Posted by on 4. Juni 2017

„Black and white are the colors of photography. People are my favourite subject because there are no two alike, so my work never becomes routine.“Robert Frank

Wer würde die Worte der grossen Fotografen anzweifeln? Ich sicher nicht. Ich fühle mich im Augenblick so „retro“. Vielleicht, weil ich retro bin. Der Wahnwitz der Welt führt mir jeden Tag vor Augen, dass ich aus einer anderen Zeit komme. Aber gibt es die „gute alte Zeit“? Wahrscheinlich auch nicht, nur man verklärt sie sich so schön.M-Leicas

Bevor ich mich in Metaphysik verliere, gebe ich zu Protokoll, dass sich mein Unterbewusstsein offenbar Luft verschafft, indem ich dieser Tage ein starkes Bedürfnis verspüre, meine analogen M-Leicas zu benutzen. Analoge Phase, nicht zu verwechseln mit analer Phase. Ob Freud bei der ganzen Sache eine Rolle spielt, sei dahingestellt. Aber Freude!

Gelegenheiten finden sich immer, am Himmelfahrtswochenende war in Bielefeld der „Leineweber-Markt“, ein mehrtägiges Stadtfest voller Attraktionen auf den Plätzen der Altstadt. Musik, Bands und Künstler an jeder Ecke. Menschenmassen, die sich durch die Gassen wälzen. Und ich dazwischen mit M6 und M4. Das Paradies für „Street“.

Tarantella auf dem Bunnemannplatz. Leica M6 mit 50mm Summicron bei f/5.6   1/1000sec  Kodak Tri-X 400  Gelbfilter, Pull-Entwicklung wie 200ASA

Ich war an verschiedenen Tagen dort. Am Himmelfahrtstag selbst hatte ich mir meine M6 gegriffen. Kodak Tri-X war angesagt. Weil es sonnig war und ich nicht bei allzu kleinen Blenden (über f/8) hängen bleiben wollte, beschloss ich, den Film bei 200 ASA zu belichten. Das ist das coole an Schwarzweissfilmen, man kann „pushen“ und „pullen„, bis der Arzt kommt… in meinem Fall ist er ja schon da.

M-Leicas

Leica M6 mit 90mm Summarit bei f/4   1/1000sec  Kodak Tri-X 400  Gelbfilter, Pull-Entwicklung wie 200ASA

Was die Belichtungsmessung betrifft, verliess ich mich auf die TTL-Messung der M6. Da ich ein Gelbfilter vor den drei Objektiven, die ich dabeihatte (35er Summilux, 50er Summicron und 90er Sumarit) verwendete, gab ich immer bei der Messung ein klein wenig drauf. Das Gelbfilter hat ja nur den Filterfaktor 2, aber dennoch lenkt er die Belichtungsmessung der Kamera leicht nach „unten“. Ab und zu gibt es nämlich Erleuchtungen, wenn man mal in alte Bedienungsanleitungen guckt. In der von der M6 gibt es den Hinweis, dass man bei Verwendung von Farbfiltern (z.B. Orange, Filter-Faktor 4) eine bzw. sogar zwei Blendenstufen (bei Rot, Faktor 8) dazu geben sollte. Ich empfehle übrigens jedem, sich mal die „Allgemeinen Hinweise zur Belichtungsmessung“ aus der Anleitung anzusehen. Das, was dort „in a nutshell“ ausgeführt wirdist auch für die Messung mit den digitalen M’s immer noch gültig!

Tanz. Leica M6 mit 50mm Summicron

Ich knipste fröhlich vor mich hin… aber ach – auch in der Leica-Welt ist nicht immer alles heil – wörtlich zu nehmen. Mein Belichtungsmesser machte Zicken und zeigte alle Symptome eines Wackelkontakts. Das hatte die M6 schon mal letztes Jahr angedroht, aber dann wieder gelassen. Jetzt flackerten die roten Pfeile im Sucher hämisch. Ich glaube, es war Morsecode, den ich mal als 14-Jähriger beherrschte, aber seither vergass. Vermutlich hiess das: „Ätsch!“, dann trat das Ding in unbegrenzten Streik. Ich guckte in die Röhre. Keine Pfeile, nicht mal von Indianern, in Sicht.

