. Wir gingen schon am Vormittag ins Dorf, wo sich Einwohner und Touristen sammelten. Es herrschte eine erwartungsvolle, aber entspannte Stimmung. An der Strecke durch das Städtchen waren in der Nacht Absperrgitter aufgestellt worden und die Gendarmen wie auch die Police Municipale achteten argwöhnisch schon Stunden vor der Durchfahrt darauf, dass niemand ohne Absprache die Strasse überquerte. Irgendwann am Vormittag läuteten sämtliche Kirchenglocken eine ganze Weile. Es war Feiertagsstimmung in Guillestre.

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Die „Caravane“ der Sponsoren. Leica M10 mit 50mm Summilux

Es war heiss, so heiss, dass die Tourleitung an dem Tag wie auch am Tag zuvor die Karenzzeit erhöht hatte. Normalerweise müssen Fahrer, die hinter dem Haupt-Feld herfahren, innerhalb einer bestimmten Zeit im Ziel sein. Die Cafés und Boulangerien machten gute Geschäfte mit kalten Getränken und Backwaren, die die wachsende Schar von Schaulustigen konsumierte.

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Ein Haufen kurioser Gefährte. Leica M10 mit 50mm Summilux

Die M10 als Begleiter

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Die wahren Tour-Profis mit Klappstuhl, Sonnenschirm daran und immer ein Auge auf den Ticker. Leica M10 mit 50mm Summilux

Auf der Höhe des Office du Tourisme fand ich an der Hauptstrasse einen Platz, den ich fototechnisch günstig fand. Ich machte mir keine Illusionen über meine Aussicht, freies Schussfeld zu haben, aber ein Betonpoller vor mir gab mir die Möglichkeit, mich gegebenenfalls daraufzustellen. Ich hatte übrigens „nur“ meine M10 dabei, denn meine älteste Tochter war mit einer Freundin selbst mit Zelt durch Frankreich unterwegs und hatte mir die Q-P aus der Seite geleiert… welcher Vater kann da schon nein sagen? Ich bin mir sicher, dass ich sonst die Q mit ihrem schnellen Fokus zusätzlich dabei gehabt hätte.

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Da kommt der Erste um die Strassenecke. Leica M10 mit 50mm Summilux

Die Aussicht, im Gedränge auch noch mit manuellem Fokus klarzukommen, machte mich eigentlich nicht nervös. Ich wusste, dass die Rennradler die milde Steigung im Ort mit ca. 30km/h nehmen würden und da war so manches Turnierpferd, dass ich abgelichtet hatte, schneller unterwegs. Kurzer Vergleich der möglichen Brennweiten mit dem praktischen Bildfeldwähler der M10 zeigten mir, dass ich am besten bei 50mm bleiben sollte. Im übrigen würde ich weniger nachverfolgen, sondern die Räder in meinen gewählten Fokuspunkt „hineinlaufen“ lassen.

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In der Ausreissergruppe: Der kleine Kolumbianer Nairo Quintana, der später diese Etappe gewinnen würde. Leica M10 mit 50mm Summilx

Showtime

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Noch ist das Hauptfeld nicht da. Leica M10 mit 50mm Summilux

Am Strassenrand wurde es langsam enger, denn die Meute wusste, dass ca. eine Stunde vor den Rennfahrern und dem Haupt-Troß der Tour de France die Sponsoren durchkamen. Jubel brandete auf, als erst mal Lieferwagen von Skoda haufenweise grüne „Sprint“- Trikots abwarfen. Man verteilte die „Beute“ relativ gutgelaunt und im Gefolge wurde von verschiedenen Fahrzeugen so manches abgeworfen, Schlüsselanhänger, Süssigkeiten, Krimskrams. Es hätte gepasst, wenn jemand „Kamelle“ dazu gerufen hätte. Meine Frau, rührend um mein Wohlbefinden bedacht, kaufte mir ein Tour de France Käppi und einen quietschgelben Regenschirm mit Tour-Logo gegen die knallige Sonne.

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Tim Wellens (Bild Mitte), der Träger des Bergtrikots auf der Etappe. Leica M10 mit 50mm Summilux
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Der Deutsche Nils Politt. Bei der Farbwahl der Frontzahnkronen über das Ziel hinaus geschossen. Leica M10 mit 50mm Summilux

Als die Sponsoren durch waren, lockerten sich die Plätze an der Strasse wieder auf, weil noch Zeit war, bis die Rennfahrer kämen. Ich hatte den ARD-Live-Ticker auf meinem Handy und wusste, wo sich das Feld und eine Spitzengruppe von etwa dreissig Leuten, die sich am Anstieg des Col de Vars abgetrennt hatte, befand. Ebenso wie die meisten anderen am Strassenrand, trotzdem spürte ich, wie die Spannung bei allen zunahm. Die Zuschauer, die weiter unten am Eingang zur Fussgängerzone die Kurve einsehen konnten, rissen plötzlich die Arme hoch und jubelten, als der erste Rennfahrer um die Kurve geschossen kam. Das war ein Deutscher, Nikias Arndt, der die Abfahrt vom Col am schnellsten geschafft hatte, nachdem der Belgier Tim Wellens (der im Bergtrikot fuhr) als erster über den Pass gefahren war. Die Ausreissergruppe war dann ziemlich schnell durch und man konnte noch mal durchatmen, bis ca. 7 Minuten später  das Peloton mit Julien Alaphilippe unter grossem Beifall durchrollte. Die Franzosen hatten da noch Hoffnung, dass entweder er oder vielleicht Thibaut Pinot einen Toursieg einfahren könnte.

