APO und Leica – das war früher mal fast untrennbar miteinander verbunden. Und bis heute kommen spektakuläre apochromatische Objektivkonstruktionen aus Wetzlar. Doch bei Voigtländer/Cosina ruht man sich auch nicht auf den Lorbeeren aus: Drei neue Voigtländer APO-kamen zuletzt auf den Markt. Doch sind das APO-Lanthar 2,0/35, das APO-Lanthar 2,0/50 und das APO-Skopar 2,8/90 Konkurrenten für Objektive, ein Mehrfaches kosten?

Voigtländer VM APO Objektive
Die glorreichen Drei? Voigtländer hat in den letzten zwei Jahren drei APO-Objektive auf den Markt gebracht: APO-Lanthar 2,0/35, APO-Lanthar 2,0/50, APO-Skopar 2,8/90 (von links).

Ein guter Teil seines Überlebens hat Leica wohl einer Initiative ausgerechnet aus Japan zu verdanken. Dort trat ab 1999 Voigtländer auf den Plan. Zunächst mit der Bessa L, einer sucherlosen Kamera mit Leica-Schraubgewindeanschluss, und dann bald mit Messsucherkameras mit M-Bajonett. Einige von ihnen waren in ihren Spezifikationen wirklich einzigartig (siehe M-Files, Teil 2 über die Weitwinkel-Bessa R4M und Teil 6 über das sehr spezielle Modell Bessa T) – ein Jammer, dass sie alle eingestellt wurden.

Wie kam es dazu? Der Markenname Voigtländer wurde von der damaligen Ringfoto-Gruppe, die die Rechte an dieser ehemals prestigeträchtigen deutschen Marke hielt, an den Hersteller Cosina übertragen. Und innerhalb von Cosina war der Geschäftsführer Hirobumi Kobayashi eine treibende Kraft. Nach verschiedenen Quellen ist er ein Liebhaber klassischer Kameras und damit ein Leica/Zeiss-Fan, und ohne ihn gäbe es wahrscheinlich keine Voigtländer M-Mount-Objektive. Dutzende von verschiedenen Modellen und Variationen wurden in den letzten zwei Jahrzehnten hergestellt, wie Stephen Gandy auf seiner weiter über einen Onlinestore hinausgehenden Website zeigt.

Als Leica strauchelte, blieb Voigtländer standhaft

Erinnern wir uns: Leica war die Jahrtausendwende in einer schwierigen Lage. Hohe Kosten, geringe Marktanteile, fehlende Innovationen (oder besser: die Kraft, aus Ideen marktfähige Produkte zu machen) waren ein Teil der Misere. Unerschwinglich scheinende Preise für zwar gute, aber doch sehr konservative Produkte ein anderer. Und dann kam der verkorkste Börsengang, die Beteiligung von Hermès war offenbar auch nicht gerade ideal, es gab viele Wechsel im Management, und dann kam ausgerechnet die digitale Revolution. Im Jahr 2005 stand Leica am Rande der Insolvenz.

In diesen Jahren hat Cosina viel dazu beigetragen, dass im Messsucher-Segment Bewegung blieb, und das kann man eigentlich gar nicht genug wertschätzen. Als Leica fast abgeschrieben schien, brachte Cosina jedenfalls die Bessa-Kameras und ein Objektiv nach dem anderen mit M-Mount auf den Markt. Cosina war an der Herstellung der revolutionären Epson R-D1 beteiligt, der ersten digitalen Messsucherkamera überhaupt im Jahr 2004. 

Es folgte (ich würde sagen: einige Jahre zu spät und etliche Jahre zu früh gleichermaßen) die analoge Messsucherkamera Zeiss Ikon und die dazugehörigen ZM-Objektive (mehr über diese Kamera in Teil 5 der M Files; weitere ZM-Objektive werden in Teil 11 und in Teil 12 der Serie vorgestellt). Und Voigtländer brachte viele Objektive zu einem attraktiven Preis auf den Markt, die vielen Enthusiasten, die sich ein Summicron oder -lux nicht hätten leisten können, die Option Messsucher eröffneten. 

Keine billige Pseudo-Alternative, sondern ein eigenständiges Programm

In den letzten Jahren haben sich, so jedenfalls ist mein Eindruck, die Voigtländer-Objektivkonstruktionen deutlich weiterentwickelt. Die Asphärentechnologie hielt Einzug, die Mechanik wurde stark verbessert, es entstand insgesamt ein umfassendes Programm entwickelt, das ganz sicher keine billige Notlösung mehr ist. Man könnte sogar sagen: In diesen oft kleinen, meist guten und einfach zu nutzenden Objektiven mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis steckt ganz schön viel Barnack drin.

An der Spitze des Programms stehen derzeit drei Objektive, die weit in das Terrain von Leica eindringen: Wenige Jahre nach dem bahnbrechenden APO-Summicron-M 2,0/50 von Leica brachte auch Voigtländer ein apochromatisches 2,0/50. Das Voigtländer APO 2,0/35 wurde sogar noch vor seinem Leica-Pendant auf den Markt gebracht. Das APO-Skopar 2,8/90 hat dagegen keine direkte Parallele im Leica-Universum.

Voigtländer VM APO Objektive 35, 50, 90
Der Lieferumfang der Objektive ist eher knapp: Front- und Rückdeckel sind standardmäßig dabei, nur das 90er kommt gleich mit einer feinen Metall-Streulichtblende. Die Blende links ist die LH-13, die sowohl auf das 35er als auch auf das 50er passt. Und ja, sie hat eine fette Delle – und bei einem Sturz das Objektiv selbst gerettet.

Apochromatische Designs und APO-Objektive sind nicht dasselbe

Natürlich wäre Leica nicht Leica, wenn sie dort nicht ihre eigene und engere Definition von apochromatisch hätten. Jono Slack hat dazu einen wie immer ausgezeichneten Artikel auf Macfilos geschrieben – sehr empfehlenswert zu lesen, auch wegen der wichtigen Unterscheidung zwischen dem Begriff apochromatisch und der Bezeichnung APO-Objektiv. Wer einige Details von Leicas Objektivkonstrukteur Peter Karbe höchstselbst hören will, schaue Sie sich dieses Video auf Deutsch (ab Minute 13:25) oder dieses Webinar auf Englisch (allgemeiner, aber auch sehr lehrreich) an.

Im weiteren werde ich hauptsächlich auf die Objektive selbst eingehen. Für das 2,0/35 und das 2,0/50 hatte ich keine Gelegenheit, Vergleichsaufnahmen mit den entsprechenden Leica APO-Objektiven zu machen. Das Voigtländer 2,8/90 hat kein direktes Äquivalent in der aktuellen Leica-Produktpalette: Das Elmarit-M 2,8/90 ist schon lange nicht mehr im Programm; und das Summicron-90/2 bietet, obwohl APO und ASPH, genau wie das Skopar, eine ganze Blende mehr Lichtstärke. Man lese den Artikel also als Praxisreport über die drei Voigtländer-Objektive und nicht als einen Vergleich Voigtländer vs. Leica.

Es scheint mir aber doch noch erwähnenswert, dass APO-Designs für kürzere Brennweiten populärer geworden sind. Apochromatische Konstuktionen waren für lange und superlange Teleobjektive ein Durchbruch, weil der Spielraum für Verbesserungen bei Objektiven mit 200, 30 oder 400 Millimetern beträchtlich war. Mit den immer besser werdenden Sensoren und ihrer inzwischen ja geradezu gnadenlosen Auflösung entstand ein Bedarf an APO-Designs auch für kürzere Brennweiten. Hier hatten bisher herkömmliche Konstruktionen auch ohne solchen Aufwand schon gute und hervorragende Abbildungsleistungen gebracht.

