Posted by on 30. März 2018

„I myself have always stood in awe of the camera. I recognize it for the instrument that it is, part Stradivarius, part scalpel.“

Irving Penn

Anfang der Woche war ich mit meiner Frau in Berlin. Das erste, wo uns unsere Schritte hinlenkten, war das Amerika-Haus. Dort findet sich noch bis Juli die bemerkenswerte Ausstellung „Centennial“.

Irving Penn

Ein Foto von Audrey

Um sein Werk zu beschreiben, zitiere ich mal aus dem Ausstellungs-Katalog, weil das eine sehr schöne Zusammenfassung ist:

„Pablo Picasso, Marlene Dietrich und Alfred Hitchcock, Porträts von Ureinwohnern Neuguineas, abstrakte weibliche Akte, exquisite Stillleben, glamouröse Modeaufnahmen für die Vogue – Irving Penn (1917–2009) gilt als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts. In seiner Schaffenszeit von rund siebzig Jahren hat er einen höchst vielseitigen und unverwechselbaren Bildkosmos geschaffen. Als einzigartiger Meister der verschiedenen Gattungen gelang es ihm, zeitgenössische Fotografie und Kunst miteinander zu verweben. Ob Menschen oder unbelebte Dinge – Irving Penn wusste sie alle mit einem ganz anderen Blick neu zu sehen und zu etwas Besonderem zu machen. Seine innovativen Fotografien leben von Klarheit, Eleganz, Perfektion und makelloser Schönheit. Mit seiner einmaligen Handschrift und streng reduzierten Ästhetik ist er bis heute stilprägend und hat unzählige Nachfolger inspiriert.“

Im Foyer

Die Ausstellung war gut besucht, aber der Betrieb war diese angenehme Mitte zwischen „man fühlt sich nicht einsam“ und „kommt zu jedem Werk ohne den Gebrauch der Ellenbogen“. Ich kannte einige der Bilder bereits, kein Wunder, das sind Jahrhundertwerke, aber direkt davor zu stehen ist was ganz anderes. Der Eindruck der großen, mit sehr unterschiedlichen Methoden ausbelichteten/gedruckten Fotos ist enorm! Penn hat über die Jahre mit allen möglichen Techniken experimentiert.

Irving Penn

Die Kamera, mit der er am meisten gearbeitet hat, war übrigens eine Rolleiflex. Sie war dort ausgestellt. Eine Brennweite, ich glaube knapp 50mm KB-Format.

Leica M6 TTL mit 35mm Summilux bei f/1.4 1/15sec Kodak Tri-X 400

One Camera, one lens!

Ich hatte übrigens meine persönliche Agenda in Berlin: „One camera, one lens“. Alles, was ich mithatte, war mein augenblicklicher Favorit, die M6 TTL mit dem 35mm Summilux davor, geladen mit Kodak Tri-X. Es war ausdrücklich erlaubt, in der Ausstellung Fotos zu machen. Zunächst war ich etwas schüchtern, aber an einem Punkt kommen diese im Winkel angeordneten Stellwände, die Irving Penn für viele Porträts benutzt hat, und man wird aufgefordert, selbst jemanden so zu porträtieren. Ab da war der Bann gebrochen. Trotzdem fand ich es besser, die Ausstellung mit den Besuchern zu zeigen, als nur Bilder abzufotografieren (die sich sowieso im Internet finden).

Irving Penn

Im Vordergrund die grosse Studio-Leinwand

Schön war, dass der 400er Tri-X für diese Lichtbedingungen absolut in Ordnung war. Mit dem Summilux auf Blende f/1.4 konnte ich zwischen 1/15 und 1/125 Sekunde Belichtungszeit gut arbeiten. Der kontrastreiche Tri-X, verstärkt sogar durch die sehr auf die Werke gerichtete Beleuchtung, erzeugt einen gewissen „Chiaroscuro-Look“.

Irving Penn

Einer meiner persönlichen Favoriten: Ballet society, New York

Egal aus welcher Schaffensperiode, mich haben seine Arbeiten sehr inspiriert. Sein Umgang mit Licht und Schatten, die Bildkomposition, seine Art, in total reduzierten Umgebungen zu porträtieren und vieles mehr habe ich von dort mitgenommen und muss das erst mal verarbeiten.

Der Mann mit der rosa Maske, ein irres Ding, das eine ist in Farbe, leider versagt hier der Tri-X…

In zwei Dingen bestärkt mich dieser Besuch: Zum einen, die analoge Fotografie (auch Mittelformat!) weiter zu pflegen, zum anderen, mehr Bilder auszudrucken. Ein noch so toller Monitor kann nicht das vermitteln, was in einem Bild wirklich steckt. Jedes wirklich gute Bild muss das aushalten. Wenn es nur für Facebook taugt, war’s wohl doch nix.

Comments

  1. Matthias Schaad
    2. April 2018

    Leave a Reply

    Lieber Claus

    Schade liegt Berlin für mich nicht gerade ums nächste Eck. Also habe ich deine Bilder genossen und werde mich über Penn etwas mehr schlau machen.

    Etwas nehme ich aber von deinem Bericht mit! Den letzten Absatz!
    Ich werde mir eine passende Fotomappe kaufen und ausgewählte Bilder in A3 drucken lassen.

    LG von Julia und mir aus Buchsi

  2. Kai
    31. März 2018

    Leave a Reply

    Lieber Claus,
    ich beneide Dich um diesen Besuch. Du machst mit Deinen Bildern und Deinen Zeilen Lust auf diese Ausstellung.
    Nun waren wir mehr als zwei Wochen unterwegs im Norden und das erste (ich verordnete mir ganz bewusst eine Internetpause) war nach der Rückkehr ein Blick auf die Messsucherwelt. Ich wusste, ich werde wieder überrascht. Und freu mich mal wieder, dass totgesagte Klassiker in einer kleinen Filmpatronen doch ziemlich lebendig sind und Menschen auch heute nach nachhaltig zum Lächeln bringen.
    Vielen Dank dafür und ein ganz tolles Osterfest.
    Kai

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