Wie die Sinnfrage ausgelöst wurde:

Alle paar Jahre frage ich mich selbst: Was machst du da eigentlich? Trifft für die Messsucherfotografie das indianische Sprichwort zu: »Wenn du ein totes Pferd reitest, dann steig ab!«

Reite ich ein totes Pferd? Ist meine Webseite eine Art Anleitung für den Beritt und die Pflege toter Pferde?

Der Auslöser für diese existentialistische Krise war diesmal der zufällige Besuch einer Webseite, die sich ausschließlich mit dem Gebrauch von manuellen Objektiven (der Löwenanteil davon M-Bajonett) an der Sony A7 befasst. Dort fand sich auch ein Review der Leica M10 aus dem Jahr 2018 (mit Updates aus 2019), der dem Leser in abschnittweise drastischen Worten vor Augen führt, dass sicher nur »eine Mischung aus einem sentimentalen Träumer und eines Masochisten« das Arbeiten mit der Kamera genießt. Das ist nicht mein üblicher Sarkasmus, das sind die Worte des Autors.

Das schizophrene ist, dass der Artikel mit exzellenten Bildern gespickt ist, die der Verfasser – ganz klar ein guter Fotograf – mit der Kamera gemacht hat.

Erschüttert vom donnernden Einschlag dieses Urteils fragte ich mich, ob ich wohl schon vor nunmehr über zehn Jahren in eine frühe Demenz abgeglitten war, als ich plötzlich die Messsucherfotografie so toll fand. Sind all die Fotos aus den Jahren, von denen ich bisher glaubte, dass sie ein gewisses Niveau haben, bloße Hirngespinste, ist die Bildqualität nur »okay« (wie der Autor das Output der Kamera beurteilt)?

Oder zwang mich eine frühe Midlife-Crisis zum Erwerb eines Teils mit rotem Punkt, um mein Ego aufzupeppen? Ist es das »Luxus-Spielzeug eines eitlen Gecken, das zufällig auch mal Bilder macht«? Zugegeben: Dies Zitat ist nur sinngemäß wiedergegeben, weil der Text in Englisch ist.

WTF? Wie kommt er zu seinen fulminanten Schlussfolgerungen?

Machen wir mal für die Antwort einen anthropologischen Ansatz:

Nehmen wir an, in einem abgeschlossenen Hochtal in den Anden (Hi, Mr. Wells!) lebt eine Community von Wichteln, jeder ausgestattet mit einer schicken Sony. Sie taumeln in ihrem Biotop herum, knipsen Bilder, deuten sich gegenseitig auf die Kameras und nicken selig lächelnd im ewigen Nirwana.

Da findet einer der Wichtel eine ganz andere Kamera unter einem Busch (vermutlich hat sie der Satan dort deponiert, aber das soll jetzt nicht in religiösen Fanatismus ausarten).

Egal, jedenfalls nimmt der Wichtel das Ding und macht damit Bilder. Die anderen Wichtel erwischen ihn und stellen ihn zur Rede. »Heräsie!«, keifen die Zipfelmützenträger. Wie könne er es wagen, das Teil zu benutzen, wo doch der Schöpfer (Sony) sie bereits mit vollendeten Geräten ausgestattet habe.

Ehe die xenophobe Stimmung eskaliert und der aufgebrachte Mob den armen Wichtel lyncht, wird der hochgeachtete Älteste auf den Plan gerufen.

Er beruhigt die Menge und führt den „heiligen Review“ durch. Das heißt, er vergleicht die Findel-Kamera mit dem Maßstab aller Dinge, der wichtel-eigenen Sony.

Ja… und ich weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll, aber die andere Kamera kackt natürlich total ab.

Geblendet von der überirdischen Weisheit des Oberwichtels beruhigen sich die Gemüter. Mit einem unendlich toleranten Lächeln (das man ihm am liebsten aus der Visage prügeln möchte) übergibt der Großmufti die Kamera an den Finder, den die anderen Wichtel als Einfaltspinsel und Traumtänzer kennen, und erlaubt ihm großzügig, das Teil zu benutzen.

Das Gebot »du sollst keine Kamera neben mir haben« träfe nicht zu, da es sich streng genommen gar nicht um eine solche handele, sondern um ein obsoletes Fossil!

Der arme Wichtel, der sich sonst übrigens meist um die Zähne der anderen kümmert, wackelt glücklich von dannen. Er weiß es eben nicht besser, der Schwachkopf.

Zurück zu meinen existentialistischen Zweifeln. In einem wahren Blutrausch wird im Review das meiste niedergemetzelt, von dem ich bisher dachte, das seien eigentlich Vorteile des M-Systems. Irgendjemand war hier sehr verwirrt, ich wusste nur noch nicht, wer.

Und eins ist sicher: Das ist alles ein bisschen dick aufgetragen. Die Antwort für die “negative vibrations“ des Reviews ist – Peer pressure (siehe Gleichnis mit den Wichteln). Zitat: »My colleagues here are more rational than I am, so they keep asking why I even keep this camera. I cannot blame them for that.« Kurz gesagt: Wenn die anderen erwarten, dass ich die Kamera trashe, dann mache ich das auch.

Es gibt ganz klar ein paar Absätze, an die ich gern seitlich mit Rotstift »I beg to differ!« schreiben möchte.

Der “antiquierte“ Messsucher, die simple Belichtungsmessung, die wenigen Knöpfe (und – oh Graus! Keiner frei belegbar!) sind Punkte, die man völlig anders sehen kann, wenn man nicht Sony-Sozialisiert ist.

Was Kritik am grottigen Visoflex-EVF betrifft oder was der Blödsinn mit der abnehmbaren Bodenplatte soll, da kann ich nur zustimmen. Unterirdisch.

Aber dann gibt’s auch Behauptungen, die einfach falsch sind.

Ein AEL-Knopf würde fehlen. Ist wohl noch nicht aufgefallen, dass man die Belichtung speichert, wenn man den Auslöser halb durch drückt? Wie nennt man sowas? Ach richtig, AEL…

Es folgt eine Tirade, „welcher Idiot“ Leica eingegeben hat, dass die neue Firmware (2019) Auto-ISO nach unten bei 200 begrenzt, statt ISO 100 zu belassen. Wie bitte? Da hat offensichtlich einer unter einem Stein gelebt, als klar wurde, dass ISO 100 bei der M10 ein dynamisch ineffizienter Pull-Wert ist. (Und nebenbei: Denselben Stunt hat Leica bei der M10-Monochrom durchgezogen. Der Wert ISO 160 ist „Pull“, der wahre Base-ISO liegt irgendwo zwischen 320 und 640. Ich stelle immer 400 als niedrigsten Wert ein.)

Es hilft auch nicht, DxO anzuführen, aus deren Dynamik-Graph man deutlich entnehmen könne, dass ISO 100 ja viel besser sei. Jeder, der die Kamera besitzt, kann sich in 5 Minuten überzeugen, dass die Dynamik bei ISO 200 der bei 100 überlegen, die Grafik bei DxO folglich Bullshit ist. Man muss denen nicht alles glauben.

Manch einer wird sich fragen, warum ich mich so echauffiere. Es gibt schließlich negative Reviews en masse. Schon seit ich mich für die Leica M9 entschied, habe ich gelernt, mit den Schultern zu zucken und zu sagen: »Kann jeder sehen, wie er will.«

Es ist gar kein Problem, wenn ein Reviewer bestimmte Kriterien anlegt und sie nicht erfüllt sieht. Unfair ist es bloß, diejenigen mit einem anderen Blickwinkel pauschal zu diskreditieren. In den „Conclusions“ kann man lesen, dass man eine M10 nur erwirbt, um sich damit zu schmücken und herumzuprotzen, oder als halb dementer Greis schon vor 40 Jahren damit fotografiert hat und nichts anderes kennt, vor allem keine „moderne“ Kamera aus Japan.

Ja, sorry, lieber Oberwichtel, wenn man auf einem so hohen Ross sitzt, darf man sich nicht wundern, wenn einer am Sattelgurt sägt, vor allem, wenn nicht mal alle Fakten stimmen. Damit schrammt man schon hart am Dunning-Kruger Effekt vorbei!

Gleichermaßen sind die vermeintlich luftigen Höhen, in denen man sich aufgrund des Sensor-Rankings wähnt, statt der Zugspitze nur ein Maulwurfshügel, wenn man sich die minimalen Abstände (und dazu noch die zweifelhaften Bewertungsmethoden) bei DxO klarmacht. Und Bulletin: Nicht jeder wünscht sich eine Chimäre von Kamera (die berühmte eierlegende Wollmilchsau) mit allen „Bells and Whistles“, sondern sucht sein Heil ganz bewusst in der Limitation.

Anders gesagt: Malen nach Zahlen ist nicht jedermanns Sache, manche bevorzugen einen leeren Skizzenblock.

Warum Leica (die gekürzte Fassung)

Jeder, der hier öfter liest, weiß, dass ich nicht der blauäugige Leica Fan-Boy bin, der alles glaubt, was ihm Leica (Marketing) auftischt. Aber auf das M-System lasse ich nichts kommen. Es ist auch 2021 noch zeitgemäß für die, die sich der Grenzen bewusst sind.

