Das kommt überraschend: Leica kurbelt den Verkauf der neu aufgelegten analogen Messsucherkamera M6 mit einer Sonderaktion an. Bis zum 31. Dezember 2023 nehmen deutsche Leica Stores jede alte analoge Kamera für mindestens 500 Euro in Zahlung. So wird die Leica M6 günstig wie noch nie seit Markteinführung 2022. Immerhin, mit dem Black-Friday-Wahnsinn hat es nichts zu tun.

Erst vor wenigen Wochen berichteten die Teilnehmer der Wetzlarer Tagung der Leica Society International (LSI) von einer riesigen Warteliste für das neu-alte Analogmodell. Demnach sprachen die Leica-Verantwortlichen von tausend Namen auf der M6-Warteliste. Das wäre eine beachtliche Zahl, vor allem angesichts der begrenzten Produktionskapazitäten für diese weitgehend handgefertigte Kamera. 

Wäre es so, könnte man kaum eine Leica M6 günstig bekommen. Denn es würde zuerst mal heißen, dass eine neue M6 so schwer zu finden sein müsste wie Einhorns…pucke. Und sicherlich würde der Preis der Leica M6 nicht einen einzigen Euro unter dem aktuellen UVP von 5.450 Euro (4.850 £, 5.695 $) liegen.

„Alt gegen neu“: Eine überraschende Mail aus Wetzlar

Umso unerwarteter war eine E-Mail, die ich jüngst erhielt: Leica kündigt eine Inzahlungnahme-Aktion an. Wer eine beliebige analoge Kamera an einen Leica Store verkauft, erhält eine Gutschrift von mindestens 500 Euro. Zustand und Funktionsfähigkeit des Altgeräts spielen laut Leica keine Rolle. Man kann sich also eine vom Kamerafriedhof holen oder den Händler nach dem billigsten vorrätigen Secondhand-Modell fragen. Im Endeffekt kostet die M6 bis zum 31. Dezember 2023, wenn das Angebot endet, einfach 500 Euro weniger. Wenn das analoge Schätzchen dem Händler mehr als 500 Euro wert ist, wird natürlich diese Summe abgezogen.

Leica M6 günstig: Aktuell kostet sie weniger als bei Markteinführung

Vor diesem Hintergrund gibt es, jedenfalls gemessen an Leica-Standards, im Moment die Leica M6 günstig. Mit der Inzahlungnahme – pardon: dem Trade-In – liegt sie bei derzeit 4.950 Euro. Das ist bemerkenswert, denn damit liegt der Preis unter dem bei der Wieder-Markteinführung des seit Jahrzehnten innig geliebten Kameraklassikers. Im Oktober 2022 hatte Leica die M6-Neuauflage mit einem Preis von 5.050 Euro vorgestellt. Inzwischen hat der Hersteller den regulären Preis sogar auf 5.450 Euro erhöht (Stand November 2023). 

Ein Rabatt und eine lange Warteliste – wie kann das zusammenpassen?

Ich frage mich, ob Leica jetzt eine Rabattaktion gestartet hätte, wenn der Bestand an neuen M6-Kameras wirklich so knapp wäre. Tatsächlich scheinen diverse Händler kein Problem damit zu haben, ihre Kunden ohne Wartezeit mit einer M6 zu beglücken. Das ist, um es ganz klar zu sagen, eine hervorragende Nachricht. Lange Wartelisten mögen einen kurzfristigen PR-Nutzen haben und ein Gefühl von Exklusivität vermitteln. Aber in Wirklichkeit sind sie doch eher Quell von Frustration für Kunden und Händler gleichermaßen.

Im Moment jedenfalls gibt’s die Leica M6 günstig. Oder zumindest günstiger. Man könnte lange darüber philosophieren, ob ihr Preis, gerade gegenüber den bis zu fast doppelt so teuren Digital-Modellen, eigentlich eher günstig oder eher hoch ist. Auf lange Sicht ist so eine M6 sicher eine nachhaltigere Investition, denn die Geräte halten Jahrzehnte. Blog-Gastgeber Claus Sassenberg hat das in einer Mischung aus Essay und Review ganz ausgezeichnet beschrieben

Leica M6 und Black Friday – gibt es einen größeren Gegensatz?

