Ich bin deine Kamera, die Leica, und du sollst keine anderen Kameras neben mir haben. Mit Glaubensfragen haben wir es ja öfter zu tun im Leicaverse. Und wer den Gedanken an eine Alternative zu einer Leica blasphemisch findet, liest vielleicht am besten einfach nicht weiter. Für alle anderen geht es um die Frage, wie ein langjähriger Leica-Nutzer die Fujifilm X-E5 im praktischen Alltag so findet. Passenderweise gibt’s dazu Bilder aus Rom.

Die Ähnlichkeiten können schon mal kein Zufall sein. Die Fujifilm X-E5 (UVP mit 2,8/23: 1.799 Euro) sieht aus wie eine Messsucherkamera und scheint vieles von dem zu bieten, was Nutzer von einer Leica M erwarten. Aber ist die Fujifilm X-E5 eine echte Alternative zur Leica? Als langjähriger Messsucherkamerafotograf habe ich sie auf Herz und Nieren geprüft.

„Dieser Beitrag könnte Sie verstören“

Ohne Triggerwarnungen scheint es inzwischen ja nicht mehr zu gehen. Deshalb: Ich weiß, dass es eine bestimmte Frage gibt, die die Leica-Welt zuverlässig spaltet: Kann es überhaupt eine echte „Alternative“ geben? Also nicht einen Konkurrenten auf dem Papier, keine CanonNikonSonyPanasonic-Kamera mit ähnlichen Spezifikationen, sondern etwas, das irgendwie an das Erlebnis anknüpft, das vor allem das M-System seit Jahren ausmacht. Also den Dreiklang aus Motiv sehen, Kamera einstellen und Foto machen, der bei Leica einfach ganz besonders ist. Mit der Markteinführung der Fujifilm X-E5 (hier gibt’s alle wesentlichen technischen Daten) ist diese Frage erneut aufgetaucht, vielleicht sogar eindringlicher als zuvor.

Also geht es in der Folge darum, ob die Fujifilm X-E5 für Leica-Nutzer interessant sein könnte und wenn ja, aus welchen Gründen. Auch wenn die X-E5 als logische Alternative zur längst eingestellten digitalen CL erscheint (in diesem Artikel habe ich aufgearbeitet, wie das lief mit Leica und Fujifilm im Wettbewerb um APS-C-Kunden), habe ich auch die Nutzer von M, Q und SL im Blick. Sie könnten sich von einer Kamera angesprochen fühlen, die zwar stark an eine Messsucherkamera erinnert, aber tatsächlich eine moderne spiegellose Systemkamera mit rein elektronischem Sucher ist.

Wie die Fujifilm X-E5 ein Leica-Gefühl hervorrufen will

Schon optisch kann die X-E5 kaum anders, als den Vergleich zu provozieren. Sie ist kompakt, zurückhaltend und macht unverkennbar auf Messsucherkamera. Und so scheint sie auf einer Philosophie zu basieren, die bewusstes Fotografieren vor technischen Überfluss stellt (da sieht übrigens man mal, wie das „Was Wesentliche“-Mantra schon wirkt, denn wir werden sehen, dass die X-E5 unfassbar viel Schnickschnack an Bord hat).

Aber wahr ist auch: Jenseits von Äußerlichkeiten und technischen Daten liegt der wahre Lackmustest in der Anwendung: Wie liegt diese noch recht neue Kamera in der Hand, wie prägt sie den Vorgang des Fotografierens? Und sie sich nicht nur als Kamera, sondern als fotografischer Begleiter im Sinne einer Leica behaupten?

Um es gleich vorwegzunehmen: Es gibt weitaus mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen einer Leica M und der Fujifilm X-E5: Die eine verfügt über einen Vollformatsensor und muss manuell fokussiert werden, die andere ist eine APS-C-Kamera und hat einen Autofokus. Im Vergleich zu einer Leica Q sind die Unterschiede geringer, aber auch in diesem Fall werden wir enorme Unterschiede in der Benutzererfahrung sehen. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass die größte Gemeinsamkeit zur M/Q darin besteht, dass sich der Sucher auf der linken Seite des Gehäuses befindet, anstatt in der Mitte, wie es bei digitalen Systemkameras im SLR-Stil der Fall ist.