Zuschauen und sich freuen. Leica M6 mit 90mm Summarit

Einige Fotos vom Himmelfahrtstag, alle mit M6 und 35, 50, 90mm Objektiven. Kodak Tri-X, Gelbfilter, Pull-Entwicklung als 200 ASA-Film

So ähnlich war es Kai mit seiner M7 auf Gotland ergangen, das hatte er neulich in den Kommentaren erzählt. Ich machte es wie er und begann zu schätzen. Und das geht besser, als man glaubt, vor allem, wenn es wirklich sonnig ist. Dann kann man nämlich die „Sunny-16-Regel“ 1:1 umsetzen. Als mein Belichtungsmesser im Nirwana versank, hatte ich erst einen halben Film voll. Die Motive waren viel zu gut, als dass ich mich davon abschrecken liess, trotzdem weiterzumachen und sogar noch einen zweiten Film zu belichten. Im Grunde machte dieses „Belichtungsraten“ sogar Spass. Ich war dann schon auf die Filmentwicklung gespannt, aber es zeigte sich, dass es ganz hervorragend funktioniert hatte. Das Ganze wäre weniger witzig gewesen, wenn mir das nächste Woche passiert wäre, da ich  guten Freunden versprochen habe, ihre Hochzeit zu fotografieren. Aber dann hat man ja seine Backups dabei. In Bielefeld hatte ich eigentlich die M10 auch mit, aber die ruhte, vermutlich zu Tode beleidigt, auf dem Grund der Fototasche. Immerhin machte ich, als ich mein Pulver verschossen hatte, auf dem Rückweg zum Auto noch ein paar digitale Fotos. Am Kesselbrink zauberten ein paar Jungs mit ihren BMX-Rädern, das war mal wieder eine Herausforderung für den manuellen Fokus.

Als ich keinen Film mehr hatte… einige Fotos mit Leica M10. Um den Kulturschock klein zu halten, habe ich in LR deutlich Körnung dazu gegeben.

Am Freitag war für mich ein Arbeitstag, die M6 sandte ich sofort zum Kundendienst. Es ist echt ’ne gute Kamera, ich möchte sie unbedingt voll funktionsfähig halten. Auf der M2, M3 und M4 habe ich immer die Leicameter, das macht die Kameras schon etwas sperriger. Davon abgesehen lasse ich auf die Dinger (also, die Leicameter) nichts kommen. Mir wurde schon häufiger erzählt, sie seien nicht so zuverlässig. Das ist jedenfalls nicht meine Wahrnehmung! Hilfreich ist sowieso, bei den Belichtungswerten mal mitzudenken, der Belichtungsmesser kann nichts für reflektierende Flächen oder schwarze Hintergründe. Ausserdem sollte man immer im Sinn behalten, dass das Messfeld dem 90mm-Objektiv entspricht, also eine Art „Spot-Messung“ darstellt.

Im Freilichtmuseum. Leica M2 mit Kodak Portra 160ASA. 35, 50, 90mm Objektive

Am Samstag überkam mich der nächste analoge Schub. Zeit hatte ich, meine Frau war mit ihren Freundinnen im langen Wochenende und die Kinder morgens noch nicht ansprechbar. Ich lud die M2 mit Kodak Portra und besuchte das Freilichtmuseum in Detmold. Diesmal hatte ich es auf Postkartenmotive abgesehen. Die bekam ich auch, dazu konnte ich mich wieder von der Dynamik des Films überzeugen.

Die gute Stube, eine lichttechnische Herausforderung. Kodak Portra zeigt hier seine Dynamik. Heller Sonnenschein durch die Fenster, trotzdem Zeichnung, schattiges Zimmer gut dargestellt. Leica M2 mit 35mm Summilux bei f/1.4 (auf Kaffeekanne scharfgestellt).

Aber Abends ging es wieder nach Bielefeld. Ich klemmte ich mir die Töchter unter den Arm, will sagen, zusätzlich zur M4. Auf dem Klosterplatz war ein „Street-Food-Market“ und überhaupt… das Leben tobte. Ich hielt mich mit dem Fotografieren ein bisschen zurück, schliesslich hatte ich Begleitung. Dennoch wurde an dem Abend ein Film voll (wieder Tri-X).

Abendlicht am Jahnplatz. Leica M4 mit 35mm Summilux, Kodak Tri-X 400, Gelbfilter

Und Sonntag? Wieder nach Bielefeld, den letzten Tri-X verballern, den ich noch hatte. Auf dem Klosterplatz sichtete ich gerade die Band durch den Messsucher, als mir jemand auf die Schulter tippte und mir grinsend seine Olympus OM (ich glaube OM-10) mit 35mm-Objektiv unter die Nase hielt. „Willkommen im Club“, entfuhr mir. Ich lernte André aus Bielefeld kennen, der sich der Analog-Fotografie verschrieben hat. Anders als ich kann er mit Digital gar nichts anfangen. Wir zogen uns in eine ruhige Ecke zurück und sabberten zusammen auf unsere Kameras. Die Zeit verging wie nichts.

