Leica vs. Fujifilm? So manchem Leica-Kunden dürfte da ein leiser Seufzer entfahren. Eine 64-seitige Fujifilm-Systembroschüre und im Fotogeschäft eine ganze Vitrine mit unterschiedlichen Kameramodellen, Objektiven und Zubehörteilen. Die Leica T, TL2 oder CL hat der geneigte Freund des roten Punktes nie erworben, längst wieder verkauft oder unbenutzt in der Schublade liegen. Und steht vor der Frage: Was hat Fujifilm mit seinem APS-System so gut gemacht – und warum ist das Leica nicht gelungen?

Beim Thema Leica vs. Fujifilm lohnt eine Rückblende ins Jahr 2009. Leica bringt die X1 auf den Markt, eine Kamera mit fest verbautem 24-Millimeter-Elmarit (Kleinbild-Äquivalent: 36mm) auf den Markt. Anfangsblende 2,8, CMOS-Sensor in APS-C-Größe, 12,2 Megapixel, externer optischer Sucher zum Aufstecken. Das ist eine beachtliche Leistung, die ersten Reaktionen auf die 1550 Euro teure Kamera sind positiv. 

Leica vs. Fujifilm: Das Rennen beginnt mit der Leica X1 (Produktbild)
Leicas erster Schritt mit APS-C-Sensor: Die X, hier im Gewand des letzten Modells X-E, kam ursprünglich 2009 als X1 mit aus heutiger Sicht bescheidenen technischen Daten auf den Markt. ©Jörg-Peter Rau

Leica vs. Fujifilm: Der Erfolg mit der X100

Eineinhalb Jahre später ziehen die Japaner im Wettlauf Leica vs. Fujifilm nach. Die erste X100 kommt 2011 auf den Markt, kurz vor der Leica M9. Sie hat ein mutiges Retro-Design, das eine Nähe zur Leica M nicht verleugnet. Wie bei Leicas X sind die Einstellräder intuitiv zu bedienen, aber es gibt einen eingebauten Sucher, der wahlweise elektronisch oder optisch funktioniert. Auch hier löst der APS-C-Sensor gut 12 Megapixel auf. Die altmodisch-neuartige Kamera kostet 999 Euro und wird sofort zum Verkaufserfolg.

Leica vs. Fujifilm: Fuji zieht mit der ersten X100 nach (Produktbild)
2011 kommt Fujifilm mit einer Kamera, die wahnsinnig nach Leica aussieht und aufzeigt, was die Wetzlarer auch hätten bringen können: Die X100 der ersten Generation legt den Grundstein für eine ganze Serie. ©Wikipedia/Kateer/CC BY-SA 3.0
Fünf weitere Generationen der X100 sollten folgen – immer nach der japanischen Kaizen-Devise: Das Gute behalten, jedes sinnvolle Detail verbessern. Und zum einmal gewählten Konzept stehen. Chapeau, Fujifilm. ©Fujifilm

Die Startbedingungen wirken ähnlich. Nicht gleich mit einem ganzen System, sondern mit einer vergleichsweise bescheidenen Kamera treten Leica und Fujifilm in den APS-C-Markt ein. Zu dieser Zeit gibt es bereits die ersten digitalen Spiegelreflex-Modelle mit Vollformat-Sensor, und die Canon EOS 5D hatte 2005 die Technologie für breitere Kundenkreise erschwinglich gemacht, doch APS-C ist vorherrschend. 

Für APS-C wird der Markt enger – zunächst

Zwei Jahre nach der Fujifilm X100, 2013, sollte die Sony Alpha 7 als erste Systemkamera mit Vollformat-Sensor den Markt auf den Kopf stellen. Am anderen Ende reüssiert das Micro-Four-Thirds-System mit seinem kleinen Sensor, der nur ein Viertel der Fläche des Vollformats hat. Die Nische für APS-C, das ist zu Beginn der Konkurrenz Leica vs. Fujifilm schon klar, wird von beiden Seiten her enger.

Die beiden Hersteller entscheiden sich für unterschiedliche Wege. Bei Leica liegt der Fokus auf dem M-System, dem wohl wichtigsten Teil der Marken-DNA. Fuji setzt auf das kleinere APS-C-Format, baut zügig und entschlossen ein System auf. 

Fujifilm bringt eine Kamera nach der anderen

Leica vs. Fujifilm: Leica hat sein System schon wieder eingestellt, bei Fuji gibt es gleich mehrere Kameras und viele verschiedene Objektive (Produktbild)
Inzwischen ist es ein ganzes Programm: Rund um die X100 hat Fujifilm ein ganzes System auf Basis der Sensorgröße APS-C gebaut. ©Jörg-Peter Rau

Fujifilms X-Pro 1 kommt 2012, bald wird das Flaggschiff durch preiswertere Modelle ergänzt. Ein System entsteht, namensgebend wird das X-Bajonett. Die X-Objektivpalette wächst schnell, und die teureren Kameras erhalten den (freilich zuletzt nicht mehr ganz unumstrittenen) X-Trans-Sensor, der sich durch eine besondere Methode des Farb-Samplings auszeichnet. Über 20 verschiedene Kameramodelle werden im Laufe von 13 Jahren eingeführt, hinzu kommt die stetige Weiterentwicklung der X100. In der sechsten Generation hat sie einen 40-Megapixel-Sensor, Bildstabilisierung, seit der Vorversion V ein neu gerechnetes 2,0/23-Objektiv und jede Menge mehr oder weniger nützliche Elektronik-Funktionen.

Im Wettbewerb Leica vs. Fujifilm macht der deutsche Hersteller vieles anders als die Japaner. Die Leica T als erste Systemkamera mit APS-C-Sensor wird erst 2014 vorgestellt, die Zahl der Objektive bleibt überschaubar.

