In einem Forum wurde sogar schon mal die Frage laut, ob dieses Objektiv überhaupt existiert. Tatsächlich haben selbst langjährige M-Fotografen das Zeiss Sonnar 2/85 ZM noch nie gesehen. Verschiedenen Quellen zufolge wurden nur wenige hundert Exemplare produziert. Aber was macht dieses Objektiv außer seiner Seltenheit noch aus? Der Praxistest in den M‑Files wird es zeigen.
Bisher wurden in den M-Files meist mehrere Objektive gemeinsam getestet oder Objektiv-Kamera-Kombinationen vorgestellt (wie beispielsweise die Minolta CLE mit ihren drei Objektiven, Teil 8). Ziel ist es ja immer, Alternativen zu Leicas eigenen M‑Objektiven zu zeigen. Die sind zwar in aller Regel optisch superb, aber eben auch preislich. Oft standen ein praktisches Reise-Kit (etwa mit einem 28er und einem 75er in Teil 23) oder eine ganze Objektivserie (wie zuletzt die Zeiss ZM C-Linie in Folge 29) im Mittelpunkt.
Ein Objektiv, ein Artikel
Mit diesem 30. Artikel der Serie gibt’s nicht nur ein kleines Jubiläum, sondern auch eine Umstellung zum „Ein Objektiv, ein Artikel“-Prinzip. Das macht die Texte etwas kürzer, spezifischer und leichter zu finden. Und welches Objektiv wäre besser geeignet, um einen solchen Wechsel zu markieren? Das Zeiss Sonnar 2/85 ZM hätte ohnehin eine Geschichte für sich verdient gehabt. Mit einer Produktionszahl von nur 600 Exemplaren (wie oft berichtet, beispielsweise hier, aber von Zeiss nie bestätigt) ist es eines der seltensten M-Mount-Objektive überhaupt. Und es ist eines, über das Rezensenten bisher kaum berichtet haben. Ausnahmen sind Michael Letchford und PebblePlace, und auch Erwin Puts hat ein wenig über das Sonnar geschrieben. Vielleicht liegen die meisten Exemplare in irgendwelchen Schubladen herum und warten darauf, dass die Sammlerpreise weiter steigen.

In gewisser Weise ist das Zeiss Sonnar 2/85 ZM der BER unter den M-Mount-Objektiven: Das Berliner Flughafenprojekt hatte bekanntlich einen komplizierten Start mit immer neuen Verschiebungen. Zeiss erging es mit dem 85er ähnlich. Das Unternehmen kündigte das Objektiv zusammen mit der Zeiss Ikon-Kamera als Teil des neuen Systems auf der Photokina (ja, das waren noch Zeiten) im Jahr 2004 an.
Das lichtstarke Tele sollte ein Eckpfeiler für Zeiss’ ZM-Linie werden, mit analogen Kameras und einem stattlichen Objektivprogramm. Doch nach mehreren Verzögerungen, hinhaltenden Pressemitteilungen und leichtem Druck seitens der Händler wurden erst 2007 die ersten Kunden beliefert. Auf den Berliner Flughafen mussten sie übrigens noch weitere 13 Jahre warten. Er wurde erst 2020 nach einer neunjährigen Verzögerung eröffnet.

Schwierig in der Herstellung

Zurück zum Sonnar: Das Objektiv hatte sich als schwierig in der Herstellung erwiesen – selbst für die Experten in der Zeiss-Zentrale im baden-württembergischen Oberkochen. Während die Produktion fast aller neuen ZM-Objektive an Cosina in Japan vergeben wurde, sollte das Zeiss Sonnar 2/85 ZM im deutschen Werk montiert werden.
Unter den 13 verschiedenen ZM-Objektiven, die jemals hergestellt wurden, ist das 2/85 eines von nur zwei, die in Deutschland gefertigt wurden (das andere ist das 2,8/15). Sowohl die optischen als auch die mechanischen Teile stellten Zeiss vor große Herausforderungen, wie aus mehreren Pressemitteilungen hervorgeht (sie wurden auf lens-db.com gesammelt, leider scheint die Seite derzeit nicht erreichbar zu sein).
Auf jeden Fall existiert das Objektiv, um die besorgte Frage eines Nutzers in diesem Forum zu beantworten. Ich habe es über mehrere Monate mit verschiedenen Kameras in recht unterschiedlichen Situationen eingesetzt. Hier sind meine Erkenntnisse.
Technische Daten, Lieferumfang, Preis und Verfügbarkeit