Insofern ist die M6 vielleicht das Anti-Black-Friday-Produkt schlechthin. Und es ist ja auch ein ungewöhnliches Erlebnis, im Jahr 2023 eine neue Analogkamera zu kaufen. Im Falle der neuen M6 ist das Retro-Gefühl auf die Spitze getrieben. Mit dem alten Leitz-Logo und sogar der Kunststoff-Box, die dem Original von vor Jahrzehnten ziemlich genau nachempfunden ist. 

Hat der Film-Hype seinen Zenit überschritten?

Wenn es nun schon eine nagelneue Leica M6 günstig oder zumindest günstiger gibt, könnte das ein weiterer Hinweis darauf sein, dass sich der Film-Hype nun doch etwas zu verlangsamt – was auch nicht unbedingt eine schlechte Nachricht ist. Vielleicht hat der Markt eine gewisse Sättigung erreicht, vielleicht aber haben einige der begeisterten Neueinsteiger das Interesse an ihrem exotischen Hobby auch schon wieder verloren. Auf jeden Fall sind Filme wieder besser erhältlich (über die Preise schweigen wir lieber), und auch Preisrallye bei gebrauchten M-Kameras scheint beendet. Echte Analogfotografen werden es beruhigt zur Kenntnis nehmen.

Produktbild zeigt alte und neue Kamera zu der Werbeaktion, in deren Rahmen eine Leica M6 günstig zu bekommen ist.
M6 alt und neu

Nicht nur Leica glaubt an eine analoge Zukunft

Unabhängig vom aktuellen Preis der Leica M6: #filmisnotdead. Und neben Leica steht ein zweiter Hersteller kurz davor, eine analoge Kamera auf den Markt zu bringen. Ricoh bestätigte kürzlich gegenüber dem fotografix-magazin, dass eine neue Analogkamera im Jahr 2024 auf den Markt kommt. Auch ein Pentax-Vertreter sagte mir das bei der Hausmesse meines Stammhändlers, Lichtblick in Konstanz und murmelte verschwörerisch Dinge, die eher auf ein Modell für den Breitenmarkt hindeuten und nicht auf eine Edel-Kompakte. Bleibt spannend.

Im Fall von Pentax/Ricoh, die wie Leica eine Nischen-Strategie verfolgen, ist die Sache besonders interessant. Während Leica die M6 ja immer irgendwie weitergeführt hat, ob als MP oder als Belichtungsmesser-lose M-A, steigt Ricoh neu ein. Das heißt aber auch: Leica muss mit der neuen M6 (anders als bei den Digital-Modellen) keine hohen Kosten für Forschung und Entwicklung wieder reinholen. Ricoh schon eher.

Vielleicht auch deshalb weist Pentax/Ricoh in der jüngsten Erklärung zum Thema auch Gerüchte (oder Hoffnungen) über ein zweites neues analoges Modell in naher Zukunft zurück. Es bestehe jedoch die Option, das analoge Sortiment zu einem späteren Zeitpunkt zu erweitern. Den Anfang wird also eine Pentax-Point-and-Shoot-Kamera machen – und damit, was gut ist, ein grundlegend anderes Konzept für grundlegend andere Zielgruppen als die M6.

Auch jenseits der Leica M6: Analog lebt – wenn wir es am Leben erhalten

Man muss also nicht jetzt zwingend loszuhasten, um eine Leica M6 günstig zu bekommen. Der analoge Garten ist gut bestellt. Wie wäre es, einfach mal die Minolta X300, Pentax Spotmatic, Olympus XA oder auch die Canon EOS 50 – so noch vorhanden – aus der Schublade zu holen und einfach mal wieder einen Film einzulegen? Im Wissen, dass genau 36 Bilder darauf sind, wird sich schnell ein sorgfältigerer und vielleicht sogar kreativerer Arbeitsstil einstellen. 

20 Kommentare

  1. Tolle Aktion entdeckt heute! „Alte gegen Neu“ mit mindestens EUR 800 Rabatt eine MP oder MA kaufen. Man braucht nur irgendeine alte Kamera in Bezahlung geben. Wollte schon immer eine neue MP, war mir aber etwas zu teuer, jetzt greife ich zu!

    • Jörg-Peter

      Danke für die Info. Das bestätigt meine Vermutung, dass der ganz große Run auf die neuen Analog-Leicas wieder vorbei ist. Gute Nachrichten für alle, die jetzt noch oder wieder einsteigen wollen. Und natürlich viel Spaß mit der MP! Wenn sie pfleglich, aber regelmäßig benutzt wird, ist es eine Investition auf Jahrzehnte.