Beispielbild, aufgenommen mit der Fujifilm X-E5 im Februar 2026 in Rom, Italien.
Morgensonne hinter dem Kolosseum. Fujifilm X-E5 mit Sigma 1,4/12; 1/600 Sek. bei f/3,6, ISO 125. Die enorme Auflösung von 40 MP hat mich dazu angeregt, auch mit Formaten wie 1:1 und 16:9 zu experimentieren.

Die Fujifilm X-E5 einfach mal als Kamera

Aber lassen wir den Vergleichsaspekt für einen Moment beiseite und schauen wir uns einfach die Fujifilm X-E5 an.

Erster Eindruck

Der erste Eindruck, den die X-E5 macht, ist „Wow“. Wenn man die Kamera aus der Verpackung nimmt, strahlt sie Qualität aus. Für das Gehäuse wurde viel massives Metall verwendet, und fast alle wichtigen Einstellungen erschließen sich intuitiv. Die Blende lässt sich bei den meisten Fujifilm-X-Mount-Objektiven direkt einstellen (mit Skala bei Objektiven mit gleichbleibender Lichtstärke, mit einem stufenlosen Ring bei den anderen). 

Das wunderschön geriffelte Einstellrad für die Verschlusszeit befindet sich genau dort, wo es hingehört; es fehlt lediglich die ISO-Einstellung im Inneren, die wir von der X-100 kennen. Ein Einstellrad für die Belichtungskorrektur ist ideal platziert und lässt sich leicht bedienen. Auch alles andere scheint sehr, sehr sinnvoll gestaltet zu sein. 

Bildqualität

Wenn man die ersten RAW-Bilder der Fujifilm X-E5 sieht, versteht man vielleicht etwas besser, warum sie oft als Leica-Konkurrentin bezeichnet wird. Der 40-MP-Sensor liefert Bilder von exzellenter Qualität und mit einem bemerkenswert hohen Kontrastumfang. In vielen Fällen lassen sich sogar die dunkelsten Bereiche mit sehr guten Ergebnissen wiederherstellen, und die Gefahr von ausgefressenen Lichtern ist deutlich geringer als bei der M10, die ich schon so lange – und bis heute wahnsinnig gerne! – benutze. 

Hinzu kommt eine hervorragende Leistung bei hohen ISO-Werten (6400 sind noch sehr gut nutzbar, der Rest lässt sich in der Nachbearbeitung regeln). Der Weißabgleich kann jedoch etwas daneben liegen, besonders bei gemischten Lichtverhältnissen. Als überzeugter RAW-Fotograf ist mir das aber jetzt nicht so wichtig.

Sehr gut gelöst ist die Belichtungssteuerung. Das, was ich auf dem Computer gesehen habe, entsprach in dieser Hinsicht weitgehend dem Sucherbild, für Korrekturen der EVF-Einstellungen sah ich keine Notwendigkeit. Super fand ich auch die sehr gut gemachte Verknüpfung der Belichtungsmessung mit dem gewählten Fokusfeld. Belichtungskorrekturen waren nur ganz selten nötig.

Filmsimulationen

Produktbild zeigt Fujifilm X-E5 Kamera, die oft als Alternative zu einer Leica betrachtet wird.
Die X-E5 hat für Filmsimulationen ein spezielles Einstellrad, dhübsch durch ein Fenster abgedeckt. Wer RAW fotografiert (wo die Simulationen nicht greifen), hätte sich an dieser prominenten Stelle vielleicht eine andere Funktion gewünscht, etwa die ISO-Einstellung.

Apropos: Fuji-Kameras sind auch für ihre Filmsimulationsmodi bekannt. Ich muss gestehen, ich habe sie bisher nur sporadisch genutzt. Immer wenn ich die X-M5 in die Hand nehme, fällt mir das schöne Filmsimulationsrad unter seiner Glasabdeckung auf der Oberseite der Kamera ins Auge. Und ich nehme mir immer wieder vor, diese typische Fujifilm-Funktion endlich einmal ernsthaft zu testen. Bisher ist für mich der wichtigste Anwendungsfall, dass ich eine Schwarzweiß-Simulation wähle, aber in RAW fotografiere. So sehe ich im elektronischen Sucher da Motiv in Schwarz-Weiß und kann dann aus dem farbigen RAW immer noch machen, was ich will.

