Update, 21.01.2023: Ein Erfahrungsbericht mit der Kamera über das ganze Jahr findet sich hier.

Nun hab ich sie also doch. Mit der Entscheidung habe ich gewartet, bis am letzten Donnerstag real zutage kam, was die neue Leica M11 genau bietet. Am Freitag studierte ich Jono Slack’s und Sean Reid’s Reviews und gab dem Leica Store meines Vertrauens grünes Licht. Am Samstag morgen war die Kamera bei mir, in Chrom. Warum in Chrom? Warum nicht? Die schwarze Version ist jetzt leichter, aber stören mich 110g mehr oder weniger? Not remotely.

Leica M11
Die Leica M11 in Chrom mit einem Vintage-Objektiv, dem Contax G45 im Funleader-Gehäuse. Das wird noch einen gesonderten Beitrag bekommen.

Also was gab jetzt wirklich den Ausschlag? Ich habe bisher jedes neue M-Modell vorbestellt (so etwa alle vier Jahre), bevor überhaupt nur annähernd klar war, was da kommt. Ich nahm einfach an, dass Leica das schon richtig macht, und bisher war das immer in Ordnung. Diesmal war ich im Zweifel. Die „geleakten“ 60 Megapixel des Sensors waren mir unheimlich und es war nicht klar, wie Leica eine mögliche Begrenzung dieser Pixelzahl lösen würde.

Leica M11
Kaiser-Palais. Die Schlange am Einlass zum Varieté. Leica M11 mit 35mm Summilux bei f/1.4 1/160s bei ISO 3200

Offenbar wusste man auch bei Leica, dass nicht alle Nutzer eine extrem hohe Auflösung wünschten. Aber die Lösung, die sie für das Dilemma fanden, ist kein fauler Kompromiss (etwa sowas, wie nur Teile des Sensors zu benutzen, um die Auflösung zu verringern), sondern schlicht genial. Triple Resolution. Und hinter dem, was sich anhört wie ein hohles Marketing-Schlagwort, verbirgt sich eine Technologie, die bei Bedarf mehrere Pixel zusammenfasst und trotzdem die volle Sensorfläche nutzt. Das Pixel-Binning lässt verringerte Auflösungen von 36 oder 18 Megapixel im DNG-Format zu, und damit waren meine Hauptbedenken aus dem Weg geräumt.

Was jetzt folgt, ist keinesfalls ein Full Review. Eine Bilderflut aller Belichtungssituationen kann ich leider auch noch nicht bieten. Himmelsakra, ich hab die Kamera ja erst drei Tage! Das Wetter war sch… äh, suboptimal und arbeiten musste ich schliesslich auch. In den nächsten Monaten wird sicher noch einiges dazukommen.

Der Sensor

Jeder Sensor ist nur so gut, wie die Kamera, die darum gebaut ist (und die Optik davor!). Sehr oft übertrafen z.B. die Spezifikationen von Sony-Sensoren alles, was Leica da zu bieten hatte. Aber erstens waren die Unterschiede eh für die reale Fotografie marginal und zweitens hat Leica in den letzten 16 Jahren in dem Sektor unwahrscheinlich aufgeholt. Ich fand bereits den der originalen M10 extrem gut (um vieles besser als den in der 240, der in der M9 ist ein eigenes Kapitel), der M10-R- und insbesondere der M10-Monochrom-Sensor setzten da noch einen drauf.

Leica M11
Am Energie-Forum (ein Frank Gehry-Bau). Leica M11 mit 21mm Color-Skopar bei f/4.0 1/160s ISO 400

Und jetzt – der neue BSI-Sensor. „BSI“ steht für „Backside-Illuminated“ und es handelt sich dabei nicht um LED-Lichter in einer Kloschüssel, sondern um eine spezielle Konstruktion, durch die lichtempfindliche Pixel-Wells besonders weit vorne liegen und zudem sehr flach sind. Die Verdrahtung und die gedruckten Schaltkreise, die bei herkömmlichen Chips einen erheblichen Teil der dem Licht zugewandten Fläche in Anspruch nehmen, befinden sich erst darunter. Erschöpfendes Wissen darüber findet sich auf der sehr empfehlenswerten Seite von Dr. Schuhmacher.

Neben der Tatsache, dass sich die vielen Pixel den Platz auf der begrenzten Fläche nicht auch noch mit Transistoren teilen müssen und so optimaler Photonen einsammeln, sind die Wells auch sehr flach, was sich gerade bei im Randbereich unheimlich schräg einfallenden Lichtstrahlen extrem positiv bemerkbar macht. Bei der neuen Filtertechnologie werden auf der Leica Fluff-Seite nur IR-Cut und UV-Filter genannt. Man fragt sich, ob die früher oft erwähnten „Mikrolinsen“ vor den Pixeln vielleicht ga nicht mehr nötig sind. Freilich werden die vermutlich mit dem obligatorischen Bayer-Filter in Personalunion vorliegen, dessen Vorhandensein offenbar so selbstverständlich ist, dass weder darauf eingegangen wird, noch er überhaupt in der „Explosionsdarstellung“ der Kamera zu identifizieren ist. Über die Abwesenheit von Moiré-Filtern redet mittlerweile überhaupt keiner mehr, das ist schon ein alter Hut.

Leica M11
Einkaufszentrum. Leica M11 mit 21mm Color-Skopar bei f/4 1/160s ISO 1250
Leica M11
Kontrolle des Impfstatus. Leica M11 mit Contax G45 bei f/2 1/200s ISO 320

In mehreren Reviews (z.B. David Farkas oder DPreview) fand ich den Hinweis, dass der Sensor „DG-Architektur“ oder „DG-Technologie“ aufweist. Seltsamerweise fand ich darüber nichts bei den offiziellen Leica-Seiten, aber irgendwo mussten die Reviewer das ja her haben. „DG“ steht jedenfalls für „Dual Gain“ und ist eine Methode, jedes Pixel mit zwei unterschiedlichen Verstärkungsstufen auszulesen und dann zu einem Bild zu kombinieren. Das optimiert den Dynamik-Umfang und erklärt dadurch den Zugewinn in der Hinsicht (es ist von 15 Blendenstufen die Rede).

In dem Zusammenhang habe ich auch schon eine weitere Eigenschaft des neuen Sensors untersucht. Er verhält sich nämlich „invariant“ (wie es auch schon der der M10 tat). Auf der Leica-Webseite zeigt Nick Rains einige (Gegenlicht-)Fotos aus der M11, bei der er die Schatten extrem aufhellen konnte, ohne sich übermäßiges Rauschen einzufangen. Das ist ein Hinweis auf invariantes oder „isoloses“ Verhalten. Bei einem improvisierten Versuchsaufbau bei mir zuhause habe ich ein Foto bei ISO 64 gemacht und dann sukzessive bis zu 6 Blenden unterbelichtet. Anschliessend zog ich die unterbelichteten Fotos in LR wieder auf den neutralen Wert hoch. Sicher nimmt das Rauschen zu, aber es zeigt die hohe Flexibilität, die die DNG-Dateien aus dem Sensor beim Postprocessing bieten. Die „originale“ M10 konnte das auch, nur scheint mir bei dem neuen Sensor ein Zugewinn von grob einer bis anderthalb Blenden zu sein.

ISO und Farben

ISO 64 soll angeblich wirklich der native ISO-Wert des Sensors sein. Nach den Geschichten mit dem M10- und dem M10-Monochrom-Sensor war Sean Reid misstrauisch genug, da bei Leica nochmal nachzuhaken und ihm wurde versichert, es sei so. Ein relativ niedriger ISO-Wert ist für Leica-Fotografen immer ein Vorteil, weil man in dem Dunstkreis die Blende lieber öffnet als schliesst. Bei Sonne kann ich fürderhin alle ND-Filter getrost zuhause lassen (vom elektronischen Verschluss ganz zu schweigen, davon später).

Leica M11
Im Kurpark. Leica M11 mit 35mm Summilux bei f/1.4 1/125s ISO 12500. Rauschen nur gerinfügig unterdrückt. Da geht mehr.

Inwieweit bei Reduzierung der Auflösung sich möglicherweise die Dynamik (etwas) verbessert oder das Luminanzrauschen verringert kann ich noch nicht sagen, warte aber entspannt auf Sean Reid, der das bestimmt sehr sorgfältig prüfen wird.