  2. Etwas Aufklärung und ein paar Neuigkeiten zum Marktgeschehen. Ich stehe, als Lieferant und als Privatmann in stetigem Kontakt mit einigen Leica Stores. Der Absatz der M6 liegt ca. 30% unterhalb der erwarteten Zahlen. Eine Eintauschaktion scheint daher logisch und sinnvoll. Und ja, auch der digitale Markt schwächelt gegenwärtig. Die aktuellen Krisen, den kommenden Haushaltssperren und den daraus vermutlich folgenden Einschnitten zur Folge, werden private Investitionen mehrfach der Prüfung unterzogen. Wie sehr Leica die digitale Hochpreispolitik abschöpfen kann, bleibt abzuwarten.

    Die Nachfrage nach Film ist im Moment exakt gleich zur Nachfrage im letzten Jahr. Ein Einbruch ist nicht zu verzeichnen, eher im Gegenteil, eine leicht positive Tendenz kann ich aus den Zahlen ablesen. Filme sind in größeren Mengen lieferbar. Das hat mit Umstrukturierungen zu tun, als auch mit anpassungsökonomischen Rohstoffbezügen. Denn nicht nur Kodak hatte Lieferschwierigkeiten. Fuji und Ilford kämpften mit den gleichen Problemen. Wobei Fuji derzeit eher raus aus der Filmnummer ist, auch wenn hin und wieder homöopathische Dosen an E6 Filmen geliefert werden.
    Bei Fuji scheint der Ausstieg aus dem Filmsektor schon vor Jahren beschlossen zu sein. Filme herzustellen ist ein hochkomplexer Vorgang, den nur wenige Unternehmen beherrschen. Kodak bietet im Bereich der Farbfilme derzeit die besten qualitativen Voraussetzungen.
    Da Kodak Alaris den Vertrieb der Filme regelt, und als «Großvertrieb» zwischen Großhändler und Kodak Werk sitzt, wundern mich die Kodakpreise derzeit nicht.

    Betrachtet man allerdings die Preise für Filme in den 1980er und 90er Jahren, ist Film derzeit nicht wirklich teuer. In den 1980er kosteten professionelle Filme zwischen 13 und 18 DM / Stück. Ende 1999 zahlte man für einen 10er Pack Velvia 50 gut 120DM. Gerechnet auf die aktuelle Kaufkraft ist eine Steigerung von 60% eine realistische Annahme. Und damit liegen aktuelle Preise nicht weit oberhalb der von damals. Nur das seinerzeit keine digitale Fotografie existierte, sondern Filme in extrem hohen Stückzahlen produziert wurden. Heute liegen diese Stückzahlen im Promille Bereich im historischen Vergleich, Rohstoffe und Energie sind teuer geworden und die Hersteller und Dienstleister müssen sich mit sehr hohen Umweltauflagen auseinandersetzen. Spaßeshalber ist nach dem Stichwort «Silbersee Wolfen» zu googlen. Auf Anfrage schreibe ich gerne einen Blogartikel, der sich mit der analogen Szene und deren Preise in den 1980er und 90er beschäftigt. Mir liegen viele alte Zeitschriften und Preislisten vor, die ich für diesen Artikel scannen kann. Das könnte dem ein oder anderem die Augen öffnen, die auf hohe Preise ständig schimpfen.

    • Stefano Strampelli

      Hallo Herr Bergs,

      besten Dank für die Insider-Informationen. Der Vergleich mit den Filmpreisen aus der Vergangenheit ist mir bekannt; entsprechende Analyse sind leicht im Internet zu finden. Ich muss aber sagen, dass es mich nie überzeugt hat. Dies hat folgende Gründe:

