Die Leica M2 auf den Brücken von Amsterdam

Die Leica M2 auf den Brücken von Amsterdam

Kommentare

  
  1. Christian sagt:

    Lieber Claus,

    vielen Dank für deinen schönen Bericht.

    Bei mir ist es nun gut ein Jahr her, dass ich zum letzten Mal einen Film lud. Leider ernüchterten mich sowohl der Prozess als auch das Ergebnis: Den belichteten Film (ein Tri-X, wenn ich mich recht erinnere) schickte ich zu einem Labor nach Berlin, rund zwei Wochen musste ich auf die Negativstreifen warten. Diese brachte ich dann, ohne sie auch nur einmal zwischendurch aus ihren Hüllen genommen zu haben, zu einem kleinen Digitalisierungsbetrieb in meiner Nachbarschaft. Die fertigen Scans fand ich durchaus okay, bloß gab es auf jedem Bild Staubflecken. Nun weiß ich nicht, ob der Digitalisierungsbetrieb schludrig mit meinen Negativen umging oder ob der Staub einfach unvermeidlich ist in einer „nicht-idealen“ Welt – jedenfalls musste ich ganz schön viel Zeit in die Staubretusche investieren. Was mich jedoch deutlich mehr betrübte: Dass bei diesem Prozess meine Kreativität dann endete, wenn ich den Auslöser gedrückt hatte. Früher war das (SW-) Negativ für mich immer ein Rohling, ein Stück Ton, aus dem es eine Vase zu formen galt. In der Dunkelkammer bildwichtige Teile gezielt hervorzuheben und Unnützes im Dunkeln verschwinden zu lassen – erst danach erschien mir ein Abzug tatsächlich fertig. Bei den Scans vermisse ich die Möglichkeiten, solche Akzente zu setzen. Die Dunkelkammerarbeit empfand ich damals als anstrengend, langwierig und teils unnötig umständlich – und doch brachte sie jede Menge Spaß mit sich. Es beglückte mich, dass einen die Dunkelkammerarbeit so nahe an jede einzelne Aufnahme brachte. Interessanterweise erhalte ich diesen Spaß zurück, wenn ich aus einem digitalen RAW ein Bild herausarbeite. Auch im Digitalen lässt sich wunderbar nachbelichten und abwedeln. Mit dem Vorteil, dass man jeden Bearbeitungsschritt quasi live verfolgen kann, ohne auf die große Überraschung im Fixierbad warten zu müssen (und dann festzustellen, dass man vielleicht noch einen weiteren Versuch wagen sollte…).
    Mein Fazit zu den „Ausflügen ins Analoge“: Wenn sich doch nur die Dunkelkammer so leicht wieder aufbauen ließe wie der Kamera-Veteran aus der Schublade geholt ist.

    Viele Grüße
    Christian

    • Jolomy sagt:

      „Was mich jedoch deutlich mehr betrübte: Dass bei diesem Prozess meine Kreativität dann endete, wenn ich den Auslöser gedrückt hatte. Früher war das (SW-) Negativ für mich immer ein Rohling, ein Stück Ton, aus dem es eine Vase zu formen galt. In der Dunkelkammer bildwichtige Teile gezielt hervorzuheben und Unnützes im Dunkeln verschwinden zu lassen – erst danach erschien mir ein Abzug tatsächlich fertig.“

      Zitat: In vieler Hinsicht ist die Fotografie laufend einfacher und leichter geworden. (Andreas Feininger, 1969)

      Und die heutige Digitalfotografie erschließt dem Fotoamateur weitere schöpferische Möglichkeiten, während beispielsweise die Gestaltung eines SW- oder Farb- Filmdias unwiderruflich mit dem Betätigen des Auslösers abschließt. Um die weitere Verarbeitung braucht sich der Fotograf nicht mehr zu kümmern, den die Wahl von Filtern etc. erfolgte immer vor der Belichtung.