Der Samstagabend in Bielefeld. Leica M4 mit Kodak Tri-X 400, Gelbfilter

Während meiner Wanderungen über den Leineweber-Markt waren mir mehrfach „Kollegen“ aufgefallen, die mit riesigen DSLR-Geschossen und „Thermoskannen“ davor die Menge teilten (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Meisten nahmen mich umgekehrt gar nicht wahr, auch wenn ich neben ihnen fotografierte. Bei den anderen variierte die Reaktion  von „Mitleidig“ bis „Irritiert“, was ich da eigentlich machte. Es tut mir leid, wenn ich immer wieder darauf herumreite und Gefahr besteht, dass mir das als Arroganz ausgelegt wird. Aber… was soll das eigentlich, in diesem Getümmel mit 200 oder 300mm Brennweite? Sind das Vogelkundler, die sich nur verlaufen haben? Man kam doch überall nah heran, selbst die Musiker auf den Bühnen konnte ich mit 90mm bildfüllend porträtieren. Natürlich gestehe ich jedem zu, sein eigenes Verständnis von Fotografie zu haben, das ist ja alles nichts Schlimmes. Aber die Denkweise dieser Kollegen ist mir so fremd, als kämen sie von Alpha Centauri. Wo der Vorteil liegt, die Kamera mit einem optisch unterlegenen Lichtschlucker auszubremsen, erschliesst sich mir nicht.

Auf dem Klosterplatz. Hier wird sehr schön demonstriert, wie wunderbar ein dickes Objektiv als Phallus-Symbol funktioniert. Leica M6 mit 35mm Summilux, Gelbfilter

Das gute bei Film ist: Man braucht sich gar nicht sofort mit der Nachbearbeitung zu beschäftigen, die Dinger müssen schliesslich erst entwickelt werden. Das habe ich diesmal (eigentlich wie gewohnt) bei Pixelgrain in Berlin machen lassen. Und weil ich ja immer weine, wieviel Zeit ich mit dem scannen verbringen muss, hatten mir meine wohlwollenden Kommentatoren empfohlen, das einfach vom Labor machen zu lassen. Diesem Rat bin ich gefolgt, zu meiner vollsten Zufriedenheit. Die fünf belichteten Filme, Ausbeute dieses langen Wochenendes, hätten mich stundenlang an den Scanner gefesselt (und scannen, ehrlich, macht überhaupt keinen Spass). So bekam ich die CD’s mit sehr sauberen Tiff’s zurück, die für kleine Ausdrucke oder den Monitor völlig ausreichen. Und wenn denn ein Bild unbedingt ganz gross herauskommen muss, kann ich es mit dem Nikon selber scannen oder sogar einen Trommelscan anfordern.

Kehraus am letzten Sonntag. Leica M4 mit Kodak Tri-X 400 und Gelbfilter

Ob das was Gutes oder Schlechtes ist, muss ich noch entscheiden, denn die Hemmschwelle, mit Film zu fotografieren, ist dadurch noch mal deutlich gesunken.

Ok, um annähernd die Bildwirkung bei einer digitalen Datei zu erzielen, müsste man schon massiv bearbeiten. Das liefert ein Kodak Tri-X ohne Mühe sofort! Aber wirklich evident wird der Unterschied, wenn man so ein „echtes“ Foto auf Barytpapier abzieht. M4 mit 35mm Summilux, f/1.4   1/125sec   Kodak Tri-X  mit Gelbfilter

Das Leineweber-Denkmal, das dem Markt seinen Namen gab. Leica M4 mit 35mm Summilux, Kodak Tri-X, Gelbfilter

Comments

  1. Christoph Eith
    5. Oktober 2021

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    Zum Thema Senkung der Hemmschwelle für analoge Fotographie für Interessierte und Anfänger
    Entwicklung und Digitalisierung:
    Jedoch eigene Erfahrungen.
    Zur Entwicklung von S/W Filmen und Digitalisierung Zuhause möchte ich gerne die Web-Site https://analoge-fotografie.net, von Thomas empfehlen. Ich kenne Ihn weder persönlich noch werde ich von Ihm gesponsert, seine Web-site ist meines Erachtens jedoch äußerst wertvoll für analoge Fotographen und Interessierte. Selbstverständlich gibt es auch weitere informative Web-Sites zum Thema Analoge Fotographie.