      1) Damals war Film die einzige Möglichkeit Bilder zu speichern. Ausweichmöglichkeiten gab es nicht. Wer keinen Film kaufen wollte, konnte nicht fotografieren. Daher konnten Filmhersteller höhere Gewinnmargen verlangen. Heute gibt es die Möglichkeit vermehrt digital zu fotografieren (was ich dieses Jahr auch gemacht habe, obwohl ich gerne analog fotografiere). Die damaligen Margen sind daher nicht mehr durchsetzbar.
      2) Die Telefoniepreise sind auch seit der Liberalisierung des Marktes stark gesunken. Bei heutigen Preiserhöhungen wäre aber der Hinweis auf die deutlich höheren Preise der Vergangenheit wenig zielführend, da der Markt nicht mehr vergleichbar ist. Das gleiche gilt auch für das Fliegen. Dass die damaligen Preise so hoch waren, liegt daran, dass durch die fehlende Konkurrenz höhere Margen abgerufen werden konnten. Bei Filmen (bedingt durch die Konkurrenz durch die Digitalfotografie) ist es ähnlich (siehe Punkt 1).
      3) Was mich persönlich interessieren würde (und wenn Sie mehr wissen, wäre ich Ihnen dankbar), ist inwieweit die Preissteigerungen lediglich die gestiegenen Kosten abdecken. Meine Vermutung ist, dass die Hersteller (hauptsächlich Kodak, bei Ilford z.B. sind die Preiserhöhungen verschmerzbar) die Marge signifikant erhöht habe. Damit ich nicht missverstanden werde: es ist ein gutes Recht der Hersteller, die Marge erhöhen zu wollen. Es ist aber auch mein gutes Recht, nicht mitzumachen.

      Um nicht missverstanden zu werden: der analogen Fotografie kehre ich nicht den Rücken. Ich mache es aber seltener. Hauptsächlich mit Ilford in SW und Silbersalz35 für Farben (da die Bündelpreise recht attraktiv sind).

      • Stefano Strampelli

        Eine kleine Ergänzung zu meinem eigenen Beitrag. Die Quelle (Universität Cambridge) sollte zuverlässig sein und belegt meine Anmerkungen von oben. Damals war die Gewinnmarge per Filmstück ungefähr 70% des Preises. Solche Margen sind im heutigen Markt (wo man wieder auf digital umsteigen kann) nicht mehr durchsetzbar. Die damaligen Preise scheiden jedoch als Vergleich aus.
        https://www.cam.ac.uk/research/news/the-rise-and-fall-of-kodaks-moment

      • Vor den 1980ern konnten diese Margen stimmen. Ab den 1980ern gab es einen sehr brutalen Wettbewerb mit FujiFilm.
        Zu diesem Thema habe ich eine Quelle, die muss ich allerdings noch suchen. Es gibt zu diesem Wettbewerb auch einen Film, der bei Youtube zu sehen ist.
        Ich kenne die Kalkulationen von Kodak nicht. Ich sehe eher den Betriebsrentenfont mit dem Namen Alaris als Problemfaktor. Die derzeitigen Margen decken nicht nur die Herstellungskosten samt Gewinnerzielungsabsicht, sondern auch den schwerfälligen, vor zehn Jahren gegründeten Alaris Trog. Andererseits wollte Alaris die Filmsparte mehrfach in jüngster Vergangenheit verkaufen, also wird diese nicht sonderlich viel Gewinn abwerfen. Am Film selbst ist leider nicht viel zu verdienen.

        In den „fetten“ Jahren gab es deutlich mehr Wettbewerb als heute: 3M, Agfa, Konica, Ferrania… Weltkonzerne, die ebenfalls gute Filme gießen konnte. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Was Innoviscoat (stammt aus der Agfa) mit dem Wolfen Film produzierte, kann eher als fraglich angesehen werden. Ja, damals war die Produktion viel günstiger, die Margen fetter. Heute dürfen wir froh sein, das der Markt noch existiert.

      • Hallo Herr Strampelli,

        die Geschäftsberichte von Alaris sind im Internet einsehbar und bestätigen Ihre Vermutung, dass da gut an der „Margenschraube“ gedreht wird. Nach den Covid bedingten Preissteigerungen, arbeitet der Vertrieb weit mehr als kostendeckend. Ok, ist auch ihr gutes Recht, schließlich muss der Schuldenberg auch irgendwie abgebaut werden, ein gewisses Gefühl der Kundenausbeutung bleibt trotzdem. Wie Sie auch richtig schrieben, hat natürlich jeder das Recht zu entscheiden, ob er diesen Weg mitgehen möchte. Welcher Preis einem dann akzeptabel erscheint ist natürlich sehr individuell.