Am Kontsanzer Rheinufer mit der Leica T und dem 18-56 ©Jörg-Peter Rau

Es gibt ein Weitwinkel-, ein Standard- und ein Telezoom, keines mit durchgehender Blende von 2,8. Dazu einige Festbrennweiten. Das 2.8/18 Pancake und das 2.0/23 Summicron werden wie die Zooms von einem nie genannten Fremdhersteller in Japan gefertigt, das 1,4/35 Summilux und das 2,8/60 APO-Macro-Elmarit haben „Made in Germany“ eingraviert. 

Aus Leica T und T-System wird irgendwann das TL-System, was einerseits die Einbettung ins Thema L-Mount und in die L Mount Alliance dokumentiert und andererseits markenrechtliche Auseinandersetzungen mit der damaligen Telekom-Tochter T Systems vermeidet. Zugleich zeigt sich aber Weitsicht: Das neue Bajonett ist schon so gerechnet, dass es Vollformat-tauglich ist.

Kurzlebig und irgendwie nicht zu Ende gebracht: Das APS-C-System von Leica hat tolle Kameras und Objektive umfasst, aber lichtstarke Zooms, ungewöhnlichere Festbrennweiten und manche zeitgemäßen Features fehlten bis zuletzt. ©Jörg-Peter Rau

Leica vs. Fujifilm – die Voraussetzungen sind ungleich

Heute wissen wir: Das Rennen Leica vs. Fujifilm ist im Prinzip von Beginn an entschieden. Leica, der deutlich kleinere Hersteller, hat viele Eisen im Feuer. Im M-System kommen immer wieder neue Kameras. Und schon 2015 ergänzt das SL-System mit seiner Integration in die L-Mount-Allianz das Leica-Programm. 

Im selben Jahr stellen die Wetzlarer die Q vor und sind dem Vernehmen nach selbst überrascht über deren (bis heute anhaltenden) Erfolg. Sie haben damit eine Art Antwort auf die Fuji X100-Serie gefunden. 2017 kommt die CL als letzte Kamera des APS-C-Systems auf den Markt. Schon 2022, gerade einmal acht Jahre nach Einführung der Leica T, wird dieses offiziell wieder eingestellt

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Fujifilm X100IV, Leica Q und Leica CL
Die X100 (Mitte) setzt weiterhin den Trend; die Leica CL (rechts) blieb eine Episode. Vielleicht auch wegen des phänomenalen Erfolgs der Q (links)? ©Jörg-Peter Rau

Und doch bleiben da mindestens eine Frage und ein Gedankenspiel: Was hat Fujifilm besser hinbekommen als Leica? Und was wäre wohl passiert, wenn Leica das Engagement für APS-C nicht aufgegeben hätte? Letzteres muss spekulativ bleiben. Aber zur Kernfrage gibt es schon ein paar handfeste Antworten.

Auf Bergtouren war und ist sie eine gute Begleiterin: Leica CL, hier mit dem 23er Summicron. ©Jörg-Peter Rau

Fujifilms Strategie: Sorge dafür, dass man über dich spricht

Zunächst ist festzuhalten: Fujifilm hat seine Rolle als (nach Marktanteilen) kleiner Hersteller so definiert, dass ihm eine Nische genügt. Das waren zunächst hochwertige Kompakte mit klassischer Ergonomie, dann das APS-C-System und zuletzt das Mittelformat (falls man bei 33x44mm Sensorgröße ernsthaft davon sprechen will). Und weil sie auf Gedeih und Verderb dieser Nische ausgeliefert waren, haben sie nicht nur in Entwicklung investiert, sondern in hohem Maß in Marketing. 

Leica vs. Fujifilm: Zwei aktuelle Fujifilm-Kameras auf Systembroschüre (Produktbild)
Zwei aus einem ganzen System: Fujifilm hat sein APS-C-Programm konsequent und flott ausgebaut. Inzwischen umfasst das Programm (zusammen mit Drittanbietern) mehrere Dutzend Objektive. ©Jörg-Peter Rau

Die Marke Fujifilm wusste und weiß, dass sie für sich werben muss: bei Händlern, Kunden, Multiplikatoren. Dazu braucht es eine gesunde Mischung aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit. Flagship-Stores gehören dazu, aber für den Erfolg in der Breite sind andere Faktoren entscheidend, etwa die Verankerung im Handel und das Markenimage. Und die Liebe des Publikums. Zuletzt führten Händler lange Wartelisten für die X100VI und deren Wechseloptik-Pendant X-E5. Alles richtig gemacht.

Leicas Strategie: Vergiss nie, wo du herkommst

Leica hat mit dem Thema Nische natürlich ebenfalls Erfahrung, und die Marke bespielt sie gut. So gut, dass Leica von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt und innerhalb von 20 Jahren vom Insolvenzkandidaten zur Renditeperle geworden ist. Dass die Japaner im Rennen Leica vs. Fujifilm von den Wetzlarern einiges abgeschaut haben (bis hin zum Produktdesign), hat Leica vielleicht sogar mehr genutzt als geschadet. 

Trotzdem ist es wohl nicht vermessen festzuhalten, dass der APS-C-Bereich bei Leica nie wirklich große Liebe genossen hat. Das Marketing konzertierte sich schnell auf die vermutlich margenstärkeren Vollformatsysteme. Das muss keine schlechte Idee gewesen sein. Aber im Ergebnis fehlt Leica nun ein Angebot in einem Preisbereich, der engagierten Amateuren noch einigermaßen zu vermitteln ist. Und es hinterlässt eine Kundengruppe, die sich in die Sackgasse geführt fühlt. Da ist es auch nur bedingt ein Trost, dass wenigstens die Objektive an auflösungsstarken L-Mount-Kameras weiterhin nutzbar sind, freilich ohne den Vollformatsensor wirklich zu nutzen.