Ich könnte an dieser Stelle ganz einfach auf meine Seite „Warum Leica-M System?“ verlinken, denn zu deren Inhalt stehe ich immer noch. Trotzdem hier noch einmal meine persönliche Liste, etwas anders strukturiert und (kürzer) formuliert.

  1. Kompaktes Vollformatsystem. Immer noch die beste Plattform für die M-Bajonett (und LTM-) Objektive und damit kleines Packmass. Zugriff auf locker 90 Jahre Objektiv-Evolution.
  2. Der Messsucher: Innerhalb seiner Limitationen (muss vernünftig kalibriert sein, effektiv nur in einem begrenzten Bereich von Brennweiten, Vorsicht bei geringer Tiefenschärfe oder Fokusshift) die schnellste Art, ein gekoppeltes Objektiv zu fokussieren.
  3. Simples Interface: Die Basis-Funktionen zur Bilderstellung sind physisch sofort erreichbar, selbst bei abgeschalteter Kamera erkennbar und mit wenigen Handgriffen an jede Veränderung der Lichtverhältnisse sofort anzupassen.
  4. Wenn man weiß, was man tut! Denn die Kamera nimmt einem nicht das Denken ab! Und das sehe ich als Pluspunkt! Natürlich ist die Belichtungsmessung im Messsuchermodus lächerlich und geradezu „antik“, aber ich komme klar damit. Wenn ich Zweifel habe, liefert mir die Kamera in Live-View ein brauchbares Histogramm.
  5. Ich sage nur: Design. Bei Leuten, die nicht der Hybris vermeintlich überlegener Kamerasysteme frönen oder eine Portion Sozialneid pflegen, sondern völlig unbedarft der Kamera begegnen, erzeugt sie nostalgische, „fuzzy“ Feelings, die häufig einen Dialog erzeugen bzw. die Bereitschaft, sich damit trotz DSGVO ablichten zu lassen.

Können wir uns also im Kern darauf einigen, dass es problematisch sein kann, eine riesige Gruppe von Nutzern einer Leica-M pauschal abzuwatschen? Das jeder seine persönlichen Präferenzen bei dem, was eine Kamera können muss, haben darf? Dankeschön.

Und meiner Meinung nach ist das M-System nicht am Ende der Fahnenstange. Ich habe mir mal Gedanken gemacht, wie eine künftige Leica M11 aussehen könnte, nachdem ich darüber mit Christian Bemmerl in seinem Podcast schon rumgesponnen habe.

Science Fiction: Leica M11

Eine M ist nur eine M, wenn sie einen Messsucher hat. Aber ganz im Gegensatz zu meiner Meinung in früheren Jahren… was, wenn dieser rein elektronisch wäre?

Ich höre schon den Aufschrei: »Ketzerei! Auf den Scheiterhaufen!«, aber man lese erst mal weiter.

Das Sucherbild kommt TTL (also durchs Objektiv), ein Fenster seitlich am Gehäuse liefert ein zweites Bild zur Überlagerung und Triangulation der Messbasis. Selbstverständlich muss das wieder mit der Schnecke des Objektivs gekoppelt sein.

Update: Eine andere Idee von Dirk aus den unten anstehenden Kommentaren finde ich so gut, dass ich sie hier zitieren möchte:

Die Q hat aus meiner Sicht einen super EVF (den von der SL kenne ich leider nicht). Dieses Bild müßte man doch doppelt einblenden können und beide Bilder über die Mechanik des Objektivs als Signalgeber zur Deckung bringen können. (Es ließe sich sogar schummeln, in dem der Sensor einen Phasenkontrast-Teil bekommt und diese Kanten als Signalgeber für den “doppelten” EVF genutzt werden.) Das wäre so meine Idee…

Vorteile:

  • Sucherrahmen sind überflüssig, man sieht immer den gesamten Bildwinkel des Objektivs, egal wie weit oder wie lang die Brennweite ist.
  • Für jedes Objektiv individuell kalibrierbar, entweder durch Firmware oder manuell im Menü, wenn man sich die Mühe macht, mit Hilfe von Fokus-Peaking das Messfeld zu korrigieren. Das könnte z.B. für die Viecher mit üblem Fokus-Shift ganz nett sein.

Die Frage ist allerdings, ob die Ressourcen bei Leica ausreichen, so eine gigantische Neuentwicklung auf elektronischer Basis finanziell auf die Beine zu stellen, da man auf nichts Vorgefertigtes von Panasonic zurückgreifen kann.

Dieser erste Punkt auf der Wunschliste ist sicher auch der unrealistischste. Man wird wohl wieder einen optischen Sucher einbauen, der muss natürlich mindestens so sein wie bei der M10. Vielleicht gibt’s ja wenigstens ein paar mehr eingespiegelte Informationen.

Dann kommen schon ein paar Sachen, die ich ernsthaft wünschen würde:

  • IBIS (In Body Image Stabilisation), Bildstabilisierung. Ein Muss, selbst wenn man dafür in Kauf nehmen muss, das der Body wieder dicker wird.
  • Ein „vernünftiger“ Sensor, ideal wäre einer in der Art der neuen SL2-S. Auflösung bitte nicht höher als 40 MP! Im Prinzip sind 24 MP immer noch genug!
  • Waveforms (was ist das?) zusätzlich zum Histogramm (in den drei Farbkanälen)
  • Keine hohe Priorität, aber ganz nett: Ein Klappdisplay für Waist-Level-Work.
  • Mein spezieller Menü-Wunsch: Eine Option, den Filterfaktor einzugeben. Damit sind die in die Exif-Daten geschriebenen Blendenwerte wenigstens annähernd korrekt. Man könnte sogar für jeden Filter, den man hat, einen individuellen Faktor erstellen, indem man zwei Bilder macht: Eins mit, eins ohne Filter (die Software errechnet den Unterschied) und mit Namen des Filters im Menü speichert.
  • Die Option auf einen elektronischen Verschluss?
  • Schafft den Bodendeckel ab! Da unten sollte es aussehen wie bei der Q2 oder SL.
  • Platz für eine zweite Speicherkarte wäre schön, ist aber nicht obligatorisch.
  • Wenn der Messsucher wieder optisch ist: Ein schöner „state of the art“ aufsteckbarer elektronischer Sucher.
  • Selbstverständlich sollte an der „Gestalt“, am Bedienkonzept und damit Design der neuen M11 nichts (wesentlich) geändert werden! Eine M ist eine M ist eine M (um Gertrude Stein abzuwandeln).

Soviel zu Mellonta Tauta, den Dingen der Zukunft. Es wird wohl noch fast ein Jahr dauern, bis wir erfahren, was da wirklich auf uns zukommt. Vielleicht gibt es im Sommer eine CL2 (mit Bildstabilisierung), das wäre sicher interessant.

Unterm Strich komme ich weiterhin gut mit der M10 klar, die mir jetzt schon vier Jahre treue Dienste leistet und so manchen Keeper beschert hat. Die M10-Monochrom ist eine gute Ergänzung, die S/W-DNG’s liefert, die eine Klasse für sich sind und auch Kodak Tri-X Liebhaber wie mich zufriedenstellt. Das Warten ist kein Problem.

42 Kommentare

  1. Markus Bastian

    Hallo Hr. Sassenberg,

    danke für die Ihren gut geschriebenen Artikel.
    Ich nutze nun seit 2015 Leica als Zweitsystem angefangen über die M8, die M9, die Q und dann die M240-P. Zwischendrin hatte ich auch einige Selbstzweifel, habe parallel diverse Kameras im Messsucher-Stil genutzt (darunter als letztes die Fuji X-Pro3), bin aber schlussendlich doch wieder bei Leica gelandet. Warum? Das M-System ist nicht zu kopieren und man kann es auch nicht vergleichen. Die M ist und bleibt mit ihren kleinen und hochwertigen Objektiven und ihrem unverwechselbaren minimalistischen Stil das kleinste Vollform-System der Welt. Ich bin niemand der hier schwarzweiss malen will, aber eine M mag man oder man mag sie nicht. Jeder Vergleich zu einem DSLR- oder DSLM-Boliden erübrigt sich, weil die Systeme nicht vergleichbar sind. Genauso wenig wie man einen vollelektrischen Oberklasse SUV der letzten Genration mit einen MG Roadster aus den 60ern vergleichen kann. Meine Canon R5 ist ein vollautomatisierter Knipsroboter mit allen erdenklichen „Hilfsfunktionen“. Egal wie man die Kamera einstellt, man erhält fast immer ein „technisch perfektes“ Foto (ich wähle hier bewusst den Begriff „technisch perfekt“). Aber ein technisch perfektes Foto muss nicht automatisch auch faszinieren. Wenn die Lichtstimmung, das Motiv, die Perspektive nicht stimmen, dann ist ein technisch perfektes Foto einfach nur „langweilig“. Um soviel mehr Spass macht es mir ab und an, ganz entschleunigt mit der M und einer Festbrennweite (Summilux 50 1.4 oder Summarit 35 2.5) loszuziehen und mich einfach nur auf das Fotografieren zu konzentrieren. Kein Stress, um den Autofocus korrekt zu konfigurieren (da bietet die R5 nämlich dutzende Möglichkeiten) oder den Weissabgleich oder, oder…nein, einfach nur ISO, Zeit und Blende einstellen und gut ist. Alles andere kann ich notfalls in Lightroom korrigieren ohne mir während der Aufnahme allzu viele Gedanken über die Aufnahmeparameter zu machen. Auch das bedeutet Entschleunigung. Dennoch ist mir völlig klar, dass die Kernkompetenz der M nicht die schnelle Sportfotografie, das Filmen in 4K oder die Tele-Fotografie ist…Aber wer kauft sich einen Oldtimer-Roadster, um damit Wettrennen auf der Autobahn zu bestreiten oder seinen Familienurlaub ans Mittelmeer zu planen? Ich jedenfalls bin gespannt, was uns Leica am 13.01. vorstellt. Dennoch glaube ich, dass sie Leica das M-Konzept nur behutsam anpassen wird und das ist aus meiner Sicht auch gut so.