        Es wäre in meinen Augen wünschenswert, wenn vielleicht auch die Konsumer Produkte zu Kodak Eastman zurückkehren würden. Die Cinefilm Sparte lebt ja auch ganz hervorragend bei der Mutter, dies erklärt vielleicht auch die günstigeren Preise der von Ihnen erwähnen Silbersalz Filme. Höchstwahrscheinlich wäre der Preis für eine Rückkehr nach Rochester kaum zu bezahlen.
        Auf jedem Fall ist Kodak aber ein langes Leben zu wünschen, denn sonst gehen der Farbfilmindustrie endgültig die Lichter aus.

        Grüße

        Andy

      • Hier ist der Alaris Jahresbericht, aus dem alles und dennoch nichts zu entnehmen ist. Eine kalkulative Marge wird nicht preisgegeben 🙂

        https://www.kodakalaris.com/getmedia/69f8221a-9591-45d0-adb2-4bbbf9b6d051/FY22-Annual-Report-and-Accounts-Final-and-Signed.pdf.aspx

      • Joerg-Peter Rau

        Lieber Jörg,

        ich antworte en bloc auf all Deine interessanten Kommentare. Danke, dass Du all dieses Wissen teilst. Aus so erster Hand hört man ja nicht oft. Wie sich der Film-Markt entwickelt, lässt sich meines Erachtens nicht so genau abschätzen. Wenn Kodak bei den Farbnegativ-Filmen ein Quasi-Monopol bekommt, könnte das die Preise weiter in die Höhe treiben und zwar bis zu einem Punkt, wo sich gerade die neuen Liebhaber von Analog wieder verabschieden. Die gleichbleibende Nachfrage ist schon mal kein weiteres Wachstum mehr.

        Und was Du in Sachen Kaufzurückhaltung schreibst, höre ich genau so immer wieder: Es wird weniger gekauft, es wird weniger spontan gekauft. Dass sich das bis auf Leica-Stores durchschlagen kann, sollte nicht überraschen. Zumal die Konsolidierung der Gebrauchtpreise – auch bei Leica M – die Idee der bombensicheren Geldanlage Summilux auch ins Wanken gebracht hat. Die Frage ist gleichwohl, inwieweit sich die Konsumflaute auch auf Verbrauchsmaterial für ein Freizeitvergnügen (und dafür werden die Analog-Filme ja doch fast ausschließlich verkauft, oder?) durchschlägt. Ich hoffe, nicht zu sehr.

        Ob Filme derzeit sehr oder extrem oder vielleicht auch gar nicht so teuer sind, liegt sicher am Betrachtungswinkel. Profi-Material war lange Zeit teuer, stimmt. Aber ich weiß noch, wie ich einen Zehnerpack Fuij Sensia Diafilm für unter 100 DM mit Entwicklung (ohne Rahmung) gekauft habe. Dafür bekomme ich heute keine zwei Ektachromes mit Entwicklung. Und Du weißt selbst, wie sich innerhalb weniger Jahre der Tri-X entwickelt hat, der viele Jahre lang der Brot- und Butter-Film in den Redaktionen war, weil er günstiger war als der T-Max.

        Nun, man wird sehen, wo das hingeht. Für einen funktionierenden Wettbewerb wäre es vor allem wichtig, dass einer der bessere mehrere Marktteilnehmer die massiven Investitionen aufbringen können, die man braucht, um eine Produktionsstätte für Filme aufzubauen. Da teile ich Deine Zweifel, weil es am Ende eben doch eine Nische geblieben ist und dies meiner Meinung nach auch immer bleiben wird. Das ist ja auch alles okay, denn wer sich in der Nische nicht mehr wohlfühlt, kann auch anderweitig Bilder machen.

        Ich wünsche mir bloß, dass von den jetzt im Rahmen der Eintauschaktion abgesetzten M6en möglichst viele rege genutzt werden.

        Jörg-Peter

      • Es ist aber ein EBIT Ziel definiert, welches Kodak nicht erreicht ohne die Brutto Marge zu erhöhen. Der einfachste Weg ist natürlich die Preise zu erhöhen oder hoch zu halten. Das steht da so explizit nicht drin, ist aber die logische Schlussfolgerung. Heißt de facto, dass mit keiner signifikanten Preissenkung im Filmbereich zu rechnen ist, wenn Kodak auch nur einen Cent verdienen möchte.