TL (oder früher T)-Objektive für den APS-C-Sensor lassen sich dank L-Mount auch an Vollformatkameras verwenden, allerdings mit verringerter Sensorausnutzung. An der SL2 wird das Summilux-TL 35 zum 50er und aus dem 47-MP-Sensor einer mit immer noch ganz anständigen 20 MP. ©Jörg-Peter Rau

Wenn die Q so gut läuft…

Das oben angekündigte Gedankenspiel führt, wie sollte es auch anders sein, ins Reich der Phantasie. Ich möchte  an zwei Beispielen illustrieren, was Leica und die Leica-Kunden verpasst haben. Erstens: Nach der X1, der X2 und der X-E hätte Leica ohne Weiteres an einer Kompakten mit sehr gutem Festbrennweiten-Objektiv, APS-Sensor und einem vergleichsweise moderaten Preispunkt festhalten können. 

Der Weg zu dem, was Fujifilm heute mit der X100VI anzubieten hat, wäre weit gewesen, und ein attraktiver Preis hätte einige Kompromisse erfordert, etwa eine Fertigung außerhalb Deutschlands. Aber mit der Q hat Leica gezeigt, dass sie es grundsätzlich und in der Umsetzung sehr gut können. Und vielleicht war der Erfolg der Q dann auch der Grund, sich von APS zu verabschieden und sich nicht im eigenen Haus Konkurrenz machen zu wollen.

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Fujifilm X100VI und Leica X-E
Natürlich ist es ein weiter Weg von der Leica X-E aus dem Jahr 2014 zur Fujifilm X100VI des Jahres 2025. Aber wenn Fujifilm das geschafft hat, hätte Leica es auch vermocht. Wenn man denn gewollt hätte. ©Jörg-Peter Rau

Und was aus der CL hätte werden können…

Zweites Beispiel: Die neue X-E5 führt vor Augen, wie eine Nach-Nachfolgerin der CL hätte aussehen können. Mit Sensor-Bildstabilisierung (was ein viel beklagtes Manko der TL-Objektive zumindest zu einem Gutteil aufgelöst hätte), zeitgemäßen Videofunktionen und doch unter Erhalt eines sehr traditionellen Bedienkonzepts. Wenn man sich im Vergleich die technischen Daten der CL ansieht (sehr schön dargestellt auf dieser Seite), könnte man durchaus auf die Idee kommen, dass dieser Weg vielleicht nicht ganz so weit gewesen wäre. 

Eine APS-Kamera hat einiges für sich, und Wechselobjektive erweitern die Möglichkeiten. Im Dom von Asti (Italien) mit der Leica CL und dem 11-23 Weitwinkelzoom @Jörg-Peter Rau

So schauen Leica-Besitzer nicht nur manchmal etwas wehmütig in den Fuji-Katalog, sondern manche greifen auch zu den Produkten. Fujifilm hat einen guten Adapter für M-Mount-Objektive im Programm, und so ein 50er Summilux macht an der X-E5 als hochlichtstarkes 75er eine sehr gute Figur. Gleiches gilt für andere Brennweiten. Und wer für bestimmte Anwendungszwecke doch was mit einem weiteren Bildwinkel oder mit Autofocus will, wird nicht nur bei Fujifilm selbst, sondern auch bei Sigma und anderen Herstellern fündig. Und das oft zu recht reellen Preisen.

Auch eine Option: Leica-M-Objektive lassen sich bestens an die Fujifilm-APS-C-Kameras adaptieren. Aus dem 50er Summilux wird so ein 75er. Inklusive Bildstabilisierung und gutem elektronischem Sucherbild. ©Jörg-Peter Rau

Was Barnack heute bauen würde?

Als Leica die CL eingeführt hat, hat sich das Wetzlarer Marketing zu der Behauptung verstiegen, das sei die Kamera, die Oskar Barnack heute bauen würde: handlich, leicht, unkompliziert in der Nutzung und zugleich mit dem Potenzial für technisch ausgezeichnete Bilder. All das könnte man, und, Achtung, Triggerwarnung, jetzt wird’s wirklich ketzerisch, auch auf die X-E-Serie von Fujifilm anwenden.

28er oder 40er-Bildwinkel? Was den Leica-Q-Käufer in schwere Entscheidungsnot bringen kann, ist für den Fujifilm-Kunden kein großes Ding. Er kauft sich einfach das andere Pancake-Objektiv zur handlichen X-E5. ©Jörg-Peter Rau

Dazu bietet die X-E5 ein Bedienkonzept, das wenige Fragen offen lässt. Fujifilm macht das generell ganz gut, aber nicht so radikal wie Leica. Der puristische Ansatz der Wetzlarer bei der „User Experience“ ist wirklich herausragend, und man merkt es erst, wenn man mal fremdgegangen ist. Ich frage mich manchmal, warum andere Hersteller das nicht kopieren, aber dann fällt mir die Antwort auch gleich wieder ein: Was ein solch reduziertes Bedienkonzept an Knöpfchen und Rädchen einspart, müssen die Benutzerinnen und Benutzer mit Wissen ausgleichen. Kann man wohl nicht von allen erwarten …

Festzuhalten bleibt aber doch: Wer von Leica kommt, dürfte sich mit einer Fuji auch ohne langes Schmökern im Handbuch schnell anfreunden. Hier steht es im APS-Match Leica vs. Fujifilm also mindestens 1:1.