    Manuelle Entwicklung der S/W-Filme, ca. 20 Min / Film plus trocknen.
    Wie: Siehe analoge-fotographie.net.
    Und natürlich auch die Empfehlungen der Hersteller.
    Es ist keine Wissenschaft, kann man aber durchaus daraus machen z.B. bei erhöhten Qualitätsanforderungen oder Spaß am Experimentieren.
    Farbfilme und DIA-Filme habe ich zur Risikominderung eingeschickt. Die Prozesse sind aufwendiger wegen Vorbereitung, Temperatur etc. geht aber auch Zuhause.
    Empfehlung: Möglichst am Anfang nicht zu viele verschiedene Filme testen, 1-2 reicht meistens, mehr kostet eventuell Zeit und Geld.

    Zur Digitalisierung, Zutaten, meine Konstellation:
    1 x Repro Stativ (ebay ca. 100.- EUR sollten reichen, mein Leitz Reprovit-R, 75.- EUR)
    1 x Digitalkamera, meine bereits vorhandene Nikon D7500
    1 x mein bereits vorhandenes Objektiv AF-S Micro Nikkor 105 mm, 1:2,8ED,
    Makro Objektive mit ab ca. 60 mm, wegen Abstand über der Filmbühne, sind mit Sicherheit genauso gut. Der Abstand ist für das Wechseln der DIAs von oben erforderlich, für Negative weniger.
    1 x KAISER slimlite plano, FilmCopy (KAISER Filmcopy Vario Kit)
    Negative mit glatter Oberfläche zur Seite der LED-Leuchte, raue Seite oben, Richtung Kamera positionieren.
    1 x KAISER Blitzschuh-Wasserwaage, zur Ausrichtung der Kamera oder Spiegel, bitte googeln, unter dem Objektiv nutzen.
    1 x KAISER Blasebalg groß, Antistatik-Tuch
    1 x Software Smart Shooter 4, Tethering Software, oder Alternative, zum Scharfstellen, Autofokus, und Positionieren an PC/MAC-Bildschirm, plus USB-Kabel entsprechend Kamera, Blende 8 (Blendenpriorität), ISO 100 – 250 je nach Kamera, Scharfstellen auf das Korn/Kontur.
    1 x Software Negative Lab Pro, für S/W und Farbnegative, oder Alternative. Für die Umkehrung / Inversion (negativ auf positiv) der Negative.
    1 x Lightroom oder Alternative.

    Ich habe jetzt ca. 6500 analoge Fotos digitalisiert, Digitalisierung ca. 1,5 Min/Bild DIA, S/W und Farb-Negative ca. 2 Min/Bild ohne Stress, es geht bestimmt flotter.
    Entstauben ist wichtig, war für mich jedoch glücklicherweise ein kleineres Problem als ich befürchtet hatte.
    Nach etwas Übung und Probieren, hier nicht Zeit sparen, mit den ersten 10-20 Fotos, Ausrichten, Ausschnitt, lieber etwas vom Rand wegnehmen um das nachträgliche Beschneiden in Lightroom zu reduzieren, Scharfstellen, geht es richtig flott.
    Erst wenn diese ersten Fotos OK sind zur Vollgas-Seriendigitalisierung übergehen. Bei jedem Start, an einem Tag schafft man keine zigtausend Fotos, nochmals alle Einstellungen testen, einmal hatte ich aus Versehen Zeitprioriät und einmal eine hohe ISO eingestellt, Aufpassen.

    Thema Scanner.
    Meinen Nikon Cool Scan V habe ich zwei, dreimal mit SilverFast genutzt. Voraussetzung, Einarbeitung in die Software und viel Geduld. Die Zeit und Geduld hatte ich leider nicht.

    Mit der oben beschriebenen Konstellation lassen sich auch Mittelformat und Glas-Fotos, z.B. 15 x 10 cm digitalisieren, Schablone aus Papier ausschneiden, mit Sicherheit auch größer je nach Stativ und Makro-Objektiv.
    Anti Newton Glas war nach mehreren Vorab-Versuchen für 35 mm nicht erforderlich, für Mittelformat würde ich es empfehlen.

