Posted by on 6. November 2021

OM-System

Fast 50 Jahre liegen zwischen diesen beiden Kameras. Die Olympus OM-1 kam 1972 auf den Markt, die OM-D E-M 5 Mark III 2019. Die Design-Anleihen beim ikonischen Vorfahr sind unübersehbar.

Die Marke, die wir alle als Olympus kennen, heißt künftig OM Systems. Das ist eine Reaktion auf den Verkauf der Fotosparte durch den eher auf Medizintechnik und andere Bereiche ausgerichteten Konzern. Zugleich ist der Start der neuen Marke aber auch eine gute Gelegenheit, mal ein wenig in die Geschichte zu blicken. Denn ein OM-System gab es von 1972 bis 2002 schon einmal – und es tun sich einige erstaunliche Parallelen zu Leica auf.

OM-System

Zeitgenossen: Als die OM-1 von Olympus herauskam, sollte sie zuerst M-1 heißen. Leitz fand das nicht so toll, hatten doch sie das M-System. Dort war die M4 das damals aktuelle Modell. Man beachte die ähnliche Größe der beiden Kameras. Auf der Olympus ist ein zeitlich passendes Zuiko 1:1,4/50 aus der ersten Epoche mit so genannter Silbernase, während das Summicron auf der Leica deutlich neueren Datum ist.

Bei der Photokina 1972 tauchten sie schnell am Olympus-Stand auf – Mitarbeiter von Ernst Leitz Wetzlar. Dass das neue Spiegelreflex-System aus Fernost ausgerechnet M-System heißen solle, das gehe nicht an. Olympus war zu dieser Zeit durchaus nicht unbekannt, hatte mit dem Halbformat-System Pen großen Erfolg, und das neue Produkt aus diesem Hause nahm man ernst. Den gleichen Buchstaben wie beim eigenen M-System wollte Leitz also nicht verwendet sehen. Zumal die jüngste M-Leica, die M4, da auch schon vier Jahre auf dem Markt war und mehr so vor sich hindümpelte.

Die Olympus-Leute gaben nach: Aus M-System wurde OM-System

Möglicherweise einfach um einer markenrechtlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, lenkte Olympus ein. Aus M wurde OM und aus der M-1 die OM-1 (einige M-1-Modelle kamen dennoch in den Verkauf und sind heute sehr gesuchte Sammlerstücke). M bezog sich der Legende nach auf Yoshihisa Maitani, den Chefdesigner von Olympus und anerkannten Entwickler und Gestalter – vielleicht war es aber auch einfach nur eine Provokation in Richtung Wetzlar. Jedenfalls hieß das System am Ende OM, was vielleicht für Olympus Maitani stehen sollte (mehr dazu wie auch zum ganzen OM-System gibt es in der liebevoll zusammengestellten Olypedia: https://olypedia.de/index.php?title=M-1).

OM-System

Waren das noch Zeiten! Als das OM-System vorgestellt wurde, wurde das mit einem veritablen Buch flankiert. Die Bilder mögen Geschmackssache sein, inhaltlich ist das Werk von Franz Pangerl spitze. Das System-Logo feiert gerade fast unverändert fröhliche Urständ.

Eine zeitlos gute Idee: Handlichkeit als Entwicklungsziel

Die OM-1, die dann auf den Markt kam, war die kleinste und leichteste Spiegelreflexkamera ihrer Zeit und ein radikaler Gegenentwurf zu den eher unschönen Boliden des Wettbewerbs. Natürlich wurde die Systemeinführung auch von einem aufwendig gemachten Buch begleitet. Dessen Autor Franz Pangerl schrieb ganz treffend von einer „Rückkehr zum Ideal der Kleinbildkamera“, und auch sonst zeigte Olympus, dass sie es ernst meinten. Die Objektivpalette war vom Start weg ehrgeizig anlegt, und die meisten Brennweiten waren gleich doppelt vertreten, einmal besonders kompakt, einmal besonders lichtstark.