M10, Voigtländer 2,8/90 – das könnte eine Traumkombination sein. Ist sie das? Bis zum Ende lesen lohnt sich… (c) Emanuel Jauch

Praxistest mit dem Voigtländer-Trio an Leica M und SL

Die hier gezeigten Bilder habe ich mit verschiedenen M-Messsucherkameras gemacht (siehe Bildunterschriften). Zudem kam die SL (Typ 601) zum Einsatz. Alle Fotos wurden in realen, reportageähnlichen Situationen aufgenommen. Für wissenschaftliche Bewertungen von Objektiven verweise ich gerne auf kompetente Quellen wie Sean Reid. Seine Berichte über das 2,0/35 APO sowohl von Leica als auch von Voigtländer sind beeindruckend. Ich fragte ihn, ob er plant, sich auch das 2,0/50 APO vorzuknöpfen. Die Antwort war: vielleicht später. Es gibt noch einige weitere gute Berichte im Internet, zuvorderst natürlich hier auf Messsucherwelt, wo Gastgeber Claus Sassenberg über seine Erfahrungen mit dem 35er APO schreibt, oder von Jack Takahashi (sowohl 35er als auch 50er, auf Englisch).


1. Voigtländer 35 mm / 1:2,0 APO Lanthar

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/35
Ein ordentliches Stück Technik: Das Voigtländer APO-Lanthar 35mm F2, im weiteren Verlauf 2,0/35 genannt.

Noch ein 35-Millimeter-Objektiv? Braucht das jemand auf der Welt? Das mag sich so mancher Leica M- -Nutzer gedacht haben, als das Voigtländer 35 mm / 1:2,0 APO Lanthar asphärisch VM im Februar 2021 vorgestellt wurde. Ja, das Objektiv eine weitere Variation eines Klassikers, sowohl was die Brennweite als auch was die Lichtstärke betrifft. Das Objektiv ist für seine technischen Daten ziemlich groß, dennoch war die Nachfrage, wie ich hörte, von Anfang an ganz ordentlich. 

Technische Daten, Lieferumfang, Preis und Verfügbarkeit

Wie gesagt: Das APO-Lanthar 35 ist kein kleines Objektiv. Es ist auf der Kamera 57 Millimeter lang, insgesamt 71 (82 mit beiden Deckeln). Der maximale Durchmesser beträgt 56 Millimeter. Eher ungewöhnlich für ein M -Objektiv, hat es ein 49-Millimeter-Filtergewinde (andere 35er kommen mit 39 aus). Das Objektiv wiegt 342 Gramm (wie ich es in meiner Fototasche habe, also mit beiden Deckeln und der originalen Streulichtblende – für das nackte Objektiv habe ich 305 Gramm gemessen). Das Objektiv wird mit beiden Deckeln, aber ohne Gegenlichtblende und Beutel geliefert. 

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/35 und andere 35-Millimeter-Objektive
Ja, das neue APO-Lanthar ist groß. Hier auf dem Familienfoto mit anderen Voigtländer 35mm-Objektiven: Nokton 1,4 II, Ultron 2,0, Skopar 2,5.

Ich verwende für dieses Objektiv den hervorragenden, von Novoflex in Deutschland vertriebenen Neoprenköcher OP/Tech 253 (ich mag es nicht, wenn meine Ausrüstung in der Tasche mechanischen Gefahren ausgesetzt ist), die ohne Streulichtblende perfekt passt und auch mit aufgesetzter Streulichtblende in Aufnahmeposition noch gut sitzt. Die Original-Streulichtblende LH-13 lässt sich mit dem bei Voigländer üblichen, an sich schönen, aber nervig chromglänzenden Bajonett befestigen. Die Blende hat aber mit 109 Euro einen stolzen Preis, der genau 10 Prozent des Preises des Objektivs (1099 Euro) beträgt. Immerhin passt die Gegenlichtblende LH-13 auch auf das 2,0/50 APO VM und das Zeiss Distagon 35/1.4 ZM. 

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/35
Die Streulichtblende LH-13 muss zum APO-Lanthar 2,0/35 separat erworben werden und hat einen stolzen Preis.

Das Voigtländer 35 mm / 1:2,0 APO-Lanthar gibt es nur in schwarz und ist als Neuware verfügbar (wenn Händler oder Großhändler oder der Hersteller selbst nicht von Lieferschwierigkeiten betroffen sind). Ich habe bisher noch kaum welche auf dem Gebrauchtmarkt gesehen. Ich habe mein Objektiv mit einer dreijährigen Herstellergarantie im Leica Store Konstanz erworben.

Optik und Abbildungsleistung

Aufbau: Das APO-Lanthar 2,0/35 hat ein ambitioniertes Objektivdesign. An zwei Elementen sind beide Oberflächen asphärisch. Von den elf Linsen sind überdies fünf aus Glas mit anormaler Teildispersion gefertigt. Floating Elements sollen die Schärfe im Nahbereich verbessern. Voigtländer behauptet, es sei das beste 35-mm-Objektiv, das sie bisher hergestellt haben.

Farbabweichungen und Vignettierung: Als colour drift bezeichnet man das Phänomen eines Farbstichs oder -schleiers zu den Bildrändern hin. Dieser wird oft durch Lichtstrahlen hervorgerufen, die in einem sehr steilen Winkel auf die konstruktionsbedingt leicht vertieft angeordneten Pixel des Sensors treffen. Bei meiner guten alten M (Typ 262), die besonders anfällig für diesen Fehler ist, habe ich zum 2,0/35 APO nichts zu beanstanden. Es ist mir auch nie in den Sinn gekommen, ein angenähertes Leica-Objektivprofil zu suchen, um kameraintern oder via Lightroom eine Korrektur für die Farbabweichungen zu aktivieren. Bei offener Blende ist eine beträchtliche allgemeine Vignettierung sichtbar, die aber bei Blende 4 fast verschwunden ist. 

Chromatische Aberration: Ich habe mein Bestes gegeben, aber ich konnte kaum welche finden. Sowohl in fokussierten als auch in unscharfen Bereichen konnte ich keine Farb- und/oder Schärfefehler feststellen, die mit chromatischer Aberration in Verbindung gebracht werden könnten. Das gilt für alle Bereiche des Bildes bis in die äußersten Ecken. Die Bezeichnung APO scheint also gerechtfertigt zu sein.

Schärfe: Das APO-Lanthar hat eine sehr gute Auflösung und übertrifft die Anforderungen eines 24-MP-Sensors in allen Bereichen des Bildes. Die in meinen Augen ausgezeichnete Wiedergabe basiert auf einem hervorragenden Gesamt- und Mikrokontrast und einer sehr guten Ebnung des Bildfeldes. Abblenden bringt nur eine geringe weitere Verbesserung. Das Objektiv ist auch feinsten Strukturen gewachsen. Ich mag den Begriff mit Bezug auf Objektive eigentlich nicht, aber man könnte die Wiedergabe dieses Objektivs schon als klinisch bezeichnen. 