  2. Kai
    6. Juni 2017

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    Lieber Claus,
    eine Frage zur Guten Stube: Ist das Bild in Molfsee entstanden? Ich habe dort mal eine Serie gemacht und entdecke durchaus Parallelen in diesem Motiv. Das wäre lustig. Vielleicht entdeckst Du es ja:
    https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=DqUj2TpshSg

    Lieber Gruß
    Kai

    • Claus Sassenberg
      7. Juni 2017

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      Nee, die „gute Stube“ ist aus dem „Paderborner Dorf“ im Freilichtmuseum Detmold.
      In Molfsee war ich noch nicht, aber dass das Interieur solcher Bürgerhäuser sich ähnelt, findet man ja bis heute…
      Mit dem Youtube-Link konnte ich irgendwie nichts anfangen. Bringt mich nur auf die Seite zum einloggen (??).

      lg Claus

  3. Matthias Schaad
    6. Juni 2017

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    Hallo Claus
    Achtung, die Retrowelle rollt an ;-). Da meine analoge Leica noch etwas warten muss, bis ich sie kaufe und meine Topcon uni noch immer ihren wohlverdienten CLA-Job bekommt, habe ich mich in eine Yashica 44A verguckt (meine Q verzeiht mir) und gekauft. Dann der grosse Schreck…127er Rollfilme. 120er, kein Problem, bietet jeder gute Händler. Bin aber in Italien fündig geworden.
    Mein Fotogeschäft des Vertrauens hatte so Freude an der „Kleinen“, dass sie mir noch einen Zeiss Ikophot Belichtungsmesser von 1950 geschenkt haben. OK, kein grosses Ding in Sachen Preis, aber trotzdem sehr freundlich von Ihnen. Kurz kalibriert und die ersten 15 Bilder auf dem 12 Bilder fassenden Film gebrannt ;-). Jaja, ich gebe es zu. Ich habe am Anfang total vergessen, bis zum nächsten Bild den Film zu drehen. Egal. Bin gespannt auf die Ergebnisse.
    BTW, ich habe mich entschieden was die digitale M betrifft. Schuld daran ist ein guter Freund im Fachgeschäft. An Himmelfahrt war er an einem Workshop mit der M Monochrom und dem Noctilux drauf. Da war es um mich geschehen. OK, ich ohne Noctilux, aber mit der Monochrom.

    Julia (meine Frau) macht fast nur noch Bilder mit ihrer Beseler Topcon AUTO 100 und die Ergebnisse werden immer besser. Der Ilford SW Film (die genaue Bezeichnung weiss ich gerade nicht) macht bei guten Lichtverhältnissen einen guten Job. Sobald es aber etws düster wird, rauscht er wie verrückt. Werden sicher mal den Tri-X testen.

    • Claus Sassenberg
      6. Juni 2017

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      Hallo Matthias,

      ja, retro liegt in der Luft… viel Freude mit der Yashika. Ich steh ja mehr auf Kleinbildformat, wie deine Frau.
      Aber nebenbei: Filme rauschen nicht, sie haben Korn. Sehr unterschiedlicher Art je nach Filmart und Nennempfindlichkeit. Normalerweise gilt, je unempfindlicher der Film, desto feiner das Korn. Das ist ansonsten unabhängig vom Licht, hat aber etwas mit der Entwicklung zu tun. Nämlich, ob man einen Film bei Nennempfindlichkeit entwickelt oder „pusht“. Der Ilford HP5 z.B. (der jetzt gerade in meiner M4 liegt) ist bei 400 ASA im Korn dem Kodak Tri-X sehr ähnlich. Beide Filme kann man bis zu 1600 ASA belichten. Dann wird’s aber schon körniger, und die Gradationskurve wird steiler, d.h. es gehen in Licht- und Schattenpartien Details verloren. Ein feinkörniger hochemnpfindlicher Film ist der Kodak TMax 400.

      Leica MM ist bestimmt eine gute Wahl, wenn dir die S/W-Fotografie so am Herzen liegt. Das Noctilux halte ich übrigens für reichlich überflüssig, also mach dir nichts draus. Bei aller Liebe zur Offenblende, das Ding kann wirklich nur das, und in allen anderen Blendenbereichen ist jedes Elmar besser. Dann schon lieber ein schönes Summilux oder Summicron (nicht mal das Apo-Summicron, sondern das normale). Die haben auch ein tolles Freistellungspotential, sind aber ansonsten bei allen Blendenwerten vielseitig zu gebrauchen. Das Noctilux ist ein „one-trick-Pony“. Ausserdem entsetzlich dick! Wer wirklich den Zwang verspürt, unheimlich viel Geld für ein Objektiv auszugeben, der sollte sich das 50mm Apo-Summicron holen. Macht gerade für eine MM mehr Sinn wegen der Auflösung.