Dass die Kamera natürlich bei hoher ISO einen draufsetzt, versteht sich von selbst. Nahm ich bei der M10 ISO 12500 eher im Notfall, kann man diesen Wert jetzt getrost im Auto-ISO-Bereich lassen. Wieviel darüber dann noch vertretbar ist, wird sich zeigen.

Die Farben der M11 sind konsistent mit dem, was wir bei den anderen derzeitigen digitalen Modellen gewohnt sind (M10-P, M10-R, Q, Q2 oder SL, sogar die D-Lux 7) und ich finde sie sehr ansprechend. In Lightroom gibt es bereits ein Farbprofil für die Leica M11 (oder ist das im DNG eingebettet? Muss ich mal checken), aber das ist für meinen Geschmack zu gesättigt. Ich bevorzuge da Adobe Standard.

Leica M11
Graffitti. Leica M11 mit Contax G45 bei f/3.4 1/250s ISO 250

Der Verschluss

Die nächste Änderung, die ich sofort spürte, war die Tatsache, dass der Verschluss sich mit einem hörbaren Klick sofort öffnet, wenn man die Kamera einschaltet. Das Geräusch ist vertraut, man kennt es vom aktivieren von Live-View an den bisherigen M-Modellen.

Leica M11
Am Energie-Forum (ein Frank Gehry-Bau). Leica M11 mit 21mm Color-Skopar bei f/4.0 1/160s ISO 400

Die M11 arbeitet permanent im Live-View Modus. Ich gebe zu, dass das bei mir erst ein mulmiges Gefühl verursachte. Der Sensor immer exponiert! Bei weiterer Überlegung wurde mir klar, dass das die normale Arbeitsweise aller spiegellosen Kameras ist. Die M11 hat sogar den Vorteil, dass sie im Messsuchermodus keinen Monitor oder EVF mit Strom versorgen muss und die Belichtungsmessung über den Sensor offenbar extrem wenig Energie verbraucht.

Es gibt keine Messung mehr über die reflektierenden Bereiche der Verschlusslamellen, jenem Relikt aus der analogen Ära, über das viele gespottet haben. Für mich persönlich war die Messmethode immer ok, wenn man die Eigenheiten der mittenbetonten Messung beachtet. Das konnte je nach Motiv andere Schwerpunkte erzeugen. Bei starken Highlights z.B. misst man die erst an, speichert die Belichtung, rekomponiert und drückt ab.

Und ehrlich gesagt, dass man bei bestimmten, schwierigen Lichtverhältnissen mal selber nachdenken muss, nimmt einem auch eine Matrix-Messung nicht ab (die wir ja in Live View schon seit der M240 zur Verfügung haben). Wenn ich immer die ermittelten Werte unreflektiert genommen hätte, würde ich auf einem Haufen ziemlich suboptimaler Belichtungen sitzen. Vor allem sollte man da das Histogramm zu rate ziehen…

…was mich zu einem Beschwerdepunkt von Sean Reid bringt: Er ist etwas angefressen, dass es kein Histogramm gibt, das die RGB-Kanäle zeigt. Bei der M240 war das nämlich so, bei allen Nachfolgemodellen gab es nur das Zusammengefasste. Aber gerade weil der rote Kanal gerne übermäßig ausbrennt, wäre die Information darüber sehr hilfreich. Die Frage ist, ob sich das mit einem Firmware-Update ergänzen liesse.

Leica M11
Schaufenster. Leica M11 mit 35mm Summilux bei f/1.4 1/160s ISO 125

Da bei der M11 der Verschluss immer offen ist, muss er vor der Aufnahme zunächst wieder schliessen. Bei den Vorgängermodellen erzeugte das im Live-View-Modus eine spürbare Auslöseverzögerung („Shutter-Lag“), im Gegensatz zum „Messsucher-Modus“, bei dem zwischen betätigen des Auslösers und der Aufnahme keine wahrnehmbare Zeit verging. Das ist auch bei der M11 so, obwohl sie faktisch immer in „Live-View“ ist. Sean Reid hat versucht, die Differenz zwischen M10-R und M11 zu messen, dabei fand er er für die M10-R ein Shutter-Lag von 0,047 Sekunden, für die M11 war es 0,064 Sekeunden. Der Unterschied ist vernachlässigbar, was mich betrifft.

Noch was zum Geräusch: Bei Barney Britton von DPreview kann man lesen, dass der Geräuschpegel wieder bei dem der ursprünglichen M10 liegt, also vernehmlich lauter ist. Ich weiss nicht, was der an den Ohren hat, aber das ist falsch. Es ist nicht lauter, es ist anders – und etwas länger, weil der Verschluss zugeht, die Aufnahme macht und wieder aufgeht.

Im übrigen bietet die M11 die Option auf völlige Lautlosigkeit, nämlich wenn man den elektronischen Verschluss benutzt. Ich habe dies schon bei der Leica Q immer auf „Hybrid“ gestellt, das heisst, wenn die kürzeste normale Verschlusszeit (1/4000s) nicht ausreicht, stellt die Kamera automatisch um, bis zu 1/16000s ist möglich. Ist absolute Stille gefragt, wählt man den elektronischen Verschluss im Menü und muss sich fortan jedesmal versichern, dass man auch ein Bild gemacht hat.

Aber immer dabei bedenken: Stichwort „Rolling Shutter“. Keine sehr schnell bewegten Motivanteile (z.B. ein Hubschrauber-Rotor) oder oszillierende Lichtquellen bei dem Verschlusstyp. Die Bilder werden Zeile für Zeile ausgelesen, das dauert länger als die eigentlich superkurze Belichtungszeit. Bei dem modernen Sensor wird das sicher sehr flott geschehen, schon bei der Leica Q konnte ich vorbeiflitzende Skifahrer mit 1/16000s ablichten ohne Rolling-Shutter-Problem.

Leica M11
Abendhimmel. Leica M11 mit 35mm Ultron, Pano aus zwei Aufnahmen bei f/2 1/160s ISO 80

Der Messsucher

In einem Interview zur Leica M11 zitierte Stefan Daniel in Bezug auf den Messsucher das amerikanische Sprichwort: „Don‘t fix it, if it ain‘t broken.“ Der Messsucher der M10 war bisher in meinen Augen (pun intended) der beste aller M-Kameras. Und das sieht man bei Leica wohl auch so. Ein Indiz, dass wir dasselbe Modell vor uns haben, liefert das Display, das die Belichtungszeit nur vierstellig angeben kann. Da es jetzt auch fünfstellige Zeiten gibt, hilft man sich über einen Workaround, das darzustellen.

Leica M11
Blumig. Leica M11 mit Contax G45 bei f/2 1/250s ISO 200

Bei DPreview erschien ein Artikel, der hinterfragt, ob nicht Leica mit der M11 riskiert, den Messsucher überflüssig zu machen. Alle Mitarbeiter des Teams (bei DPreview) hätten bedauert, dass der neue Visoflex nicht mit der Kamera kam. Hmm. Vielleicht können die einfach mit einem Messsucher nichts anfangen. Wenn ich meine Querflöte herumreiche und sage: „Macht mal Musik damit“, werden die meisten wohl auch fragen: „Wie verbinde ich das Ding mit Spotify?“

DPreview ist ja harmlos. Sie checken es nur nicht. Ansonsten kann man schon wieder so viel Müll über die Kamera im Internet lesen, dass es einem hochkommt. Kaum ist ein neues Modell draussen, kriechen die Trolle aus den Löchern.

Ich sag’s jetzt zum hundertsten Mal: Der Messsucher ist in bestimmten Situationen dem Fokussieren bei Live View überlegen. Dass der bei hauchdünner Tiefenschärfe an seine physikalischen Grenzen kommt, ist klar. Sollte er je durch einen EVF (in der Kamera) ersetzt werden, müsste dies Ding schon irgendwie mit den Objektiven gekoppelt sein, sonst würde ich dankend darauf verzichten. Fokus-Peaking ist ja ganz nett, aber mit dem Messfeld des Suchers bin ich schneller.

Akku und Bodenplatte

Der Akku? Ein wahres Monstrum. Wir sind wieder zurück zu Kapazitäten wie bei der M240, deren Akku vermutlich als Starterbatterie für einen Leopard-II-Panzer konzipiert wurde. Ich habe mir zunächst deswegen auch keinen Zweit-Akku bestellt, ich erwarte, dass dieser für meine Zwecke völlig ausreicht. Übrigens könnte man „in a pinch“ die Kamera per USB-C Kabel mittels Powerbank auch unterwegs nachladen.