    Viele Grüße
    Markus Bastian

    • Claus Sassenberg

      Hallo Markus,

      das sehe ich auch so. Leica-M-System polarisiert, entweder man verfällt der Sache mit Haut und Haaren oder man findet es unendlich doof. Aber wie bei dir fühlte ich mich nach dem Umstieg von der Canon 5D Mark II mit den Limitationen und überschaubaren Funktionen einer digitalen M (bei mir war es damals die M9) plötzlich gerdezu befreit. Dabei war die 5D (und übrigens: das ist auch heute noch ein gutes Gerät, wenn man die entsprechende Optik davor nimmt) ja gegenüber dem, was heuzutage an Features in fernöstlichen Geräten stckt, noch niedlich, quasi nur ein Bruchteil. War auch längst nicht der alleinige Grund. Eine Vollformat-Kamera in der Größe und die unfassbar guten Optiken dazu spielten ebenfalls eine erhebliche Rolle.

      Und du hast schon recht: Leica kann die Käuferschicht einer M nicht mit radikalen Paradigmenwechseln brüskieren. Dass die M11 erst mal mit optischem Sucher kommt, ist ganz klar. Ein EVF-Modell wird (wenn es denn kommt) erst später erscheinen und dann sicher auch nur optional zum traditionellen Sucher.

      Viele Grüße,

      Claus

  2. Lieber Claus!

    Ich glaube, wir stimmen überein: die Idee der M ist gut (deshalb habe ich sie auch erworben) aber antiquiert.

    Zur Form. Wie ich nutzen viele Fotografen einen Zusatzgriff oder ein Half case mit Verstärkung und/oder eine Daumenstütze, um die Kamera überhaupt richtig halten zu können. Die neue leichte „Einbuchtung“ des Griffs der SL2 zeigt, es müssen manchmal keine großen Veränderungen sein, um das Handling zu verbessern. Ich erwarte von einer Kamera für 8.000 € (bald 10.000 €), dass sie gut zu halten ist, auch wenn die die Form der Urleica verlassen werden muss. Ein Re-Desing muss natürlich für die Vitrinensammler behutsam erfolgen.

    Zum Messsucher. Dieser wurde zur Scharfstellung entwickelt, weil damals keine anderen Möglichkeit bestand. Dann kam der Spiegelreflexsucher (und damit größere Objektive). Nun hat verfügt die Welt aber aber CMOS und exquisite EVF wie bei der SL 2 mit enormer Vergößerungsmöglichkeit und der Möglichkeit die Fokuspunkt zu verlegen (dann werden die Vergrößerungen auch auf diesen Punkt angezeigt). Mit der SL2 kann ich das Noctilux hervorragende fokussieren und wenn ich das kann, können es alle. Statt die Meßsucheridee mit zwei Bildern wieder elektronisch „aufzuwärmen“, könnten andere Hilfsfunktionen wie Schnittbilder und/oder Mikrokontrastringe (wie bei Spiegelreflexkameras) angedacht werden. Vielleicht finden Ingenieure auch etwas ganz Neues und Besseres.

    Jedenfalls erwarte ich von einer M, dass ich die Objektive für die M auch scharfstellen kann und das geht vielleicht bei den Weitwinkeln, nicht aber ab dem Summilux 50 aufwärts. Also muss ich auch hier Hilfsmittel einsetzen, wie den „wunderbaren“ EVF für die M (ist wohl von Olympus und deshalb mit 450 € quasi geschenkt). Wenn ich also die M mit Handgriff und EFV aufrüste, ist sie im Übrigen nicht mehr soweit von der SL2 entfernt.

    Vielleicht noch ein Hinweis zu den Preisunterschieden zwischen Leica, Sigma und Cosina. Die beiden japanischen Unternehmen sind familiengeführt, etwa 60 Jahre alt und vom Umsatz her und seitens der Mitarbeiteranzahl nicht größer als Leica. Da Japan auch kein Billiglohnland ist, stellt sich schon die Frage nach den Preisunterschieden.

    Nun ergeben sich Marktpreise durch die Akzeptanz von geforderten Preisen und nicht von der Kostenseite. Ich vermute, dass Leica mit dem Gewinn aus den M-Produkten defizitäre Produkte, wie vermutlich die S-Linie und wohl auch die TL/TL-Serie quersubventiert. Interessant ist nach dem Geschäftsbericht 2020/21 der hohe Matrialaufwand von rund 45%, der darauf schließen lässt, dass viele vorgefertigte Teile verwendet werden. Möglicherweise ist „made in Germany“ dann noch die Endmontage. Hierzu passt auch, dass Leica Mitarbeiter abbaut. Außerdem werden die Margen der Händler deutlich gesenkt und immer mehr eigene Shops eröffnet. Auch zeigen Sonderserien (James Bond Q2 ???) und nun Gadgets, wie Mützen oder Kaffeetassen, das Gewinne vonnöten sind, denn die Umsatzrendite ist mit rund 2% nicht sonderlich hoch.

    Cosina ist ein renommiertes Unternehmen, das auch vor geraumer Zeit die Marke Voigtländer erworben hat. Nach deren Webseite fertigt Cosina u.a. auch die Otus Serie von Zeiss, die wohl qualitativ hervorragend ist. Übrigens hat Kristian Dowling einmal das Otus 55 an der Leica M ausprobiert, mit – wie ich meine – eindrucksvollen Aufnahmen.
    (https://kristiandowling.com/blog/2013/12/13/zeiss-otus-55mm-f14-apo-distagon-on-the-leica-m-type-240).
    Cosina hatte oder hat (Datenlage ist nicht ganz klar und mein Japanisch eher schlecht) auch eine eigene Glashütte und Erwin Puts zufolge auch spezielle Gläser produziert, wie sonst kein anderer Hersteller.

    Die Objektive von Sigma werden kleiner und besser, die von Cosina immer besser. Diese Unternehmen finden ihre Nischen und sind innovativ. Vielleicht ist auch der Umstand, dass es familiengeführte Unternehmen sind von Bedeutung, weil „Fremdmanagement“ im Mittelstand nicht unproblematisch ist. Wenn Leica nur auf die M setzt und keine wirkliche Innovationen mehr erfolgen (wie früher Porsche mit dem 911), dann könnte Dein Eingangsspruch wahr werden, und der Indianer sitzt auf einem toten Pferd (das gab ja schon einmal in Wetzlar).

    Mit fröhlichen Grüßen aus dem Rheinland, André

  3. Ganz ehrlich, auf Leica M lass ich gar nichts kommen. Viele glauben ja immer, sie brauchen die neueste Technik etc. völlig frustriert stellen sie dann immer und immer wieder fest, dass die Bilder nicht besser werden. Die Wahrheit ist, man kann auch mit Technik aus der Vorkriegszeit wunderbare Bilder machen, wenn man weiß wie es geht. Diese Ansicht ist nur leider nicht kompatibel mit dem allgemeinen erwünschten Konsumverhalten.
    Ich meine, schaue man sich alleine nur mal ein Kunstwerk wie dieses an: https://www.plentypix.de/foterna-fotografie-shop-leica-m9-p-hermes-prototype/
    Mir ist bis heute keine Kamera untergekommen, die ansatzweise eine solche Ästhetik und einen so starken „Charakter“ besitzt, wie die Leica M9. Und die ist zwölf Jahre alt. Da muss es gar nicht mal dieser sündhaft teure Prototyp der Hermes sein, da reicht auch eine stinknormale schwarze M9.ich fotografiere teilweise auch noch mit M7 und M8. Viele Leute wollen mir das immer wieder ausreden. Ich lasse sie reden. Das war mein Wort zum Sonntag. Schönes Wochenende und Grüße, Thomas.

  4. Lieber Herr Sassenberg,

    Ihre Sinnfrage stellt sich mir, als neuer Besitzer einer M10-Mono, nun natürlich auch.
    Es gibt bessere Kameras.
    Es gibt günstigere Kameras.
    Es gibt ergonomischere Kameras.
    Es gibt flexiblere Kameras.
    Es gibt professionellere Kameras.
    Wir würden wir jetzt einem Controller im Einkauf eines Konzerns diese Investition rechtfertigen?
    – EGAL!
    Nach der Investition in ein Gehäuse und 4 Objektive (drei Voigtländer & ein 7Artisans) stellt sich in mir, neben aller Euphorie und Spielfeude, doch ein tiefes, diffuses „Warum nur?“ ein…

    Nun, ausgehend von dem Bildmaterial das mir die Kamera bisher schenkte, kann ich nur konstatieren:

    Die Leica M10-Monochrome ist für mich das subjektivste Werkzeug der digitalen Fotografie!