Mehr Evolution als Innovation – ein Teil des Problems

OM-System

Die voll ins OM-System integrierten Kameras hatten einstellige Nummern. OM-1 und OM-2-Modelle sind gebraucht leicht zu finden. Gut erhaltene OM-4 Ti-Gehäuse sind schwerer zu bekommen, und die OM-3 Ti ist längst ein echtes Sammlerstück, das ich mir für dieses besondere Gruppenbild ausleihen konnte. Es ist beachtlich, wie wenig sich die Kameras zwischen 1972 und 1995 verändert haben. Die OM-3 und OM-4 hatten das vielleicht beste Belichtungsmesssystem, das es je gab.

1975 kam dann die OM-2 auf den Markt, und sie war abermals eine Sensation. Sie hatte die auto-dynamische Belichtungsmesssteuerung. Speicherlos wurde die Belichtung in Echtzeit auf der Filmebene elektronisch ermittelt und konnte, noch während der Verschluss geöffnet war, korrigiert werden. Das eröffnete die Möglichkeit zur TTL-Blitzmesssteuerung. Angeblich war das ein Minolta-Patent, dessen Potenzial erst der Mitbewerber erkannte. Die Minolta CLE nutzte jedenfalls das gleiche Prinzip. All die Innovationen packten die Olympus-Leute in das kleine Gehäuse der Om-1, eine gewaltige Leistung. Es folgte 1978 mit der OM-10 das erste von mehreren Kameramodellen mit zweistelliger Nummer; diese waren eher für Einstzeiger gedacht und nur eingeschränkt systemkompatibel. Die OM-3 war dann wieder voll mechanisch, hatte aber wie ihre Schwester OM-4 eine noch raffinierte Belichtungsmessung. Mit einer super  einfachen Technik kann man dort bis zu neun Punkte anmessen und miteinander verrechnen lassen. Zum Schluss brachte Olympus noch verbesserte Versionen mit Titangehäuse (ja, Titanchassis und nicht nur Titanlack wie bei Leica) heraus. 1995 bildete die OM-3 Ti, ein Tribut an Grandseigneur Maitani, die letzte Eigenentwicklung. 2002 wurde das System dann offiziell abgekündigt, 33 Jahre nach der Markteinführung und längst wirtschaftlich bedeutungslos geworden.

Bedienerfreundlich, aber unvollständig

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Ungewöhnlich, aber toll in der Benutzung: Olympus ging mit dem Einstellring für die Belichtungszeit am Bajonett (statt oben auf der Kamera) eigene Wege. Beim Fotografieren verschiebt man nur zwei Finger der linken Hand und wandert von Blende über Entfernung zur Belichtungszeit.

Alle einstelligen OM-Kameras teilen einige Eigenschaften. Am augenfälligsten ist sicher der ums Bajonett angebrachte Ring zur Einstellung der Belichtungszeit (an der OM-1/3 mechanisch, an der OM-2/4 elektronisch gebildet). Man fragt sich wirklich, warum sich das nicht durchgesetzt hat, die Ergonomie ist nämlich hervorragend. Auch hatten die „echten“ OMs auswechselbare Sucherscheiben (der Sucher selbst war, anders etwa als bei vielen Nikons, fest) sowie einen Blitzschuh (anfangs zum Aufschrauben, später fest integriert und stabiler). Keine der Kameras konnte den Blendenwert im Sucher anzeigen, was auch daran liegt, dass der Blendenring ganz vorn am Objektiv liegt, wie bei Leica. Das ist gut fürs Handling, macht aber ein Einspiegeln im Sucher unmöglich. Das wurde irgendwann zu einem fast unverzeihlichen Manko an einer SLR.

Wie bei Leica: Der gute alte Tuch-Schlitzverschluss und seine Limitierungen

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Der Tuch-Schlitzverschluss ist leise und zuverlässig, aber langsam. Olympus hielt bis zuletzt daran fest, trotz aller Limitierungen der Technik. Das kennen wir von der Leica M.