Bokeh und Streulicht: Das APO-Lanthar hat eine sehr interessante Blendenkonstruktion. Die Lamellen sind so konstruiert, dass sie bei f/2,8, f/5,6 und f/16 eine perfekt runde Form bilden. Eine gute Nachricht für alle Bokeh-Liebhaber, die es lieben, wenn Spitzlichter in einer runden Form wiedergegeben werden. Was das Streulicht angeht, ist das Objektiv extrem stabil (für mich sind Flares eher ein Fehler als ein Kriterium für „Charakter“). Mit einer sehr hellen Lichtquelle in einer sehr dunklen Umgebung und mit der Streulichtblende in der Tasche (statt auf dem Objektiv) ist es mir gelungen, ein bisschen Flares zu erzeugen.

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/35
Für die Freunde des gepflegten Bokeh: Das APO-Lanthar 2,0/35 hat eine perfekt gerundete Blendenöffnung auch bei f/2,8 und (wie hier im Bild) f/5,6.

Mein Fazit, Optik: Voigtländer verspricht nicht zu viel. Das APO-Lanthar 2,0/35 ist optisch ein nahezu perfektes Objektiv. Es erfüllt alle Kriterien, die man sich vorstellen kann, und das gipfelt in einer fast unglaublichen Schärfe. Aber Vorsicht: Der Messsucher muss da dann schon perfekt eingestellt sein, und der Benutzer muss sehr sorgfältig arbeiten (denn beides sind in meinen Augen die häufigsten Gründe, wenn es in der M-Fotografie an Schärfe fehlt).

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Reichlich Kontrast (und dankbares Wetter): Pechici, Apulien, Italien. 1/500 sec, f/3.4, ISO 200. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M Typ 262. Alle Bilder in diesem Artikel wurden, wo sinnvoll, in der Belichtung mäßig nachbearbeitet; kein Nachschärfen; keine Ausschnitte, sofern nicht anders angegeben.
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Schönes Bokeh und schöne Botschaft: Wenn es ein Paradies gibt, dann, bin ich mir sicher, hat es einen Strand. Gargano, Apulien, Italien (Ausschnitt). 1/1500 s, f/2, ISO 200. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M Typ 262
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Jede Menge Details: Basilica di Santa Croce, Lecce, Apulien, Italien. 1/500 s, f/5.6, ISO 200. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M Typ 262
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Jede Menge Gemütlichkeit: Matera, Basilikata, Italien. 1/45 s, f/2, ISO 640. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M Typ 262
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Jede Menge Vignettierung. Nimburg in Kaiserstuhl, Baden-Württemberg. 1/750 s, f/2, ISO 200. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M10
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Jede Menge Raum. Ein 35er eignet sich auch gut für Architektur, solange die Örtlichkeiten eine gewisse Weite haben. Historische Zisternen, Matera, Basilikata, Italien. 1/30 s, f/2, ISO 2500. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M Typ 262

Mechanik und Haptik

Generelles Erscheinungsbild: Wie erwähnt, ist das APO-Lanthar ein großes und nicht gerade leichtes Objektiv. Es macht einen soliden Eindruck und sein Design erinnert an die klassischen Leica-Objektive mit der markanten „Berg-und-Tal-Riffelung“. Das Objektiv hat ein 49-mm-Filtergewinde und den schon kritisierten verchromten Bajonettanschluss für die Streulichtblende. Letzteres ist mehr als eine Frage des Geschmacks, denn der glänzende Ring kann zu unerwünschten Reflexionen führen.

Verarbeitung: Die Verarbeitungsqualität scheint sehr gut zu sein. Das Objektiv ist ganz aus Glas und Metall gefertigt, es hat kein Spiel, Fokussier- und Blendenring sind leichtgängig. Bei der Reinigung dieses Objektivs ist jedoch Vorsicht geboten. Ich hatte den Eindruck, dass sich auf den Glasflächen leicht Reinigungsspuren bilden, so dass die Beschichtung etwas anfällig für Beschädigungen sein könnte.

Scharfstellung: Mit einem Verstellweg von etwas mehr als 90 Grad ist das 35 präzise fokussieren. Dazu trägt natürlich bei, dass der Fokussierring nicht zu stramm und nicht zu leichtgängig ist. Die minimale Entfernung beträgt nur 0,5 Meter, was natürlich nicht mit dem auf 0,7 Meter begrenzten Messsucher erst mal nutzlos schein. Aber mit einem elektronischen Sucher (EVF) oder Live-View ist es eine schöne Erweiterung. Die Bildqualität jedenfalls scheint auch im Nahbereich allemal gut genug.

Sucher: So, jetzt kommt’s. Das APO-Lanthar 2,0/35 ist leider so massig, dass es den größten Teil des unteren rechten Quadranten im Sucher verdeckt. Man kann eigentlich nur erahnen, was nachher auf dem Bild sein wird. Der verdeckte Bereich ist sogar größer als beim Zeiss Distagon ZM 35/1.4, das in dieser Hinsicht auch schon problematisch ist. Ich würde sagen, dass man sich daran gewöhnen kann, aber es braucht Zeit und eine ordentliche Frustrationstoleranz. Wer Wert auf eine sehr genaue Kontrolle des Bildausschnitts legt, braucht Sie einen EVF oder notfalls Live-View für dieses Objektiv.

Mein Fazit, Handhabung: Das APO-Lanthar 2,0/35 ist ein Objektiv von hoher Fertigungsqualität und Präzision. Es ist eine Freude, es zu benutzen, solange man sich nicht an der erheblichen Verdeckung des Sucherbilds. 

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Wenn man Flares haben möchte mit dem APO-Lanthar 2,0/35, muss man sich schon anstrengen. Bei dieser Aufnahme habe ich mein Bestes gegeben. Ribeauvillé, Elsass, Frankreich. 1/60 s, f/4, ISO 6400. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M10
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Ein düsterer Ort, gut, an dem ich gerne ein Objektiv benutze, das mit nüchterner Perfektion arbeitet: Kriegerdenkmal und Erinneurngsort an den Ersten Weltkrieg am Hartmannswillerkopf, Elsass, Frankreich. 1/90 s, f/3.4, ISO 6400. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M10
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Und ja, das 35er ist ein großartiges Reportageobjektiv, trotz des Trends zu immer weitwinkligeren und spektakuläreren Objektiven. Isenheimer Altar im Musée d‘ Unterlinden, Colmar, Elsass, Frankreich. 1/180 s, f/2, ISO 200. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M10
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Keine Probleme mit schwierigen Lichtverhältnissen und ein Bokeh, das mir gut gefällt. Peschici, Apulien, Italien. 1/30 s, f/2, ISO 400. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M Typ 262

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Alternativen

Es gibt unzählige 35-Millimeter-M-Anschluss-Objektive, und viele davon sind sehr gut. Es ist daher fast unmöglich, einen Überblick auch nur über die 2,0/35-Optionen zu geben. Ich möchte also nur zwei weitere Objektive erwähnen, die eine Überlegung wert sind. Das Voigtländer Ultron 2,0/35 ist bei weitem kleiner und ragt nicht in den Sucher. Es zeichnet vielleicht nicht so perfekt wie das APO, aber es ist gelinde gesagt wunderschön (von Sean Reid gepriesen und von Blog-Gastgeber Claus Sassenberg bestätigt). Ich mag auch das Zeiss 2,0/35 für seine optische Qualität und Handhabung (ein Bericht ist für eine der nächsten M-Files-Folgen geplant). Das 35 Summicron ASPH. von Leica (nicht APO, Version I) hat meine Bedürfnisse immer erfüllt, liegt aber optisch deutlich hinter dem APO-Lanthar.