    Der Entstehungsprozeß eines Bildes mit der Mono ist anders, intimer, spannender und doch unbelasteter als mit allen anderen Kameras die ich bisher nutzen durfte und konnte.

    Gut, ich fahre auch gerne Oldtimer – bin also bedingt leidenswillig!

    Mit der M möchte ich nicht mein Geld verdienen müssen, dafür gibt es andere, zielgerichtetere Werkzeuge, aber zur fotografischen Kontemplation ist sie wunderbar, nahezu therapeutisch.
    Ich genieße die makellose Auflösung von 40 monochromen MP bei Landschaften, dennoch wäre trotz der hohen Grundempfindlichkeit eine interne Bildstabilisierung sehr wünschenswert. Auf das Mäusekino im Sucher, wie mit dem Visoflex oder in anderen DSLRs, kann ich gerne verzichten.
    Die Objektive ohne künstliche Schnittweitenverlängerung machen irgendwie glücklich. Der Look, das geringe Gewicht, ihre Sucht nach permanenter Aufmerksamkeit…

    Ich stelle die Subjektivität also noch mal in den Vordergrund.
    Mit der M10 Mono habe ich ein Werkzeug gefunden, mit dem ich bildsprachlich einen anderen Ausdruck finde.

    Zudem ist unbeschreiblich, abends am FineArt Drucker zu stehen und den Tagesfang in 1:1 auf Baryth Papier zu sehen – der Winter ist gerettet, nur fehlen die Wände zum Hängen 🙂

    In diesem Sinne:
    Die Sinnfrage ist für mich derzeit beantwortet!
    Danke für Ihre Motivation hier..

    Herbstliche Grüße aus Franken,

    Rolf Nachbar

    • Claus Sassenberg

      Lieber Herr Nachbar,

      das ist die rationalste irrationale Begründung, die ich je sah 🙂

      Kann ich so nur unterstützen! Vielleicht sollte ich das noch mit auf die Seite „Warum Leica-M?“ nehmen…

      Viele Grüße nach Reichenberg,

      Claus

  5. Sehr geehrter, lieber Claus Sassenberg!

    In vielen Blogs wird LEICA teilweise als Religion verstanden, in Ihrem nicht. Das ist gut so.

    Ich besitze eine M, eine Q und neuerdings eine SL2 mit dem SL Apo-Summicron 35. Für Leica allgemein sprechen aus meiner Sicht einige Dinge, auch das Design, z.T. die Bedienung und die Farben der Aufnahmen.

    Das SL Apo-Summicron 35 ist vermutlich das beste, das LEICA derzeit produziert. Es wird benötigt, wenn Abzüge/Drucke von 180 x 120 cm erstellt werden sollen. Wird Multishot verwendet sind es 300 x 200 cm.
    Wenn man das nicht will, braucht man sich diese Kamera und dieses Objektiv eigentlich nicht anschaffen.
    Allerdings ist es so, dass sich die M Objektive hervorragend Scharfstellen lassen, vor allem dann wenn sie, wie die Summilux 35 oder 50 einen leichten Fokus Shift haben, Und, die SL2 ist hervorragend ausbalanciert und lässt sich sehr gut halten. Mit dem EVF und einem Handgriff ist die M nicht so viel kleiner. Schließlich die SL2 ein wahrer Schnapper im LEICA Universum.. Die enorme Schärfe der SL Summicrons wird auch den verstärkten Einsatz von asphärischen Linsen erreicht, was dann allerdings das Bokeh beeinträchtigt. Deshalb hat übrigens Zeiss das Milvus 1,4 85 und Hasselblad das XCD 1,9 80 (für die X1D) bewußt ohne asphärischen Linsen konstruiert.

    Für Prints in Größe DIN A2 oder A1 ist die M völlig ausreichend. Auch bilden die M Objektive in den Ecken besser ab, wenn sie an der M und nicht an der SL2 verwendet werden. Die Qualität der Objektive ist vor allem gemessen an der Größe sehr gut, bis auf das Summilux 21, dass bei Offenblende nicht wirklich scharf ist (wird auch freundlich „Glow“ genannt). Auch das Zeiss Distagon 15 ZM bildet sehr gut ab (sofern es richtig bei Zeiss justiert ist).

    Nun zur Kritik:

    Mehr als 24 MP sind aus meiner Sicht nicht notwendig, Statt dessen sollte der Sensor weiter verbessert werden, vielleicht ein noch dünneres Sensorglas erhalten und weiter auf die M Objektive optimiert werden. Anstelle des Meßsuchers sollte ein EFV mit der Qualität der SL2 eingebaut werden. Das Meßsuchersystem würde vermutlich auch Oskar Barnack heute nicht mehr einbauen, wenn es derartig gute Alternativen (auch bei Lowlight) gibt. Wichtig ist auch, dass der Fokuspunktwie bei der Q abseits der Mitte in die Ecken gelegt werden kann. Das wird natürlich nicht geschehen, weil LEICA die M vor allem auch für den ostasiatischen Sammlermarkt baut. Und wenn kein Messsucher mehr vorhanden ist, lassen sich Preise von demnächst wohl € 10.000 nicht mehr rechtfertigen.

    Mit der SL2 und dem M Summicron 90 kann ich bei Portraits das Auge und nicht die Brille scharfstellen, beim Messsucher gelingt mir das nicht. Auch ist bereits das Noctilux 50 an der M nicht mehr wirklich gut zu handhaben, vom Noctilux 75 und Summilux 90 (diese beiden Objektive besitze ich allerdings nicht) ganz zu schweigen. Also produziert LEICA wohl auch für hier mehr für den Sammlermarkt. Die letzte Entwicklung, das M Apo Summicron 35 ist nach allen, was ich lese, hervorragend, reicht aber in den Ecken nicht an sein SL Pendant heran. Trotz seines extremen Preises, muss man lange warten, auch das vermutlich wegen der Sammler aus Fernost.

    Vielleicht noch einige Anmerkungen zur Q. Diese Kamera ist vor allem bequem. Das Objektiv bildet in der Mitte sehr gut ab (ab Blende 2), die Ränder sind teilweise sehr schwach. Schuld ist daran die extreme Verzeichnung, die durch die Software korrigiert wird und anschließend werden die erheblichen Verluste an Pixeln durch Hochskalierung wieder ausgeglichen. Das Objektiv wird nicht von LEICA gefertigt und ein Austausch (Reparaturen werden auch nicht durchgeführt) kostet 800 €. Da es einen Zentralverschluß hat, kostet das „Kameragehäuse“ dann aktuell rund 4.500 € (Neupreis Q2 5.300 €). Aber die Kamera ist bequem und bildet abgeblendet gut ab.
    Ich habe die Q, aber die Q2 muss es nun wirklich nicht sein.

    Ich habe meine M vor allem auch wegen der Objektive 2013 erworben. In den letzten 8 Jahren ist viel passiert.
    So baut Voigtländer mit dem Apo Lanthar 35 inzwischen ein Objektiv, dass ganz dicht (bis auf die Größe) an das
    M Apo Summicron 35 herankommt, so jedenfalls der ausführliche und sehr empfehlenswerte Test von Sean Reid.
    Mir scheint, dass diese Objektive immer besser werden und die Serienstreuung deutlich reduziert wurde.
    Bei einem Preisfaktor von 1 zu 7 kommen Fotografen (nicht Sammler) vielleicht ins Grübeln.

    Mein Fazit:

    1. Die SL2 und das Apo Summicron 35 ist derart hervorragend, dass, wenn man großformatige Prints haben möchte, auch die Preisgestaltung akzeptieren kann. Auch kommen immer mehr hervorragende Objektive und kleinere von Sigma (das Unternehmen ist übrigens von der Größe und Qualität mit Leica vergleichbar) auf den Markt, dass sich die Anschaffung der LEICA SL2 insoweit lohnt. Schließlich hebt sich auch die Bedienung der SL2 deutlich von der Konkurrenz ab, und schön ist sie auch.
    2. Bei der Q2 ist das nicht der Fall.
    3. Die „Idee“ (um Planton zu verwenden) der M ist gut, das Gerät ist indes antiquiert. Allerdings stehen hier einer notwendigen Neuausrichtung, z.B. mit einem eingebauten EVF, der im wesentlichen nicht durch Fotografen geprägte Markt gegenüber. Die M und die Objektive „müssen“ vor diesem Hintergrund auch deshalb immer teurer werden, zumal die M die umsatzstärkste Produktlinie ist und Ostasien den Hauptabsatzmarkt bildet.
    4. LEICA ist mit dem Produkt M auch irgendwie „gefangen“. Die CL reüssiert nicht, von der TL ganz zu schweigen, einen Vollformatsensor kann LEICA aber nicht einbauen, dann käme es zu einem Kanibilisierungseffekt. Bei der SL hat LEICA durch die L-Mount-Allianz noch die Kurve bekommen. Die M aber muss die M bleiben.