Vielleicht kann ich meine tief verwurzelte Überzeugung, für meine privaten Projekte RAW und nichts anderes zu verwenden, zumindest testweise mal überwinden und mich dem Thema Filmsimulationen mal etwas ernsthafter widmen. In der Zwischenzeit verweise ich gerne auf Mike Evans’ auf Macfilos geteilte Erfahrungen mit den Film-Modi an einer anderen Fujifilm-Kamera.

Was für ein Paar. Die Büste der Costanza Bonarelli (sie war gerade für eine Ausstellung im Palazzo Barberini aus Florenz zu Gast) und ein Selbstporträt des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini. Fujifilm X-E5 mit Fujifilm 2,8/23; 1/200 Sek. bei f/ 2,8; ISO 1250.

Vielseitigkeit

Als spiegellose Systemkamera bietet die Fujifilm X-E5 große Vielseitigkeit. Man kann Objektive von Fisheye bis Supertele verwenden, und sowohl Fujifilm als auch Drittanbieter in den unterschiedlichsten Preissegmenten haben hier viel zu bieten. Man ist weder auf eine bestimmte Anzahl von Sucherahmen beschränkt wie bei der Messsucherkamera, noch auf Objektive mit manuellem Fokus und mechanisch-manueller Blendeneinstellung wie bei der M-EV1.

Für eine Reise nach Rom habe ich die Kamera und das 2,8/23-Kit-Objektiv mit einem Sigma 1,4/12 (entspricht 18 mm, UVP 599 Euro) und dem Fujifilm 50/2 (entspricht 75 mm, 499 Euro) kombiniert. Ich wusste, dass ich ein lichtstarkes Superweitwinkelobjektiv für Innenaufnahmen und ein kleines Teleobjektiv für Details brauchte. Und das Pancake-Objektiv für Momente, in denen man keine richtige Fototasche oder keinen Rucksack mitnehmen möchte. Und alles passte in eine kleine, unauffällige Tasche.

User Experience

Insgesamt war das Benutzererlebnis sehr okay, aber die X-E5 kommt nicht einmal annähernd an die Einfachheit und Logik einer Leica heran. Das Menüsystem ist alles andere als selbsterklärend, und viele Optionen müssen tief in einem komplexen Menü gesucht werden. Warum können andere Hersteller hier nicht von Leica lernen, auch in Bezug auf Design und Typografie? Der Fairness halber muss man aber auch sagen: Man muss sich nicht oft mit dem Menü beschäftigen, sobald man die Kamera einmal nach den eigenen Vorlieben eingerichtet hat.

Beispielbild, aufgenommen mit der Fujifilm X-E5 im Februar 2026 in Rom, Italien.
Geflügelter Besucher an der Ponte Sant’Angelo. Fujifilm X-E5 mit Fujifilm 2,8/23; 1/200 Sek. bei Blende 4,5, ISO 125.

Warum manche die Fujifilm X-E5 als Leica-Alternative betrachten…

Aber ist sie dann wie eine Leica? Wenn ja, in welcher Hinsicht, und wenn nein, warum? Nochmals, jetzt wird es wirklich subjektiv. Vielleicht gibt es Leserinnen und Leser, die die Fujifilm X-E5 selbst als potenzielle Leica-Alternative genutzt und als solche entdeckt haben. Oder die es ganz anders sehen. Und nicht vergessen sollten wir auch, dass gerade die X-E5 mit ihren Leica-Anspielungen sicher viele Menschen anspricht, die für Leica vielleicht ein vages Gefühl haben, aber keine eigene Erfahrung. Sie werden die Frage nach einer Alternative natürlich ganz anders beantworten als ein fast schon religiös überzeugter M-Jünger. 

Verarbeitungsqualität

Eine Eigenschaft, die eine Leica M und die Fujifilm X-E5 gemeinsam haben und die jedem Nutzer sofort auffällt: die Verarbeitungsqualität. Unter all diesen Plastikbombern von Systemkameras stechen diese beiden Marken hervor – und Fujifilm angesichts des moderaten Preises sogar noch mehr. Denn ja, im Top-Segment stimmt die Verarbeitungsqualität eigentlich bei allen Herstellern.

Die X-E5 ist aber also ein wunderbares Beispiel dafür, dass herausragende Verarbeitungsqualität und eine exzellente Haptik auch außerhalb des Luxussegments möglich sind. Ganz ehrlich: Ich kann keine wirkliche Rechtfertigung für den enormen Preisunterschied sehen. Die X-E5 kostet ein Viertel einer Leica Q und ein Sechstel einer Leica M EV1.