      Wer seine Aufnahmen im RAW Format speichert, kann jederzeit die Lichttemperatur, die Helligkeit, den Kontrast u.v.a.m. am Rechner nachjustieren oder sogar gezielt manipulieren. Dadurch werden die Fotos zwar nicht besser, aber der Fotograf wird zur Aufnahmezeit entlastet, wenn er es wünscht. Natürlich kann er sich auch vor Ort für einen Picture Style entscheiden und die Belichtung sowie den Weißabgleich seiner automatischen DigiCam überlassen …

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Lieber Christian,

      ich kann deine „Ernüchterung“ in Bezug auf die Analog-Fotografie sehr gut nachempfinden. Und das ist ja auch der Grund, warum wir auf RAW-Dateien inzwischen nicht mehr verzichten wollen. Auch für mich ist das die Haupt-Arbeitsgrundlage.

      Dennoch sind meine Ausflüge in die analoge Filmwelt nicht nur Ausdruck eines Hangs zur Nostalgie. Ich finde die Arbeit mit einer vollmechanischen Messsucherkamera faszinierend, und die Tatsache, dass man alles vor dem Auslösen richtig gemacht haben muss, eine Herausforderung, die mich reizt. Sorgfältiges Ausbelichten und Kompsition, sozusagen „drillmässig“. Diese dort erlernte Disziplin kann einem auch bei Arbeit mit der Digitalkamera nützlich sein.

      Davon abgesehen, ist der Arbeitsaufwand gemessen am Ergebnis meist unverhältnismässig. Darum habe ich mir z.B. zweimal überlegt, ob ich zum letzten „Tanz der Vampire“ wieder eine M2 oder M3 mitnehmen soll und mich dagegen entschieden. Ich hatte mich in Amsterdam erst mal ausgetobt. Aber irgendwann kribbelt es halt wieder.
      Übrigens hat man mehr Einfluss, wenn man die Negative selbst einscannt, denn dieser Prozess wirkt sich noch mal stark auf das Ergebnis aus. Das ist wirklich ein Arbeitsschritt, der so ein bisschen der Dunkelkammer entspricht. Es gibt da einiges zu tricksen und zu beachten, aber das Ergebnis hängt eben stark von dem benutzten Scanner under Scan-Software ab. So gesehen habe ich Glück, einen guten Scanner zu besitzen, denn die Dinger sind sowohl teuer als auch rar.

      Aber nach tagelangem Einscannen von Negativen weiß ich auf jeden Fall wieder zu schätzen, was uns die digitale Fotografie bietet. Umso mehr bewundere ich Leute wie Kai (Steffen), der sich noch voll auf die Analog-Fotografie einlässt und eindrucksvolle Ergebnisse vorweisen kann. Falls du sie nicht schon kennst, schau dir mal seine Webseite „Weites Land“ an.

      Viele Grüße,

      Claus

  2. Kai sagt:

    Hallo, Claus,
    ein paar Gedanken sind mir doch noch gekommen. Zum einen denke ich, dass es Fotografen gibt, die einen emotionalen Bezug auch zu einer bestimmten Kamera haben und genau deswegen erfolgreich sind. Sie haben ihren eigenen Stil gefunden und werden genau deswegen gebucht. Einer dieser Fotografen ist für mich Jim Rakete. Wie sagte er in einem Interview: „Ich weiss nicht, wie viele Leicas ich habe, aber würde auch nur eine fehlen, ich würde es sofort merken“.
    Vieles in der Fotografie ist heute Einheitsbrei, es ist so selten, einmal außergewöhnliche und wirklich individuelle Bilder zu entdecken. Stock-Fotos sind da ein gutes Beispiel. Irgendwie sehen sie alle gleich aus und werden ja auch gekauft, aber ans Herz gehen mir persönlich Bilder, die unfertig, unvollkommen sind, bei denen in meinem Geist sich das Bild zu Ende und darüber hinaus aber auch noch weiter entwickeln, verändern kann.
    Liebe Grüße
    Kai

    • Jolomy sagt:

      Moin Kai,

      erfolgreiche Photographen wie beispielsweise August Sander, Marc Riboud oder Steve McCurry verwendeten stets modernstes Equipment ihrer Zeit.
      Auch Erich Hartmann (Magnum-Fotograf) besaß Brennweiten von 18 bis 500 mm und vier baugleiche SLR-Bodies. Aber wenn er über die Entfernung zum Motiv entscheiden konnte, waren seine bevorzugten Objektive die mit 35, 50 und 85 mm Brennweite. Für private Aufnahmen vertraute er jedoch auf eine vollmechanische, leichte Meßsucherkamera mit einem Standardobjektiv bestückt …