Einige von unglaublich vielen interessanten 35-Millimeter-Objektiven für die Leica M: Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 mit dem kleinen Ultron 2,0/35 Version I, dem Zeiss Biogon VM 2,0/35 und Leicas Prä-APO Summicron 35 ASPH. I (von links)

Der offensichtliche Konkurrent für das Voigtländer 35 APO ist natürlich Leicas neues APO-Summicron 35. Ich habe es noch nie benutzt, kann also keine Beurteilung abgeben. Den technischen Daten zufolge ist es jedoch viel kleiner, verdeckt den Sucher kaum, hat eine unglaubliche MTF-Leistung … und einen astronomischen Preis. Tatsächlich ist das Leica-Objektiv mit 7700 € siebenmal so teuer wie das Voigtländer.

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: das Fazit

Das Voigtländer APO-Lanthar 35 mm F 2,0 ist ein M-Objektiv mit einer hervorragenden optischen Leistung. Es meistert auch knifflige Situationen und überzeugt durch eine zuverlässig hervorragende Leistung. Sein größter Nachteil ist die Größe, die es nicht gerade handlich macht und im Messsucher gewaltig stören kann.

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35: Beispielaufnahme für Review
Irgendwas zieht mich immer wieder in dieses Bild rein; neben der Perspektive ist es auch die Art, wie das Objektiv zeichnet. Brasserie in Ribeauvillé, Elsass, Frankreich. 1/125 s, f/2, ISO 6400. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/35 an Leica M10.

2. Das Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/50
Ein 50er, ein Statement. Das Voigtländer APO-Lanthar 50mm F2 (von nun an 2,0/50) war das erste der neuen APO-Objektive. Es kostet ein Siebtel seines Leica-Pendants.

Ob 50 Millimeter nun wirklich die Standardbrennweite für ein 24×36-Film- oder Sensorformat ist, wird ja seit langem diskutiert. Sicherlich haben sich über die Jahrzehnte unsere Sehgewohnheiten in Richtung Weitwinkel verändert. Trotzdem möchte ich hier auch mal ein Plädoyer für das gute alte 50er halten. Es ist eine sehr vielseitige und, ich kann es nicht anders sagen, angenehm unaufdringliche Brennweite. So ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder neue 50er auf den Markt kommen. Voigtländer hat dafür offenbar so ziemlich all sein Wissen zusammengetragen und brachte 2020 das APO-Lanthar 2,0/50 heraus.

Technische Daten, Lieferumfang, Preis und Verfügbarkeit

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/35
Wieder kein Kick beim Unboxing. Das APO-Lanthar 2,0/50 kommt sparsam daher. Die Streulichtblende ist die gleiche wie beim 35er. Wenn sie zum Weitwinkel passt, ist sie am 50er freilich nur bedingt effektiv, aber als mechanischer Schutz ist sie großartig.

Um es mal so zu sagen: Das APO-Lanthar 50 ist ein Objektiv von beachtlichen Abmessungen. Es hat fast die gleiche Größe wie sein 35er-Pendant. An einer M- Kamera montiert, misst es etwa 55 Millimeter. Insgesamt (also mit dem Teil, der in das Kameragehäuse hineinragt) ist es 68 Millimeter lang und mit beiden Deckeln misst es 80 Millimeter. Der Durchmesser beträgt wie beim neueren 35er 56 Millimeter, möglicherweise hat Voigtländer für den Tubus Gleichteile verwendet. Das Objektiv wiegt 326 Gramm (in meiner Tasche, also mit beiden Deckeln und Streulichtblende, das Objektiv allein wiegt 289 Gramm).

Das APO-Lanthar 2,0/50 wird ohne Etui (oder sonstiges Zubehör) geliefert, aber auch hier ist der OP/Tech 253 eine gute Lösung. Die Streulichtblende LH-13 kostet 109 Euro extra (siehe meine Bemerkungen dazu im Kapitel über das 2,0/35). Die Filtergröße beträgt 49 Millimeter, die gleiche wie beim 2,0/35. 

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/35
Der OP/Tech 253 Neoprenköcher hat die ideale Größe für das APO-Lanthar 2,0/35. Sicherlich kein schickes Leica-Lederetui, aber preiswert und sehr effektiv.

Das APO 2,0/50 ist nur in Schwarz erhältlich und kostet zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels 1099 Euro. Es sollte nicht allzu viel Geduld erfordern, ein solches Objektiv zu bekommen; meine Bezugsquelle, der Leica Store Konstanz, hat es normalerweise auf Lager. Angebote aus zweiter Hand scheinen eher selten zu sein. Voigtländer-Objektive weisen im Allgemeinen freilich einen höheren Wertverlust auf als ihre Leica-Gegenstücke, so dass man second hand mit etwas Glück ein recht günstiges Exemplar finden kann.

Optik und Abbildungsleistung

Aufbau: Das APO-Lanthar 2,0/50 ist dem oben beschriebenen 2,0/35 recht ähnlich (tatsächlich ähnelt das neuere 50er seinem älteren Pendant). Es hat eine optische Konstruktion mit zehn Elementen (das 35er hat elf), von denen zwei doppelseitig asphärische Linsen sind, zwei weitere haben eine abnormale Teildispersion. Auch Floating Elements für eine bessere Leistung im Nahbereich haben die Konstrukteure ihrem APO spendiert. Voigtländer behauptet, dass dieses Objektiv einen neuen Standard in im eigenen Sortiment setzt.

 Farbabweichungen: Das Phänomen wird auch als colour drift bezeichnet; was ich damit meine, steht oben. Im Allgemeinen ist ein Objektiv mit mittlerer Brennweite nicht so anfällig für dieses Problem wie ein Weitwinkel. Aber abgesehen davon hat das APO 2,0/50 an keiner Kamera, an der ich es verwendet habe, Probleme mit colour drift gehabt. Gut gemacht von Voigtländer oder besser gesagt von Cosina, wo dieses Objektiv de facto ja herkommt (steht auch auf dem Objektivanschluss).

Chromatische Aberration: Wie alle anderen Voigtländer-Objektive ist auch das APO-Lanthar uncodiert. Ich habe es ohne Korrekturprofile verwendet (um genau zu sein: Ich habe das Profil für das 50 APO-Summicron in einigen Fällen manuell an der SL ausgewählt, um hinterher zu wissen, welche Bilder mit welchem Objektiv aufgenommen wurden. Dieses Profil habe ich aber später wieder entfernt und die Bilder über LensTagger korrekt markiert), so dass wir die reine optische Leistung sehen. Ergebnis nach sorgfältiger Analyse der DNG-Dateien: Fast keine chromatischen Aberrationen, weder in der Schärfeebene noch in den unscharfen Bereichen. Vielleicht ein minimaler Hauch von Magenta im vom Wasser reflektierten Licht, aber danach muss man suchen.

Schärfe: Wenn man es schafft, absolut präzise zu fokussieren, ist dieses Objektiv geradezu erschreckend perfekt. Genau wie das APO-Lanthar 2,0/35 hat es einen sehr weichen, aber gleichzeitig steilen Übergang zwischen scharf und unscharf. Ich denke, das hat mit dem Kontrastabfall in den unscharfen Bereichen zu tun (Leicas Peter Karbe hat das einmal in Bezug auf die SL-Summicron-Objektive erklärt, die genauso viel 3D-Pop haben sollen wie sonst 1,4-Konstruktionen). Der Mikrokontrast ist hoch, und die Auflösung ist mehr als hoch genug für Kameras mit weit mehr als 24 Megapixeln.