Zum vollen Bild gehört sicher auch, dass Leica als der Kleinbild-Pionier schlechthin kaum eine Wahl hatte und das klassische (und ja nachweislich auch bei anderen Marken erfolgreiche) 24x36mm-Format pflegen musste. Was Leica ja auch sehr gut gemacht hat. Insofern hatte Fujifilm da mit seiner Strategie, das Vollformat einfach auszulassen, sicher größere Freiheiten. Ganz verkürzt könnte man also sagen: Leica hat seine DNA bewahrt, Fujifilm hat sich eine neue geschaffen (und im Markennamen nicht verleugnet, wo man einst herkam, vom Film). 

Leica vs. Fujifilm? Oder sowohl – als auch?

Also Leica vs. Fujifilm oder doch eher Fujifilm plus Leica? Beides stimmt. Die Marken ergänzen sich gut. Und trotzdem zeigt ein Blick auf den Markt, dass Leica etwas hat liegen lassen. Sony hat APS-C immer weitergeführt, wenn auch zuletzt eher halbherzig. Nikon und Canon sind wieder und diesmal mit beachtlichem Engagement eingestiegen – auch, um ein bestimmtes Preissegment zu besetzen. Und weil ein APS-C-Sensor in vielen Fällen auch objektiv gut genug ist: 40 Megapixel, gute Optiken und eine ausgezeichnete Bildverarbeitungs-Engine machen sehr, sehr Vieles möglich. 

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Leica M3 und Fujifilm X-E5
Verträgt sich auch nicht schlecht in der Fototasche: 70 Jahre Fototechnik liegen zwischen M3 und Fujifilm X-E5, und dank Adapter passen die gleichen Objektive. Allerdings mit 1,5-fach-Cropfactor an der Fujifilm. ©Jörg-Peter Rau

Ein System für den Einstieg fehlt Leica

Und in manchem Leica Store wäre man bestimmt froh, Kundinnen und Kunden einen Systemeinstieg mit einem Neugerät inklusive Wechselobjektiv für, sagen wir mal, knapp 3000 Euro ermöglichen zu können. Dafür war die CL mit dem 18-56-Zoom oder auch dem 18er Elmarit nämlich richtig gut. Und die Kunden hätten es im vielem Fällen dabei sicher nicht belassen, sondern entweder ihr APS-C-System ausgebaut, oder sie wären doch irgendwann auf Vollformat umgestiegen. Diese niedrige Einstiegshürde in ein System gibt es de facto nicht mehr.

Schade ist es sicher nicht nur um die T/TL/TL2-Kameras mit ihrem radikalen Bedienkonzept, die ihrer Zeit vielleicht einfach zu weit voraus waren. Auch ungenutzte APS-C-Objektive hinterlassen bei ihren Käufern nicht nur ein Gefühl der Fehlinvestition, sondern werden auch zunehmend zu nutzlosen Schätzchen. Schade, dass man sie nicht auf Fujifilms X-Bajonett adaptieren kann, aber das ist mechanisch und elektronisch wohl schlicht unmöglich. 

Ihrer Zeit voraus: Die Leica TL2 war eine revolutionäre Kamera. Wer einen Sucher wollte, musste ihn zusätzlich anschaffen. ©Jörg-Peter Rau
Zu modern für die konservative Leica-Kundschaft? Die T/TL/TL2 hat ein immer noch revolutionäres Bedienkonzept. ©Jörg-Peter Rau

Eine gute Kamera bleibt: eine gute Kamera

Auf eine Mini-Q mit APS-Sensor werden Leica-Kunden vermutlich ebenso warten müssen auf eine Wiederauferstehung des APS-Teils von L-Mount. Panasonic wird die Lücke auch nicht füllen, denn dort hat man sich ganz offenkundig auf Vollformat und Micro Four Thirds festgelegt. Was aber bleibt, sind Leica-APS-Kameras, mit denen man heute noch viel Freude am Fotografieren haben kann. Denn eine Kamera, die mal gut war, bleibt ja gut!

Zu schade für die Schublade: Die Leica CL bleibt eine tolle Kamera. Hier mit dem 11-23 im Piemont. ©Jörg-Peter Rau

Leica vs. Fujifom: Was haben die Japaner nun wirklich anders gemacht?

So zeigt sich in der Betrachtung der Geschichte von Leica vs. Fujifilm: Für Leica war das APS-C-Engagement ein eher randlicher Handlungsstrang und vielleicht von vornherein als Episode geplant, bis ein breites und überzeugendes Programm im Vollformat stand. Bei Fujifilm gehört das APS-C-System dagegen seit vielen Jahren zum Markenkern und wird entsprechend gepflegt. Und das mit großem und verdientem Erfolg.

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Leica M11 und Fujifilm X-E5
Für Leica ist das M-System der Markenkern, Fujifilm hat sich früh auf APS-C festgelegt. So entwickelten sich die Produktpaletten auseinander, und doch blieben Parallelen, auch zwischen aktuellen Modellen M11 beziehungsweise X-E5. ©Jörg-Peter Rau

Dass ein kleiner Hersteller wie Leica nicht, wie zeitweise der Fall, fünf Produktlinien parallel aufrechterhalten (im Mittelformat S, in Vollformat M, SL und Q, in APS-C CL/TL) und sich dazu noch im Kompakt-Markt engagieren kann, ist nachvollziehbar. Und doch zeigt der Vergleich Leica vs. Fujifilm, wie weit Leica eigentlich schon mal war und was da vielleicht auch noch gegangen wäre. Seufz.