Im Gegensatz zurM10-R oder M10-Monochrom ist die Wärmeentwicklung der Kamera bei intensivem Gebrauch offenbar marginal, das ist insbesondere für Arbeit in warmen Umgebungen ein Pluspunkt.

Die Bodenplatte ist futsch! Good riddance! Ich bin nicht so sentimental, das ich die bräuchte, im Gegenteil: Mich hat sie bei den digitalen Modellen eher genervt. Vor allem, wenn man mitten im Shooting Akku oder Speicherkarte wechseln wollte, war das Teil lästig. Mir bleibt sie ja an allen analogen Modellen erhalten, da komme ich nicht auf Entzug.

Leica M11
Ein bisschen Edward Hopper. Leica M11 mit 35mm Summilux bei f/1.4 1/160s ISO 2000

Änderungen der Benutzeroberfläche

Wer nicht Leica-Nerd ist, kann sie nicht von einer M10 unterscheiden. Leica hat die Stil-Ikone nicht angerührt, weil sie wissen, dass sonst ein Lynchmob auf Wetzlar zuzieht. Für mich voll ok, ich habe bereits in meiner letzten Laudatio zur M10 gesagt, dass ich die klaren Linien schön finde und keine Griffmulden irgendwo brauche.

Leica M11
Bei Druck auf „Menü“ erscheint dieser Screen. Da ist eigentlich alles drauf, was man bracht. Antippen, und man ist da.

Der Fokus-Knopf ist von vorne auf die Deckplatte gerutscht, eindeutig besser zu erreichen. Zudem mit anderen Funktionen belegbar. Das Daumenrad lässt sich ebenfalls unterschiedlich belegen, ausserdem kann man es jetzt „klicken“. Von den Knöpfen links neben dem Monitor ist der „Play-Knopf“ nach oben gerutscht, der LV-Knopf heisst jetzt „Fn“ (auch frei belegbar), wird aber standardmässig Live-View aufrufen. Momentan drücke ich ständig den falschen der beiden oberen, fünf Jahre motorisches Gedächtnis lassen sich nicht so leicht löschen.

Der Knopf in der Mitte der Kreuzwippe ruft keinen Info-Schirm mehr auf, stattdessen bringt ein Druck auf „Menü“ eine Übersicht á la Q2, die ich sehr gut finde. Per touch kommt man sofort an wichtige Menüpunkte. Zum Beispiel lässt sich so blitzschnell die „Triple Resolution“ verändern, wenn man das von Bild zu Bild wünscht.

Ansonsten: Kennt man die M10 (oder überhaupt eine M) kann man ohne Kenntnis der tieferen Finessen des Menüs sofort damit fotografieren. Das war bisher immer so. Versucht das mal mit einer Sony. Das wird nicht gut enden.

Connectivity

Leica M11
Teststation. Leica M11 mit 35mm Summilux bei f/1.4 1/160s ISO 1000

Bis einschliesslich der M10 (und ihrer Varianten) war es derart nervig, eine WLan-Verbindung zur Leica-Fotos-App herzustellen, dass mir das nie in den Sinn kam, aber auch nicht fehlte. Bei der Leica M11 flutscht das jetzt mühelos. Davon ab saugte das vorher gewaltig am Akku, der gluckerte ruckzuck leer und das ist jetzt auch nicht mehr so.

Da die Kamera auch über Bluetooth verfügt, soll das noch beim angekündigtem Firmware-Update stärker implementiert werden, einschliesslich Geotagging. Wer immer das braucht. Okay, schadet ja nicht.

Der USB-C-Anschluss und die Apple-tauglichkeit der Leica M11 kommt mir als Mac- und iPad-Nutzer entgegen. Man kann die Kamera direkt anschliessen und überall laden, bzw. Daten übertragen. Dass auf der Steckerbuchse kein Stöpsel ist, gruselt mich zwar ein bisschen, aber die Kamera ist nominell „weather sealed“, was Jono Slack offenbar schon gründlich getestet hat (stundenlang im Regen).

Kabel, Netzteil und Ladeschale für den Akku sind gut durchdacht und beliebig rekombinierbar. Ein Apple-konformes USB-C auf Lightning-Kabel gibt es ebenfalls.

Leica M11
Nicht immer so rasen! Leica M11 mit Contax G45 bei f/4.0 1/250s ISO 1250

Conclusion

Leica M11
Die M11 mit dem 35mm Ultron

Ich nannte dieses Hands-On „Primus inter Pares“, weil ich damit ausdrücken will, dass die Leica M11 zwar die Weiterführung der Messsucherkamera in die nächste Technik-Generation darstellt, diese aber die Modelle der M10-Familie (und auch die vor der M10) nicht obsolet macht. Unter ihren „Peers“ (das Wort „Pares“ hat im Englischen überlebt) hat die Kamera jetzt einige herausragende Eigenschaften (mehr Auflösung, mehr Dynamik), aber das führt nicht dazu, dass eine M10-P oder M10-R nicht ebenso noch viele Jahre eine wunderbare Plattform für M-Objektive bleiben wird.

Bis jetzt habe ich fast alle Fotos bei höchster Auflösung gemacht. Die Abwesenheit einer Bildstabilisierung ist nicht das Problem, wenn man die Belichtungszeit im Auge behält (für die Belichtungsautomatik habe ich den reziproken Wert der vierfachen Brennweite des Objektivs eingestellt). Es kann aber sein, dass ich für viele Motive und Gelegenheiten eher bei 36 MP bleibe, das ist praktischer. Speicherplatz ist eher ein nachgeordnetes Argument, aber die Dateigrößen von 70-120MB für die hochaufgelösten Bilder (laut Leica) sind schon happig. Ich habe allerdings bemerkt, dass die meistens kleiner sind (liegen bei mir bei 60-75MB) als nach Leicas vorsichtiger Schätzung.

Jono Slack’s Artikel hat mir besonders gut gefallen. Aber der hatte auch sieben Monate Zeit dafür. Und eine Sache in dem Review finde ich noch erwähnenswert: Er zitiert einen Artikel von Roger Cicala, in dem dargelegt wird, dass eine hochauflösende Kamera kein Problem mit älterem Glas hat, nur weil es sich eben nicht „Apo-Summicron“ nennt. Vielmehr kommt er zu demselben Schluss wie ich (dabei ging es um die M10-Monochrom), dass nämlich 1.) Vintage Linsen oft überraschend hohe Auflösungen zeigen und 2.) auch der hochauflösende Sensor mehr aus der Optik holt und trotzdem den jeweiligen „Charakter“ derselben beibehält.

Die Moral von der Geschicht: Man kann jedes seiner Lieblings-M-Objektive (von Leica oder nicht) getrost an der M11 betreiben.

Als ich die M11 in den letzten drei Tagen „ausgeführt“ habe, gab es nichts an der Kamera, was meine gewohnte Arbeitweise irgendwie bremste. Sie fühlt sich an, reagiert, funktioniert ebensogut wie jede M, die ich vorher hatte. Ich habe bisher nichts entdeckt, was für mich ein „no go“ darstellt.

Zum Schluss: Jeder weiss, dass es auf meiner Webseite keine Werbung gibt. Aber ich muss mich doch mal bei meinen Leica Store bedanken, dass sie mir seit vielen Jahren immer in kürzester Zeit die neuen Modelle besorgen. Ein kleiner, fast unscheinbarer Laden in der Fasanenstrasse, gleich beim Ku’damm um die Ecke.