    Viele Grüße aus dem Rheinland, André

    • Claus Sassenberg

      Lieber André,

      sehr zutreffende und dezidierte Analyse der aktuellen Situation, die ich in allen Punkten unterschreiben möchte.

      Nun liegt mir naturgemäss die M besonders am Herzen, weil mir als „Freizeitfotograf“ die Kompaktheit sehr wichtig ist. Und es stimmt: Leica muss dringend alte Zöpfe abschneiden. Ein zeitgemäßer EVF mit Kopplung an die Objektive wäre da schon mal ein wichtiger Schritt.
      Ein anderer wichtiger Aspekt die Objektive betreffend (und damit meine ich alle manuellen Messsucher-Optiken, nicht nur die von Leica): Nachhaltigkeit. Keine Elektronik, keine Stellmotoren, kein Schnickschnack. Wie sich auch schon heute zeigt, können solche Dinge die Zeit überstehen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich absolut einsehe, dass ein professioneller Fotograf Optiken mit Autofokus u.ggf. Bildstabilisierung braucht.

      Die Q2 ist bei mir auch schon lange raus. Ich bleibe bei der Q-P, die ich immer dann benutze, wenn es bequem sein soll. Wobei ich das Bedien-Konzept der Q (mit Anleihen bei der Digilux) nach wie vor sehr gut finde.

      Die Noctiluxe für eine M? Schon das 50er war Lotteriespiel beim Fokussieren (und wenn man es nicht weit offen benutzt, warum kauft man es dann?) und je länger die Brennweite wird, desto randomisierter sind brauchbare Bildergebnisse bei einem Messsucher. Beim 90er kann man die richtige Fokusebene beim Model vermutlich nur treffen, wenn bereits Rigor Mortis einsetzt.

      Das Apo-Lanthar habe ich ja selbst auch im Gebrauch und schon bei meinem dilettantischen Testaufbau (im Frühjahr) herausgefunden, wie hervorragend es „performt“. Der Bericht von Sean Reid überraschte mich nicht im geringsten. Ich kann auch nur sagen: Bei dem Preisunterschied kann ich den Kauf der Leica-Linse kaum noch rational rechtfertigen.

      Viele Grüße aus Ostwestfalen,

      Claus

  6. Leica M noch zeitgemäß? Leica, das Schlimmste, was einem passieren kann! Nach jahrzehntelanger fotografischer Abstinenz der Wiedereinstieg mit der Q von der irgendwo als „Einstiegsdroge“ gewarnt wurde. Einstiegsdroge? So ein Quatsch! Allerdings nach gut einem Jahr stellte sich ein Verlangen nach mehr ein, welches in einem fiebrig wahnhaften Geisteszustand gipfelte. Also alles egal, eine M musste her, und zwar die damals neue M10. Es gibt nur wenige schöne Momente im Leben, das war einer, nachdem alle möglichen Hightechalternativen durchprobiert waren. Nun rumort es um die M11, neuer Sucher, keine Bodenplatte mehr, neuer Sensor, entsprechend neue Software vielleicht auch, usw., ja klar, irgendwas Neues muss es ja geben. Hauptsache es kommen keine neuen Knöpfe dazu! Und weil mir die Knöpfe an der geliebten M10 mittlerweile schon zu viel wurden, landete ich bei der analogen MP, sitze nun mit dem gleichen fiebrig wahnhaften Geisteszustand in der Küche um dort voller Entzücken die Filme zu entwickeln… Leica M, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Zeitgemäß? Zeitlos!!!

    • Claus Sassenberg

      Herzlich willkommen im Kreis der Leica-Junkies! 🙂 Vielleicht sollte man eine Selbsthilfegruppe bilden… aber wer will schon auf Entzug gehen?

      lg

      Claus

  7. Hallo,
    gib mir eine M10, ein Summilux 35, den ganzen anderen Mist brauche ich nicht, auch wenn ich ihn habe. Warum das Herumgehacke auf einer Marke? Da spielt der Neid meist eine große Rolle!.
    Jedem so, wie es ihm gefällt! Und fertig!
    Grüße
    Michael Bolte

  8. Michael Baumann

    Info zum Thema
    http://konost.com/

    • Claus Sassenberg

      Nur Computergrafiken und ein fiktives Produkt. Letztes Update auf der Seite aus 2016. Sieht ziemlich nach einem „Dead End“ aus.

  9. Liebe M User,

    auch ich habe diesen Artikel mit schmunzeln gelesen. Ich selbst habe zwar keine M aber mittlerweile eine SL2-s. Ich gebe mich der Technik bereits seit ca. 30 Jahren hin und haben seither so viel Geld dafür ausgegeben das ich mir davon bestimmt schon eine Eigentumswohnung hätte leisten können. Ich selbst habe ein A Sony, und viele Nikon DSLR und auch mittlerweile eine Z. Ich kann hier nur aus meiner Sicht und Werdegang berichten aber das Alter und meine Augen haben mich doch in eine Richtung gelenkt. Den Messucher habe mit ner M Monochrome getestet, weil mich die SW schon immer fasziniert hat, aber der Messucher ist für mich nichts. Die Sony hatte ich mir gekauft, weil es die für mich erste EVF war und meinen Augen sehr entgegengekommen ist. Auch das Focus Peaking und die Zebra Darstellung hat es mir erleichtert mit MF zu fotografieren. Das Sony bedienkonzept ist ne wahre Katastrophe und es hat Monate gedauert die Kamera so einzustellen das ich damit leben konnte. Alle meine Nikon’s DSLR habe ich mit Vergrößerungsokular ausgestattet, die heutige EVF Technik hat mich dann zurück zur Z geführt, Nikon hat tendenziell das bessere Bedienkonzept. Dann der AF, ist generell so eine Sache, wenn ich Tiere oder schnelle Objekte fotografiere, kann man auf grosse Brennweiten und den AF nicht verzichten, bei allem anderen ist der AF sowieso nur «Nice to Have», wie oft man schnelle Objekte ablichtet muss jeder für sich selbst beantworten. Bei allem anderen Motiven will ich den Fokus setzen und nicht die Kamera, was wieder einem MF gleichkommt. Dann noch eine Anekdote aus den vielen Jahren meiner Fotografie, ich war vor Corona mal in Dubai mit nem Kollegen unterwegs, er mit Nikon Z mit Z und F Mount objektiven (F + FTZ Adapter), ich mit ner Z und M Objektiven. Egal wo wir waren, er wurde an jeder Ecke vom Sicherheitspersonal aufgefordert nicht zu fotografieren, ich direkt daneben und durfte weiter machen. Diese Erfahrungen sind nicht neu, daher fotografiere ich bereits seit Jahren mit manuellen Objektiven von Nikon, Leica, Minolta und Konika. Mittlerweile habe mir die Leica SL2-S zugelegt, Preisleistung absolut im Rahmen. Per Adapter alle Objektive verwendbar. Die Frage ist womit fotografiere ich heute am meisten? Sony, steht im Schrank, Nikon DSLR steht im Schrank, AF Objektive stehen im Schrank. Am liebsten fotografiere ich mit der Leica SL2-S und der Nikon Z, die SL2-S ist kein Leichtgewicht. Daher teilt sich die Verwendung, für leichtes Gepäck die Z und bei Bedarf meine Nikon AF Objektive, grosse Brennweiten, ansonsten immer die SL2-S. Passend dazu meine M Objektive, Summilux 24, 35 und 55mm. Soll heissen ich benutze auch die Z mittlerweile äusserst selten. Was mich zu meinem pragmatischen Fazit bringt: eine M mit EVF könnte meine Z ersetzen, ein besserer AF bei der SL2-S könnte meine Z ersetzen, (Focus Peaking und Zebra ist ein Muss) alles weitere ist «Nice to Have» für mich.

    Es gibt für jedes Werkzeug den richtigen Einsatzweck, wer würde schon mit einem Cuttermesser versuchen Glas zu schneiden? Leider versucht das Marketing aller, genau das uns vorzugaukeln.

    Ich habe meine eigenen Erfahrungen in meinem Block unter http://www.lriese.ch ein wenig versucht niederzuschreiben, wäre schön, wenn der verweis bestehen bleibt, nur so kann man meinen Erfahrungen nachvollziehen. Leider habe ich schon lange nichts mehr geschrieben, Leica Erfahrungen fehlen noch ganz, weil mich diese Diskussionen eigentlich ermüden und keinen Spass machen, aber wie gesagt der Artikel hat mich doch recht angespornt.

    Viele Grüsse und weiterhin gutes Licht,

    Laurenc

  10. Ich stimme mit den meisten Punkten überein.
    Ich kenne die M6 / M8 / M9 / M10 / SL / SL2 / Q2
    Habe mit allen fotografiert und auch Jobs gemacht.
    Es gibt doch eine Monochrom , die kann man ja so weiterführen.
    Dann kann man noch die M11 color machen.
    Und für die Fraktion, die neue Wege gehen möchte die M11 P oder was auch immer.
    Mit Features wie hybrid EVF, IBIS, und Klapp Monitor.
    Ich bin mir sicher die Kamera findet Käufer. Alte und Junge.
    Ich genieße die SL2 auch mit M Objektiven, aber manchmal wünsche ich sie mir so klein wie die M.
    Für mich wäre es auch ok die SL als SLM anzubieten. Mit M-Mount.
    Ich würde trotzdem auch mit der M10 oder M9 fotografieren.
    Wenn ich den Look oder das Gefühl haben möchte diese Kamera zu benutzen.
    Ich hab früher auch mit einer Olympus OM2n fotografiert. Und auch diese Kamera erzeugt ein bestimmtes
    Gefühl und hat eine besondere Haptik.