Haptische Bedienelemente

Und noch etwas erinnert an eine Leica M: Man muss an der X-E5 nicht in den Sucher oder auf das hintere Display schauen, um die meisten wesentlichen Einstellungen dieser Kamera abzulesen. Man muss sie nicht einmal einschalten, um die Blendeneinstellung (feste Werte bei den meisten Fujifilm-Festbrennweiten oder A), die Verschlusszeit (zwischen 1 s und 1/4000 s oder A) und die Belichtungskorrektur (zwischen +3 und -3 oder C, ein programmierbarer Wert) abzulesen. 

Nur die ISO-Einstellung wird nicht auf einem benutzerdefinierten Einstellrad angezeigt, aber die meisten Nutzer werden ohnehin mit Auto-ISO arbeiten (man kann einen von drei individuell mit unterschiedlichen Parametern programmierbaren Grenzwerten wählen). Nicht nur hier ist der kleine, aber gut gestaltete Joystick (sonst zum Verschieben des Autofokusfeldes) sehr hilfreich.

Unauffälligkeit

Auch Leica-M-Nutzer werden sich mit der Fujifilm X-E5 aufgrund ihrer Größe und der Unauffälligkeit dieser Kamera sofort wohlfühlen. Sie ist etwas kleiner als eine Leica M und wiegt 445 g (M11 schwarz: 530 g, alle Werte inklusive Akku und SD-Karte). 

Viele Leica-M-Nutzer lieben ihre Kameras wegen ihres unauffälligen Aussehens. Auf viele wirkt es ja tatsächlich etwas altmodisch, wenn man die Kamera nicht direkt vors Gesicht, sondern eher seitlich hält. Das liegt natürlich daran, dass der Sucher am Rand des Kameragehäuses sitzt. Mal sehen, wie lange dieses Alleinstellungsmerkmal funktioniert, falls mehr Kameras im Messsucherkamera-Stil auf den Markt kommen. Aber im Moment hat es unbestreitbare Vorteile, wie ich bei meinen Praxistests festgestellt habe.

Ökosystem und Community 

Schließlich sind sowohl Fujifilm- als auch Leica-Kameras Teil ganzer Ökosysteme, die mehr sind als nur eine Reihe bestimmter technischer Spezifikationen – zumindest in den Augen vieler Nutzer, die sich eher als Fujifilm- oder Leica-Fans und weniger als bloße Kunden sehen. Man kann nur staunen, wie Fujifilm dieses Nischenthema so effizient spielt.

So ist das Gefühl, einer Community anzugehören, sicherlich etwas, das die beiden Marken verbindet. Ich habe mehr als einmal erlebt, wie ein anderer Fuji-Nutzer meine Kamera ansah und ein Gespräch begann – etwas, das ich bisher nur innerhalb der Leica-Gemeinde kannte. Es würde mich nicht überraschen, wenn Fujifilm irgendwann ganz offen zugeben würde, dass man sich sehr genau angesehen habe, was Leica in diesem speziellen Segment so erfolgreich macht.

M-Objektive

Eine attraktive Option, insbesondere für Leica-M-Nutzer, dürfte die Möglichkeit sein, M-Objektive an die Fujifilm-Kameras zu adaptieren. Möglichkeiten gibt es diverse, der Fujifilm-eigene M-Adapter ist jedenfalls sehr gut, wenn auch mit 179 Euro nicht gerade günstig. Leider kann er den 6-Bit-Code nicht auslesen wie Leicas M-zu-L-Adapter. Aber man kann sechs Objektivprofile mit Brennweite (wichtig für die Bildstabilisierung), Vignettierungskorrektur und mehr einstellen. Für mich waren diese Details zu umständlich, lieber nehme ich die notwendigen Korrekturen in Lightroom vor. Ich habe es also bei der Brennweite belassen und fand es super, dass dieser Wert auch in die EXIF-Dateien geschrieben wird.

Der Crop-Faktor von 1,5 verwandelt ein 50er in ein 75er und ein 135er in ein 200er. Und man profitiert zusätzlich davon, dass nur der beste Teil des jeweiligen Objektivs genutzt wird, während die zumeist nicht ganz so gut korrigierten Ränder und Ecken entfallen. Der Nachteil ist natürlich, dass man selbst mit den kürzesten M-Objektiven kaum wirklich weite Bildwinkel erhalten (das 16-18-21 wird zu einem 24-27-32) kann. 