Abenddämmerung für Leicas APS-Segment. Da wäre sicher noch was drin gewesen, wenn schon das einfache 18er Pancake so schön zeichnet. ©Jörg-Peter Rau

17 Kommentare

  1. Pingback:Die neue Leica gibt es von Fuji?! – dokumentarfotografie.de at/com

  2. Hallo
    also ich weine meiner 2019 neu gekauften CL+18mm ( für Radreisen als Ersatz für eine E2S) nicht nach. Zum Glück damals zu einen „Sonderpreis“.
    Ich konnte sie unlängst gegen eine gebrauchte SL2-S (mit Aufzahlung) tauschen. Dazu passt das Sigma 1,4 35mm ART ebenfalls besser.
    Auch erspare ich mir ein „Aufsteck Wimmerl“ für meine M10-R (übrigens die letzte richtige M für mich- Sensor!).
    Diese ist meine ideale Reise Kamera.
    Somit habe ich jetzt drei (inkl. alter M6 0,85 ohne TTL) Leicas. Eine lieber als die andere.
    Um diese bezahlten Preise hätte ich viele neue Fujis kaufen können, aber Freude hätte ich damit keine gehabt.
    Es geht ja nicht immer nur um das Ergebnis.
    Den Spruch – Vergleich über die Fuji lasse ich aber weg- da ich noch eine Texas Leica habe 🙂
    LG Thomas Wien

  3. Katze Grelly

    Schade, schade, insbesondere um die schöne (ich hatte eine silberne), kleine, praktische, simpel zu bedienende, kurz: „einzigartige“ CL!

    Immer größer werdende DSLR-/Objektivkombinationen trieben mich nach 30 Jahren Nikon 2012 in die Arme von Fujifilm, beginnend mit der X100. Es folgten X-E’s, X-T’s, X-Pro’s, eine X-100 V und eine X-H1. Letztlich glücklich wurde ich mit dem aus meiner Sicht stark überbewerteten Fuji-System nicht (Näheres dazu im „Appendix“) und als ich eine Leica Q in die Hand bekam, fiel bei mir der Groschen. Ich kaufte auch noch eine SL und verabschiedete mich vom Fuji-System.
    Aber mit Q und SL blieb noch ein dringender Wunsch für mich als passionierten Reisefotografen offen, eine praktische, kleine, hochwertige Kamera für die Reise. Und ja, die CL war’s! Sie wurde also mit Normalzoom, WW-Zoom und 23/2 angeschafft und machte mich in der Folge glücklich auf meinen Reisen. In mein Warten auf eine CL2 mit einem BSI-Sensor (ich hatte schon Fujis X-100V und X-Pro3 mit dem 26,2MP-BSI-Sensor; die jedoch verkauft, denn Leicas wollen finanziert werden), platzte die Nachricht aus Wetzlar von der Einstellung des APS-C-Systems. Die einzige Kritik, die ich an der CL hatte, nämlich die der eingeschränkten Dynamik aufgrund des alten Sensors war durch ein Nachfolgemodell nicht mehr aufzuzheben. Die sehr guten TL-Objektive wollte ich aber auch nicht an der SL2 benutzen, denn diesen schweren und auffälligen Klotz mochte ich auf Reisen nicht mitschleppen. Ich trennte mich also schweren Herzens von der CL und ihren Objektiven, kaufte eine D-Lux8, ein hübsches kleines Ding, das aber, obwohl ihre Bildergebnisse meine Erwartungen übertreffen, auch mit einigen Defiziten gesegnet ist. Da stand ich nun , ich armer Tor, und war so klug als wie zuvor – zumindest was die Reisefotografie anbelangt.

    Olaf Wolf meinte bei der Vorstellung der Q3 in Wetzlar, daß mit der nahezu beliebigen Ausschnittwahl aufgrund der hohen Pixelzahl die CL obsolet sei. Ich verneinte. Rückfrage: „Was fehlt Ihnen denn da bei der Q3?“ Ich: „Die Perspektive!“ Antwort nach kurzem Zögern: „Da haben Sie recht.“ Leider bietet Leica derzeit nichts Passendes für Reisefotogragen, m.E. ein Fehler, da man damit eine große und zahlungskräftige Kundengruppe außer acht läßt. Wie wäre es denn mit einer Q4 24-70 f4 statt der zwar abbildungstechnisch tollen Q3 43, die aber totsicher eine noch deutlich kleinere Kundengruppe als die Q3 (28) bedient?

    Zur Lösung meines Reiseproblems habe ich mir eine Nikon Z6 mit dem 24-200 „Reisezoom“ gekauft. Bitte kein Nase-Rümpfen! Dieses Reisezoom ist einfach verblüffend gut und unterscheidet sich in den Bildergebnissen kaum von Fotos mit den einschlägigen Renommier-Zooms. Und ich kann damit zumeist auf eine Foto-Tasche verzichten. Den damit neu gewonenen Spaß an der Reisefotografie trübt nur ein hoher Nachbearbeitungs-Aufwand, um der Z6 die „japansichen“ Farben und Kontraste auszutreiben.

    Appendix zu Fuji: Der einzigen Fujifilm-Kamera, der ich eine Träne nachweine, ist die S5pro von 2006 mit Nikon-F-Anschluß mit ihren wunderbaren Farben und einer für die damalige Zeit ganz erstaunlichen Dynamik. Die neuen X-Kameras haben mich zunehmend genervt mit einer inkonsistenten RAW-Entwicklung über Lightroom (ich brauche keine 18 „Filmsimulationen“ und zusätzlichen Tönungen), Objektive mit einer leicht orangen Tendenz, die Schönwetter vorgaukeln (einzig die 3 Zeiss Touits sind farbneutral), von Modell zu Modell geänderte Funktionsbelegungen von Tasten, zudem Beschriftungsänderungen für gleiche Funktionen, einem sinnfreien Klappdisplay bei der X-Pro3, dessen Anschlüsse gerne brechen und einer inzwischen überbordenden Funktionsvielfalt, deren Zugriff ähnlich schwierig ist wie bei Sony. Mag sein, daß das unter Marketinggesichtspunkten alles gut bei der Handy-Generation ankommt (die CL hatte es nicht und damit im Marketing-Sinne ein Defizit) – für mich jedoch ist das nix!