Im Slider einige „Vorbeifahren“. Davon gibt es noch ein Dutzend mehr, aber wenn man nicht jeden einzelnen Fahrer identifizieren möchte, mag dies für den Eindruck reichen

Unzählige Teamfahrzeuge, Motorräder mit Kameraleuten und Fotografen und Autos vom französischen Fernsehen reihten sich zwischen den Radlern ein und über uns kreisten plötzlich 5 Hubschrauber. Wer genauer wissen will, was sich zu der Zeit alles tat, als ich dort an der Strasse in Guillestre stand, kann sich mal die letzten 10 Minuten des Etappenvideos der ersten 100km anschauen, solange die ARD den Link aufrechterhält. Als letzte kamen George Bennet und Nicolas Roche durch, die auf der Abfahrt gestürzt waren und jetzt versuchten, wieder Anschluss ans Feld zu bekommen. Beide machten verständlicherweise einen ziemlich gequälten Eindruck.

Tour de France
Etwas gequält: George Bennet ist auf der Abfahrt vom Col de Vars gestürzt. Leica M10 mit 50mm Summilux

Der Abgesang

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Geordneter Rückzug, die Tour ist durch. Leica M10 mit 28mm elmarit

Dann war „der Spuk“ vorbei. Die Tour war durch. Man trat den geordneten Rückzug an, meine Frau und ich glichen den Elektrolytverlust mit einem Biére pression an einer der Bars aus und beobachteten, wie der Ort wieder zur Tagesordnung überging. Die Fahrer hatten ja noch zwei „Hammer“-Pässe vor sich, ich schaute immer mal wieder auf den Live-Ticker. Meine Frau hatte das Tour-Fieber auch ein bisschen erwischt. Nachdem ich ihr in den Tagen zuvor die Taktiken der Teams und die Aufgaben der einzelnen Fahrer (z.B. „Wasserträger“, Helfer, Kapitäne, die Gattungen von „Sprintern“ oder „Bergfahrern“) erklärt hatte, begann sie auch Sinn in dem Gewusel des Pelotons zu sehen. Am späten Nachmittag sahen wir auf dem Campingplatz noch im Streaming, wie die Fahrer sich den Galibier hinaufquälten. Den Etappensieg fuhr Nairo Quintana ein, klein, drahtig und megazäh. Alaphilippe behielt das gelbe Trikot… noch. Am nächsten Tag würde sich einiges ändern.

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Picknick am Lac Miroir. Leica M10 mit 28mm Elmarit
Die „Cascade de la Pisse“. Kein Kommentar zu dem Namen. Leica M10 mit 21mm Super-Elmar

Am Freitag machten wir eine sehr schöne Wanderung bei dem Ort Ceillac, stiegen zum Lac Miroir auf und bewunderten unterwegs einen eindrucksvollen Wasserfall mit dem uncharmanten Namen „Cascade de la Pisse“ (!!).  „Parc Naturel du Queyras“ ist der Oberbegriff für das ganze Gebiet, es gibt unzählige Wandermöglichkeiten, aber alles ist sehr viel einsamer, als wir es von den österreichischen Alpen gewöhnt sind. Naturgemäss gibt es keine so ausgeprägte Hüttenwirtschaft, also nimmt man sich sein Picknick selbst mit.

An dem Tag zogen von Norden heftige Gewitter heran, die ja auch die Tour-Etappe vorzeitig beendeten. Bernal nahm das gelbe Trikot und verteidigte es bis Paris, Thibaut Pinot musste zum Kummer der Franzosen aufgeben und Emmanuel Buchmann schaffte eine hervorragenden 4. Platz, sogar vor Alaphilippe, der solange vorn war. Die Tour de France hatte sich wirklich erst auf diesen letzten drei Alpenetappen entschieden.

Bei uns kamen das schlechte Wetter erst Samstag an, aber unsere geplante Zeit in Guillestre war sowieso vorbei, wir zogen weiter zur Verdon-Schlucht ca. 100km südlich, wo das Wetter gut war. Das Thema Schluchten war also noch nicht vorbei, im Gegenteil, später ging’s auch noch zum Tarn, aber davon berichte ich in einem Folge-Beitrag.