Bokeh und Streulicht: Wie bereits erwähnt, werden unscharfe Bereiche auf eine Art und Weise wiedergegeben, die mir gut gefällt. Allerdings ist Bokeh stark Geschmackssache. Ich bevorzuge ein weiches Bokeh, was bei sehr kontrastreich abbildenden Objektiven im Allgemeinen schwer zu erreichen ist. Das APO-Lanthar 2,0/50 erreicht da in meinen Augen einen sehr guten Kompromiss. Bei f/2,8 und f/5,6 bilden die zwölf Blendenlamellen einen perfekten Kreis, was für harmonische Spitzlichter im Unschärfebereich sorgt. Streulicht kann in ungünstigen Fällen auftreten, und die als Zubehör erhältliche Blende ist jetzt auch nicht super (wenn sie für das 35er passt, kann sie ja auch gar nicht genau auf 50er abgestimmt sein). 

Mein Fazit, Optik: Das APO-Lanthar von Voigtländer ist in seiner optischen Leistung ein hervorragendes Objektiv. Das weitgehende Fehlen von chromatischer Aberration, die hervorragende Auflösung und der hohe Mikrokontrast sorgen für eine perfekte Schärfe.

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Beispielaufnahme für Review
Benvenuti. Otranto (das dem Roman von Walpole seinen Namen gab, aber gar kein gothic- Grusel-Ort ist), Apulien, Italien. 1/1600 s, f/4, ISO 100. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 an Leica SL.
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Beispielaufnahme für Review
Krass viele Details am Barockaltar, klasse Objektivleistung bei Offenblende. Lecce, Apulien, Italien. 1/125 s, f/2, ISO 1600. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 an der Leica SL.
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Beispielaufnahme für Review
50 Millimeter, das bedeutet Perspektive, wie sie ist. Schlicht, dokumentarisch, nüchtern. Musée d‘ Unterlinden mit Matthias Grünewalds berühmtem Isenheimer Altar. Colmar, Elsass, Frankreich. 1/60 s, f/2.8, ISO 400. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 an Leica SL.

Mechanik und Haptik

Generelles Erscheinungsbild: Das APO-Lanthar hat so ziemlich das gleiche Aussehen und die gleiche Haptik wie sein jüngeres 2,0/35-Pendant. Es sieht, sagen wir mal, klassisch aus, auch mich wirkt das schon ein bisschen barock. Ich bevorzuge das nüchternere Design der aktuelle Leica- und Zeiss-Objektive, aber das ist reine Geschmackssache. Mit seinem gewellten Fokussierring hat es, genau wie die beiden anderen Objektive in diesem Test, keine Fokussiermulde. 

Verarbeitung: Wie beim 2,0/35. Sehr gut, solide, keine Plastikteile. Ich behaupte: Dieses Objektiv wird jede Digitalkamera, an der es verwendet wird, überdauern. Das ist insofern interessant, als Leica ja behauptet, dass ihre Objektive so teuer sind, weil die Handarbeit und die daraus resultierende Fertigungsqualität nun mal kostspielig seien. Bei den neuen Voigtländer-Objektiven frage ich mich, ob die Löhne in Japan so viel niedriger sind? Mir scheint nämlich, dass die Verarbeitungsqualität zwischen einem hochwertigen Voigtländer-Objektiv und einem Leica-Objektiv nicht so groß ist. Aber vielleicht zeigt sich der Unterschied auch erst nach Jahrzehnten. 

Scharfstellung und Naheinstellgrenze: Das 2,0/50 hat einen Verstellweg von unter 90 Grad. Das ist jetzt nicht allzu großzügig, aber die sehr gute Konstruktion des Fokussierrings hilft, alles scharf zu stellen. Die minimale Entfernung beträgt die üblichen 0,7 Meter. Im Nahbereich und bei offener Blende ist die Schärfentiefe natürlich sehr begrenzt. Hier ist man mit einer Kamera mit EVF wie einer Leica SL (mit Adapter) oder eine M mit Zusatz-EVF oder notfalls Live-View besser bedient. Was die Leistung angeht, gibt es jedenfalls keinen Grund, die Naheinstellgrenze nicht auszureizen.

Sucher: Während das APO-Lanthar 2,0/35 einen großen Teil des Suchers verdeckt, ist das APO-Lanthar 2,0/50 in dieser Hinsicht sehr viel angenehmer. Das liegt natürlich am deutlich engeren Bildwinkel, aber vielleicht auch daran, dass es etwas kürzer ist als das 35er. Ohne Streulichtblende ist der Sucher bei Unendlich minimal verdeckt, im Nahbereich ist’s etwas ausgeprägter. Die (durchbrochene) Streulichtblende stört zusätzlich, aber ich würde es immer noch als akzeptabel bezeichnen.

Mein Fazit, Handhabung: Das Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 ist ein sehr gut verarbeitetes und einfach zu bedienendes Standardobjektiv. Von der Größe her etwas sperrig, bildet es dennoch mit der Messsucherkamera eine harmonische Einheit.

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Beispielaufnahme für Review
Historismus: Die Haut-Koenigsbourg aus dem 19. Jahrhundert, Elsass, Frankreich. 1/1600 s, f/4, ISO 100. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 an Leica SL.
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Beispielaufnahme für Review
Historie: Kriegerdenkmal der Grande Nation am Hartmannswillerkopf, Elsass, Frankreich. Erneut habe ich das Gefühl, dass so ein präzise zeichnendes Objektiv perfekt für solche Orte voller Emotionen und Pathos ist (Ausschnitt). 1/1600 s, f/4, ISO 100. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 an Leica SL.
Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Beispielaufnahme für Review
Hafen. Auch hier ein besonderes Lob für die präzise Wiedergabe (man beachte die vom Wind verursachten Wellen innerhalb der Kaimauern). 1/1600 s, f/2, ISO 100. Peschici, Apulien, Italien. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 an Leica SL.

 Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Alternativen

Die offensichtliche Alternative zum APO-Lanthar 2,0/50 ist Leicas APO-Summicron 2,0/50. Es ist deutlich kleiner, hat eine schöne eingebaute Streulichtblende und bietet höchste Bildqualität. Ich habe bei mehreren Gelegenheiten damit gearbeitet und war von der Qualität dieses Objektivs, ich kann es nicht anders sagen, geflasht. Wer das eine und einzige 50er zur M sucht und es leisten kann (7990 Euro), trifft mit dem APO-Summicron sicher eine wunderbare Wahl. Für uns andere gibt’s ja auch noch Alternativen.

Voigtländer VM APO Lanthar 2,0/50 und vergleichbare Objektive
Ein paar aus fast unzähligen Standardobjektiven: Das Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 mit seinem Leica-Pendant APO-Summicron 50, Zeiss‘ Planar 2,0/50 VM und das von Funleader umgebaute Zeiss Planar 45/2 aus dem Contax-G-System (von links).

Unter all den anderen 50ern, die ich bisher benutzt habe und die eher im Bereich eines sterblichen Fotografen wie mir liegen, möchte ich das preiswerte Zeiss Planar 2,0/50 VM erwähnen, das wahnsinnige Schärfe bietet (wenn auch nicht das beste Bokeh). Das aus einem Contax G-Objektiv umgebaute Funleader 45/2 hat hervorragende Kritiken bekommen, zum Beispiel von Claus Sassenberg hier in der Messsucherwelt, und es liegt eigentlich ganz nett zwischen einem 50er und einem 35er.