Visit Macfilos for an English version of this article

36 Kommentare

  1. Johan Adriaan

    Lieber Herr Sassenberg,
    Ich bin wie Sie Amateur-Musiker und mache gelegentlich Konzert- oder Probeaufnahmen; Ihre Artikel über Erfahrungen mit Messsucherkameras und -Linsen interessieren mich schon seit langem, obwohl ich selbst (noch!) keine M besitze, sondern die SL. Mich fasziniert Ihre Bemerkung dass die Messsucher in bestimmten Situationen dem Fokussieren bei Live View überlegen ist. Ich sollte dass eigentlich ausprobieren, wenn mir jemand eine M ausleihen würde (…). Aber können Sie mir als Leihe aufklären, wieso dies, nach Ihrer Meinung, so ist? Ich fokussiere die SL übrigens ohne Fokus Peaking. Die M interessiert mich wegen geringerer Größe u Gewicht, und mehr Spaß beim Fotografieren. Aber ist es tatsächlich so, dass man mit diesem System mehr präzise fotografieren kann? Und heißt das, Sie benützen kein OVF?
    Vielen Dank im Voraus!
    Mit freundlichen Grüßen, Johan Adriaan

    • Claus Sassenberg

      Hallo Herr Adrian,

      ganz klar benutze ich keinen EVF bei solchen Gelegenheiten, sonst bräuchte ich ja keine Messsucherkamera. Natürlich kann man mit einem guten EVF (und ohne Fokuspeaking, was mich mehr irritiert als das es mir nützt) auch zum Ziel kommen. Aber:
      Der Messsucher hat auf jeden Fall den Vorteil, dass man schon mal von der Blende unabhängig ist. Will man mit EVF korrekt fokussieren, muss man das eigentlich bei Offenblende tun und dann auf Arbeitsblende abblenden. Okay, wenn man nicht sowieso bei Offenblende bleibt.
      Dann der Vorgang an sich: Bei EVF pendelt man unter Umständen erst mal vor- und zurück, um den richtigen Punkt zu finden. Beim Messsucher stellt man exakt auf den Punkt und drückt ab. Das geht in Sekundenbruchteilen (aber eins muss auch klar sein: das erfordert eine gewisse Übung und manche kommen damit überhaupt nicht klar).
      Und dann eine Sache: Gerade bei Konzertaufnahmen hat man oft naturgemäss „schummrige“ Lichtverhältnisse. Mit optischen Sucher hat man klarere Sicht als mit noch so tollem EVF (und ich habe den der Q3, der schon oberste Kategorie ist, trotzdem kein Vergleich).

      Der Messsucher ist ein optisch-mechanisches Instrument zum fokussieren, dagegen ist das mit Live-View nur eine Art „Workaround“. Natürlich mache ich das auch mal, aber nur, wenn ich genug Zeit habe. Je bewegter der Event ist, desto eher kommt nur der Messsucher in Frage. Z.B. bei Bühnenfotografie, da würde ich den „Heldentod in Socken“ sterben, wenn ich das mit EVF versuchen würde (in dem verlinkten Artikel spreche ich übrigens auch über genau das Thema).

      Das ist nicht meine eigene „crackpot“-Theorie, sondern das wird Ihnen jeder bestätigen, der mit einem Messsucher umgehen kann.

      Viele Grüße und viel Erfolg,

      Claus

  2. Pingback:Gespräch mit Claus Sassenberg - messsucherwelt.com - Michel Birnbacher, Leica Enthusiast

  3. Hallo Claus,

    ich bin im wesentlichen von vielen Berichten und Sarkasmus zur M leicht überfordert, wenn darf man glauben wenn man wie ich seit 30 Jahren, ohne Leica, fotografiert? Von Kodak, Minolta zur Nikon (Canon war nie etwas für mich, warum?) zeigt auch ein wenig meinen Geldbeutel durch die Jahre. Je älter desto mehr konnte ich ausgeben. Nach Jahren bei Nikon, habe ich immer noch D & Z Modelle und bin über die SL2-S jetzt letztendlich bei der M11 gelandet. Warum 11 und nicht 9-10? Hierzu gibt es mehrere Gründe, zum einen verwende ich Summilux M-Objektive mit Adapter bereits seit einigen Jahren an meinen Nikons & SL2-S, ich konnte hier das manuelle schnelle fokussieren wieder erlernen und bin soweit darin geübt das ich den AF in den meisten Situationen mithalten kann. Es gibt natürlich Anwendungen und Motive wo ich auf einen AF nicht verzichten kann und will. Wie sagt man so schön, das richtige Werkzeug für den passenden Anwendungsfall, wobei auch hier ich mit einem Messer schrauben drehen kann ;o). Die M-Objektive sind die erste Wahl für mich, auch hierzu ein kleiner Erfahrungsbericht: Mit einem Freund bin ich in Dubai unterwegs gewesen, Er die Z7 mit 24-70 und FTZ+ Adapter ich mit der Z7 und M-Objektiven, Er wurde überall als Professional eingestuft und vom Personal aufgefordert das fotografieren einzustellen, ich nur Zentimeter daneben mit meiner Kombi konnte ungestört weitermachen, irgendwie war ich fast beleidigt. Fazit mit einem kleinen Body und M-Objektiven ist man einfach dezenter unterwegs. Warum M11, eigentlich kein rationaler und auch kein entscheid auf Basis von Artikeln, eher der Tatsache mit 1/16000 ohne Filter fotografieren zu können, des Gewichts, die SL2-S ist schon recht schwer! Daher kann ich auch kein eigenes qualitatives Pixel Peaking zw. M Modellen anstellen. Ich habe die M11 jetzt seit fast 2 Wochen, konnte damit bereits einen Zeitraffer-Timelapse erstellen, viele sonstige Streetbilder in Zürich anlegen, bisher hat mich keiner angesprochen oder sauer geschaut wenn ich direkt draufgehalten habe. Dann die Bildqualität, ich habe viel Material zum Vergleichen mit NON Leica wie Nikon D810, D5, D850, Z7 und eine Sony A7 RMII und muss wirklich sagen das ich absolut begeistert bin, die Leica M11 kann sich allen diesen anderen Modellen im Bildvergleich stellen, ich finde sie stellenweise sogar besser, woran das liegt, Microkontraste…? Schwer zu sagen, da ich überall die gleichen M-Objektive verwende. 60 MP alleine können es auch nicht reissen im Vergleich zu meinen anderen MP-Monstern! Es muss die Summe vieler kleiner technischer Details sein, will auch hier jetzt nicht auf die Sensortechnik alleine eingehen, macht auch keinen wirklichen Sinn für mich. Mein Fazit, die M11 zusammen mit den hauseigenen M-Objektiven machen erstaunliche und phantastische Bilder und ich bin sehr froh das ich mir die leisten konnte und den schritt gegangen bin, wird es meine einzige Kamera bleiben? NEIN, wie gesagt wenn ich Tiere oder sonstiges ablichten will bleibe ich bei AF Modellen. Werde aber wohl meine anderen Nikons alle verkaufen, auch die Z7, hier werde ich auf das kommende Modell Z7 III warten, eine Z9 ist keine Option, und mich auf die M11 und Z7 zukünftig beschränken. Leider kann die SL2-S mit AF nur bedingt überzeugen. Wo Licht ist, ist auch schatten, das einzige was ich tatsächlich ein wenig vermisse bei der M11 wäre ein IBIS & ein Anschluss für einen externen Intervaltimer. Als letztes Statement, ich hatte noch keine Kamera wie die M11, ausgepackt, losgelegt und direkt abgeliefert, das Menü und die einfache Bedienung machen es zu einem Genuss loszuziehen und zu fotografieren ohne etwas zu vermissen an Technik und Buttons! Great Work Leica!

  4. Pingback:Leica M11 Hands On Review – Lowlight-Test – feat. Claus Sassenberg, Rafael Zeier – Spesifikasi

  5. Sven Dohrow

    Sehr geehrter Herr Sassenberg,
    herzlichen Dank für Ihren interessanten Bericht über die neue M11. Ich erwäge, nach einigen Jahren mit einer M4p in den Neunzigern (Objektive 28/50/90), die ich dann verkauft habe, mir nunmehr eine neue Leica M 11 zu kaufen. Dazu käme nur ein einziges Objektiv, das 35/1,4.

    Sie erwähnten mit „DPreview“ eine bunte Internetseite, die ich zumindest recht unterhaltsam finde. Dort wurde in einem Video über die neue M11 erwähnt, dass es über zwei Sekunden dauert, bis die M11 aus ihrem Schlaf (besser: aus ihrem Standby-Modus) erwacht, womit ein spontanes Fotografieren gerade von Stadt-Szenen erschwert würde.

    lt. einer weiteren Webseite passiert das bei reinem Sucherbetrieb und optisch abgeschaltetem LV, da offenbar erst auf die mittenbetone/Mehrfeld- oder auch Spotmessungsmöglichkeit, die ja bei der M11 neuerdings auch für den Sucherbetrieb zur Verfügung stehen, „gewartet“ werden muss, weil sie der LV zur Verfügung stellt.