Die frühen OM-Modelle hatten 1/1000 Sekunde als schnellste Belichtungszeit, das war damals noch marktüblich. In den 1980ern kam Olympus dann aber ins Hintertreffen. Andere hatten bald 1/250 Sekunde als tageslichttaugliche Blitzsynchronzeit, Olympus musste aufwendig einen Vollsynchronblitz mit extra langer Abbrenndauer entwickeln (auch so eine tolle, aber letzten Endes fehlgeleitete Ingenieurleistung), weil man am bewährten, aber langsamen horizontal ablaufenden Tuch-Schlitzverschluss festhielt. Der Wettbewerb war da längst zu den schnellen Verschlüssen aus Metall-Lamellen übergegangen. Kommt dem geneigten Leica-Benutzer bekannt vor, nicht wahr?

Und noch einer hat die Autofokus-Revolution verschlafen

Mangelnder Mut und/oder falsche Marktannahmen brachten dann eigentlich schon ab Mitte der 1980er Jahre dem OM-System das Genick. 1985 kam die Minolta 7000 heraus, die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit eingebauten Autofokus und motorischem Filmtransport. Die eilends auf den Markt gebrachte OM-707 konnte da nicht mithalten – vor allem, weil sie kein vernünftiges manuelles Eingreifen ins Fokussieren ermöglichte. Die ganze Welt hatte eine professionelle OM-5 erwartet, und Olympus brachte einen Plastikbomber. Die OM-5 kam dann nie (oder, wohlwollend gesagt, 2012 also Micro Four Thirds-Kamera). Ich habe damals schon von Händlern gehört, dass Olympus davon ausgehe, dass die geschätzte Kundschaft doch hoffentlich das Scharfstellen von Hand beherrsche. Noch so eine Parallele zu Leica, nur das die den Autofokus sogar (mit-) erfunden hatten.

OM-System

Das sind nur einige wenige Objektive aus dem zeitweise gigantischen (zumal gemessen am bescheidenen Marktanteil) Olympus-Programm. Alle Optiken waren so entwickelt, dass sie handlich blieben und ein einheitliches Design hatten.

OM-System

Klein und gut, mit einheitlichem 49er Filtergewinde: Die Zuikos 1:3,5/21, 1:3,5/50 Macro und 1:2/85 gehörten zu den erschwinglicheren Teilen im Programm. Schmuckstücke sind sie bis heute.

Klein, leicht, gut und schön: Zuiko-Objektive strebten nach dem perfekten Kompromiss

Die Objektive folgten dem gleichen Prinzip wie die Kameras: klein, leicht, ergonomisch und attraktiv sollten sie sein. Und tatsächlich, nimmt man ein gut erhaltenes Zuiko aus den 70ern in die Hand, stellen sich Leica-Vibes ein. Die Objektive fühlen sich super an und verströmen einen irren Qualitätsanspruch, auch noch nach Jahrzehnten. Und sie sehen fast unverschämt gut aus, unverwechselbar und wunderbar kompakt. Die Gegenlichtblenden waren meist zum Aufschrauben, mit neumodischem Zeug wie tulpenförmigen Blenden wollte man sich nicht so abgeben. Alles recht konservativ, aber fein. Man könnte fast glauben, da hätten Leica-Linsen unwissentlich Pate gestanden.

Die optische Leistung der Zuikos: Viel Licht und nur wenig Schatten

An heutigen Standards gemessen, fällt die Bewertung der Optiken wohl etwas durchwachsen aus. Einige der frühen Konstruktionen wie das 1:1,8/50, das 1:3,5/50 Macro, das 1:3,5/21, das 1:2,8/24 oder das 1:2/85 waren phänomenale Leistungen, andere Objektive blieben eher durchschnittlich. In den 1980er-Jahren kamen einige spektakuläre Neuentwicklungen dazu, die die Grenzen des Nachbaren ausloteten. Dazu gehören das Shift-Objektiv 1:3,5/24, das 1:2/100 mit allen Finessen wie ED-Gläsern und Floating Elements) und die Superteles 1:2/250 sowie 1:2,8/350. Viele OM-System-Objektive wurden übrigens über sehr lange Zeit produziert, oft ohne große Veränderungen. So war die Produktpalette zwar riesig, aber nicht durchgehend zeitgemäß.