Hier sei ergänzt, dass man M-Objektive natürlich auch an spiegellose Systemkameras anderer Hersteller adaptieren kann, sei es mit Vollformat- oder APS-C oder auch MFT-Sensor. Aber das ist ein weites Feld, und hier soll’s ja um die Fujifilm X-E5 gehen.

… und warum die Fujifilm X-E5 keine Leica-Alternative sein kann

Also, es gibt durchaus einige Ähnlichkeiten zwischen Leica M- (aber auch Leica Q-) Kameras und der Fujifilm X-E5 festgestellt. Nach vielen Wochen Praxis habe ich aber auch zahlreiche Unterschiede entdeckt, die die Kameras (und Marken) voneinander unterscheiden. 

Sensorgröße

Zunächst einmal sprechen wir von unterschiedlichen Sensorgrößen. Es gibt sicherlich eine fast schon religiöse Begeisterung für „je größer, desto besser“, aber man kann nicht leugnen, dass ein Vollformatsensor diverse einzigartige Möglichkeiten bietet, insbesondere wenn es um eine geringe Schärfentiefe geht. 

Beispielbild, aufgenommen mit der Fujifilm X-E5 im Februar 2026 in Rom, Italien.
Pity the Pietà, es ist zum Erbarmen. Fujifilm X-E5 mit Fujifilm 2,0/50; 1/150 Sek. bei Blende 2,0, ISO 400.

Zu bedenken ist aber auch noch etwas anderes: Der 60,2-MP-Vollformatsensor, wie er in der Q3 oder der M11 zum Einsatz kommt, verfügt über etwa 70.000 Pixel pro Quadratmillimeter, während der von Fujifilm verwendete 40,2-MP-Sensor fast 109.000 Pixel auf einen Quadratmillimeter packt. Das hat zwangsweise Folgen. Aber was Rauschen oder den Dynamikumfang angeht, hatte ich bei der X-E5 jedoch nie Grund zur Beschwerde.

Sucher

Zweitens: Trotz alberner Videos im Internet, in denen die Fujifilm X-E5 als „Messsucherkamera“ bezeichnet wird, ist sie das natürlich nicht. Sie verfügt lediglich über einen elektronischen Sucher, und mit seiner Auflösung von 2,36 MP ist dieser sicherlich nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Zumal die X100IV auch im rein elektronischen Modus einen besseren Sucher hat und den Beweis erbringt, dass es besser geht. Echt schade, dass Fujifilm an der Stelle so knauserig war. 

Die mäßige Sucherauflösung schränkt die Verwendbarkeit von MF-Objektiven (zum Beispiel über den M-Adapter) in kniffligen Situationen wie Blende 1,4 bei schwachem Licht etwas ein: Um den Fokus zu überprüfen, muss man den kritischen Bereich vergrößern und anschließend wieder herauszoomen. Man kann bei jedem MF-Objektiv auch Focus Peaking aktivieren. Das geht aber nur, wenn der physische AF/MF-Schalter an der Kamera auf M steht (eigentlich eine clevere Methode, um Peaking ein- und auszuschalten, ohne ins Menü zu gehen). 

So bleibt die Erkenntnis: Die elektronischen Sucher von Leica haben alle eine bessere Auflösung als derjenige der Fujifilm X-E5. Und nichts geht über einen guten alten optischen Messsucher bei der Verwendung von M-Mount-Objektiven, aber das ist eine andere Geschichte.

Handling

Man kann argumentieren, dass alle modernen Kameras gut oder vielleicht sogar sehr gut sind. Aber nicht alle sind gut zu bedienen. Und gerade hier zeigt der Vergleich zwischen einer Leica und einer Fujifilm-Kamera den großen Unterschied. 

Die Fujifilm verfügt über ein Schnellmenü namens Q (das bis zu einem gewissen Grad angepasst werden kann), ein Hauptmenü, zahlreiche Tasten und Einstellräder und wird mit einer 154-seitigen gedruckten „Grundlagen-Bedienungsanleitung“ sowie einem 452-seitigen digitalen Handbuch geliefert. Beides sind die einsprachig deutschen Versionen! In gewisser Weise ist es schon toll, wie viele Einstellungen man nutzen kann – aber es ist auch verwirrend und kann die Arbeit mit der Kamera verlangsamen. Sicher, man vergisst das meiste davon, sobald die Kamera einmal eingerichtet ist, aber es ist trotzdem nervig. Und es zeigt, wie gut Leica das mit dem Handling macht. 