      Gut Licht,

      Jolomy

  3. Jolomy sagt:

    Ja, die Ästhetik eines Fotos wird wesentlich durch die Optik bestimmt!
    Meine meist benutzten Brennweiten im KB-Format sind von Beginn an 35/50/85/90 mm Objektive von verschiedenen Markenherstellern und Fotos in den Alben, die ich mit meiner favorisierten Brennweite von 35 mm knipste, fallen deutlich erkennbar unterschiedlich aus.
    Einzig mein Summicron-M 2/35 ist frei von Verzeichnungen (Distorsionen) sowie Verzerrungen, was der Retrofokus Konstruktion von D/SLR Optiken geschuldet ist. Die Verzeichnungen lassen sich manchesmal nahezu wegrechnen, aber mögliche „Eierköpfe“ oder windschiefe Architektur im Randbereich leider nicht!
    Weiterhin prägen die asphärischen Linsen moderner Objektive die Übergänge von scharf zu unscharf, aber das ist natürlich Geschmackssache …

  4. Ein schöner Artikel, und speziell die Nachtbilder aus Amsterdam machen so richtig Lust, dieser Stadt mal einen längeren Besuch abzustatten. Und wenn ich das nächste mal in Alkmaar bin, werde ich mir die Grote Sint Laurenskerk (im Holländischen übrigens mit „e“) mal ansehen – und vielleicht kann ich dann die Orgel hören, was mich tatsächlich mehr interessieren würde als die Kirche an sich. Und dann wird keine M2, sondern endlich meine MP dabei sein (meine M2 musste kürzlich zusammen mit der M3 und der M6 einem Modell mit 0.85er-Sucher weichen – Emotionen sind schön, aber bei Leica muss man sie sich auch leisten können ;-)) …

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Danke für das Lob zum Artikel. Ich wäre Abends noch gern länger in der Stadt geblieben, aber (wer kennt das nicht?) die Familie hatte kein Verständnis für Nachtfotografie und wollte ins Hotel zurück.
      Der Fehler mit der „Kirk“ kommt übrigens aus Google Maps. Ich hatte mit den Stadtplan von Alkmaar noch einmal angesehen, dort war die Schreibweise so. Ich wunderte mich auch und ärgere mich ein bisschen, dass ich das ohne zu Hinterfragen übernahm. Ich habe das jetzt berichtigt.
      Übrigens, Vorsicht: Die Kirche ist nur im Sommer immer geöffnet! Ich war konsterniert, sie jetzt in den Herbstferien geschlossen zu finden (das Foto stammt vom Sommer). Seltsam, ein so wichtiges Bauwerk überhaupt zu schliessen. Da kann man gleich den Kölner Dom zumachen!

      Viele Grüße,

      Claus

  5. Kai sagt:

    Ein sehr schöner Beitrag und sehr vielfältig. Und vielen Dank für den Hinweis zu meinem Blog. Ich werde bei solchen Worten fast verlegen, aber ich freu mich darüber sehr. Übrigens sind die Bilder innerhalb eines Jahres entstanden, soeben habe ich einmal den Versuch gewagt, Ektar und Porta nebeneinander zu setzen. Ich habe gerade begonnen, auch Bilder von Skandinavien einzusetzen. Nun aber zu Deinem Artikel und dabei entdecke ich ( und das freut mich ebenso sehr) durchaus Paralellen, wenn es um Entdecken geht. Eine eigene Meinung, Leidenschaft, Begeisterung und Respekt. Das Einbinden von Fotos der Sache wegen und nicht des Fotos wegen.
    Denn Bilder sollen doch etwas zeigen, etwas erzählen und nicht in digitalen Müllhalden mit abermillarden Bildern landen, die heute eingestellt, morgen niemanden mehr interessieren.