      Viele Grüße,

      Claus

      • Jo
        7. Juni 2017

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        Die klassischen SW-Filme mit kubischen Silberhalogenidkristallen (HP5+ u.a.) zeichnen sich durch eine einmalige Ästhetik aus, die weder mit T-Kristall Suspensionen oder chromogenen SW-Filmen erzielt werden kann. Die subtile Körnigkeit (Kornzusammenballungen des reduzierten Silbers) spielt dabei eine entscheidende Rolle und wird durch die Belichtung, den Motivkontrast, die Wahl des Entwicklers, des Kondensors vom Vergrößerungsgerät u.v.a.m. geprägt. Ebenso unterscheidet sich ein Silbergelatinefoto von einem Pigmenttintenausdruck auf Barytpapier sichtbar. Insgesamt ein sehr komplexes Feld, wenn man reproduzierbare Fine Prints mit satten schwarzweiß Kontrasten anstrebt. Und die Wahl des Films, des Filters, die Belichtung in Abstimmung mit der Negativentwicklung sollte der Fotograf VOR dem Drücken des Auslösers bedenken. Die SW-Digitalfotografie entlastet hier den Fotografen; sie kann jedoch einen klassischen Silbergelantineabzug nicht ersetzen – so wie Bleistifte im Vergleich zur Zeichenkohle eine andere Textur aufweisen. Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters …

        • Claus Sassenberg
          7. Juni 2017

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          Sehr schön zusammengefasst!

          lg Claus

      • Matthias Schaad
        7. Juni 2017

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        Hallo Claus. Das mit dem Rauschen und Korn ist mir bewusst. Habe den „vertipper“ erst gemerkt, als ich schon auf senden gedrückt habe.

        Betreffend der Qualität beim Entwickeln. Eventuell sollte ich noch ein alternatives Labor suchen und ausprobieren.

        Das mit dem pushen werde ich mal ausporbieren.

        Das Noctilux wäre eh nichts für mich, aus genau denen von dir genannten Gründe. Die angesprochenen Summicron und Elmar sind auf jeden Fall in meinem Fokus.

        Das mit der Yashica ist nur so eine spielerei. Irgendwann wandert die in die Vitrine.

        • Claus Sassenberg
          7. Juni 2017

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          Sorry wegen der länglichen Erklärung über Filmkorn, hätte ich mir gleich denken können, dass das ein „Typo“ war.

          Bei 50 oder 35mm würde ich dir die Summicrons ans Herz legen! Wenn man etwas „ökonomischer“ sein will: Die Summarite sind Top-Optiken für einen Super-Preis (für Leica Verhältnisse…).

          Habe mir übrigens mal wieder deine Webseite angesehen. Wenn ich so sagen darf… ist toll geworden! Z.B. Super Porträts vom Mittelalter-Markt (besonders die junge Frau mit dem Blech-Bra).

          lg

          Claus

          • Matthias Schaad
            7. Juni 2017

            Kein Sorry. Viele verwechseln das.

            Betreffend der HP. Danke für das Lob. 500px hat alles umgestellt. Eigentlich sollte ich schon lange eine bessere Version installieren. Ich habe aber bereits bis 2019 bezahlt und sollte jetzt wegen dem neuen System über $200.- nachzahlen. Vielleicht im Herbst, nach meinen Ferien in old England und wenn ich den neuen Job angetreten habe 😉

  4. Jo
    6. Juni 2017

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    Aber… was soll das eigentlich, in diesem Getümmel mit 200 oder 300mm Brennweite?
    Das EF 70-200 mm/2.8 L IS USM II fällt – wegen der für ein Zoom hohen Lichtstärke – in der Tat voluminös aus und erinnert schon farblich an einen großen Becher oder eine Vase, aber diese Profi-Linse ist optisch exzellent und hat ihren Preis! Gerade bei Veranstaltungen (im Gedränge) mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, ist ein zügiges Wechseln der Brennweite mit einem Handgriff möglich. Solche Reportageobjektive lassen sich übrigens prima von Hand nach Augenmaß oder mittels Servo via AF-Taste fokussieren …

    • Claus Sassenberg
      6. Juni 2017

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      Danke für die Belehrung. Dass es gute Zoom-Objektive gibt, habe ich gar nicht bestritten, habe selbst welche (setzen im Schrank Staub an). Und die Kollegen dürfen die auch gern benutzen. Aber davon war nicht die Rede. Ich bringe lediglich zum Ausdruck, dass mich persönlich diese Art der Fotografie (mit diesen Werkzeugen) nicht anspricht. Die Thematik meines Blogs dürfte darüber ja wohl keinen Zweifel lassen. Dass heisst nicht, dass man damit nicht sehr gute Ergebnisse erzielen kann. Aber ich würde es hassen, mit so einem Teil losziehen zu müssen. Ich hatte Canon Vollformat-Kameras, ich mochte sie, aber ich weine ihnen keine Träne nach, seit ich mit Messsucher fotografiere. Das hat auch was mit der Größe der Ausrüstung zu tun. Ich liebe eben das Kompakte. Aber das ist keine Wertung meinerseits, sondern was ganz persönliches!