    Von meiner Canon R6 oder MK IV bin ich in dieser Hinsicht geschwindigkeitsmäßig sehr verwöhnt. Es dauert wenige Zehntel-Sekunden, bis die volle Aufnahmemöglichkeit nach dem Standbymodus zur Verfügung steht. Ein ständiges „spätes Aufwachen“ der M11 aus ihrem Standby-Modus würde mich doch sehr stören und für mich den Sinn mit dieser Kamera zu fotografieren doch sehr konterkarieren. Wie sieht es damit nach Ihren Erfahrungen aus und, im Vergleich dazu, gerade auch beim Vorgängermodell, der M10?

    Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen,

    Grüße S. Dohrow

    • Claus Sassenberg

      Hallo Herr Dohrow,

      DPreview ist in der Tat ebenso bunt wie die Qualität der Aussagen, die dort getroffen werden. Mal gibt es sehr gute Fachartikel, dann wiederum muss man Filtern, was denen die Kameraindustrie vorgibt. In den Reviews von Equipment bin ich oft mit deren Beurteilungskriterien nicht einverstanden.

      Was nun die Start-Up Zeit der M11 betrifft, sind die 2 Sekunden nur die halbe Wahrheit. Das ist nämlich die Zeit, die die Kamera braucht, um direkt in Live-View zu gehen.
      Die Start Up Zeit im normalen Messsuchermodus dauert keine Sekunde und ist z.B. schneller als die der M10-R (Quelle: Sean Reid).
      Er sagt zugleich, dass er für Fotografie mit „quick responsiveness“ (und da zählt Street wohl dazu) nie Live View verwenden würde. Ich übrigens auch nicht. Wenn man dafür nicht den Messsucher nimmt, weiß ich überhaupt nicht, warum man die Kamera hat.
      Und noch eins, rein methodisch: Es gibt keinen Grund, die Kamera überhaupt in einem exzessiven Energiesparmodus zu betreiben. Man kann sie einfach stundenlang anlassen. Habe ich bereits ausprobiert. Die Akku-Leistung ist gigantisch.

      De Startup-Zeit ist also so ziemlich das letzte Kriterium, die Kamera zu vermeiden. Aber neben solchen Geräten wie einer R6 oder MK IV kommt man schnell zum sprichwörtlichen Vergleich von Äpfel mit Birnen.

      Ich hoffe, dass Sie mit dieser Info etwas anfangen können,

      viele Grüße,

      Claus Sassenberg

  6. Lieber Claus
    das M11 „review“ klingt ja aber jetzt doch recht begeistert ,,,trotz der hohen Auflösung, die Du ja bei der R eher stark kritisiert hast…. Hier bist Du jetzt angetan auch weiterhin? Also bei der Entscheidung upgrade nach der M9P würdest Du jetzt neben der M10P eher die M11 als die M10R favorisieren?
    LG Ansgar

    • Claus Sassenberg

      Hallo Ansgar,

      mit der unerwünscht hohen Auflösung musste ich mich ja auch schon bei der M10-Monochrom anfreunden (und habe entsprechend meine „Belichtungsstrategie“ angepasst). Ein Teil der Kaufentscheidung für die M11 war jedenfalls, dass ich die Auflösung nach belieben herunterstellen kann und trotzdem DNG’s vom ganzen Sensor habe.

      LG, schönes Wochenende,

      Claus

  7. Frank Krüger

    Guten Tag Herr Sassenberg,
    erstmal vielen Dank für den Bericht. Ich habe ihn mit sehr viel Freude gelesen. Da Sie den gleichen Leica-Dealer wie ich bevorzugen wundere ich mich ein wenig, dass wir uns noch nie begegnet sind :-).
    Meine M11 wurde am Montag nach der Vorstellung geliefert und ich konnte diese krankheitsbedingt erst gestern in die Hände schließen. Aber ich muss sagen, dass ich mich schon sehr gefreut habe und nun wie Sie langsam anfange diese Kamera zu erkunden und zu genießen.
    Was mich dazu bewegt hat die M10R gegen die M11 zu tauschen war der Sensor und der neue Verschluss. Zugegeben ich bin auf dem Gebiet Leica nicht so ein Experte wie Sie aber ich bin diesen Kameras unendlich dankbar. Dankbar wieder zu einer anderen Art der Fotografie gekommen zu sein als früher. Nicht einfach nur loslaufen und knipsen sondern bewusst zu fotografieren. Klingt komisch aber es tut gut.
    Nun freue ich mich auf weitere Berichte zur M11 und diverser Bilder von Ihnen. Sie sind für mich eine Inspiration. Vielen Dank dafür und Grüße aus Berlin

    • Claus Sassenberg

      Hallo Herr Krüger,

      danke für die freundlichen Worte! Ich bin leider pandemiebedingt schon länger nicht in Berlin gewesen. Das wird nachgeholt, wenn die Wellen sich etwas legen. Dann zählt natürlich ein Pflichtbesuch in der Fasanenstrasse dazu.

      Viele Grüße aus dem Weserbergland, viel Freude mit der M11,

      Claus Sassenberg

  8. Gerhard Meck

    „… Aber ich muss mich doch mal bei meinen Leica Store bedanken, dass sie mir seit vielen Jahren immer in kürzester Zeit die neuen Modelle besorgen. Ein kleiner, fast unscheinbarer Laden in der Fasanenstrasse, gleich beim Ku’damm um die Ecke.“

    Lieber Herr Sassenberg,
    das Lob des kleinen Stores in der Fasanenstraße kann ich als Berliner voll teilen. Das Team um Herrn Philipp und Herrn Noack verwöhnt uns Enthusiasten der Marken aus Wetzlar in jeder Weise. Diesem Team und Ihrem Blog verdanke ich die sich entwickelnde Begeisterung für Leica. Bin auf die „11“ schon gespannt.
    Alles Gute und jede Menge Vergnügen,
    Ihr Gerhard Meck

  9. Lieber Herr Sassenberg,

    zunächst herzlichen Glückwunsch zum neuen Spiel-(Werk-)zeug!!! Viel Freude, Spaß und unendlich viele gute Fotos damit, von ganzem Herzen.
    Ich gebe zu, ein wenig nagt der Neid an mir, ich habe auch an besagtem Donnerstag bestellt und warte noch auf das Päckchen mit der Silbernen….

    Nachdem ich ich ja über meine Leidenschaft für monochrome Bilder wieder zur Leica gekommen bin, reizt mich jetzt die Neuauflage der Legende tatsächlich auch beruflich.

    Es ist schon ein erstaunlicher Weg der Technik: Von der Fachkamera über diverse Digitalrückteile mit dem Wert einer kleinen Immobilie danach und daneben digitale Mittelformatlösungen wieder bei der alten Messsucherlösung anzukommen…
    Ich bin gespannt, ich freue mich…

    Die erste Nagelprobe steht Mitte Februar bei einer großen Produktion an. Schauen wir mal, wie es wird – garantiert nicht so langweilig wie mit einer zeitgemäßen DSLR mit AF und EyeTracking 🙂

    Wie immer, vielen Dank für Ihre Inspiration und Ihr Engagement!

    Herzliche Grüße aus Franken,

    Rolf NACHBAR

    • Claus Sassenberg

      Lieber Herr Nachbar,

      ich drücke die Daumen, dass das gute Stück bald eintrudelt (obwohl „trudeln“ eines solchen Backsteins unter Umständen den Nutzer gefährdet).

      Ich finde es bemerkenswert, dass auch jemand mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Hinterfrund sich für die Messsucherfotografie begeistern kann.

      Ich drücke die Daumen für die „Nagelprobe“, viele Grüße nach Unterfranken,

      Claus Sassenberg

  10. Lieber Claus

    Ich freue mich immer wieder, wenn ich einen neuen Blogeintrag von Dir lesen darf. Gratulation zu dem Kauf deiner M11. Du hast es richtig erwähnt, dass man mit dem Wechsel von der M10P auf die M11 nicht bessere Fotos macht. Die M10P war, oder besser gesagt ist immer noch eine Top M Kamera, die jedem Besitzer grosse Freude bereitet und ausgezeichnete Fotos macht. Als Besitzer der M10 und Q war ich auch der Meinung, ich bräuchte keine M11 und die Neuerungen würden nur Marketing Strategien sein. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Neuerungen für mich ein guter Mix sind, bestehendes Gutes beizubehalten und neuen Technologien weiterzuentwickeln. Ebenfalls die von dir erwähnten zusätzlichen und praktischen Dinge wie Akku, interner Speicher, EVF, kürzere Verschlusszeiten, sowie die Belegung der Knöpfe bringen den Fotografen einige praktische Fortschritte und Vorteile. Ein solcher Wechsel von Dir wäre sicherlich rational nicht zu erklären, aber dir geht es ja auch vor allem um den Spass an deiner Fotografie. Wir alle Leica Besitzer sind ein wenig „Spinner“ aber das ist ja auch gut so.