Ich würde mir ein Firmware-Update für die Fujifilm X-E5 sehr wünschen, das eine neue Option für „vereinfachte Bedienung“ beinhaltet. Diese würde dann ein übersichtlicheres und schöneres Schnellmenü und ein deutlich reduziertes Hauptmenü bieten. Aber das ist vielleicht genau das, was viele Fujifilm-Kunden, die in ganz großer Mehrheit ja nicht von Leica kommen (sondern wenn, dann eher dorthin wollen), am wenigsten wünschen.

Objektive

Ich habe natürlich noch nicht die gesamte Palette der Fujifilm-X-Mount-Objektive getestet und habe das auch gar nicht vor. Im beruflichen Kontext habe ich zuletzt viel mit dem 2,8-4,8/16-50-Zoom (entspricht 24-75 mm) an einer X-T50 fotografiert und fand die Optik für ein Kit-Objektiv überraschend gut. Auch das 2,0/18, das 2,8/23 (das mit der X-E5 kam) und das 2,0/50 habe ich bisher verwendet. 

Alle waren gut, aber in dieser Preisklasse kann man keine High-End-Optik erwarten. Ich habe keine 1:1-Tests durchgeführt, aber ich würde sagen, dass mir die APS-C-Objektive von Leica besser gefallen haben; ich habe das kompakte Summicron 2,0/23, das Summilux 1,4/35 und das 11-23-Zoom immer sehr geschätzt.

Ich habe auch das Sigma 2,8/10-18 verwendet, das super kompakt und dennoch lichtstark ist. Außerdem das schon erwähnte Sigma 1,4/12, das mit seinen technischen Daten natürlich eine echte Ansage ist und dem meines Erachtens bei einem fairen Preis (UVP: 599 Euro) auch sehr gut gerecht wird. Ein paar Aufnahmen habe ich mit dem (inzwischen ziemlich alten, aber immer noch guten) Sigma 1,4/56 gemacht. 

So weit, so gut. Und dies hier ist definitiv kein Objektivtest. Aber ich wage doch zu behaupten, dass Fotografen, für die die neueren Leica M-Objektive oder das 28-mm- bzw. 43-mm-Objektiv der Q die Erwartungen definieren, bei Fujifilm vielleicht doch kleinere Kompromisse machen müssen. 

Wer könnte die Fujifilm X-E5 mögen (und wer nicht)?

Also, wir haben gesehen, dass die X-E5 kein Leica-M-Killer ist. Sie kann das einzigartige Erlebnis der Messsucherkamera-Fotografie nicht ersetzen. Ein Punkt ist der Autofokus, ein anderer der Programm-Modus. Ich vermute, die meisten Nutzer der Fujifilm X-E5 werden beides aktivieren. Und das zu Recht, denn beide Autofokus-Funktionen sind hervorragend, und dank der Erkennung von Gesichtern, Tieren, Autos oder fast allem anderen ist es einfach, den Fokus genau zu treffen. 

Daher würde ich die X-E5 eher mit einer Leica Q vergleichen, mit dem unbestreitbaren Vorteil der wechselbaren Objektive. In gewisser Weise erhält man ein 28-mm- und zusätzlich ein 43-mm-Äquivalent (X-E5 mit dem kleinen 18/2 und dem 27/2,8) zu einem Drittel des Preises einer einzigen Leica Q3. Man macht zwar gewisse Abstriche bei Sensorgröße, Auflösung und Geschwindigkeit, erhält aber eine sehr brauchbare Lösung für viele fotografische Aufgaben. 

Für M-Nutzer kann die X-E5 eine schöne Ergänzung ihrer Ausrüstung sein. Ich kann sie auch als Alternative empfehlen, wenn man etwas fürs unkomplizierte Fotografieren braucht. Zum Beispiel, wenn man die Kamera gelegentlich einem weniger erfahrenen Fotografen in die Hand drücken möchte, zum Beispiel bei einem Familientreffen.