  11. Sehr geehrter Her Sassenberg,
    leider hat mich das 6×6 Formatvirus erwischt. (auch Dank ihrer Beiträge)
    Daraufhin begab ich mich in einen Gebrauchtwarenkamarashop um mir Rolleiflex und Hasselblad zeigen zu lassen.
    Die Preise für diese waren natürlich nicht billig und für mich momentan zu viel. Ich erwähnte meinen Besitz von einer M240 und der CL. Er meinte „er würde sie auch eintauschen gegen eine Rollei/Hassi“
    nein nein meinte ich- soweit ist es noch nicht das ich meine M (240) eintausche….
    Fazit über die M lasse ich auch nichts kommen

  12. Hi,
    Dicker für IBIS?
    Nicht Ihr Ernst, oder?
    Maße exakt wie bei M4 oder M6 wäre cool.
    ASA 100 und mehr Dynamik bei 30mp.
    Grüße

  13. Lieber Claus
    Mit Genuss habe ich diesen Artikel gelesen und hatte sehr viel Spass dabei. Nun aber zum Thema.
    Ich selber habe meine ersten Erfahrungen in der Leica WELT erst mit der Q gemacht und war und bin auch immer noch super zufrieden mit dem System (die Q2 hat mich nie richtig interessiert). Mit dem Kauf vor mehr als 2 Jahren der M10 und den M Objektive (benütze auch noch alte Linsen von 1992) hat sich meine Fotografie und das Wissen dazu enorm im positiven Sinne verändert. Die Reduktion auf das Fotografieren und wie man damit gute Bilder macht ist in meinen Augen der Schlüssel für ein gutes Foto. Auch ich hätte gerne das eine oder andere zusätzliche Gadget, aber macht es meine Fotografie besser oder erhöht es nur die Anzahl guter Bilder? Also Quantität vor Qualität? Das Problem liegt meiner Erachtens meistens hinter dem Sucher. Das Bild entsteht bei mir meistens durch Beobachtung und die genügende Muse und Zeit dieses festzuhalten. Prozesse kann man beschleunigen, aber nicht immer verbessern sie damit den Output. Man kann einem Kind ein Kinderbuch auch nicht zu schnell vorlesen, es würde den Inhalt dieses überhaupt nicht mehr verstehen. Durch die verschiedenen Systeme kann der Leica Benützer jeweils seine passende Kamerasystem aussuchen um seine Fotografie weiterzuentwickeln. Ich selber benützte die Q seit dem Kauf der M10 sehr viel weniger, aber nicht weil sie schlechter ist nein, weil sie für gewisse Situation hier seine Stärken (Bildstabilisierung, AF etc.) hat. Es gibt Entscheidungen die mit dem Kopf und andere die eher mit dem Herz entschieden werden. Nichts ist richtig oder falsch, wenn es für denjenigen die Freude am Fotografieren bringt.

    Lieben Gruss
    Maurizio

    • Claus Sassenberg

      Lieber Maurizio,

      genau! In der Ruhe liegt die Kraft und das System ist letztendlich egal. Aber wie du berichten viele, dass man sich halt beim M-System gezwungenermaßen mehr mit Einstellungen befasst, darüber reflektiert und ein anderes Verhältnis zum Prozess der Bildentstehung entwickelt.
      Das heisst jetzt nicht, dass Nutzer anderer Systeme das nicht genauso könnten.

      Viele Grüße in die Schweiz,

      Claus

  14. Guten Morgen Herr Sassenberg,
    wie immer ein interessanter Artikel – vielen Dank.
    Wenn ich wie im Märchen drei Wünsche frei hätte, wären meine Wünsche folgende:
    1. (Deutlich) geringeres Gewicht;
    2. Schnellere Reaktions- und Verarbeitungszeiten; und
    3. EVF gemäß Stand der Technik.
    Vielen Grüße aus dem Norden
    Lars T.

  15. Xaver Preindl

    Servus Claus,
    meine Wunschliste für die M11 sieht so aus:
    – max. 36 MP
    – 1/8000 sec
    – Doppelter Speicherkartenslot
    – ISO 50
    – Langzeitbelichtung bis 16 Minuten
    – interner ND-Filter
    – schnellere Bildfolge und größerer Pufferspeicher
    – Croppen wie bei der Leica Q2
    – analoge Filmauswahlmöglichkeit, z. B. Kodak Portra, TriX …
    – bei der Bildbetrachtung: Anzeige des Fokuspunktes und Zoom auf 200%
    – unkomplizierte GPS-Info bei jeder Aufnahme
    – Sprachnotiz bei jeder Aufnahme
    – Doppelbelichtungen 2-4 Aufnahmen
    – Hochformataufnahmen bei waagrechter Kamerahaltung
    – Bodenplatte und Akku wie bei der Leica Q2
    – mittiges Stativgewinde
    – einstellbare Bildformate z.B. 16:9, 1:1
    – längere Akkulaufzeiten
    – bessere und schnellere Bildübertragung von der Kamera auf externe Geräte
    – etwas leichteres Gehäuse als bei der M10
    – Abdichtung der Kamera/ zukünftige Objektive wie bei der Leica Q2

    Warten wir’s ab, was kommt.

    Schöne Grüße aus dem sonnigen Schernfeld,
    XARE

    • Frank Krüger

      Guten Tag Herr Preindl,
      ich möchte wirklich nicht ketzerisch erscheinen aber wären Sie bei Ihren Wünschen nicht mit einer Fuji Systemkamera nicht besser bedient als mit einer Leica M. All diesen Schnick-Schnack benötigt man nicht zum fotografieren.
      Wie geschrieben – nur so.
      Frank Krüger

      • Xaver Preindl

        Hallo Herr Krüger,
        Ihre Antwort empfinde ich nicht als ketzerisch. Beim Titel „ Ist das M-System Zeitgemäß? Wie kann eine Leica M11 aussehen?“ mache ich mir halt so meine Gedanken. In der letzten Zeit fotografiere ich einen Film nach dem anderen mit der Leica M6 TTL, und es macht mir viel Freude. Auch die Leica M10-P habe ich schon einige Zeit im Blick, wollte aber die M11 abwarten. Leica muss meiner Meinung nach schon einige Neuerungen bringen, nur den Preis in die Höhe zu schrauben, wird nicht reichen. Eine Fuji sehe ich nicht in meiner Kameratasche, da sind einige andere Leckerbissen untergekommen:). Warten wir’s ab, noch wichtiger als die Kamera ist eh die Freude am Fotografieren und an schönen Aufnahmen.
        Beste Grüße
        Xaver Preindl

      • Frank Krüger

        Guten Morgen,
        das freut mich. Auch ich bin hin und hergerissen. Ich liebe meine beiden M10 und habe trotzdem mir eine SL2-S zugelegt. In Verbindung mit einem Objektiv von Panasonic 85mm 1.8 und dem 105 2.8 Macro von Sigma bin ich glücklich. Für meine M-Objektive habe ich den Adapter. Alles in allem ist meine Fototasche damit immer gut gefüllt und ich warte einfach mal ab. Ein großer Vorteil von der Leica Ausrüstung ist ja das man relativ wenig Geld verliert – im Gegensatz zu den anderen üblichen Marken.
        Eine angenehme Woche für Sie.

  16. philipp palada

    Toller Artikel, viele und intensive Reaktionen, was will man mehr im Mehltau-Lockdown. Generell: ein jeder wie er will und Leica soll Geld verdienen, dann geht es weiter. Persönlich denke ich wirklich, dass sich das Messsucher-System zu einem erheblichen Teil überlebt ist und an seine Grenzen stößt (außerhalb von 28-50mm). Was tun? Das SL-System mit seinen Bierdosen-Objektiven ist nicht die Antwort. Wie wäre folgendes System: M Kamera mit Vollformat, reiner EVF, die kleinen feinen M-Linsen ohne Kupplung (und damit Scharfstellen über LiveView)? Ist wie eine Leica CL ohne AF mit kleinen Objektiven. Dann gingen auch extreme Weitwinkel und Tele, wenn man will. Überlege das zu Ende: Du baust Dein Bild im Sucher auf, gestaltest Licht und Fatben und hast die Größe ind Hsptik einer M. Also ich würde es lieben!
    Gr
    Philipp

    • Hallo, Philipp.
      Hast Du schon mal so ein Bierdosenobjektiv in der Hand gehabt. Oder auch damit fotografiert?
      Ich kann nur sagen dass die 2.0er Festbrennweiten eine Einheit mit der SL bilden und die Abbildungsleistung ein Traum ist. Ich nehme sogar für SL und Objektiv die kleinste Ona-Tasche, eigentlich für eine M gedacht.