    Ob ich den Wechsel von der M10 noch auf die M11 machen werde, weiss ich noch nicht. Da ich meistens schwarzweiss fotografiere, wäre natürlich eine M10 Monochrom eine weitere Limitierung, aber auch Weiterentwicklung. Nicht zu vergessen, dass der Sensor dort für schwarzweiss seines gleichen sucht. Das Spielen hört ja zum Glück nie auf und wenn ich im November meinen 50. Geburtstag feiere, darf man auch wieder ein wenig unvernünftige Entscheidungen treffen.

    Ich begleite Dich jetzt schon seit einige Jahren hier auf deiner Seite und habe immer gute Tipps und Erfahrungen mitbekommen, die meine eigene Fotografie positiv beeinflusst haben. Dafür bin ich Dir sehr dankbar und möchte Dich weiterhin motivieren, deinem Stil treu zu bleiben.

    Alles Gute und einen schönen Gruss aus der Schweiz
    Maurizio

    • Claus Sassenberg

      Lieber Maurizio,

      es ist ganz klar: Jemand mit deinem Talent kann aus jeder Kamera was herausholen. Aber mit einer M-Leica macht’s halt mehr Freude. Eine Monochrom könnte ich mir auch gut in deinen Händen vorstellen.

      Ein Wechsel von der M10-P auf die M11 ist aus fotografischer Sicht nicht wichtig (das gilt auch für mich), aber warum soll man sich wegen der Vernunft bremsen? 😉

      Viele Grüße,

      Claus

  11. Hallo,
    Wie immer ein guter Bericht. danke.
    Eine Frage zur Belichtungszeit von 1/ 4x brennweite. Ich nutze bei der m10 normalerweise 1/brennweite. Dies würde bei weitem die iso verbesserung 6400 zu 12500 ausgleichen zu gunsten der m10?

    • Claus Sassenberg

      Auf die volle Auflösung bezogen gleicht sich das sicherlich zum Teil aus, wobei ich mittlerweile feststelle, dass auch ISO 25000 bei der M11 realistisch ist.

      Aber Sean Reid hat in seinen letzten aktuellen Studiotests (im Vergleich zur M10-R) herausgefunden, dass die mittelgroßen und kleinen DNG’s aus der M11 bei hoher ISO rauschärmer sind. Und da kann man natürlich mit der Belichtungszeit wieder großzügiger sein. Ich zitiere: „So for very high ISO work, the M11 gets the clear nod.“

      Wobei ich bei Low-Light mit der M10 nie was vermisst habe. Wozu hat man lichtstarke Objektive.

      Viele Grüße,

      Claus

  12. Lieber Claus,

    ha, also doch! Ja, wenn man sich die Daten und ersten Erfahrungsberichte so anschaut (und ich rede jetzt nicht von irgendwelchen „unboxing“-Videos sondern von Leuten, die die M11-Vorserienmodelle schon monatelang im Gebrauch hatten), dann ist das sicherlich eine tolle Kamera und kein – wie man mitunter lesen konnte – „Verrat“ an der Idee der M.

    Dennoch muss ich sagen, dass ich mit meinem Mix aus 10P und 10M so zufrieden bin, dass ich bislang noch kein Verlangen spüre, die 10P zum Tausch zum „Freundlichen“ zu bringen und noch einmal mehr als den Wert der Inzahlungnahme drauf zu legen. Die M10M bleibt eh, bis man sie meinen kalten Händen entreißen muss.

    Ich bin mal gespannt auf Deine Erfahrungen über einen längeren Zeitraum, und ob Du damit Bilder machen kannst, die Dir mit der M10P nie gelungen wären. OK – bei Deiner Schreibweise freue ich mich so oder so über jeden Blogbeitrag, den Du hier veröffentlichst 😉

    Viele Grüße und viel Spaß,
    Tom

    P.S.: Der Leicastore in der Fasanenstraße ist gleich neben unserem üblichen Quartier in Berlin . Gefährliches Pflaster auf dem Weg zum Ku-Damm… ich wurde dort mit meiner ersten Leica, einer IIIc von 1947, angefixt.

    • Claus Sassenberg

      Lieber Tom,

      rational betrachtet gibt es keinen zwingenden Grund, von einem M10-Familienmitglied auf eine M11 zu wechseln. Es wird nur wenige Gelegenheiten geben, wo ich mit der M11 möglicherweise mehr vermag. Und was könnte das sein? 1. Die erhöhte Crop-fähigkeit, offensichtlich. klar, man kann jetzt noch entspannter mit nur einer Linse losziehen und das zoomen mit den Beinen kann zum Teil entfallen. 2. Etwas mehr Luft nach oben bei Low Light.

      Fällt mir noch was ein? Dynamik? Eine Blende mehr oder weniger sieht kein Schwein, wenn man seine Belichtungsstrategie geschickt steuert. Der Spielraum beim Postprocessing hat sich marginal vergrößert, aber wer braucht schon Pseudo-HDR Bilder?

      Was ich wirklich zu schätzen weiss, sind die Verbesserungen der Benutzeroberfläche sowohl bei den Knöpfen als auch beim Menü. Der interne Speicher und der dicke Akku sind was wert. USB-C ist praktisch. Der neue Visoflex 2 ist endlich auf der Höhe der Zeit. Aber der soll ja auch an der M10 funktionieren.

      Aber wegen dieser zuletzt genannten Sachen macht die Kamera keine einziges besseres Bild.

      Wenn ich das so nüchtern sehe, wird man sich fragen, warum ich zur M11 gegangen bin. Ganz einfach: Blick voraus gerichtet. Ich glaube an die Zukunft des Messsuchersystems.

      Und Spieltrieb 🙂

      Viele Grüße, schönes Wochenende,

      Claus

  13. Prof. Dr. Günther Rötter

    H,allo Herr Dr. Sassenberg,
    danke für den wunderbaren Artikel. Ich besitze eine altmodische M262 mit einem Summilux 50 sibern verchromt.
    Aber was mir rein gefühlsmässig ins Auge springt ohne über die Technik nachzudenken ist, dass alle M11 Bilder die ich im Internet finde irgerndwie eine ganz andere Farbgebung haben mit wunderbar leuchtenden Farben.
    Ich spare!

    Herzl. Grüße

    Günther Rötter

    • Claus Sassenberg

      Guten Morgen Prof. Rötter,

      beim Wechsel von M240 auf die M10 haben sich die Farben bei Leica eindeutig verbessert. So gesehen würde es schon reichen, auf eine M10-P oder M10-R zu wechseln. Die M11 behält das Farbschema lediglich konsistent bei. Es gibt einen aktuellen Artikel über den Farbvergleich von M10-R und M11 bei Sean Reid. Ergebnis: Minimale Unterschiede in der Sättigung, die ein leichtes rucken am LR-Slider sofort ausgleicht. Im übrigen identische Farben.