      Mein anderer Punkt… Brennweite. Ich habe alle Fotos mit 35 oder 50mm gemacht, wenige mit 90mm. Bin ich zu weit weg? Verlieren sich die Motive im Bild? Wozu müsste man also bei der Gelegenheit noch längere Brennweiten haben? Für mich ist die Antwort nein. Ich denke, ich habe hinlänglich bewiesen, dass ich so klar kam. Aber nochmals: Wer meint, er kommt bei sowas nicht ohne 200mm oder mehr aus, dessen Glück will ich nicht im Wege stehen! Wir reden hier wirklich von total unterschiedlichen Ansätzen zur Fotografie, und das ist eben nicht meiner.

      • Jo
        6. Juni 2017

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        Eine Belehrung sollte es auch nicht sein, sondern nur ein Kommentar.
        Zum Thema Brennweite bin ich ganz deiner Ansicht. Für meine KB-Kameras verfüge ich über Brennweiten vom 28 mm Weitwinkel- bis zum 300 mm Teleobjektiv; die meisten Fotos entstehen jedoch mit dem 50 mm Normalobjektiv, das etwa dem Bildkreis des menschlichen Auges entspricht, mit idealerweise mittleren Blendenwerten, wegen der Schärfentiefe im Abbildungsmaßstab 1:50 oder größer. Um den 3D Eindruck i.S. Raumstaffelung zu verstärken, oft auch das 35 mm Objektiv der mechanischen Meßsucherkamera (meine leichte und kompakte Reiseausrüstung für diskrete Erinnerungsbilder).
        Meine KB-DSLR ist mit einem Standardzoom ausgestattet, wobei auch hier i.d.R. „feste“ Einstellungen (24 – 35 – 50 – 105) vor der Wahl der zu erlaufenden Perspektive zum Einsatz kommen. Die fotografischen Ergebnisse unterscheiden sich (für mich) deutlich sichtbar (Verzeichnung, Bildfeldebenung etc.) von meinen (modifizierten) Doppel-Gauß-Konstruktionen ohne asphärische Linsen – ein qualitativer Kompromiss, um im Freien keine Objektive wechseln zu müssen (Flugpartikel, Wasserdampf etc.), denn eine (dauerhafte) Verschmutzung des Sensors durch Staub oder Kondeswasserrückstände mindert auch die ausbelichteten Fotos im Format 20×30 cm. Allerdings ist man immer unter Beobachtung der Menschen, was wohl der riesigen Frontlinse mit rotem Ring geschuldet ist. Am Ende zählt nur das Bildergebnis, dann stellt sich die Frage nach dem Wie und Womit bei guten Fotografien nicht mehr, oder?

        • Claus Sassenberg
          6. Juni 2017

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          Alles klar!

          Das 24-105 hatte ich übrigens auch mal, stimmt schon, eine gute „immer dabei“-Optik. Auch die Nemesis der Systemkameras, Staub und Flecken auf dem Sensor, ist ein gutes Argument für solche Linsen.

          Das schöne bei Film – Objektivwechsel mit gutem Gewissen! Der „Sensor“ wird weitertransportiert…

  5. Kai
    5. Juni 2017

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    Toller Ausflug, und vor allem ein richtig beneidenswertes Bühnenfoto. Herzlichen Glückwunsch.
    Ist das nicht toll, unabhängig zu sein? So von Energie? Ja, diese Retrowelle hat vielleicht auch was mit Rückbesinnung zu tun. Wie einfach das Leben doch als Kind war. Mit wie wenig man doch eigentlich zurecht kam. Als Kind ist man doch viel dichter an den wesentlichen Dingen dran. Wird man größer, steigen die Abhängigkeiten und die Bedürfnisse. Aus dem „wünsch ich mir“ wird ein „musthave“.
    Und dann wird einem das „musthave“ viel zu viel, man erinnert sich, wie befreit es doch damals war und holt es sich ein kleines Stück zurück. Ja, vielleicht ist das unser aktuelles Retro. Und ganz ehrlich, dieses Retro macht mich glücklich und bremst mich, denn das Leben spult viel zu schnell ab.

    Ach ja, und Bielefeld, dieser Markt. Jung war ich und verliebt und eben in Bielefeld. Auf der gleichen Veranstaltung. Den letzten Zug nach Minden, wo ich damals lebte, hab ich verpasst. Da wurde dann eben durchgemacht, bis der Zug wieder fuhr:-)

    Schöner Artikel und er zeigt vor allem wieder mal eines. Fotografie ist Emotion. Das fängt bei der Liebe zur Kamera an. Und wenn nicht, ist es keine Fotografie, sondern Technikwahn- oder eben musthave. Hab ich als Kind nicht gebraucht, will ich heute auch nicht mehr.