Tour de France
Die Schlucht des Guil kurz vor Guillestre bei einer Abschiedstour mit dem Rennrad am letzten Abend. Leica M10 mit 28mm Elmarit

6 Kommentare

  1. Hallo Claus,

    ich lese deine Beiträge immer mit großem Interesse. Ein kleiner Kommentar zur Serienbildfunktion an der M10. Mit dem letzten Firmware Update gibt es ja die Möglichkeit auf „langsamen“ Serienmodus einzustellen. Ich finde dies äußerst flexibel, da ich sehr leicht ein Einzelbild machen kann, wie gewohnt und einfach länger auf dem Auslöser bleibe wenn es mal notwendig sein sollte…
    Viele Grüße aus Stuttgart
    Arnd

    • Claus Sassenberg

      Hallo Arndt,

      danke für die Anregung! Das ist sicher eine Option, die man für solche Gelegenheiten „auf dem Schirm“ haben sollte.

      Viele Grüße aus Ostwestfalen,

      Claus

  2. Dirk Säger

    Danke für den schönen Reisebericht. Ich mußte erst mal Google Maps bemühen, um herauszufinden wo das ist. Na ja…, in Frankreich war ich noch nicht so oft, nur in der Normandie…..
    Sportbilder ohne AF und Serienfunktion, OMG, wie haben die Reporter das vor 50 Jahren gemacht? Wie viele Bilder mußtest du sortieren und bearbeiten? Wir waren vor 3 Wochen auf der Hochzeit von Claudias jüngster Tochter in Kalabrien, neben mir der engagierte Fotograf mit einer Canon-„schlag mich tot“, Drrrrrrrrr und dann mußte der arme Kerl die Bilder sichten und nachbearbeiten. Wir hatten aus der Kirche ca. 30 Bilder, fertig, Q sei Dank.

    Dann sei mal wieder schön fleißig und vielleicht verirrt ihr euch mal in die Pfalz.
    LG Dirk

    • Claus Sassenberg

      Also, dass ich auf Serienbildfunktion hätte stellen können, auf den Gedanken bin ich nie gekommen. Natürlich mal schnell hintereinander weg draufgedrückt, das ist klar, vor allem als das Peloton durchkam. Aber mit der M10 mache ich lieber Einzelaufnahmen, korrigiere den Fokus nach (was nicht länger als eine halbe Sekunde dauern muss), und behalte die Kontrolle über das Motiv. Im Gegensatz zu „spray and pray“.

      Und weil ich eigentlich immer schön ein Bild nach dem anderen gemacht habe, ist da gar nicht soviel zu sortieren gewesen, vor allem kein wirklicher Ausschuss. Nur wollte ich nicht das gesamte Fahrerfeld in den Blog stellen. Von der ganzen Vorbeifahrt gibt es 80 Fotos.

      Diese schnelle Serienbildfunktion finde ich in den meisten Fällen extrem doof. Ich hatte schon Leute mit einer „Nikon-schieß-mich-tot“ neben mir stehen, die haben echt Landschaftsaufnahmen damit gemacht. Was wollen die bloss mit 20 Mal dem identischen Bild? Bei der Q habe ich das gelegentlich gemacht, um Bewegungsabläufe zu dokumentieren (springendes Pferd oder ähnliches), da ist noch irgendein Sinn dahinter.

      Das mit der Pfalz muss ich unbedingt mal auf dem Schirm behalten!

      Liebe Grüße und schon mal schönes Wochenende,

      Claus

      • Lieber Claus,
        wir haben gerade für eine fast 3 Wochen Tour Richtung San Diego eingecheckt. Claudia muß ja auch mal sehen, wo ich 85/86 so überall gewesen bin. Geplant sind Sedona, Santa Fe, Four Corners, Monument Valley, Page mit dem Horseshoe Bend und einem Antelope Canyon und der Grand Canyon. Ich bin gespannt, was uns so vor die Linse kommt. Leider muß ich die Q dafür abtreten. Claudia fasst die Nikon nicht an :-(. Na ja, vielleicht darf ich ja doch mal…..
        Wenn ich zurück bin, schicke ich Dir einen Link zu den Bildern auf Behance.

        LG Dirk

  3. Moment, Du machst Sportaufnahmen ohne den schnellsten Autofokus der Welt? Und ohne die Möglichkeit von 40 Bildern pro Sekunde? Das kann doch nur ein Hersteller, der irgendwie mit S anfängt. Die Käufer dieser Sport-Action-Kameras sitzen gerade vor dem Fernseher und schauen Tour de France und träumen davon, ihren riesigen Kameraboliden mal so richtig sportlich…. 🙂
    Ernst beiseite, zurück zum Spaß: Ein ziemlich lebendiger Bericht, so von mittendrin. Reduziert auf das Wesentliche. Mit einem tollen Spannungsbogen zwischen der betriebigen Veranstaltung und dem schlagartigen Sein in der Natur, modellbahngleich. LautLeise, so als wenn man laute Musik hört und die Lautlos-Taste drückt.
    Eine Landschaft zum Verlieben.
    Danke mal wieder für die ziemlich schönen Bilder.
    Kai

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