      Viele Grüße,

      Claus Sassenberg

  14. Lieber Claus,

    wie immer ein schöner Artikel. Und ja, man zweifelt dann bei den ersten durchgestochenen Daten einer neuen M, und ja dann kauft man sie doch. Jaaaa, ich verstehe die „Zuneigung“ zur M und bis zum Zeitpunkt da meine Augen in beide Richtungen nachließen, also so mit Mitte 40, war sie mein Liebling.
    Jetzt muss der EVF ran, nach langem Zögern nun mit SL2, keine Liebe aber Hochachtung vor der Leistung. Und die Bildstabilisierung finde ich ganz ausgezeichnet (und zukunftstauglich weil seniorentauglich). Da finde ich halt die M -auch mit neuem externen EVF und intelligenterer Verschluss-Steuerung- als nicht ganz so schlüssige Lösung.
    Deine Einschätzung zu den alten Linsen kann ich nur bestätigen, das beinahe beste Ergebnis bei der SL2 liefert mein Zeiss /2.0 von vor 20 Jahren. Die Systemlinsen zur SL-Serie sind sicher toll, aber auch ganz furchtbar groß und schwer. Ich hätte da eine Idee: mit dem sicher ganz tollen externen EVF der neuen M könnte Leica doch kompakte Minizooms ohne Kopplung an den Entfernungsmesser herausbringen…Die gingen dann auch an meine geschätzte SL2 oder die so allgemein so furchtbar unterschätzte CL.
    Letzter Punkt: Deinen Händler kenne ich zu gut, das Cafe gegenüber fand ich immer als tolle Ergänzung zum Besuch…

    Philipp

  15. Lieber Claus,
    ich bin seit über einem Jahr „stiller Genießer“ der Website, muss jetzt aber doch mal ein Lob loswerden! Danke für die vielen guten Artikel über das M-System – ohne die wäre ich wahrscheinlich noch nicht so weit eingestiegen in die Welt der „Messsucher“… Ich habe vor 1,5 Jahren den Umstieg von Nikon auf Leica angefangen, weil ich die Z-Serie von Nikon (im Gegensatz zu den Spiegelreflexkameras…) einfach nicht gern in die Hand genommen habe. Abseits jeglicher technischen Spezifikationen, „nur“ mangelnde Freude… Wenn das dazu führt, dass man die Kameras nicht ständig dabei hat, sind das letztlich die teuersten Kameras! Einstieg mit Q2, dann SL2 und aufgrund dieser Website die M10 (R und Monochrome). Ich bin seit Dienstag ebenfalls auf der M11, die M10R habe ich dem Händler meines Vertrauens wieder „zurück verkauft“. Die Reviews von Jono Slack u.a waren mit Auslöser für den Wechsel. Eines habe ich noch zusätzlich gemacht: den Visoflex 2 mitgenommen (Schande über mich .-)) Grund: bei einem Leica-Workshop letzten Oktober in den Bergen (Dachstein/Ramsau) habe ich mit meiner SL2 vielfach buchstäblich „auf dem Bauch“ gelegen, während ein Teilnehmer, der sich nur auf seine M10M beschränkt hat, diese Perspektiven elegant mit dem Aufstecksucher ganz ohne Liegestütz mit Fotorucksack lösen konnte :-)) Also reine Bequemlichkeit oder „dem Alter geschuldet“, dafür ziemlich teuer – aber das darf man ja bei Leica nicht als Kriterium für Entscheidungen ranziehen.
    Ich freue mich jetzt auf die ersten „Exkursionen“ mit dem neuen Gespann!
    Weiter so mit der Seite!!!!
    Lg und stets gute Bilder mit der M11, Frank

    • Claus Sassenberg

      Lieber Frank,

      vielen Dank für dein Lob! Und den Visoflex 2… den hab ich auch. Nachdem ich den „alten“ Visoflex doof fand, habe ich oft als „Workaround“ über Life View komponiert, wenn z.B. bei Landschaft für sowas Zeit genug war, oder das 21mm auf der Kamera steckte.

      Der neue Visoflex ist deutlich besser und tatsächlich ist das arbeiten auf „waist-level“ durchaus ein Argument. Das ist schliesslich keine Absage an den Messsucher, es erweitert das Spektrum der Kamera. Das ist ja nichts schlechtes. Aber wer das als eine Art „Verrat“ am Messsucher sieht, muss den EVF ja nicht benutzen 😉

      Viele Freude also mit dem neuen Werkzeug, schönen Abend,

      Claus

  16. Lieber Claus Sassenberg,
    auch ich musste sehr schmunzeln. Jetzt überlassen Sie das Problem der Stabilisierung also den Algorithmen von Leica. 🙂 Da schrieben Sie 2020 noch:

    „Warum? Selbst für ältere Leica-Objektive sind die 40 MP doch ein Klacks. Haben nicht konkurrierende Produkte anderer Hersteller teils noch viel größere Auflösung? Jahaaa … aber die haben auch Bildstabilisierung! Selbst die Q2 verträgt ihre 47 MP deswegen durchaus. Aber 40 MP der M10-R aus der Hand mit langen Belichtungszeiten – die verschmierten Pixel vergällen dem Auflösungs-Fanatiker die Freude am hereinzoomen ins Bild! Darüber spricht natürlich keiner bei Leica-Marketing. In einem kürzlich erschienenen Interview mit Jesko von Oeynhausen kommt in einem kleinen Nebensatz der Hinweis, dass man sich dieses Problems durchaus bewußt ist (ca. bei Zeitindex Minute 12). Er sagt in einem abschliessenden Plädoyer für die M10-R: „Wenn du etwas an deiner täglichen Fotografie verändern willst, vielleicht eine Unmenge an feinsten Details festhalten möchtest, nimm dir Zeit und mach das perfekte Foto, benutze vielleicht ein Stativ.“ (!!)“

    Aber jetzt haben Sie eine M11 mit nativ 60MP (!!) die nach Bedarf in der Kamera auf 36 oder 18 MP nach Leica-Algorithmus runter gerechnet werden. Hmm… das konnten man mit der Software nach Wahl aber auch schon früher bei 47MP.

    Für mich wird bei Leica der Spagat langsam überreizt. M heißt ja wohl Messsucher und für den Messsucher ist unter 28 (schon grenzwertig) und über 90mm eigentlich kein Platz mehr. Ebenso für Blenden unter 1,4 (und das ist auch oft schon Glückssache) ist der Messsucher eigentlich nicht gedacht. Scharf stellen ist da nur mit perfekt justiertem Messsucher und sehr ruhiger Hand möglich. Die Randbereiche, in die sich Leica mit immer leistungsfähigeren M-Objektiven und dem Wettbewerb des Sensor-MP-Wahns bei der M-Linie hineinziehen lässt, muss aufgefangen werden mit Algorithmen (wie in jedem iPhone – nichts gegen iPhone, alles hat seinen Platz ;-), elektronischem Verschluss und aufsteckbarem Frankenfinder II.

    Für mich hat die digitale Linie der Leica M mit der M10 ihren Zenith erreicht (und das nicht nur wegen der nun fehlenden Bodenkappe und Alu statt Messing ;-). Was jetzt kommt ist Disney und wäre in einer eigenen Linie besser untergebracht und dann ja – mit EVF – konsequent, wie bei der Q (aber eben mit M Wechselobjektiven) oder SL (aber bitte in einer anderen Gewichts- und Größenklasse). Vielleicht sollte Leica sich wie bei den analogen Ms auch bei den digitalen Ms anderen Zyklen unterwerfen, die dann den Fortschritten der Messsucher-Fotografie gerecht werden. Für die optimale Nutzung aller(!) manuellen M-Objektive wäre dann ein neuer Weg zu beschreiten, was dann auch irgendwie ehrlicher wäre.

    Aber Marketing denkt nicht ehrlich ;-). Ich will nun auch überhaupt kein M11-bashing betreiben – nein ganz und gar nicht. Eine tolle Kamera, die irgendwie aus allem einen Kompromiss machen will. Die Ergebnisse werden toll sein. Aber ich habe das Gefühl, das jeder, der jetzt eine M10, M10-P oder meinetwegen auch M10-R kauft einen Klassiker zu günstigen Konditionen erwirbt. Und vor einer M12 habe ich etwas Angst. 😉

    Viele Grüße und außerdem finde ich Ihren Blog einen der wenigen wirklich lesenswerten.
    Danke für Ihre Mühe damit!

    Peter S.

    • Claus Sassenberg

      Lieber Peter,

      hab ja gewusst, dass ich wegen der 60 MP in Begründungsnot kommen würde 🙂

      Und zu allem, was ich vorher geschrieben habe, stehe ich auch. Aber wohlgemerkt: 1. Ich kann und werde die Auflösung sicher häufig auf 36 oder 18MP begrenzen, 2. Passe ich die Belichtungszeit entsprechend an (was ich auch bei der 40MP-Monochrom ohne Probleme konnte).

      Davon abgesehen, dass ich wie du der Meinung bin, dass die M10-Linie bereits den Höhepunkt der Möglichkeiten der digitalen Messsucherkamera erreicht hat (was letztlich auch der Tenor des Beitrags „5 Jahre M10“ war), ist aber die M11 durchaus kein Abdriften in die Dekadenz. Auch nach den paar Tagen mit ihr kann ich sagen, dass sie diese Höhe hält und einige Design-Details tatsächlich verbessert sind. Sie „verschwindet“ ebenso mühelos in der Hand, wie es sein sollte. Und, man muss es einfach zugeben, der Sensor ist wirklich ziemlich großartig (und da lasse ich mich wirklich nur schwer beeindrucken. Mein Standpunkt zur Q2 hat sich nicht geändert). So wie es aussieht, hat der bei 36MP (gegenüber 60MP) noch Gewinn an Rauscharmut und Dynamik. Offzielle Tests stehen noch aus.