    Ja, das neue 28er mit Blende 5.6 ist wohl kein Muss, aber es ist eben Geschäft. Ich möchte auch nicht auf die Lichtstärke verzichten, aber Menschen, die es sich kaufen werden, kann ich gut verstehen.
    Es geht nicht um besser oder schlechter oder nötig oder unnötig. Es geht um Emotionen. Fotografie ist für Dich nachweislich nicht weniger als für mich mit sehr viel Emotion behaftet. Warum sollte man sonst eine M2 in die Hand nehmen? Nein, man tut es, weil man damit etwas fühlt. So möchte ich auch irgendwann eine M4 haben, weil sie die Kamera war, die es in meiner Kindheit gab. Und ich werde gerne mit ihr fotografieren.
    Fotogeräte werden heute über Gebühr technisch bewertet, dann schaue ich mir eine Ausstellung oder den Bildband von Andreas Feininger an, 100 Jahre alt, mit Fuseln und Kratzern auf den Abbildungen, mit sichtbarem Korn und bei allem bin ich vom Bild berührt. Daneben die alten und so simplen Kameras und ich bin: berührt. So unvollkommen aus heutiger Sicht, so gehen sie ans Herz.
    Gerade Bilder mit sichtbarem Korn können sehr wohl ihren Reiz haben, was ich auch gerne einmal thematisieren würde: Ein Weitwinkel, ein Orangefilder und ein Delta 3200…… damit Leuchtreklamen, alte Industrie, Nachtleben fotografieren und die Bilder werden emotional vielen gleichartigen superscharfen Digitalbildern die Show stehlen.

    Dass Du eine Stadt in schwarz-weiss portraitierst, ist besonders berührend in einer Zeit, in der wir mit Farbe überschüttet und ersäuft werden. Den gleichen Gedanken habe ich beispielsweise mit Lübeck. Diese Stadt werde ich ausschließlich schwarz weiss fotografieren. Dabei werde ich meinen Lieblingsfilm, den Fuji Neopan 1600 oder den Kodak BW 400 CN schmerzlich vermissen. Und auch das hat etwas mit Gefühl zu tun. Mit Emotion, mit Liebe zum Bild.

    Gut und wichtig finde ich auch Deinen Hinweis zur Notwendigkeit der Filter. Übrigens gilt das auch fürs Licht und ggf auch mal für einen Blitz. Ich merke, dass heute viele Bilder entstehen mit dem Gedanken, die Elektronik macht das schon. Ein digitaler Filter, ein digitaler Aufheller und alles ist gut. Wie schön, wenn jemand wir Du darauf hinweist, dass auch heute noch ein gutes Bild auch handwerklich sauber sein muss. Die digitalen Filtereinstellungen bieten bei weitem nicht das, was ein optischer Filter vermag. Und auch hier geht es wieder um Fühlen. Man kann eine gute Aufnahmen schon während des Auslösens fühlen, ansonsten lässt man sie besser.
    MIt diesen Gedanken herzliche Grüße
    Kai
    P.S.
    Ich habe mir irgendwann einmal meine eigene Definition für mein Fotografieren gesucht und es so formuliert: Der lauten Töne sind genug. Es sind die leisen, die Klänge der Bilder, die unsere Seele öffnen.

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Kai,

      das ist es wohl, was du auch beschreibst. Fotografieren hat mit Emotion zu tun, sonst wird sie „seelenlos“. Es ist eben eine „Leidenschaft“, und das Wort impliziert Gefühl und auch ringen um das ersehnte Ergebnis. Ebenso gehört dazu, dass man einen emotionalen Bezug zur Kamera hat. Bei einem Gerät wie der M2 spüre ich die Hingabe der Entwickler zum Design eines (für sie) perfekten Werkzeugs, die Handwerkskunst, die Verlässlichkeit. Genauso funktioniert das für mich auch mit der M9, M240 oder Q, weil im Prinzip der gleiche Geist dahintersteht, wenn diese digitalen Geräte auch nie diese Langlebigkeit haben können.
      Jemand, der beruflich fotografiert, hat vermutlich normalerweise nicht den Luxus, einen derart sentimentalen Standpunkt einzunehmen. Seine Apparate müssen effizient sein, seinem Zweck entsprechen. Aber das ist eben das Gute, dass es für mich ein Hobby ist. Was ich womit fotografieren möchte, kann ich selbst bestimmen und an dem Ergebnis kann kein „Kunde“ herummeckern.

      Viele Grüße und schönes Wochenende,

      Claus

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