OM-System

Hier geht es in exklusivere Gefilde: Das Zuiko 1:2/21 war in den 80er-Jahren eine Sensation, das 1:3,5/24 Shift ebenso. Das 1:2/100 gehört zu den besten KB-Objektiven des Analogzeitalters, das 1:2/50 Makro ebenso.

Für die Nische war es ein riesiges System

In seinen besten Zeiten war das OM-System in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Vom Umfang konnte es sich an Canon oder Nikon messen lassen, ohne auch nur annähernd einen angemessenen Marktanteil zu erziehen. Auf dem Profi-Markt war Olympus kaum verankert, was ein Prestigeproblem erzeugte (beim Hersteller und beim einen oder anderen Benutzer). Das OM-System war etwas für anspruchsvolle Amateure. Mein Vater war so einer, seinetwegen kam ich auch zu meiner ersten OM (1988, gebraucht, 150 Mark, funktioniert bis heute), denn mal ein Objektiv ausleihen zu können, war für mich als Schüler ein echtes Argument. Eine besondere Erwähnung übrigens ist noch für das Makro-Zubehör von Olympus fällig. Vom revolutionären Makro-Tubus über eine ganze Serie von Objektivköpfen bis zu Ring- und Zangenblitz gab es alles, gerade auch für die wissenschaftliche, technische oder medizinische Fotografie.

OM-System

Zwei Kameras aus den späten 80ern jenseits des Mainstreams: Olympus OM-4 Ti und Leica M6. Die Olympus hatte eine sensationelle Multispot-Belichtungsmessung zu bieten, während die Leica in dieser Hinsicht eher archaisch ist. Dafür hat sie einen roten Punkt…

49 Jahre seit der Photokina 1972: Olympus hat’s gleich mehrfach vermasselt

Gehen wir nochmals zurück ins Jahr 1972, auf die Photokina. Da war Olympus für Leica eine Bedrohung. Das würde heute wohl keiner mehr so sehen. Was also ist seither schiefgegangen für Olympus? Leica ist stärker als seit langem, Olympus hat den Glauben an die Photosparte verloren und sie verhökert. Wenn man zurückschaut, ist es fast unglaublich, wie Olympus gleich mehrere Male die Technologieführerschaft verlieren und sich in die Sackgasse manövrieren konnte.

Ist nicht so eine schlechte Idee, auf Kundenwünsche einzugehen

OM-System

Es war ein mutiger Schritt von Olympus, das Four Thirds-System zu entwickeln. Die E-3 war 2007 super Kamera und stellte mit ihren 12 Megapixeln manchen Mitbewerber mit höher auflösendem Sensor in den Schatten. Das allerdings geht auch auf das Konto der exzellenten Objektive für Four Thirds. Hier ein Bild von Konstanz aus einem Luftschiff heraus, verwendet wurde das 12-60.

1972 hatte Olympus die Kamera, die jeder wollte. Klein, gut, bedienerfreundlich. Dann kam die beste Belichtungstechnologie weltweit dazu, für die immer populärer werdenden Diafilme war das besonders wichtig. Aber bei Olympus ruhte man sich auf den Lorbeeren aus und hörte nicht auf die Kunden. Die wollten Autofokus – Olympus setzte auf das Fokussieren von Hand. Sie wollten schnelle Verschlusszeiten und bessere Möglichkeiten zum Aufhellblitzen – Olympus hielt am leisen, erschütterungsarmen, aber im Kern eben doch veralteten Tuchverschluss fest, während die Konkurrenz längst schnelle Metall-Lamellenverschlüsse verbaute.

Four Thirds – noch eine Pionierleistung, noch eine Sackgasse

Und auf fast tragische Weise sollte sich Geschichte wiederholen. Zu Beginn der 2000er-Jahre war Olympus bei Digitalkameras ganz vorne mit dabei. Olympus hatte die Kameras, die die Kunden wollten. Kleine, bezahlbare Kompaktkameras. Robuste semiprofessionelle Modelle mit guten Objektiven wie die C5060. Kameras für einen professionellen Einsatz wie das all-in-one-Modell E-10. Dann wagte sich Olympus in das Four Thirds-System, das erste ganz neue System des Digitalzeitalters, ohne Kompromisse durch die Verpflichtungen aus einer Vergangenheit. Für ein paar Jahre gab es dort tolle Kameras für Profis und Amateure sowie vor allem ausgezeichnete Objektive. Doch da war das SLR-Konzept schon am Wanken. Also nochmal was Neues. Olympus war einer der Micro Four Thirds-Pioniere, bereitete der spiegellosen Systemkamera den Weg – und den großen kommerziellen Erfolg damit feiern nun Sony, Canon und Nikon. Olympus bleibt ein Mini-Marktanteil.