    • Olaf Reichardt

      Interessanter Bericht über Ihre Erfahrungen und die Entwicklung hin zu Leica, vielen Dank für das Teilen !
      Eine Nikon Z6 mit einem 24-200er hätten Sie hinsichtlich Gewicht und Abmessungen auch in der Kombination Leica SL/SL-S mit einem Sigma 28-105er 2.8 haben können. Auch die Sony Alpha 7C ist hinsichtlich „kompakte Abmessungen“ ein interessantes Produkt.
      Ich nutze seit jetzt 5 Jahren auf Reisen fast nur noch die Q’s (Seit 12 Monaten sind es ja zwei Modelle.) und vermisse nur ganz selten eine Telebrennweite ab 85mm. Und obwohl es zwei Kameragehäuse mit Objektiven sind, gehen beide in eine kompakte Tasche und fallen bei mir immer noch unter „leichtes Gepäck“.

      • Lieber Olaf,
        interessante Gedanken. Ich könnte mir für die Reise ein Q-Doppelpack nicht so richtig vorstellen, muss ich zugeben. Zu wenig Weitwinkel vor allem, und je nach Ziel/Einsatzzweck zu wenig Tele. Vielleicht erinnerst Du Dich an einen Artikel, wo ich mit zwei Olympus-Kameras unterwegs war, die digitale hatte das 12-100 (->24-200) drauf, das war ein sehr cooles Fotografieren.
        Jüngst hatt ich auf einer Reise eine Fujifilm mit Sigma 12/1.4 und den Fuji 23/2.8 und 50/2.0 dabei. Das war eine sehr handliche Kombo, ich hätte mir am langen Ende aber etwas mehr gewünscht. Ich finde auch die Kombo 16-35 (equiv., ca.) und 70-200 sehr spannend, da kann man den mittleren Bereich echt auslassen. Aber dann ist es mit dem leichten Gepäck zugegebenermaßen schnell vorbei.
        Viele Grüße, JP

      • Hallo Olaf,
        danke für Ihre Ideen zum Thema Reisefotografie. Das meiste davon ist deckungsgleich mit meinen Überlegungen. Ich habe auch alle möglichen Tests unter Einschluß meiner SL2s angestellt:
        — mit Lumix S 4/24-105: Ordentliche Optik, aber in der Kombination mir zu schwer (über 1,7 kg – Z6 + Z 24-200 wiegen nur gut 1,2 kg!)
        — mit Lumix S 4-7,1/28-200: zu wenig WW, zu lichtschwach, mäßige Abbildungsleistung
        — mit Lumix S 3,5-5,6/20-60: interessant wegen des WW, aber zu wenig „Tele“
        Ich probiere grds. alles selbst aus und nicht nur mal eben für 20 Aufnahmen vor dem Fotogeschäft, sondern gekauft und ggf. 1/4 Jahr später wieder verkauft.

        Die um 1/2 kg leichtere Kombi der Z6 mit dem Z 24-200 ist gegenüber der SL2s mit Lumix 24-105, welches der schärfste Rivale wäre, deutlich zurückhaltender im Auftritt und für mich von Ergonomie und Handling sehr angenehm, da Nikon auch konsistent im Kameralayout ist (Tasten, Bezeichnungen, Menüs). Sony kommt für mich wegen der überbordenden Techniklastigkeit nicht in Frage. Ihre Leica Doppel-Q-Strategie hatte ich auch schon erwogen, aber wieder verworfen, weil ich auf Reisen ein „point & shoot – Fotograf“ bin (wie Steve McCurry, ohne mich mit seinen Ergebnissen messen zu können), wofür sich ein Zoom besser eignet. Als zweite Kamera ist allerdings meine Leica Q immer auch dabei.

    • Jörg-Peter

      Hallo Katze Grelly,

      besten Dank für den umfangreichen Kommentar und die dort geteilten Informationen und Gedanken. Ja, auch an den Fujifilm-Kameras können sich die Geister scheiden. Erwiesen ist freilich der beträchtliche Markterfolg – und genau da unterscheiden sie sich eben von Leica APS-Programm. Und, ja, wirklich schade um die Objektive, da waren tolle Produkte dabei. Die Nikon Z6 ist ganz sicher eine ausgezeichnete Kamera, und ich wünsche viel Spaß damit, und für ein Reise-Zoom muss man sich ganz sicher nicht entschuldigen. Die beste Ausrüstung ist immer die, die man (da gerne) dabei hat.

      Viele Grüße, Jörg-Peter

      • Hallo Jörg-Peter,
        um die „T/TL“-Objektive hat es mir auch leid getan. Das 1,4/35 war ein Bombenobjektiv, das ich z.T. an der Vollformatkamera benutzt habe und es war in der Abbildungleistung nicht weit entfernt vom viel teureren SL 2/50 APO. Selbst das lichtschwache Normal-Zoom hatte eine erstaunliche Abbildungsleistung und ein noch erstaunlicheres Bokeh; wenn ich Fotofreunden Bilder davon gezeigt habe, haben die nicht geglaubt, daß die mit dem kleinen, lichtschwachen APS-C-Objektiv entstanden sind………..

  4. Andy Diehl

    Hallo Jörg-Peter,

    schön, dass es dieser Artikel von Macfilos auch hier auf die Seite geschafft hat. Ich fand ihn bereits dort sehr lesenswert, umso besser, dass er nun auch hier veröffentlicht wurde.