    Liebe Grüße aus dem Norden

    Kai

    • Claus Sassenberg
      6. Juni 2017

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      Lieber Kai,

      du hast eindeutig eine philosophische Ader. Aber es ist so, wie du sagst.

      Andererseits mache ich mir auch klar, dass man zur Verklärung des Vergangenen neigt. Es war nicht alles gut damals. Aber man erinnert sich eben an die Welt aus kindlicher Sicht, und die war vollkommen in Ordnung (bei mir).

      Und das mit Emotion und Fotografie… stimmt genau. Das arbeiten mit meinen Kameras (alt wie neu) erzeugt bei mir immer „positive vibrations“. Und das ist etwas anderes, als die technischen Daten von mit Features überfrachteten Wunderkisten anzubeten.

      Viele Grüße aus Ostwestfalen,

      Claus

  6. Achim Dederichs
    5. Juni 2017

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    Hallo Claus,
    hatte ich ganz vergessen: sehr ansprechende Fotographien!
    Was die guten alten Zeiten angeht: die Farbdarstellung des Portra erweckt einen Eindruck, wie ich ihn aus meiner Erinnerung der frühen Siebziger noch habe. Nostalgie pur. Bilder, die gefallen und schöne Erinnerungen wecken – und das im besten Sinne des Wortes.
    Viele Grüsse
    Achim

    • Claus Sassenberg
      5. Juni 2017

      Leave a Reply

      Hallo Achim,
      ja, danke nochmal für den Tipp mit den Scans. Ich bin jetzt geradezu enthemmt… heute schon wieder einen Ilford HP5 verschossen!
      Und Kodak Portra: Geht mir genauso.
      Viele Grüße,
      Claus

  7. Achim Dederichs
    5. Juni 2017

    Leave a Reply

    Hallo Claus,
    freut mich sehr, daß Du mit den Scans aus Berlin zufrieden bist.

    LG
    Achim

  8. Jo
    5. Juni 2017

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    FB Claus,
    zum Thema Belichtung schreibt Fred Parker:
    http://fredparker.com/ultexp1.htm
    Und die aktualisierten Tabellen von Kodak Filmen gibt es hier:
    http://imaging.kodakalaris.com/professional-photographers/photographers/professional-films
    73 Jo GA

  9. Martin
    4. Juni 2017

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    Lieber Claus,

    ach, was soll ich sagen – Back to the roots, nicht wahr – herrlich!

    Das ist etwas feines, egal ob analog wie Du zur Zeit oder digital. Hauptsache man erkennt die Werte dieser Art der Fotografie und beherzigt diese. Was braucht eine Kamera mehr als Fokus- und Blendenring, Zeiteinstellrad und Auslöser (… einen roten Punkt, vielleicht )

    Manuell fotografieren, Lichtsituationen erkennen oder gar raten – hier zeigt sich der Meister. Dann macht das Fotografieren wieder so richtig Spass.

    Vielen Dank für die Bedienungsanleitung der M6 – hier erlebt jene tatsächlich eine Renaissance und wird ihrem Inhalt voll gerecht – wunderbar, dass habe ich lange gesucht. Zugleich empfinde ich es als schade, dass Leica diesen Teil nicht weiter in die Bedienungsanleitungen mit einpflegt. Ein Schelm, der böses dabei denkt. Aber irgendwie müssen die inflationär aus dem Boden schiessenden Fotografiekurse – für beginnende Profis bis hin zur Masterclass – gefüllt werden – oder?!

    Morgen gehe ich glatt erneut üben … Lichtsituation einschätzen und das Zeiteinstellrad richtig einsetzen. Alles von Hand, back to the roots …

    Wünsche Dir ein schönes Pfingstwochenende.

    Herzliche Grüße,
    Martin

    • Claus Sassenberg
      5. Juni 2017

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      Hallo Martin,

      ja, die Belichtungstipps sind echt effektiv zusammengefasst. Könnte man so im Originaltext abschreiben, ich hatte nämlich schon halb und halb vor, mal ein Tutorial über das Thema zu machen. Aber nachdem ich jetzt das „geleakt“ habe, kann ich mir die Mühe sparen. Ist alles drin.

      Und ansonsten ist das „Belichtungsraten“ wirklich eine gute Übung! Man bekommt einen Blick dafür, der auch beim digitalen knipsen nützlich sein kann.

      Viele Grüße, schönen Abend,

      Claus

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