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: das Fazit

Wer ein hervorragendes 50er für M sucht und keinen Winzling braucht, der kann mit dem APO-Lanthar eigentlich nichts falsch machen. Es ist optisch hervorragend und hat eine gute Ergonomie. Mit modernen high-ISO-tauglichen Kameras und dem schnellen Schärfeabfall dieses Objektivs könnte eine maximale Blende von f/2 auch für kreativere Ambitionen ausreichend sein, so dass ein 1,4er oder etwas noch Lichtstärkeres vielleicht schlicht nicht mehr nötig ist. 

Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50: Beispielaufnahme für Review
So ein 50er ist weitaus vielseitiger, als viele denken, sogar in Innenräumen. Kathedrale von Otranto, Apulien, Italien. 1/100 s, f/2, ISO 400. Voigtländer APO-Lanthar 2,0/50 an Leica SL.

3. Das Voigtländer APO-Skopar 2,8/90

Voigtländer VM APO Skopar 2,8/90
Das jüngste der neuen (Stand Juli 2022) APO-Objektive von Voigtländer: APO-Skopar 90mm F2,8 (ab hier 2,8/90).

Der dritte und jüngste Spross der Voigtländer APO-Familie ist das APO-Skopar 90mm F2,8, das im Oktober 2021 auf den Markt kam. Es deckt eine wahrhaft klassische Brennweite ab, die bekanntlich für Porträts, Landschaften und viele andere Motive taugt. Für viele Messsucher-Fotografen ist das 90er ja überhaupt die einzige Telebrennweite, die sie nutzen. In dieser Hinsicht ist das neue APO-Skopar die jüngste Iteration in einem seit Jahrzehnten andauernden kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Technische Daten, Lieferumfang, Preis und Verfügbarkeit

Voigtländer VM APO Skopar 2,8/90
Das 90er ist das einzige der drei getesteten Objektive, das ab Werk mit einer Streulichtblende geliefert wird. Und die ist schön, mit dem markentypischen Bajonettanschluss, ganz aus Metall und mit einem textilen Bezug innen. Danke, Cosina, weiter so!

Das APO-Skopar ist bemerkenswert klein und leicht. Es ist nur 59 Millimeter lang, wenn es auf der Kamera montiert ist (Gesamtlänge 67 und mit beiden Deckeln 84 Millimeter). Es ist auch winzig in Bezug auf den 39-Millimeter-Filter (ein echter Leica-Standard), den es aufnimmt. Der Durchmesser beträgt 53 Millimeter. Und das Teilchen ist leicht: Das APO-Skopar wiegt 288 Gramm mit beiden Deckeln sowie Streulichtblende und nur 241 Gramm nackt. Das ist bemerkenswert.

Das APO-Skopar wird ab Werk (!) mit einer sehr schönen Streulichtblende aus Metall geliefert, die über ein schönes, schwarzmatt verchromtes (!!) Bajonett befestigt wird. Die Blende kann für den Transport auch umgekehrt befestigt werden. Wenn man eine Tasche  braucht, kann ich abermals den Neoprenköcher OP/Tech 253 empfehlen. 

Das APO-Skopar 2,8/90 ist in Silber und Schwarz erhältlich und kostet neu 729 €. Es sollte bei diversen Anbietern erhältlich sein. Ich habe mein Exemplar bei Meister Camera Hamburg erworben, die sich auch sehr kundenfreundlich auf meine Reklamation eingegangen sind, nachdem das Objektiv, vermutlich aufgrund mangelhafter Justage, einen beträchtlichen Frontfokus hatte.

Optik und Abbildungsleistung

Aufbau: Viele 90-Millimeter-Objektive waren in der Vergangenheit vier- oder fünflinsige Konstruktionen, einige frühe Rechnungen kamen sogar mit nur drei Linsen aus. Das neue Voigtländer besteht dagegen aus sieben Linsen in sieben Gruppen. Fünf Linsen haben eine anormale Teildispersion, Asphären und Floating Elements werden nicht verwendet. 

 Farbabweichungen: Wie man es von einem neu konstruierten 90er erwarten darf, treten bei digitaler Nutzung keine Farbstiche an den Bildrändern in Sinne von colour drift auf. Und nur zur Erinnerung: Farbverschiebungen treten auf Film systembedingt nicht auf, weil eine Filmemulsion mit ihrer Kristallstruktur auf Lichtstrahlen anders reagiert als ein digitaler Sensor.

Chromatische Aberration: In verschiedenen Beleuchtungssituationen und sowohl in fokussierten wie auch in unscharfen Bereichen konnte ich nichts Bemerkenswertes feststellen. Die Leistung ist im gesamten Bild gleichmäßig mit einer sehr guten Korrektur bis in die Ecken. Das kleine Skopar verdient das APO-Gütesiegel mit Sicherheit. 

Schärfe: Tja, nun, was soll ich sagen? Als ich erste Ergebnisse des APO-Skopar 2,8/90 sah, war ich sehr enttäuscht. Keine gestochen scharfen Augen bei Porträts, keine Blumen, die sich super plastisch vom Hintergrund abheben. Nach einigen Tests war klar: Mein Exemplar war einfach ab Werk nicht gut eingestellt. Das Ergebnis: Statt der Iris waren der Brillenrand oder die Augenbrauen scharf. Ein Test mit der SL belegte dann eindeutig, dass es am Objektiv lag (der Entfernungsmesser der Kamera ist in Ordnung, wie andere Bilder bewiesen), auf Nahdistanz waren es etwa drei Zentimeter Frontfokus, was selbst bei Blende 2,8 echt viel sein kann. Um es mit Radio Eriwan zu sagen: Ist dieses Messsucherkamera- Objektiv scharf? Antwort: Im Prinzip ja, aber mein Exemplar nur dann, wenn es nicht mit dem Messsucher, sondern mit elektronischem Sucher verwendet wird. Jetzt kümmert sich ein Experte um das APO-Skopar. Wenn ich es zurückhabe, werde ich diesen Bericht aktualisieren.

Bokeh und Streulicht: Das Bokeh ist ansprechend, aber je nach Lichtverhältnissen für meinen Geschmack etwas zu hart. Schön gelöst ist auch hier, dass die Blendenöffnung auch bei /f4 (oder f/22 – aber das ist eher hypothetisch, man würde wegen Beugungsunschärfe ja nicht ohne große Not so weit abblenden) kreisrund ist, das gibt Bokeh-Kugeln. Ich habe das Objektiv immer mit der mitgelieferten Blende verwendet und hatte keine Probleme mit Streulicht. Es geht aber sicher auch ohne ganz gut; die eher kleine Frontlinse und hier nicht glänzende, sondern mattschwarze Verchromung des Bajonetts tragen zur Standhaftigkeit bei schwierigen Lichtverhältnissen gewiss bei.

Mein Fazit, Optik: Das APO-Skopar 2,8/90 ist vielleicht nicht das beste aller jemals gebauten Teleobjektive für die Messsucherkamera, aber es ist ein Objektiv mit bemerkenswerter Leistung für seine Größe und sein Gewicht. Wenn alles gut eingestellt ist, das zeigen meine Bilder mit EVF-Nutzung, kann es bis in den Nahbereich hervorragende Ergebnisse liefern. Ich würde nur gerne wissen, ob ich und ein paar wenige andere einfach nur Pech hatten oder ob auch viele weitere Anwender betroffen waren.

Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
90er? Portrait! Schade, dass die Schärfeebene einige Zentimeter vor der Stelle liegt, an der sie eigentlich sein sollte. Das hat zur Folge, dass die Augenbrauen scharf sind und die Augen selbst nicht. Das Objektiv wird nun neu justiert. 1/750 sec, f/2.8, ISO 200. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an Leica M10
Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
Hier wurden die Blüten in der Mitte fokussiert, aber das Schärfemaximum liegt bei den etwas näheren Blüten in der rechten unteren Ecke. Ansonsten wunderbare Abbildungsleistung. 1/1000 sec, f/4, ISO 200. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an Leica M10
Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
Problemlösung auf die unkonventionelle Art: Das APO-Skopar lässt sich mit ein wenig Fokus-Bracketing oder mit einem EVF gut handhaben. Maler in Matera, Basilikata, Italien. 1/320 s, f/4.8, ISO 100. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an der Leica SL

Mechanik und Haptik

Generelles Erscheinungsbild: Wie die anderen neuen Voigtländer APO-Objektive kommt auch das APO-Skopar 2,8/90.8 recht klassisch daher. Mit seinem charakteristischen, „Berg und Tal“-Fokussierring fügt es sich gut in die Serie ein. Und ich sehe eine große Ähnlichkeit mit der Version II des Tele-Elmarit von Leitz (1964-1974), war nicht das Schlechteste ist, was man über ein Objektiv sagen kann. 

Verarbeitung: Das APO-Skopar 2,8/90 ist ganz aus Metall und Glas. Es fühlt sich in der Hand leicht an, was wohl am ehesten auf die recht kleine Größe der optischen Elemente zurückzuführen ist (ist halt eine f/2.8-Konstruktion). Wahrscheinlich ist aber gerade dieser Mangel an Dichte der Grund, dass sich das 2,8/90 nicht ganz so massiv anfühlt wie die anderen beiden Objektive. Aber klar, die Verarbeitungsqualität scheint dennoch gut. Alles ist so, wie man es sich wünscht, mit einer prima Erreichbarkeit aller beider Einstellringe.

Fokussierung und Naheinstellgrenze: Das Fokussieren ist bei diesem Objektiv auch eine Frage der Konzentration. Der Verstellweg des Fokussierrings ist sehr gut dimensioniert und reicht zunächst weit gespreizt von 0,9 m über 1,0 m, 1,2 m und 1,5 m und dann immer enger bis hin zu unendlich. So hat man die Präzision, wo man sie braucht, und kann in anderen Fällen flott arbeiten. Die minimale Entfernung beträgt 0,9 Meter, das ist typisch für ein 90-mm-Messsucherobjektiv, aber es gab einige Momente, in denen ich da mehr gewünscht hätte. Die Optik würde es packen, denke ich. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur verwöhnt von modernen AF-Objektiven mit ihrem oft recht beeindruckenden Nah- oder sogar Makrobereich.

Sucher: Da das Objektiv so klein ist, ragt es ohne Streulichtblende nicht in den Sucher. Mit aufgesetzter Streulichtblende ist das Motiv im Sucher im Nahbereich etwas verdeckt, bei Unendlich so gut wie gar nicht.

Mein Fazit, Handhabung: Das APO-Skopar 2,8/90 ist ein einfach zu bedienendes Objektiv mit sehr guter Verarbeitungsqualität. Das Fokussieren ist eine Frage der Routine, der Konzentration und des guten Sehvermögens (!). 

Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
Abgesehen von der Schärfeproblematik, die vielleicht ein Problem meines speziellen Exemplars war (der Fehler trat an verschiedenen Messsucherkameras auf), zeichnet das APO-Skopar wunderbar. Bei Nimburg, Baden-Württemberg. 1/750 s, f/5.6, ISO 200. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an Leica M10
Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
Ein gut organisiertes Stück Himmel. Burkheim, ebenfalls im Kaiserstuhl. 1/750 s, f/5.6, ISO 200. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an Leica M10
Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
Mit einem 90er an der (Nicht-Messsucher-)Kamera bekomme ich manchmal solche Makro-Reflexe. Das APO-Skopar ist da mit 0,9 Metern Naheinstellgrenze sehr beschränkt – schade, denn ich denke, es würde auch auf geringerer Distanz noch sehr gut abliefern. Monte d’Elio, Apulien, Italien. 1/1600 s, f/3.4, ISO 100. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an Leica SL
Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
Ein engerer Bildwinkel zwingt einen zu überlegen, was man wirklich zeigen will (und deshalb kann der an sich ja unspektakuläre Bildwinkel von 27,4 Grad diagonal so herausfordernd sein). Alberobello, Apulien, Italien. 1/500 s, f/5.6, ISO 100. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an Leica SL

Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Alternativen

90er für Leica M gibt’s en masse. Ich konzentriere mich also mögliche Alternativen zum APO-Skopar, die sich ebenfalls durch geringe Größe und gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnen. Das ist der Grund, warum ich auch Objektive mit geringerer Lichtstärke erwähne (normalerweise vermeide ich das, wg. Äpfel mit Birnen usw.)

Wenn es um winzige Größe und geringes Gewicht geht, kommt vielen wohl sofort das Tele-Elmarit 2,8/90 von Leica in den Sinn. Das ist zweifellos ein sehr kleines Objektiv mit einer schönen Abbildungsleistung – aber die Technologie von 1974 kann optisch natürlich nicht mit dem modernen APO mithalten. Eine zeitgemäßere Alternative ist das Leica Summarit 90 (2,5 oder 2,4, der optische Aufbau ist offenbar derselbe) – schade, dass die gesamte Summarit-Serie eingestellt wurde. Eine superkleine Lösung mit einer dem APO-Skopar ebenbürtigen Abbildungsleistung ist Leicas Makro-Elmar-M 90/4 (es heißt, dass es de facto ein APO-Objektiv ist, aber ich will hier nicht ins Detail gehen, Claus Sassenberg scheibt hier was über dieses ungewöhnliche Objektiv).

Voigtländer VM APO Skopar 2,8/90 und vergleichbare Objektive
Das APO-Skopar 2,8/90 von Voigtländer ist wirklich klein. Andere kompakte Teleobjektive für M-Bajonett sind das Tele-Elmarit 2,8/90 von 1974, das Minolta M-Rokkor 90/4 und das Leica Macro-Elmar 90/4, wobei letzteres als einziges noch neu erhältlich ist.

Abgesehen von diesen wenigen Objektiven gibt es, wie gesagt, sehr viele andere 90er. Das APO-Summicron 90 ASPH. hat einen hervorragenden Ruf. Ich selbst kann den Nachfolger des oben erwähnten und abgebildeten kleinen Tele-Elmarits nur loben: Die letzte Version des  Elmarit-M 2,8/90 ist nicht gerade klein und leicht, aber optisch und mechanisch großartig. Wenn man dann noch das Zeiss 85/4 (eingestellt), ältere Voigtländer-Teleobjektive, Minoltas M-Rokkor 90/4… dazu nimmt, hat man eine erstaunliche Anzahl von Möglichkeiten.

Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: das Fazit

Wer ein sehr kleines, optisch und mechanisch hervorragendes 90-Millimeter-Objektiv für seine Leica M (oder eine andere spiegellose Kamera per Adapter) sucht, kann zum APO-Skopar greifen. Es kostet neu weniger als fast jede andere Option gebraucht. Prüfen sollte man, ob das Exemplar der Wahl gut justiert ist. Wenn alles passt, kann das APO-Skopar ein Objektiv für so ziemlich alle Lebenslagen werden.