Man fragt sich schon, warum der dauerhafte Erfolg so oft ausblieb

Wie es dazu kommen konnte, ist unklar. Ja, der Photo-Bereich war im weit verzweigten Olympus-Konzern immer nur eine Nische. Vielleicht ging es auch beim Entwickeln zu langsam, wahrscheinlich aber eher beim Entscheiden. Fürs Marketing war zu wenig Geld da, und das wurde bisweilen für komische Sachen ausgegeben wie eine Art urbanen Abenteuerspielplatz mit dem sinnigen Namen playground. Vielleicht haben sie ihre Story aber auch einfach nicht gut genug erzählt. Denn Olympus ist es nie wie anderen Marken – und hier zuvorderst Leica – gelungen, die Kunden zu Fans zu entwickeln.

Gleiche Sensorgröße, aber kleinere Hardware dank spiegelloser Technologie: Auch mit Micro Four Thirds kann man super fotografieren, hier ein paar Beispiele aus einer E-M1 und einer E-M5 MkII. 

OM-System

Ich mag‘s, wenn das Werkzeug auch gut aussieht. Da hat Olympus echt was zu bieten. Aber auch die Bildqualität, die man mit den neuen Zuikos (75, 12-40, 17 auf der Kamera und 40-150) erzielen kann, lässt nichts zu wünschen übrig

Olympus (oder OM System) heute: spannende Produkte in der Nische

Trotz allem haben sie bei Olympus immer weitergemacht. Und haben tolle Produkte herausgebracht. Die bereits erwähnte OM-D E-M 5 (wie auch immer sie auf diesen Namen gekommen sein mögen) war bahnbrechend, und viele ihrer Nachfolger hatten echte und sinnvolle Innovationen zu bieten. Die Olympus-Produkte waren immer dann besonders überzeugend, wenn die Idee der kleinen Baugröße konsequent umgesetzt war. Zum Beispiel beim vergleichsweise zierlichen, optisch exzellenten 1:2,8/40-150 Telezoom und dem ebenso beeindruckenden 12-40. Die aktuelle dritte Version der E-M 5 ist wunderbar handlich und vollgepackt mit super Funktionen. Sogar für professionelle Tier- und Naturfotografen ist Olympus nicht aus der Welt, dank des überraschend leichten 1:4,5/150-400 Supertele. Wer seine Ausrüstung weit tragen muss, weiß es sicher zu schätzen.

Bei der Wiederbelebung der Marke OM fehlt es am Pathos jedenfalls nicht

Nun ersteht die Marke OM also wieder auf. Ich wünsche ihr allen Erfolg, denn die Umstände können schwieriger kaum sein. Der Fotomarkt schrumpft und ist verstopft mit Systemen, Kameramodellen und Marktteilnehmern. Ich hoffe wirklich, dass nicht das OM-System erneut zu den Verlierern gehören wird. Ein großer Name mit einer stolzen Geschichte ist sicher eine Hilfe, aber am Ende kommt es auf die Substanz an. Was ich zur Markteinführung gesehen habe, hat bei mir noch ein paar Zweifel offen gelassen. Sagen wir es so: Am Pathos immerhin fehlte es nicht.

Von den vielen Projekten, die ich mit dem analogen OM-System umgesetzt habe, ist mir eine lange Reise durch Südengland im Jahr 1995 besonders in Erinnerung geblieben. Deshalb habe ich mich entscheiden, daraus ein paar Arbeiten zu teilen (ja, man war damals mit zwei Gehäusen für zweierlei Filmmaterial unterwegs). Die Farbbilder sind vom Dia digitalisiert, die Schwarzweiß-Bilder sind mit einem einfachen Scanner vom 13×18-Abzug digitalisiert.