In all diesen Punkten kann die Fujifilm X-E5 eine Leica-Alternative sein, da sie einige der attraktiven Eigenschaften einer Leica teilt. Und sie kann keine Leica-Alternative sein, da ihr viele der typischen Leica-Eigenschaften fehlen. Für viele Fotografen, die sich nach einer Leica sehnen, sich das aber aus verschiedenen Gründen nicht erfüllen können, kann die X-E5 eine tolle Option und viel mehr als eine zweite Wahl sein.

Ein weiterer Blick in die Fujifilm-Welt

Fujifilm hat sich als innovativer und ambitionierter Kamera- und Objektivhersteller etabliert, der an seinen Erfolg in einer Nische glaubt. Ein Teil dieser Nische ist ein „klassisches“ Benutzererlebnis mit traditionellen Einstellungen für Blende, Verschlusszeit und andere Parameter. Und wenn man sich so umschaut, wird man schnell feststellen, dass viel bereitere Kreise von Fotografierenden anspricht als nur ältere Herren wie mich, die tief in der Film-Ära der Fotografie verwurzelt sind. Und dabei reden wir auch gar nicht nur von der X-E5, sondern ebenso von diversen weiteren Fujifilm-Kameras. 

Insbesondere sind dies die X100VI mit ihrem fest verbauten 23-mm-Objektiv (entspricht einem KB-35er) und die X-T50 mit ihrem eher spiegelreflexähnlichen Design. Letztere habe ich im vergangenen Jahr häufiger verwendet als die X-E5. Aber grundsätzlich lässt sich alles, was den Sensor und die Objektive betrifft, von der X-T50 auf die X-E5 übertragen. Die Kameras sind weitgehend gleich in ihrer technischen Ausstattung. 

Alle drei Kameras (X100IV, X-T50, X-E5) verfügen über denselben 40-Megapixel-Sensor. Auch preislich sind sie in der gleichen Liga unterwegs. Ein Vergleich dieser drei Fujifilm-Kameras, wiederum aus der Perspektive eines langjährigen Leica-Nutzers, wäre einmal eine reizvolle Aufgabe.

Fazit: Ist die Fujifilm X-E5 eine Alternative zu Leica? Ja und nein!

Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Ist die Fujifilm X-E5 eine Alternative zu Leica? Ich würde sagen – es kommt darauf an, was man unter „Leica“ versteht. 

Nein, weil…

Wenn eine M-Kamera der Maßstab ist, lautet die Antwort: Nein. Die Fujifilm X-E5 wird mit ihrem elektronischen Sucher niemals das Messsucher-Erlebnis bieten, im Guten wie im Schlechten. Und sie wird (ob man das nun wichtig findet oder nicht) den Nutzer nicht mit einer 100-jährigen Tradition der Fotografie mit all diesen großen Namen und ikonischen Bildern verbinden. Und von der Einfachheit der Handhabung wird sie auch niemals an eine M herankommen. Wenn, dann müsste man sie am ehesten mit der Leica M EV1 mit ihrem rein elektronischen Sucher greifen. Programmautomatik oder Autofokus gibt’s da allerdings nicht. 

Ja, weil…

Aber wenn „Leica“ einfach eine bemerkenswert kompakte, unauffällige Kamera bedeutet, die auch unter schwierigen Bedingungen qualitativ hochwertige Bilder liefert, lautet die Antwort: Ja. Hinzu kommen ein Preis, der diese Kamera weitaus zugänglicher macht, sowie die Tatsache, dass man sich in bestimmten Momenten vielleicht wohler fühlt, wenn man mit einem 1.600-Euro-Kit herumspaziert, anstatt mit einer 15.000-Euro-Kombination aus Kamera und Objektiv. Unter diesem Strich könnte man durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Fujifilm X-E5 eine sehr gute Leica-Alternative sein kann.  

Fujifilm X-E5: Gut gegen CL-Phantomschmerz

Und falls jemand immer noch um die Leica CL und ihre wunderschönen Objektive trauert, sei es als eigenständiges, exklusiv verwendetes System oder als Ergänzung zu einer M-Ausrüstung: Da kann man sich mit der Fujifilm X-E5 wirklich gut trösten. Die Kamera übertrifft die CL und die T/TL/TL2 in fast jeder Hinsicht. Schade ist nur, dass man die L-Mount-Objektive nicht adaptieren kann. 

Auch, übrigens: Ich habe irgendwie das starke Gefühl, dass Oskar Barnack in seinem unermüdlichen Streben nach einer kleinen und doch leistungsfähigen Kamera die Fujifilm X-E5 gemocht hätte.

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