Voigtländer APO-Skopar 2,8/90: Beispielaufnahme für Review
Manche werden das APO-Skopar als klinisch bezeichnen, weil es keine Flares macht und keine „Seele“ hat (was ich übrigens eher vom Fotografen als vom Objektiv erwarte). Ein bisschen Kitsch kriegt man trotzdem damit hin. Sonnenuntergang in Peschici, Apulien, Italien. 1/640 s, f/4, ISO 100. Voigtländer APO-Skopar 2,8/90 an Leica SL

Voigtländer APO-Objektive: Schlussgedanken

Vielleicht gibt es im aktuellen Programm von Leica, Zeiss und Voigtländer einfach keine schlechten Objektive für M-Bajonett mehr, zumindest was die neueren Modelle betrifft. Bei meiner Arbeit für die M Files in den letzten nunmehr drei Jahren bin ich auf einige wenige Objektive gestoßen, die ich nicht vorbehaltlos empfehlen würde, während die meisten anderen gut oder sehr gut waren. In diesem Spektrum stechen die neuen Voigtländer APO-Objektive hervor. Sie bieten hervorragende optische und mechanische Qualität, Punkt.

Im Praxistest: Der Autor im baden-württembergischen Burkheim, einem der vielen Orte, an denen die neuen Voigtländer-Objektive ausgiebig erprobt wurden. © Emanuel Jauch

Aus dem Trio hat mir das 2,0/50 APO am besten gefallen. Es ist einigermaßen kompakt, hat eine super Schärfe, Auflösung und Mikrokontrast und scheint auch mechanisch eine sehr gelungene Konstruktion zu sein. Das 2,0/35 APO ist optisch genauso gut wie sein Pendant, hat aber den klaren Nachteil, dass es das Suchbild zu einem beträchtlichen Teil verdeckt. Das Alleinstellungsmerkmal des 2,8/90 APO ist seine geringe Größe und sein geringes Gewicht, was es zu einem wunderbaren Reisebegleiter mit prima optischer Leistung macht. Aber wie gesagt: Es muss perfekt justiert sein. Im Nahbereich kann eine Fokus-Abweichung von zwei oder drei Zentimetern selbst bei Blende 2,8 das Bild ruinieren.

Alles in allem bietet Voigtländer mit den drei APOs einige wunderbare, erschwingliche Optionen für M -Nutzer an. Dafür sollten wir dankbar sein – nicht nur, aber auch wegen der bei Leica unübersehbar gewordenen Neigung, bei der Entwicklung neuer Objektive um jeden Preis (auch für uns Kunden) die Grenzen des Machbaren auszutesten. Voigtländer füllt in dieser Hinsicht eine Lücke, die durch das Auslaufen der Summarit-Serie entstanden ist. 

Die APO-Objektive mit ihrem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis sind ein bemerkenswerter Beitrag in diese eher anwenderorientierte Richtung (zumal Voigtländer auch kompaktere Objektive im Programm hat, die ebenfalls sehr gut sind), und hoffentlich nicht der letzte aus der Objektivschmiede von Cosina/Voigtländer. 


Die M Files

Die M-Files sind eine Serie über Kameras und Objektive, die mit dem M-Bajonett ausgestattet sind, ohne direkt zum Leica-M-System zu gehören. Alle Teile der weiter anwachsenden Reihe sind in deutscher Sprache exklusiv auf www.messsucherwelt.com erschienen:

  1. Einführung: Worum es in den M-Files geht
  2. Die Weitwinkel-Expertin: Voigtländer Bessa R4M mit Voigtländer Nokton II 35/1.4 und Color-Skopar 21/4
  3. Die moderne Messsucherkamera: Konica Hexar RF mit M-Hexanon 2,0/50
  4. Ein großer Name: Rollei 35 RF mit Rollei Sonnar 40/2.8
  5. Design trifft auf Tradition: Zeiss Ikon mit Carl Zeiss Biogon 25/2.8, Biogon 2,0/35.8 und Planar 2,0/50 ZM
  6. Der Messsucher-Sonderling: Voigtländer Bessa T mit Voigtländer Heliar 15/4.5 und Color-Skopar 2,0/35.
  7. Die andere Leica: Leica CL mit Summicron-C 40/2 und Elmar-C 90/4
  8. Das unterschätzte Innovationspaket: Minolta CLE mit Minolta M-Rokkor 2,8/28, 40/2 and 90/4
  9. Zusammenfassung (bis hierher): Die Vermessung der Messsucherwelt
  10. Zugabe! Gedanken zu Nicht-Leica-M-Objektiven und eine persönliche Top-5-Hitliste
  11. Zeiss Distagon ZM 18 und 35 – Liebe auf den ersten und den zweiten Blick
  12. Zeiss ZM zum Dritten: Die Objektive 2,8/21, 2,8/28 und 4/85 für Leica-M-Bajonett
  13. Konica M-Hexanon 28, 90 und das sensationelle 21-35
  14. Voigtländer APO 35, 50 und 90 – Ein Angriff auf Leicas Allerheiligstes (dieser Artikel hier)

The M Files in English

The M-Files series reviews cameras and lenses that are equipped with the M bayonet without actually belonging to the Leica M system. Of this ongoing project, all parts so far are also available in English exclusively on www.macfilos.com:

  1. Introduction to the M Files series
  2. Voigtländer Bessa R4M with Voigtländer 35/1.4 and 21/4
  3. Konica Hexar RF with Konica 2,0/50
  4. Rollei 35 RF with Sonnar 40/2.8
  5. Zeiss Ikon with ZM 25/2.8, 2,0/35.8 and 2,0/50
  6. Bessa T with Voigtländer 2,0/35.5 and 15/4.5
  7. Leica CL with Leica’s compact 40/2 and 90/4
  8. Minolta CLE 40/2,2,8/28, 90/4 and several 21mm wide-angles
  9. Conclusion: Measuring the rangefinder world
  10. Encore: Beyond Leica – my top alternative lens recommendations
  11. Distagon revisited — the Zeiss ZM 18 and 35 millimetre lenses
  12. Zeiss again: Three more ZM lenses (2,8/21, 2,8/28, 85/4)
  13. Three lenses from Konica – M-Hexanon 28, 90, Dual 21-35
  14.  Voigtländer APO: 2,0/35, 2,0/50, 2,8/90 – the attack on Leica’s heart (this article in English)

2 Kommentare

  1. Lieber Jörg-Peter,

    vielen Dank für die gelungene Übersicht. Voigtländer baut in der Tat tolle, brauchbare Objektive, wie ich vom 21mm Color Skopar f/3.5 und vom Ultra Wide Heliar selbst erfahren konnte. Das 21mm Nokton war mir zu groß und hatte zu viel Coma bei Astro-Bildern.
    Jetzt freue ich mich auf Deinen nächsten Artikel. Deine methodische Vorgehensweise ist erfrischend und bemerkenswert.
    Viele Grüße
    Dirk

    • Jörg-Peter

      Lieber Dirk,

      vielen Dank für das nette Feedback. Ja, ich finde auch, dass man Voigtländer nicht (mehr) unterschätzen sollte. Die gehen beharrlich ihren Weg weiter. So was gefällt mir immer gut. – Mit Astro-Bildern kenne ich mich nicht so aus, und auch Testtafeln und Labortests sind nicht so mein Ding. So komme ich zu der hemdsärmeligen Herangehensweise, die ja ausdrücklich keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt. Ich denke aber, dass man auch bei „real life“-Fotos gut erkennen kann, was eine Linse taugt. Wenn man weiß, wie und wo man schauen muss.

      Ideen und Material für die nächsten M-Files-Folgen gibt’s schon, aber ich kann mir für das Projekt halt auch nicht unbegrenzt Zeit nehmen. Zwei weitere Folgen in diesem Jahr peile ich mal vorsichtig an.

      Grüße, Jörg-Peter

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