Das Carl Zeiss Sonnar T* 2/85, um wenigstens einmal exakt das wiederzugeben, was auf den Frontring graviert ist, wurde 2004 angekündigt, aber erst ab 2007 verkauft. Es wurde 2011 stillschweigend aus dem Programm genommen und verschwand bald aus den Geschäften. Der Einführungspreis lag bei 2800 Euro, das war damals nur geringfügig unter dem des Leica APO-Summicron 90 ASPH. Das Objektiv wurde nur mit Vorder- und Rückdeckel geliefert, die Streulichtblende (Zeiss-Artikelnummer 1365-668) musste man separat kaufen; ich fand nach monatelanger Suche bei einem Händler in New York noch eine neue für 75 Dollar.
Das Sonnar ist ein recht großes Objektiv mit einer Länge von 76 mm (montiert auf die Kamera, die Gesamtlänge beträgt 82 mm) und einem maximalen Durchmesser von 71 mm. Das Gewicht in meiner Tasche (mit beiden Deckeln und der Gegenlichtblende) beträgt 529 g; das Objektiv allein wiegt 477 g. Mit diesen Abmessungen gehört das Sonnar im M-Kontext zu den großen und schweren Objektiven. Der Bildwinkel beträgt 29 Grad (diagonal, zum Vergleich: Leica 90 Summicron: 27 Grad). Die Naheinstellgrenze beträgt 1 Meter.


Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica SL2, 1/2000 Sek., f/2, ISO 100
Sammler bestimmen heute die Preise
Die Geschichte der geringen Stückzahl verbreitete sich schnell, und das Sonnar wurde bald zu einem begehrten Sammlerstück. Sporadisch taucht ein Exemplar bei eBay oder bei renommierten Händlern auf, wobei die Preise für ein neuwertiges Exemplar bis zu 6.000 € betragen. Damit ist das Sonnar 2/85 eines der teuren Sammlerstücke im M-Universum, aber es ist immerhin noch nicht so verrückt wie beim 35 Summilux ASPHERICAL.
Ich habe mein Exemplar bei Kamerastore in Finnland aufgetrieben. Die Mitarbeitenden machen so einen hervorragenden Job bei der Reparatur von Kameras und Objektiven aus der Analog-Ära! Man kann ihnen gar nicht genug für die Leidenschaft danken, mit der sie wunderschönem Gerät doch noch ein zweites Leben schenken.
Ich habe das Sonnar zufällig entdeckt, und es wurde treffend als „mit Gebrauchsspuren“ beschrieben. Ich habe das Objektiv unter dem damaligen Einführungspreis bekommen, was angemessen war. Und um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe das Sonnar behalten, weil es meine Sammlung der Zeiss-ZM-Objektive vervollständigt. Vielleicht widme ich dem irgendwann einen eigenen Artikel.
Optik und Abbildungsleistung

Aufbau
Das Zeiss Sonnar 2/85 ZM besteht aus sechs Linsen in sechs Gruppen. Die Objektivrechnung wurde laut einer Zeiss-Broschüre über die Zeiss-Ikon-Kamera und die ZM-Objektive so gewählt, dass es „über den gesamten Fokusbereich von unendlich bis Nahaufnahme – selbst bei voller Blendenöffnung – perfekt scharfe Bilder liefert“. Bemerkenswerterweise handelt es sich aber nicht um eine apochromatische Konstruktion nach dem Vorbild des Leica Summicron 90 von 1998.
Aber das Sonnar weist Merkmale auf, die das Leica-Summicron nicht zu bieten hat: Das Sonnar ist, um noch einmal Zeiss zu zitieren, „das erste M-Mount-Teleobjektiv mit floating elements und verfügt über einen ultrapräzisen, nichtlinearen Entfernungsmesser-Kupplungsmechanismus“. Diese spezielle Konstruktion war auch der Grund für Fertigungsprobleme und die massive Verzögerung bei der Markteinführung. Hier gibt es das vollständige Datenblatt mit MTF-Kurven.
Farbabweichungen und Vignettierung
Wie bei einem Teleobjektiv zu erwarten, sorgt der telezentrische Charakter des Sonnar-Designs dafür, dass die Lichtstrahlen mehr oder weniger im rechten Winkel auf den Sensor treffen. Daher gibt es keine Farbverschiebung oder das „Italian Flag“-Phänomen.
Das Zeiss Sonnar 2/85 ZM zeigt bei voller Blendenöffnung eine deutliche Vignettierung. Das Abblenden auf f/4 löst das Problem, oder man entfernt es in der Nachbearbeitung. Allerdings gibt es in Lightroom kein fertiges Korrekturprofil für das Sonnar, übrigens anders als für alle anderen Zeiss-ZM-Objektive. Ich persönlich habe in den meisten Fällen nichts gegen ein wenig Vignettierung, aber da gehen die Meinungen bekanntlich auseinander.


Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica M10, 1/500 Sek., f/6,8, ISO 250
Chromatische Aberration
Hier wird es nun knifflig. Das Zeiss Sonnar 2/85 ZM bietet eine hervorragende Auflösung, wie die MTF-Diagramme belegen; vielleicht ist dieses Objektiv sogar eines der bestauflösenden M-Mount-Objektive, die je hergestellt wurden. Das hat jedoch seinen Preis. In vielen Bildern ist chromatische Aberration sichtbar, am deutlichsten zeigen sich blaue Farbsäume, wenn man das Objektiv bei Gegenlicht und mit voller Blendenöffnung einsetzt. Ich habe keine Ahnung, warum Zeiss nicht gleich auf ein APO-Design gesetzt hat; vielleicht wollten sie dieses lichtstarke Teleobjektiv einfach „anders machen als das, was die Kollegen in Wetzlar bauen“.



Die Staubblätter sind eigentlich gelb; Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica SL2, 1/1250 Sek., f/2, ISO 100 (Ausschnitt)
Chromatische Aberrationen in den Zweigen; Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica M10, 1/4000 Sek., f/2, ISO 250 (Ausschnitt)
Schärfe
Wie erwähnt, liefert das Zeiss Sonnar 2/85 ZM eine außergewöhnliche Auflösung. Allerdings muss man auch den Fokus genau treffen, und da kann einem die Messsucherkamera bei ganz offener Blende und auf kurze Distanz Grenzen setzen. Aber es geht, und beim Vergleich des Sonnar mit den besten Kurzteles von Leica (APO-Summicron-M 75 und 90) habe ich keinen Unterschied in der Präzision bei der Entfernungsmesser-Kupplung festgestellt. Die besten Ergebnisse erzielte ich aber mit der SL2 und dem M-L-Adapter. Und diese Bilder zeigten zumeist eine hervorragende Schärfe, ab Blende 2 und bis in die Ecken hinein. Unglaublich, wenn da nur nicht die blauen Farbsäume wären….


Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica M10, 1/4000 Sek., f/2, ISO 200
Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica SL2, 1/800 Sek., f/6,8, ISO 100
Bokeh und Streulicht
Bei einem lichtstarken Tele ist die Schärfeebene bei Nahaufnahmen und voller Blendenöffnung hauchdünn. Daher werden viele mit dem Sonnar gemachte Bilder wahrscheinlich auch größere unscharfe Bereiche aufweisen. Denn um dann auf 5,6 anzublenden, würde man sich ja kein Zweinuller kaufen, oder? Ich finde das Bokeh des Sonnar in den meisten Fällen gut, mit harmonischen Bokeh-Kringeln und schönen Spitzlichtern. In anderen fand ich das Bokeh aber auch unruhig und irgendwie nervös.


Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica M10, 1/1000 Sek., f/2, ISO 200
Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica M10, 1/350 Sek., f/4, ISO 400


Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica M10, 1/180 Sek., f/2, ISO 200
Dank der berühmten T*-Vergütung von Zeiss ist das Thema Streulicht im Allgemeinen gut unter Kontrolle, doch in manchen Fällen kann es zu starken Schleier- und Geisterbildern kommen. Es ist auf jeden Fall ratsam, stets die Gegenlichtblende zu verwenden, da diese unerwünschte Streulichteffekte wirksam verhindert.


Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica SL2, 1/125 Sek., f/2, ISO 200
Mein Fazit, Optik
Die optische Leistung des Zeiss Sonnar 2/85 zeigt definitiv Licht- und Schattenseiten. In mancher Hinsicht ähnelt es so dem anderen Sonnar von Zeiss in der ZM-Reihe, dem 1,5/50 (hier in den M-Files). Während Auflösung, Schärfe und Mikrokontrast hervorragend sind, sind chromatische Aberrationen und ein manchmal unruhiges Bokeh ein hoher Preis, den man für diese Vorteile zahlen muss. Ein weiterer Punkt, an dem deutlich wird, dass dieses Objektiv einfach zu spät kam. Zehn oder zwölf Jahre zuvor wäre es ein Triumph gewesen, doch mit dem APO-Summicron als direktem Konkurrenten kann das Sonnar nicht ganz überzeugen.
Mechanik und Handhabung

Erster Eindruck
Das Zeiss Sonnar ist wie die anderen Zeiss-ZM-Objektive komplett aus Metall und Glas gefertigt. Es sieht jedoch ganz anders aus als die meisten seiner ZM-Geschwister. Der Objektivtubus ist konisch, mit dem größten Durchmesser nahe am Bajonett; er verjüngt sich leicht zur Frontlinse hin und sehr stark zum Bajonettverschluss hin. Mit einer Filtergröße von 55 mm würde man dieses Objektiv nicht mehr ganz als kompakt bezeichnen, auch im Vergleich zu anderen lichtstarken Teleobjektiven (siehe unten im Abschnitt „Alternativen“).
Verarbeitung
Das Zeiss Sonnar 2/85 ZM ist eines von nur zwei ZM-Objektiven, die in Deutschland hergestellt wurden. Die Verarbeitungsqualität scheint jedoch nicht wesentlich besser zu sein als bei den ZM-Objektiven, die Zeiss von Cosina in Japan fertigen lässt bzw. ließ. Mein Exemplar weist ein minimales Spiel auf, und es gibt Berichte von Sonnar-Besitzern, die ihre Sonnars wiederholt zur Wartung geben mussten.
Scharfeinstellung
Bei meinem Exemplar funktionierte die Entfernungsmesser-Kopplung mit meiner M10 (mit der ich fast alle meine Reviews für die M-Files mache) ausgezeichnet. Natürlich ist die Fokussierung anfangs etwas knifflig, da ein 85-mm-Objektiv bei voller Blendenöffnung eine geringe Schärfentiefe bietet. Aber ich hatte eine ganze Reihe von Keepern, die ich tatsächlich mit dem Messsucher hinbekommen habe. Mit dem elektronischen Sucher (sei es als Aufsatz für die M-Modelle oder als eingebauter Sucher) gab es natürlich keine Probleme, sodass das Zeiss Sonnar 2/85 ZM ein besonders interessanter Begleiter für die neue M EV1 sein könnte.


Zeiss Sonnar 2/85 ZM an Leica SL2, 1/500 Sek., f/3,4, ISO 100
Sucher

Die Brennweite von 85 Millimetern ist im Leica-Kontext etwas ungewöhnlich. Ich hatte jedoch keine Schwierigkeiten, den 90er-Bildfeldrahmen der M zu verwenden; die Zeiss Ikon hat natürlich 85er-Rahmenlinien. An der Leica hat man einfach minimal mehr auf dem Bild drauf – man stelle sich einfach einen Rahmen vor, der nochmals so breit ist wie der Rahmen selbst, und dann passt es ziemlich genau.
Schwerwiegender ist, dass das Sonnar einen erheblichen Teil des Sucherbilds verdeckt, ganz besonders natürlich an der Naheinstellgrenze (1 Meter). Bei aufgesetzter Streulichtblende wird sogar bis zu einem Drittel des Bildes im Sucher durch das Objektiv verdeckt, das dürfte für viele schon ein K.-o.-Kriterium sein. Auch hier löst ein elektronischer Sucher natürlich alle Probleme.
Mein Fazit, Handhabung
Insgesamt scheint mir das Zeiss Sonnar 2/85 ZM ein solide gebautes Objektiv zu sein. Allerdings reicht es nicht ganz an die besten Zeiss-ZM-Objektive heran, wie etwa das Distagon 1,4/35 (Folge xx der M-Files). Die im Vergleich Leicas 90-mm-Standard etwas kürzere Brennweite ist für den Einsatz mit einem Messsucher unproblematisch, aber die Sichtbehinderung im Sucher kann störend sein.


Alternativen
Wenn es um ein lichtstarkes M-Objektiv mit einer Brennweite um die 90 Millimeter geht, fällt einem sicher gleich mal das APO-Summicron 2/90 von Leica ein. Es ist laut diversen Testberichten eines der besten Leica-M-Objektive, die je hergestellt wurden, und es ist erstaunlich, wie die Leica-Konstrukteure es geschafft haben, ein asphärisches Element und APO-Abbildungsleistung mit nur fünf Linsen hinzubekommen. Die wenigen Vergleichstests (hier ist einer auf Qimago) deuten darauf hin, dass das APO-Summicron 90 mindestens genauso gut ist wie das Zeiss Sonnar 2/85 ZM. Und es ist weitaus leichter zu finden, insbesondere auf dem Gebrauchtmarkt.