      Was die Grenzen des Messsuchers betrifft, stimme ich dir zu. Wenn ich es auch so formulieren würde: Extrem lichtstarke Objektive (unter f/1.4) und lange Brennweiten sind die natürlichen Limitationen des Systems schon immer gewesen. Schon mit der M9 (oder den analogen Modellen) war ich damit bestens zufrieden. Ich wusste das, als ich mich für die Messsucherkameras entschied und es war in Ordnung (Allerdings finde ich, dass Live View den Gebrauch der Weitwinkelobjektive vereinfacht hat. Ich fokussiere mit Messucher meine 21mm-Objektive und komponiere über Live-View. Da sind die digitalen Modelle gegenüber Analog doch praktisch).

      Und Marketing… seufz. An denen habe ich ja auch schon einigen Sarkasmus angewendet. Darum war mir auch wichtig, in dem Artikel nochmal zu erwähnen, dass man eben nicht die „Creme de la Creme“ der Leica-Objektive braucht. Die Einführung des Visoflex 2 finde ich aber trotzdem okay, weil man für eine Kamera in der Preisklasse auch einen qualitativ hochwertigen EVF anbieten sollte. Klar ist der auch gedacht, das Fokussieren der Noktiluxe etc. zu erleichtern, aber vergessen wir auch nicht, dass es auch Nutzer gibt, die den Messsucher wegen Augenproblemen nicht völlig ausreizen können, aber doch eine Kamera in dem handlichen Format bevorzugen.

      Beim spekulieren im Vorfeld über die neue M11 haben ich und ja auch einige Kommentatoren des betreffenden Artikels sich eine M11 mit EVF vorstellen können. Wie du sagst, eine eigene Linie. Aber der EVF muss echt raffiniert mit den Objektiven zusammenspielen beim fokussieren, mit Fokus-Peaking ist das nicht getan. Dann würde ich „in a heartbeat“ den optischen Messsucher bevorzugen.

      Wie auch immer, vielen Dank für deinen wohlbedachten Input. Ich freue mich immer, dass ich über meine Webseite so viel denkende Wesen treffe (das ist manchmal im Internet gar nicht so leicht 😉 ),

      Viele Grüße,

      Claus

  17. Ein schöner Bericht und eine glaubhafte Ergänzung zu seit einer Woche sichtbaren Erfahrungsberichten derjenigen, die schon seit Monaten eine M11 zu Testzwecken zur Verfügung gestellt bekommen haben. Man weiß dann immer nicht, wie intensiv die Testphotos optimiert wurden, bis sie ihren Weg in den Bericht finden. Das lässt einen dann zweifeln, ob diese Photos auch gelingen, wenn der eigene Finger auf dem Auslöser liegt.
    Hier ist das anders.
    Dieser Originaleindruck nach 2 Tagen ist wirklich authentisch und sehr gelungen.
    Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch!

    PS: Prima, dass die Photos richtig groß angezeigt werden können!

  18. Hallo Claus,
    danke für den Artikel und viel Spaß mit der neuen M11.

    Ein bisschen Schmunzeln musste ich schon, hattest du ja aufgrund der 47 OIS-stabilisierten Megapixel die Q2 in deiner Revoluzzer-Zeit wieder gegen die Q1 downgegraded um dann 2 Jahre später ein 60-nicht-OIS-stabilisiertes Megapixel-Modell zu kaufen, welches ohne Linse 3000 EUR teurer als die Q2 ist

    🙂

    So ists halt wenn man Mitglied der Leicatology ist 😉

    Mach weiter so, ich lese mit genuss jeden Artikel.

    Viele Grüße aus Regensburg,
    Sebastian.

    PS Ich bin übrigens persönlich mit Klaus F. aus Muc im Kontakt (ein bekannter von Dir) und hatte mit ihm letzens eine coole Teams-Session.

    • Claus Sassenberg

      Hallo Sebastian,

      manchmal muss man eine Kröte schlucken… 😉 aber wenigstens kann ich die Auflösung bei Bedarf herunter stellen.

      Zur Gesichtswahrung sei angemerkt, dass mich bei der Q2 mehr (als die Auflösung) nervte, dass der Sensor stärker rauschte als der der Klassik-Q, DxO das Gegenteil behauptete und ich mich verschaukelt fühlte.

      Aber es stimmt: Ich war auch auf Krawall gebürstet.

      Die M11 ist jetzt mit einem wirklich starken Sensor und raffinierter Technologie versehen, und an dem Output gibt es nichts auszusetzen.

      Viele Grüße aus Ostwestfalen, Grüße auch an Klaus,

      Claus

  19. Pingback:Zwischen Leica M11 und Huawei – Bad Oeynhausen als Motiv

  20. Lieber Claus,
    ein wie immer super zu lesender Artikel, wenn vielleicht auch die Spitzen diesmal etwas kürzer kommen.
    Der Messsucher….., ich wüßte keine Kamera, bei der man fokussieren kann, ohne daß man den Anschaltknopf betätigt hat. Das passiert zumindest mir manchmal.
    Rolling Shutter ist vermutlich eher ein Problem für Sport und andere Highspeed Aufnahmen. Ich fotografiere täglich Hubschrauberrotoren, laufende. Ich denke, daß für diese Gebiete andere Werkzeuge gibt. Eine M11 wäre da nicht meine erste Wahl.
    60-75MB DNG Files ist ein Wort. Da wird der Import in LR deutlich langsamer.
    Die Belichtung schwieriger Szenen dürfte mit der Technik einfacher werden und die 1/16.000 sind absolut zu begrüßen.
    Ich denke drüber nach….
    Unsere Glückwünsche zum neuen Schätzchen sind mit Dir.

    Viele Grüße, Dirk

  21. Pingback:Die neue Legende hat den doppelten Sucher

  22. Lieber Claus,
    herzlichen Glückwunsch.
    Verstehen kann ich Dich gut und ganz ehrlich, ich wusste scheinbar schon einige Wochen vor Dir, dass dies Deine neue wird 🙂
    Was mich besonders freut, ist, dass Leica dem klaren Messsucher treu bleibt. Den vermisse ich schmerzlich an der SL. Aber die SL2-S ist eher meine Preisliga und ich gehe davon aus, dass in sehr absehbarer Zeit die SL3 folgt.

    Wäre Geld kein Problem, dann käme eine analoge MP, eine digitale M (mit der 10 wäre ich schon happy) mit 2.0/35 und vielleicht das M18mm (schade, dass es eingestellt ist) und zur SL2-S mit SL2.0/75mm.

    Denn eines muss man den Menschen, die den optischen Messsucher zugute halten, mich eingeschlossen: Man kann sich die Wirkung von Zeit und Blende annähernd vorstellen. Selbst die Auswirkungen eines Weitwinkels. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn Kritiker die Scharfstellung eines Weitwinkels mit optischen Messsucher für unmöglich halten. Digitale Technik hat scheinbar so hilflos gemacht, dass bereits der Schärfentiefenbreich eines Weitwinkels gedanklich abhanden gekommen ist.

    Viel Freude mit der neuen Kamera, an der doch irgendwie ein Leica-Objektiv am schönsten ist 🙂

  23. Hallo Claus!

    Herzlichen Glückwunsch zur M11!. Die regelmäßigen Leser Deines Blogs haben es ja sicher schon geahnt, dass da was „in der Pipeline“ ist. Warum auch nicht? Schließlich ist jede neue M die beste M die es je gab und das Bessere ist ja schließlich des Guten Feind. Was will man(n) da machen?

    Jedenfalls freue ich mich über zukünftige Berichte zur M11 und bin gespannt auf Deine langfristigen Erfahrungen mit dem neuen 60MP Sensor. Mich würde wirklich interessieren, ob sich mit Objektiven jenseits der neuen APO Generation noch eine wirklich sichtbare Steigerung der „Bildqualität“ erreichen lässt, vor allem wie Du die Unterschiede zur M10 beurteilst?

    Viel Spaß mit Deiner Neuanschaffung und bis bald!

    Andy

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