    Schade ist allerdings, dass es die CL nie in eine weitere Zukunft geschafft hat. Betriebswirtschaftlich und aus Sicht der Produktstrategie ist das sicher nachvollziehbar. Trotzdem bleibt die CL für mich die Leica mit dem besten Formfaktor. Wenn man sich zudem die Barnack-Leicas anschaut, ist sie vermutlich auch die Kamera, die der ursprünglichen Grundidee am nächsten kam.

    Man darf allerdings nicht vergessen, dass die CL damals fast exakt das Doppelte einer Fuji X100F kostete. Das war in diesem Segment schon eine deutliche Ansage. Natürlich war die CL die „ernsthaftere“ Kamera und auch besser verarbeitet. Aber ich glaube, den meisten ging es letztlich einfach darum, gute Bilder zu machen – mit einer Kamera, die gut aussieht, eine angenehme Größe hat und vor allem unkompliziert viel Spaß macht.

    Genau das ist übrigens der Punkt, der Fuji von vielen Mitbewerbern unterscheidet: der Spaß an der Sache und die Liebe zum Detail. So etwas findet man bei kaum einer anderen Marke. Wer auf die Idee mit den Filmsimulationen gekommen ist, verdient eigentlich heute noch einen Orden. Der Hybridsucher, vielleicht nicht perfekt, aber immerhin und jetzt auch das kleine Glasfenster in der X-E5 sind einfach liebevolle Details. So etwas gab es übrigens auch einmal bei der Leica M8 in Form des Bildzählers.

    Natürlich kann man das als „seriöser“ Fotograf leicht als Spielerei abtun. Aber darum geht es meiner Meinung nach gar nicht. Es geht um die Leidenschaft für die Fotografie und die kommt in einer Zeit des technischen Overkills oft zu kurz. Fuji hat das in diesem Segment meiner Ansicht nach hervorragend verstanden.
    Liebe Grüße.

    Andy

    • Jörg-Peter

      Hallo Andy, danke für Deinen Kommentar und entschuldige bitte, dass ich erst jetzt zum Antworten komme. Ich stimme Dir in allen Punkten zu. Wer mal so eine Fuji in der Hand hatte, ist schnell verführt. Und ich mag an deren Philosophie, dass sie die unbestreitbaren Vorteile des kleinen Sensors perfekt nutzen und angesichts der technischen Daten und der Abbildungsleisten fast nur ausgesprochen kompakte Optiken bauen. Well done, kann man da nur anerkennend sagen. Viele Grüße, Jörg-Peter

  5. Michael Speth

    Lieber Herr Rau, allerbesten Dank für den tollen Vergleich der konkurrierenden Systeme.

    Fuji hat ja massiv von den traditionellen deutschen Marken abgekupfert, bei der X100 von der Leica M, so dass man manchmal angesprochen wird, ob das eine Leica sei. Oder die X100 sei ja die Leica für Arme…

    Bei der X Pro ist die äußere Ähnlickeit mit der Contax G einerseits, aber auch die Kombination Messucher mit Autofocus interssant.

    Ein pfiffiges Alleinstellungsmerkmal der Fuji X100 als auch X -Pro ist ja der Hybridsucher, der ja erstmals die Messucherwelt mit den elektronischen Suchern kombiniert. Ein Schritt, den sich Leica mit der M EV1 verkniffen hat (oder verkneifen musste (Patent?) – oder wollte).

    Mit meiner Q2 und Fuji X100V bin ich gleichermaßen sehr zufrieden, es bleibt das Luxusproblem der täglichen Qual der Wahl.

    • Jörg-Peter

      Vielen Dank, lieber Herr Speth, für den Kommentar und zugleich sorry für die späte Antwort. Viel Spaß mit den beiden schönen Kameras!

  6. Olaf Reichardt

    Eine interessante und lesenswerte Abhandlung über das APS-C Format, vielen Dank hierfür!
    Keine Kritik, aber ich glaube auch die X-Pro Serie hat einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg dieses Systems geleistet. Die Popularität der X-100 ist aus meiner Sicht auch so groß, weil es Fuji (noch) nicht geschafft hat, eine X-Pro 4 herauszubringen.
    Unerwähnt sollte nicht bleiben, dass Fuji im Mittelformat auch mal ganz lässig rechts an Hasselblad und Leica vorbeigefahren ist und bei Instant Kameras die Lücke von Polaroid gefüllt hat.
    Nun aber zu Leica…meiner Meinung nach ist/war es richtig, dass „Experiment APS-C“ ganz schnell zu beenden.
    Die Q ist die „Cash Kuh“ (Wortspiel mit realem Hintergrund) , M die Markenikone und die SL war bisher nicht nur die Abrundung des Portofolios bei einem EVF-Wechselsystem, sie war auch eine Option, die M-(und R-Objektive) auf eine technologisch moderne Form zu nutzen. Der Sucher der SL1 hat bei der Vorstellung neue Maßstäbe gesetzt. Mit der Idee der L-Allianz kam die nächste, richtige Entscheidung: Keine, zusätzlichen eigenen Produktionskapazitäten und die damit verbundene Kapitalbindung für die Produktion von Objektiven. Die zuletzt vorgestellten vier Objektive waren alles lichtstarke Zooms aus Japanischer Produktion (Sigma ?), Leica eigene, neue Objektive gab es schon lange nicht mehr. (Ich nutze diverse Sigma L-Mount Objektive der Art Serie und halte diese Objektive für über jeden Zweifel erhaben. Hinzu kommt, dass sich Sigma traut, auch außergewöhnliche Objektive zu entwickeln (15mm 1.4 FishEye, 35mm 1.2, 16mm 1.4, 135mm 1.4, 200mm 2.0). So eine Produktpalette wird Leica nicht zusätzlich zur M-Serie selber herstellen und vorhalten. ) Ich bin sehr gespannt, ob und wie Leica das SL System weiterentwickelt.
    Mit der M-EV1 gibt es für die Markenikone nun eine Option mit EVF, die eine SL als Option für die M-Objektive obsolet macht. Auch das ist smart, denn mit dem klassischen Messsucher bleibt diese Ikone in einer sehr limitierten Nische. Hinzu kommt die Option auch alle Brennweiten mit entsprechenden Lichtstärken ohne Einschränkungen nutzen zu können. Und die Produktion dieser Optiken ist bekanntlich eine Leica Kernkompetenz.
    Das weitere Standbein der Mobiltelefon Fotografie ist ebenfalls eine gute Strategie: Die Strahlkraft der Marke zieht Kunden in ihren Bann, die über das Mobiltelefon in die Fotografie einsteigen. Bisher hat Leica auch hier ein Alleinstellungsmerkmal, Sony konnte mit den für die Fotografie optimierten Geräten bisher keinen Erfolg erzielen.
    So sind sich Fuji und Leica doch sehr ähnlich: Das Erkennen des passenden Marktsegments und der damit verbundene Fokus darauf.