OM-System

Nice. Ich finde, die alten Olympus-Sachen sind so zeitlos schön wie (Sakrileg-Alarm!) Leica-Produkte. Hier eine OM-1 von Mitte der 70er-Jahre mit den Zuikos 1:2/85, 1:3,5/21, 1:2/50 Macro, 1:28/180, 1:4/75-150 (das erste Zoom, das für das OM-System rauskam) und 1:2/100. Auf der Kamera ist das bescheidene 1:1,8/50, das optisch ganz ausgezeichnet ist.

OM-System

Schick: Die neuen Olympus-Kameras (künftig: OM System) greifen das Design des alten OM-Systems unübersehbar auf. Keine schlechte Idee bei einem solchen Erbe. Ich wünsche dem Projekt jedenfalls von Herzen viel Glück.

Ich persönlich werde meine alte Olympus-Ausrüstung jedenfalls in Ehren halten, mit ein paar anderen Fans das eine oder andere gute Stück austauschen (wie für diesen Artikel) und gerne immer mal wieder einen Film einlegen. Ich finde auch, dass viele der Einzelteile heute als Design-Ikonen durchgehen können, insbesondere die frühen OM-1/2-Gehäuse. Auch mit Micro Four Thirds arbeite ich noch immer – dann, wenn es besonders kompakt sein muss oder wenn die Umweltbedingungen ganz schlecht sind, denn die Abdichtungen sind überragend. Es muss nicht immer Vollformat und Leica sein.

In einem Satz: Das OM-System lebt, und das ist auch gut so.

OM-System

Die Schätzchen von damals werden dank der vollformatigen spiegellosen Kameras auf einmal wieder interessant. Manchmal ist das Ergebnis beeindruckend, manchmal ernüchternd. Für systematische Versuche mit der Panasonic S5 und alten Olympus-Objektiven hat mir bisher aber die Zeit gefehlt.

Comments

  1. Jörg-Peter
    21. November 2021

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    Lieber Frank Thomas,
    besten Dank für die nette Rückmeldung. Ich nutze meine E-M1 auch bis heute. Dafür, dass sie schon etliche Jahre, mehrere Einsätze bei Bränden und Unwettern sowie andere Strapazen auf dem Buckel hat, ist sie noch gut in Schuss. Und auch die Bildqualität finde ich bis heute durchaus konkurrenzfähig, so lange man nicht in allzu hohe ISO-Bereiche kommt. Und dieses Risiko ist durch die ausgezeichnete Stabilisierung gar nicht so hoch. Ich hoffe, wir haben beide noch schöne Jahre mit den OM-MFT-Sachen. Sie haben neben einer M unbedingt eine Berechtigung, finde ich.
    Viele Grüße, Jörg-Peter Rau

  2. Andy Diehl
    19. November 2021

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    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Olympus kreuzte in meiner fotografischen Laufbahn immer mal wieder meinen Weg und war auch immer der liebenswerte Underdog im Kameramarkt. In meiner Jugendzeit war eine Olympus mein ständiger Begleiter und hat mich nie enttäuscht, meinen Einstieg in die Digitalfotografie machte ich mit einer C5060.

    Obwohl den Kameras und vor allem den Optiken, aus technischer -und qualitativer Sicht, nie etwas vorzuwerfen war, war doch das „Ökosystem“ relativ begrenzt und bot, im Gegensatz zu Canon oder Nikon, wenig „Aufstiegsmöglichkeiten“ in höhenwertige und teurere Systeme. Da hatte Olympus leider wenig zu bieten und auch aus Sicht des Vertriebs war die Kamerasparte schlecht aufgestellt.