      Man kann mit der M sogar mit 135mm ganz gut fotografieren, auch mit 90mm kein Problem. Auch wenn das M-Systen an seine Grenzen stößt (wie übrigens jedes System seine Grenzen hat), dann heißt es nicht, dass es sich überlebt hat.

      Die SL zeigt eigentlich, wie groß eine Kamera sein kann, wenn man die von Ihnen genannten Wünsche berücksichtigt. Zeigt diese ganze Diskussion nicht m Gegenteil, wie übersatt wir sind?

      Was ich eher sehe, dass Leica die M nur noch als Luxusgut vermarkten will. Das gestern vorgestellt neue 35mm f2 hat mich dieses und folgendes vermuten: Die nächste M wird einen verbesserten Nahbereich haben. Und sie wird noch unerschwinglicher.

      Nun bin ich jemand, der jahrelang auch die hohen Preise von Leica nachvollziehen konnte, dies aber mit der M10und erst recht mit der Vorstellung des neuen 35er sich selbst nicht mehr argumentieren kann. In meinen Augen verhöhnt Leica zur Zeit Kunden aus der normalen Mittelschicht, die gerne mit Leica fotografieren und richtet sich in Zukunft einzig an zahlungskräftige Kundschaft. Als ich den Preis gestern für das neue Objektiv gesehen habe, wurde ich darüber ziemlich wütend.

      • Claus Sassenberg

        Lieber Kai,

        ich glaube nicht, dass Philipp irgendjemandem mit einer SL und den entsprechenden Objektiven „an die Karre fahren“ wollte. Die Qualität steht ausser Frage. Es ist halt unbestreitbar ein Größenunterschied da. Wenn man dem Konzept „one Lens, one camera“ folgt (und da bin ich der erste, der da mitmacht) kommt man selbstverständlich auch mit einer SL und passender Optik gut davon!

        An dieser Stelle bin ich geneigt, einen Eimer kaltes Wasser über uns zu schütten und zu rufen: Calm down, everyone! It’s not worth it!

        Eigentlich vereint uns alle die Liebe zur Fotografie mit einem gewissen Hang zu traditioneller Arbeitsweise, daher spricht uns alle das M-System an. Natürlich gibt es Unterschiede in den Vorlieben, und was wir an einer Kamera besonders schätzen oder vielleicht vermissen.

        Die Limitationen des M-Systems habe ich bisher gut akzeptieren können, für mich reichte es völlig aus, meine persönlichen „fotografischen Ziele“ damit zu erreichen und mich nicht mit redundanten Features zu belasten.

        Die Wünsche zur M11 sind nur ein Gedankenspiel (in das alle gern eingestiegen sind), aber man darf es natürlich nicht zu ernst nehmen. Für mich war bisher die M10 die beste digitale M, die es je gab. Im Grunde habe ich (wie du, Kai) Bedenken, was Leica weiterhin mit dem System treibt. Wenn das neue 35er Apo-Summicron ein Indikator ist, wird die Preisspirale jedenfalls in eine Höhe geschraubt, die jenseits auch meiner Schmerzgrenze liegt. Das heisst, leisten könnte ich mir das Ding, die Frage ist nur, wie ich das Kosten/Nutzen Verhältnis sehe. Aus dem gleichen Grund habe ich mir nie das 50er Apo-Summicron geholt. Klar sind das irrsinnig gute Optiken, aber hier mal wieder die Frage: Und? Weshalb sollte das Pixelpeeping meine Fotografie besser machen?

        Ich komme mit den „normalen“ Leica-Objektiven bestens klar, vielen Dank. Und wenn ich mal neugierig bin auf ein neues 35er: Das Voigtländer 35mm Apo-Lanthar würde mich interessieren! Da bleibt vor allem „die Kirche im Dorf“.

        Das M-System ist weiterhin mein Favorit, aber der Marketing-Strategie der Leica Camera AG verliert mich zusehends als Zielgruppe (wie man erkennt, wenn man meine Blog-Posts seit dem letzten Jahr betrachtet).

        Liebe Grüße aus dem sonnigen, aber kalten Ostwestfalen,

        Claus

      • philipp palada

        Guten Morgen,

        Ja ich habe die SL2 in der Hand gehabt und sie ist beeindruckend, technisch schlicht beeindruckend. Aber verdammt schwer. Und ich habe mir die SL Reihe angesehen, ebenfalls beeindruckende Leistungen. Übrigens gibt es bei Leica Australia ein tolles Video, das diese Linsen erklärt und bei dem Herr Karbe tolle Einblicke gibt. Aber der bewusst eingegangene Preis ist ihre Größe. Also für mich. Und damit will ich niemandem auf die Füße treten. Ja, und die Linsen für CL/TL passen nicht recht zu den kleinen Kameras (interessanterweise waren sie die Blaupause für die SLer)
        Mich hat das 35 und sein Preis auch aufhorchen lassen. Und geärgert. M10-R plus das 35er und 75er APO sind in etwa ein Golf als Jahreswagen. Zu diesem „Lifestyle“ passt ja auch die zunehmende Honorierung von Sportwagenbildern in der LFI. Da habt Ihr mit Eurem Befremden völlig recht! Ich vermute, Leica treibt die optische Leistung voran, um zu den besseren Sensoren zu passen und um die blöde Nahgrenze zu überwinden. Man kann nur hoffen, das Juwelen wie das 35 der Vorfinanzierung dienen…

  17. Lieber Claus,
    ich liebe den Messsucher und bin durch Dich erst dort gelandet. Danke. Gerade die Beschränkung auf die 6 Bildrahmen sehe ich den großen Vorteil. Gerne würde ich mir auch von Leica mehr Mut wünschen, wie bspw. bei Fuji mit der X100V und dem Fenster der Filmsimulationen, der Leica M10 (wars die R) ohne Display. Würde es die M3 in digital geben, ich bräuchte nichts anderes. Mit IBIS würde die Kamera sicherlich größer, denn es muss mehr Hitze abtransportiert werden, der Akku würde früher schlapp machen und und und. Ich hoffe Leica liest die Idee von Dirk mit und auch Deine Vorschläge zur zukünftigen Leica. Meine Bitte wäre nur, mit diesem Bashing aufzuhören. Dies ist eine Seite mit Leica-Vorlieben, aber vieles wird kritisch hinterfragt. Deswegen lege ich den Blog gerne und immer wieder.

  18. Holger Klein

    Seltsam, dass ein recht neutral geschriebener Erfahrungsbericht von Bastian Kratzke etliche Leica-Fans bis ins Mark zu treffen scheint.

    • Claus Sassenberg

      Seltsam ist nur die Behauptung, der Bericht sei „neutral“ geschrieben. Reden wir hier von verschiedenen Texten? Sind die Zitate daraus „neutrale Statements“?

      Es trifft auch nicht „bis ins Mark“. Kein Kamerasystem ist es wert, sich da derartig emotional reinzuhängen. Soll jeder nach seiner Façon glücklich werden.

  19. Andy Diehl

    Lieber Klaus! Vielen Dank für Deinen Artikel. Dieser hat mir doch für einen Moment meinen Homeoffice Alltag versüßt und mich zum Schmunzeln gebracht.

    Allerdings sehe ich die Frage nach der „richtigen“ Kamera mittlerweile vollkommen entspannt. Leben und leben lassen. Irgendwie scheint dieser „Rechtfertigungsdruck“, warum ich ein gewisses Produkt benutze, sei es Kamera, Kfz oder Geschirrspülmittel doch ein recht deutsches Problem zu sein. Wenn ich der Meinung bin, mit der M die richtige Entscheidung für meine fotografischen Bedürfnisse gefunden zu haben, dann ist es mir recht egal, welche fotografische Weisheit mein Nachbar verfolgt. In anderen Ländern dieser Erde, außerhalb der Welt des Internets, scheint man da doch eine weniger ideologisch getriebene Haltung zu haben. Zumindest sorgte die M auf all meinen Reisen bei den „Eingeweihten“ für große Begeisterung und Zustimmung. Irgendwas muss ich also dann doch richtig gemacht haben.

    P.S. Rettet den Bodendeckel! Ich finde den wirklich großartig und eine wunderbare Homage an die analogen M-Kameras. Natürlich ist der Deckel sperrig und unpraktisch…ich buche das mal unter Charakter ab und gerade deshalb fotografieren wir ja gerne mit der M.

    Liebe Grüße
    Andy

    • Claus Sassenberg

      Lieber Andy,

      das mit der „richtigen Kamera“ (etc.) sehe ich genauso gechillt, eben darum beginnt auch mein Text auf der Seite „Warum Leica M-System“ mit einem Disclaimer. Nämlich, dass jeder andere Präferenzen haben mag.

      Umso mehr nervt mich dieser kleinkarierte Anspruch, wer nun die tollste Ausrüstung hat. Das Phänomen scheint weniger national (obwohl das gut zum deutschen mindset passt) als vielmehr testosteron-geladen zu sein. Jedenfalls finden sich diese unsäglichen Grabenkämpfe auch auf Webseiten wie DPreview (schau dir bloß die Kommentare zu irgendeinem Posting Leica betreffend an. Unfassbar, wieviele Lobotomierte sich da zu Wort melden).