Ein weiteres aktuelles lichtstarkes 90er-Objektiv ist das APO-Ultron von Voigtländer. Dies ist ein bemerkenswert kompaktes Objektiv und bereits bei voller Blendenöffnung voll einsetzbar. In Folge 28 der M-Files kam ich zu dem Schluss, dass das APO-Ultron vielleicht das einzige 90er für M-Anschluss ist, das man jemals brauchen könnte. Und es kostet nur einen Bruchteil des APO-Summicron 90 oder des Zeiss Sonnar 2/85 ZM.
Vintage-Objektive von Leica
Schließlich könnte das ältere Leica Summicron 90 eine Option sein – äußerlich sieht es fast genauso aus wie die neuere ASPH.-Version, ist aber konstruktiv ganz anders. Da muss man mit geringerer Auflösung und weniger Kontrast rechnen, aber ich kenne M-Fotografen, die die etwas nostalgische Bildwiedergabe dieses Objektivs wirklich mögen. Noch weiter in die Geschichte reicht das Thambar 2,2/90 zurück, eine Neuauflage einer Rechnung von 1935. Hier gibt es mehr darüber – wer Interesse hat, schaue sich geduldig auf dem Gebrauchtmarkt um, da auch das moderne Thambar mittlerweile nicht mehr hergestellt wird.
Moderne 90er von verschiedenen Herstellern
Wer bei einem 90er ohne Ausgangsblende 2 auskommt, hat sehr viele Optionen. Ich kann hier keinen vollständigen Überblick geben, aber man sollte das hervorragende Leica Summarit 90 in der 2,4- oder 2,5-Version in Betracht ziehen, aber auch das frühere Elmarit 2,8/90 in seinen verschiedenen Versionen. Aktuellere 90-mm-Objektive mit f/2,8 und lichtschwächer von Voigtländer (siehe hier Teil 14 der M Files). Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es Optionen von Minolta, Konica und anderen. Und wenn es unbedingt auf die exakte Brennweite von 85 mm ankommt, könnte das Zeiss Tele-Tessar 4/85 ZM eine Option sein; es wurde in Folge 12 der M Files behandelt.
Fazit: Das Zeiss Sonnar 2/85 ZM – eine verpasste Chance
Ich komme zurück zum Berliner Flughafen BER. Als der endlich eröffnet wurde, war er bereits veraltet, geplant in einer Zeit noch ohne Smartphones und Airline-Apps, man stelle sich das mal vor. Das Zeiss Sonnar 2/85 ZM ist eine ähnliche Kuriosität aus einer vergangenen Zeit. Das Objektiv kam im Umbruch von analog zu digital einfach irgendwie zu spät.

Die gute Nachricht ist, dass M-Mount ja quicklebendig ist. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, dieses außergewöhnliche Objektiv digital zu nutzen. Und ja, das Sonnar kann trotz einiger unübersehbarer Mängel beeindruckende Leistungen zeitigen. Dieses kurze Tele kann auch auf modernen, höchstauflösenden Kameras beeindruckende Bilder liefern, und zwar schon ab voller Blendenöffnung und über alle Entfernungen hinweg. Angesichts der unerbittlichen Auflösung moderner Sensoren empfehle ich die Verwendung eines elektronischen Suchers, um Ungenauigkeiten bei der Entfernungsmesser-Kopplung auszuschließen.
Sammler oder Nutzer?
Letztendlich bleibt dieses ungewöhnliche und seltene Objektiv jedoch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Während Sammler sicherlich keinen Zweifel daran haben, ob sie dieses Objektiv brauchen (ja, aber bitte in neuwertigem Zustand und in der Originalverpackung!), haben praktische Anwender andere Optionen.
Es wäre sicherlich unfair, das Zeiss Sonnar 2/85 ZM mit der Aussage abzutun, seine Seltenheit sei das Beste an diesem Objektiv. Es hat zweifellos seine Stärken. Aber meiner Meinung nach rechtfertigen die erzielbaren fotografischen Ergebnisse in der Praxis nicht wirklich den großen Aufwand, der erforderlich ist, um an dieses Objektiv heranzukommen.