    • Jörg-Peter

      Lieber Olaf,

      auch an Dich die Bitte um Entschuldigung, dass ich so lange nicht geantwortet habe. Deinem letzten Satz kann ich voll zustimmen. Und ich finde die Entscheidungen von Leica auch nachvollziehbar, bleibe aber doch bei einem gewissen Bedauern. Beim SL-System machen sie durch die Allianz aus meiner Sicht vieles richtig, und vielleicht hätte man eine solche Lösung auch für das handlichere und günstigere Segment mit APS-C-Sensor finden könnte. Aber ja, Du hast Recht, das Portfolio war für einen so kleinen Hersteller zeitweise schlicht viel zu groß.

      Was ich tatsächlich anders sehe, ist die Sache mit der M-EV1. Nach meiner Überzeugung ist eine SL nach wie vor die sehr viel bessere Wahl für M-Objektive. Der Sucher ist besser, es gibt Bildstabilisierung und einen ergonomisch wirklich guten Handgriff. Hätte die M-EV1 einen Hybridsucher, wäre sie sicher attraktiver, aber so ist sie halt eine Möchtegern-Messsucherkamera, die erfreulicherweise den M-Formfaktor hat. Ob die M-EV1 das M-System aus der Nische führen kann, weiß ich nicht. Immerhin ist sie sehr teuer und wird wohl eher als Zusatz-Gehäuse gekauft werden. Aber das ist einfach eine persönliche Einschätzung.

      Viele Grüße, Jörg-Peter

      • Olaf Reichardt

        Lieber Herr Rau, vielen Dank für Ihre Kommentierung.
        Meinen (kurzen und teuren) Ausflug in das M (EV1) System habe ich auf dieser Seite ja sehr transparent dokumentiert und bleibe am Ende des Tages zufrieden beim Q- und SL-System.
        Auch wenn ich ein „Autofokus Boy“ bin und bleibe, kenne ich in der Tat „SL Kollegen“, die viel und gerne mit M- (und auch R-) Objektiven an der SL arbeiten. Dies bestätigt und unterstreicht Ihre Einschätzung.
        Ich sehe die M-EV 1 nicht nur als Einstiegskamera, sondern auch als alternative Option für „M-ler“ mit einem kompakten Gehäuse ohne Aufstecksucher zu fotografieren und alle Brennweiten ohne Einschränkungen zu nutzen. Mich würden die Verkaufszahlen interessieren.
        Eine Leica M-EV2 könnte mit einem Klappdisplay und der schon bei anderen Herstellern etablierten Technik für das manuelle Fokussieren ein echter Gamechanger für das M-System werden.
        Wir werden es erleben…!

  7. Sebastian

    Hallo zusammen,

    Wenn ein APS-C Objektiv an einer Vollformat-Kamera angesteckt wird, dann verlängert sich doch nicht die Brennweite wg. dem Crop-Faktor sondern das ist doch umgekehrt oder (also Vollformat Linse an APS-C Kamera – weil da dann gecroppt wird…). Oder hab ich einen Denkfehler? Auf dem Sensor kommt das Licht eines 35mm Objektives an und damit es keine Schwarzen Ränder gibt, regelt die SL2 die Auflösung runter… Aber das, was am Sensor aufschlägt ist das gleiche, was auf einem APS-C Sensor aufschlagen würde…

    • Jörg-Peter

      Hallo Sebastian,
      danke für den Kommentar. Ich versuche es mal an einem Beispiel so zu erklären:
      Wenn man Summicon 23 für APS-C an die SL ansetzt, leuchtet das Objektiv durch den kleineren Bildkreis nicht die volle Sensorgröße aus. Durch die elektronische Verbindung „weiß“ die Kamera, dass ein APS-Objektiv angesetzt ist, und croppt an den Rändern auf das passende Sensorformat. Es wird also nicht die Auflösung runtergeregelt, sondern die benutzte Sensorfläche verringert. So entsteht der Bildwinkel eines 35mm-Objektivs, die Brennweite „verlängert“ sich. Natürlich nur scheinbar, denn die Perspektive, die Tiefenschärfe usw. bleiben natürlich die eines 23ers. Insofern ja, was auf dem SL-Sensor aufschlägt, ist das Gleiche wie das, was auf einem APS-C-Sensor ankäme. Nur, dass die Auflösung eben reduziert ist: An der SL2 zum Beispiel werden von 47,3MP nur 20,3MP genutzt. Die CL hatte schon 24MP, und die aktuellen Fujifilm-Kameras haben einen 40,2MP-Sensor (der übrigens einen fantastischen Dynamikumfang und ein sehr gutes Rauschverhalten bietet).
      Ich hoffe, das hat etwas weitergeholfen!
      Jörg-Peter

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