      • Stefano Strampelli

        Besten Dank für den Link. Beruflich bin ich in der Wirtschaftsprüfung tätig und habe daher die Vorteile, dass ich weiß, wo ich hinschauen muss und dass ich die manchmal kryptischen Formulierungen entziffern kann 🙂

        Das Filmfeschäft ist im Segment „Kodak Moments“ angesiedelt und auf Seite 12 werden die Segmentkennzahlen erläutert. Dort ist folgende Aussage zu finden:
        Gross profit for the year to 31 March 2022 amounted to $88m, representing an increase of 41% year-over-year largely due to higher pricing and a shift in product mix (2021: $62m⁴).

        Die Aussage bezieht sich auf den Profit und nicht auf die Erlöse (was auf Englisch Revenues wäre). Die Produktionskosten sind daher enthalten. Der Satz ist daher ein starker Hinweis darauf, dass die Preiserhöhungen die gestiegenen Produktionskosten überkompensieren. Daher wird mein Eindruck bestätigt, dass Kodak an der Margenschraube ordentlich gedreht hat. Ich vermute, sie wollen Stück für Stück (mit den jährlichen Preiserhöhungen) testen, wie weit sie mit dem Preis gehen können, um die höchstmögliche Marge zu erzielen.

      • Joerg-Peter Rau

        Lieber Stefano Strampelli, vielen Dank auch Ihnen für die spannenden Beiträge zur Diskussion. Ist es nicht toll, was in dieser Kommentarspalte alles an Fach- und Insiderwissen zusammenkommt? Im Artikel war es ja eigentlich nur um die M6 gegangen, aber trotzdem spannend, was hier zur Frage nach den Preisen für Filmmaterial alles beigetragen wurde. Und ja, es ist sicher so, dass Kodak, wie viele andere Konsumgüter-Unternehmen, ihre Marge ausreizen wollen bzw. den idealen Preispunkt suchen. Um Marktanteile kämpfen müssen sie in diesem Bereich ja schon mal nicht mehr. Summa summarum ist es wohl am besten, einfach mit Sinn und Verstand zu fotografieren… Grüße, Jörg-Peter Rau

      • Damit wären jetzt alle Unklarheiten beseitigt. 😉 Ich bin übrigens morgen in Wetzlar bei Leica. Dort sind irgendwie Ankauf- und Klassik Tage. Werde mal eine alte analoge Kamera mitnehmen und mir mal ein konkretes Angebot erstellen lassen. Über das Ergebnis kann ich ja gerne berichten.

  3. Letzte Woche stattete ich einem großen Hamburger Fotohändler einen Besuch ab um ein bißchen zu stöbern und nach potentiellen Weihnachtsgeschenken Ausschau zu halten. 🙂 Dort wäre die „neue“ M6 sofort verfügbar gewesen. Der Verkäufer berichtete mir, dass selbst bei Stammkunden und Kunden die er durchaus als kaufkräftig beschreiben würde, eine gewisse Zurückhaltung herrscht. Im digitalen Bereich würde das Inzahlungnahme Geschäft aufgrund der hohen Preisdifferenz zum Neugerät mittlerweile sehr schleppend laufen.

    Mögen im Bereich Film die gröbsten Lieferengpässe wohl überwunden sein, befinden sich die Preise dennoch auf einem sehr hohen Niveau. Der klassische Kodak Gold pendelt als Einstieg nach wie vor um die 10€, die professionellen Farbfilme fast beim doppelten Preis. Schwarzweiss Film ist etwas günstiger, aber jetzt nicht wirklich als Schnäppchen zu bezeichnen.

    Analog bleibt eine Nische, der Markt hat da anscheinend auch gewissen Grenzen. Vielleicht mag ich mich da auch täuschen.

    Grüße

    Andy

    • Joerg-Peter Rau

      Hallo Andy, auch Dir ein spätes Dankeschön für Deine Kommentare. Wie war’s denn nun in Wetzlar? Grüße, Jörg-Peter

      • Hallo Jörg-Peter,

        der Inzahlungnahme Ablauf jeglicher Alt-Kamera läuft so wie von Dir im Artikel beschrieben, deshalb wollte ich jetzt nicht weiter darauf eingehen. Die Frage, die ich spannend fand, welchen Preis Leica bereit zu zahlen ist beim Ankauf einer „guten“ Kamera? Ich habe daher mal meine M3 Bj.61 im Zustand von A-B (von Leica selbst so bewertet) angeboten. Kurzum: Der Ankaufspreis beim Kauf einer neuen M6 wäre fair, aber nicht gut gewesen. Wer sich die Mühe des Privatverkaufs sparen möchte, erhält hier für einen Händlerankauf ein faires Angebot, beim Privatverkauf lässt sich sicher aber ein höherer Preis erzielen. Das Ergebnis war also in gewisser Weise zu erwarten, so groß scheint die Not in Wetzlar dann doch noch nicht zu sein.