    Grüße

    Andy

  3. Frank THOMAS
    13. November 2021

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    Lieber Jörg-Peter Rau,

    vielen Dank für diesen schönen Überblick über das Olympus-System und seine Geschichte. Wie wir neulich erfahren konnten, wird dieses System ja nun unter einem entsprechenden neuen Namen seine Fortsetzung finden. Dies freut mich als immer-noch-Olympus-Nutzer natürlich besonders. Nach Einstieg bei Olympus mit der E-620 (inzwischen mit einigen Objektiven verkauft) habe ich mich, wie wohl die meisten FT-User, dem mFT-System zugewandt, dessen E-M1 (erste Version) mich auf beruflichen und privaten Reisen schon auf alle Erdteile (außer Antarktis) begleitet hat. Dazu kamen als noch besser portable Kameras die E-M10 (v II) und für das ganz kleine Gepäck die Pen E-PM2, mit der inzwischen meine Frau fotografiert. Den seinerzeit dafür erworbenen Aufstecksucher nutze ich jetzt an der M-P (240) in Kombination mit dem VM-Skopar 21/3.5 (wenn ich dafür nicht den optischen Sucher nehme) oder mit einem adaptierten Minolta-135er. Meine Beschäftigung mit den Leicas hat den Olympus-Kameras allerdings inzwischen längere Ruhephasen eingebracht. Ich werde sie aber auf jeden Fall behalten, insbesondere für den Einsatz unter harscheren Bedingungen oder in der Makrophotographie.

    Viele Grüße

    Frank Thomas

  4. Jörg-Peter Rau
    7. November 2021

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    Lieber Herbert Gspan, vielen Dank und gern geschehen. Ja, hoffen wir, dass den Worten nun auch Taten folgen. Die OM-D E-M 1 hatte damals einen absolut konkurrenzfähigen (auch Phasen!-) AF, aber die Welt hat sich weiter gedreht. Beim EVF dito. Auf dem weiter schrumpfenden Markt und dem bescheidenen OM-Marktanteil kann man nur hoffen, dass genügend Entwicklungsgelder vorhanden sind und die Pipeline von früher noch gefüllt ist. Aber ja, ich bin auch zuversichtlich, dass sie es nicht nochmals uns dann final vermasseln. Jörg-Peter Rau

  5. Jörg-Peter Rau
    7. November 2021

    Leave a Reply

    Lieber Holger, vielen Dank für die Rückmeldung. Ja, die OM-Kameras sind nicht nur gut und sehr solide gebaut, sondern sehen auch super aus. OM-Objektive an MFT zu adaptieren, habe ich auch mal probiert. Da ich aber ein entscheidener Weitwinkel-Fotograf bin, hat es nur bedingt weitergeholfen. Für engere Bildwinkel ist es aber sicher interessant – zumal, wenn nur die der beste Bereich des Objektivs genutzt wird. Grüße Jörg-Peter

  6. Holger Bohnensack
    7. November 2021

    Leave a Reply

    Hallo,
    für mich hatte Olympus immer ein besonderes Flair. Die Kameras waren liebevoll und hochwertig gefertigt. Als Schüler habe ich mir 1974 eine 35RC gekauft . Die sieht heute noch aus wie neu und funktioniert noch. In dieser Zeit hätte mich auch eine OM1 gereizt. Ein wunderschönes Teil. Mit den damaligen Mitteln wurde es aber eine Praktica. Vor einigen Jahren habe ich mir doch eine OM1 gegönnt. Eine der schönsten Kameras überhaupt. Eine enorme Wertigkeit, die moderne Fotocomputer aus Plastik nicht mehr haben. Auch die digitale Olympus Pen F hat mir sehr gut gefallen. Die habe ich auch. Auch hier kann man gut die alten OM-Objektive adaptieren, allerdings mit Crop-Faktor 2. Olympus hat heute noch meine besondere Wertschätzunh
    Holger

  7. Herbert Gspan
    6. November 2021

    Leave a Reply

    Danke für den informativen Artikel. Analog war bei mir Minolta 9000 und digital sind es Olympus und Leica. Ich hoffe, dass dem deutlichen Brand Statement nun auch eine entsprechende Kamera folgt. Die Oly Objektive sind super, aber eine neue OM-1 muss beim Sensor, EVF, .. auch Autofkus zur Konkurrenz aufschließen. Ich bin zuversichtlich und hoffe nicht enttäuscht zu werden.

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