      Ich persönlich habe auch erlebt, dass eine M-Leica (gleich welche) eher positive Vibrations erzeugt.

      Was den Deckel betrifft, hat dessen „dahinscheiden“ für mich keine Priorität (also, wenn er bleibt, auch o.k.), aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich ihn bei aller Nostalgie sehr sperrig und unpraktisch „im Feld“ finde. Das ist etwas anderes bei meinen analogen M’s, da gibt es eine praktische Notwendigkeit für dessen Vorhandensein. Whatever.

      Viele Grüße, auf dass dir die Decke im Home-Office nicht auf den Kopf falle,

      Claus

      • Stefano Strampelli

        Hallo Claus,

        mein Wunsch für die Bodenplatte ist ein anderer. Der Knebel ist bei den digitalen Leica M an der rechten Seite (wenn ich auf das Display schaue), bei den analogen an der linke. Wenn ich zwischen der M10 und der M6 wechsle, suche ich ihn immer an der falschen Seite.

        Viele Grüße
        Stefano

    • Andreas Berger

      Guten Abend Andy,
      du sprichst mir ein bisschen aus der Seele.
      So großartig gerade die Reduktion und die Konzentration auf den Prozess beim M-System ist, so begrenzt im eher negativen Sinne ist es auch. Drei exempl. Punkte:

      1) Man blättere zB mal 12 Ausgaben der LFI (oder die ganze Leica Homepage) durch: irgendwann wiederholt sich alles: immer 28mm, 35mm, 50mm, es sei den Objektive mit 75 o 90 mm werden gerade beworben…
      2) mit einer naheinstellgrenze von 50mm kann man bei m-Objektiven schon froh sein. Tausende spannende Fotos sind damit nicht wirklich möglich (es sei denn – in Grenzen – Macro, Q, SL etc, aber letzteres ist eben nicht mehr M)
      3) mein Sony 70-200/2.8 zB, oder das Sony 100-400: da ist bei Leica sogar bei der SL (faktisch) tote Hose

      Anders ausgedrückt: mit nur dem M-System (ggfs. noch Q) amputiert man sich vielleicht irgendwie selbst? Die Welt ist doch viel viel viel weiter/näher/vielfältiger/interessanter/liebenswürdiger als 28-50 mm.

      Liebe Grüße Andreas

      • PS: auf jeden Fall: rettet den bodendeckel!!

      • Hallo Namensvetter!
        Ja, natürlich gibt es eine Welt jenseits der klassischen Leica Brennweiten. Keine Frage. Es war auch nicht meine Absicht, Leica als die allein selig machende Lösung zu propagieren. Persönlich benutze ich sogar recht oft Brennweiten jenseits der 600mm mit großer Freude, natürlich für sehr spezielle Zwecke. Da eröffnen sich nochmal vollkommen neue Welten, die mit der M verschlossen bleiben. Dafür ist die M aber auch nicht gebaut.

        Rein rational betrachtet hat eine M viele Schwächen und Fehler. Genau dies wirft der von Claus zitierte Artikel auch der Kamera vor. Allerdings bin ich kein Berufsfotograf, die Kamera darf das, sie muss nicht nur stumpf einen Job perfekt erledigen. Viele Entscheidungen im Leben sind nicht rational zu begründen, eine M auch nicht, genau dafür wurde sie gebaut, weil es einfach Spaß macht damit zu fotografieren. Allein dies ist schon Rechtfertigung genug jenseits jeglicher Ratio .Zumindest ich habe viel Spaß damit, manch anderer mag vielleicht lieber seine Sony. Möge er seinen Frieden finden. 🙂

        Andy

  20. Moin, Claus.
    Meine Frau kennt eine Frau, die gegen Geld in Foren schreibt. Da wird also von einem Hersteller ein Thema platziert durch so jemanden wie diese Frau, schon beginnen die Diskussionen. Und immer mal wieder werden in eine Richtung bestimmte Phrasen eingefügt als angeblich freie Forenbeiträge. Irgendwann gibt es dann auch eine Empfehlung mit einem bestimmten Link. Ich habe diese Vorgehensweise bei Sony schon sehr lange in Verdacht. ein Grund übrigens ist solches verdeckte und in Bezug auf Sony durchweg sehr aggressive Marketing, weshalb mich diese Marke schlicht anwidert.
    Entsprechend gebe ich auch nichts auf das Gelaber von Sony-Fetischisten.
    In der Tat bin ich glücklich, dass Leica den Messsucher beibehält und in der Tat hoffe ich, dass Leica den Weg der SL2-S auch bei der M geht. Will heißen, dass die M nur leicht modifiziert wird.
    Ich selbst halte einen Stabilisator gar nicht für so wichtig, und in den normalen Brennweiten ist der Messsucher in meinen Augen auch perfekt. So genau wie mit dem Messsucher kann ich nicht unbedingt manuell mit dem elektronischen Sucher scharf stellen.
    Nun fotografiere ich ja seit Juni auch mit der SL und ich muss sagen, mit beiden System fotografiere ich grundsätzlich unterschiedlich. Ich glaube, die SL und die M sind zwei Systeme, die super nebeneinander koexistieren.
    Versuche ich mit der M eine gewisse Weite einzufangen, gehe ich mit der SL so dicht wie möglich heran.
    Allerdings bin ich auch nicht so der große Fan von Superweitwinkeln und halte es mit 75mm und 35mm als meine persönliche Kombi. Und so würde ich, wenn ich mir eine M10 als Zweitkamera leisten könnte, allein daran mit 35.. f2 und an der SL2-S mit 75mm f2 arbeiten und hätte fast alles abgedeckt. Vielleicht für Superweitwinkel von 18 oder 21mm bei Bedarf an der SL, das war es.
    Mit dieser Kombi würde ich auch an einer M 10 nichts mehr vermissen.
    Und wenn ich sehe, dass Menschen in Flüchtlingslagern hungern und frieren, finde ich unsere Luxussorgen eh im Bereich der unergründlichen Peinlichkeiten.
    Lieber Gruß
    Kai

  21. Hallo Claus,
    viele Grüße an deinen technikverliebten und technikabhängigen Oberzwerg.
    Hat er eine Erklärung, wie in den Jahrzehnten vor den Digitalen die vielen unglaublich guten Bilder entstanden sind?
    Wie haben Ansel Adams, Henri Cartier-Bresson, Edward Weston und all die anderen das nur geschafft ohne AF, IBIS oder einer Motiv-Klingel?
    Ich kann dem Oberzwerg nur empfehlen, einmal eine analoge Kamera wie eine M3, eine Hasselblad oder eine Linhof Technika zu nehmen und damit zu fotografieren – back to the roots!
    Viele Grüße
    Dierk

  22. Lieber Claus, oder sollte ich besser schreiben, Hi Neandertaler,

    Danke für den tollen Artikel oben. Der zitierte Artikel über die M10 ist phantastisch. Da ich noch Spiegelreflexkameras benutze, fühle ich mich jetzt als Zeitreisender aus dem frühen Mittelalter, so Otto I und mit der M? Ich weiß nicht. Vielleicht gehören alle deren Nutzer zu den letzten Überlebenden einer Urmenschenunterart, die ihre Bilder mit Faustkeilen, 6bit-codiert, in SD-Karten schlagen.
    Was an dem Artikel auffällt, sind die Objektive. Klar, er verwendet eine A7 und benutzt manuelle Objektive, die er schon hat, also Laowa, Voigtländer, etc. mit einem VM-Mount. Ich möchte diese Scherben auf keinen Fall abwertend beurteilt wissen. Es gibt viele Dinge, die sie gut können und einige, die sie nicht können.
    Die Kritik am Messsucher ist verständlich, wenn man lange keinen Augenarzt aufgesucht hat und die Sehstärke nicht mehr zur Brille paßt. „Knecht, bringe er mir eine Kamera, die immer den Focuspunkt perfekt trifft!“ Und zwar den, den ich mir denke, nicht den auf den sie gerade zeigt. (Der arme Knecht)
    M11:
    Die Q hat aus meiner Sicht einen super EVF (den von der SL kenne ich leider nicht). Dieses Bild müßte man doch doppelt einblenden können und beide Bilder über die Mechanik des Objektivs als Signalgeber zur Deckung bringen können. (Es ließe sich sogar schummeln, in dem der Sensor einen Phasenkontrast-Teil bekommt und diese Kanten als Signalgeber für den „doppelten“ EVF genutzt werden.) Das wäre so meine Idee….
    IBIS wäre ein „nice to have“ und bitte, bitte ein elektronischer Verschluß wie bei der Q bis 1/16.000 sec.

    Eben kommt mir noch ein Gedanke warum dem Sony A „Spielkind“ die M nicht gefallen hat. Jeder Urmensch kann sich die paar Knöpfe merken. Die Bedienungsanleitung hat 90? Seiten. Da kann man nicht damit angeben, daß man wie in Biochemie weiß, auf welcher Seite vom Buddecke, sich wo ein Kästchen mit Kleingedrucktem befindet und auch noch dessen Inhalt repetieren. (Sorry, Münsteraner Insider)

    So, das reicht erst mal.
    Viele Grüße,
    Dirk

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