        Grüße

        Andy

  4. Ich könnte mir vorstellen, dass Film wieder interessant wird als glaubhaftes Medium im Gegensatz zu kaum mehr zu unterscheidenden KI-Bildern. Angesehen davon haben analoge Aufnahmen eine ganz eigene Bildsprache. Die hat etwas weiches, etwas sehnsüchtiges. Im nächsten Jahr soll ich wieder ein Festival fotografieren und überlege tatsächlich, dies analog zu tun. Vielleicht sogar mit einem Discount-Film in Farbe und Tri X in SW. Bis dahin spare ich noch für die M6. Und vielleicht finde ich ja dann einen netten Händler, der mir auch dann einen netten Preis macht.

    Über Kodak habe ich gehört, dass sie Probleme haben, ihre Bestellungen abzuarbeiten. Die alten Maschinen waren verschrottet, die ausgebildeten Menschen in der Produktion in Rente. Aber vielleicht lernen wir wieder, dass ein Bild etwas besonderes ist, wenn es auch etwas kostet. Ich würde mir sogar wünschen, dass digitale Aufnahmen etwas kosten.

    • Hallo Kai,
      gut möglich, dass das Thema KI die analoge Fotografie befeuert. Bei National Geographic mussten jahrzehntelang Dias abgegeben werden, wo nicht mal im Labor manipuliert werden kann. Denn grundsätzlich ist die Geschichte der Bildfälschung natürlich so alt wie die Geschichte des Bildes selbst. Was Du über den Charakter von analogen Bildern schreibst, kann ich nur bekräftigen. Wir haben jüngst erst mal wieder Dias angeschaut, das ist tatsächlich etwas Besonderes.
      Die Festival-Idee finde ich klasse! Wenn Du das durchziehst und Dein Auftraggeber einverstanden ist, wäre das sicher auch ein ganz toller Beitrag für die Messsucherwelt.
      Grüße, Jörg-Peter

  5. Stefano Strampelli

    Ich habe auch den Eindruck, dass der Film Hype den Zenit überschnitten hat. Es fällt auf, dass Kodak den Preis für 120er Filme gesenkt hat. Ich weiß aber nicht, ob es an einer Sättigung des Marktes ist. Ich kann es zwar mit Zahlen nicht belegen, werde aber den Eindruck nicht los, dass die Hersteller (hauptsächlich Kodak, bei Ilford sind die Preiserhöhungen deutlich moderater) mit den Preiserhöhungen den Bogen überspannt haben und der Marktentwicklung Wind aus den Segeln genommen haben. In diesem Jahr habe ich keinen einzigen Kodak-Film gekauft.

    Auch bei Leica scheint die Phase der starken Preiserhöhungen vorbei zu sein. Der Preisanstieg der Q3 im Vergleich zur Q2 ist für die Leica-Verhältnisse der letzten Zeit sehr moderat. Die M11-P kostet nur 200 Euro mehr als die normale M11. Bei der M10 war der Unterschied zwischen der P-Variante und dem Basismodell deutlich ausgeprägter. Der Rabatt auf die M6 scheint diesen Trend zu bestätigen.

    • Hallo Stefano,
      ich denke auch, dass manche Hersteller im Goldrausch die Preisschraube etwas zu weit angezogen haben. Man kann nur hoffen, dass für Filmmaterial so viele Produktionskapazitäten existieren bzw. entstehen bzw. erhalten bleiben, dass es ein einigermaßen funktionierender Markt bleibt. Das Gleiche gilt übrigens für Laborleistungen. Für den E6 (Dia)-Prozess zum Beispiel gibt es immer weniger Anbieter. Ob bei Leica schon die neue Bescheidenheit eingekehrt ist, vermag ich nicht zu sagen.
      Grüße, Jörg-Peter

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