In der Zeiss ZM-Serie tragen drei Objektive den Buchstaben C in ihrem Namen. Was macht das C Biogon 4,5/21, das C Biogon 2,8/35 und das C Sonnar 1,5/50 so besonders? Hier kommt der große Testbericht zu jenen drei M-Mount-Objektiven, die die kleine Reihe der Zeiss ZM C-Objektive bilden.
Zeiss, Voigtländer, Zeiss: Menage à trois
Die Zeiss ZM-Objektive kamen 2004 zusammen mit der Zeiss Ikon-Film-Messsucherkamera auf den Markt. Während die Kamera vor vielen Jahren eingestellt wurde (und nun ein begehrtes Sammlerstück ist), ist der Großteil der ZM-Objektive nach wie vor neu erhältlich. Aus irgendeinem seltsamen Grund sind die Verkaufszahlen niedrig, obwohl die Zeiss-Objektive ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Sie stehen etwas im Schatten der Voigtländer VM-Objektive, die ebenfalls im Cosina-Werk in Japan hergestellt werden. Vielleicht liegt es daran, dass Voigtländer beständig neue Objektive entwickelt und mit oft interessanten und manchmal sogar gewagten Neuheiten überrascht.
ZM-Objektive: eher ein Echo aus der Vergangenheit als ein Versprechen für die Zukunft
Zeiss hingegen hat sein Engagement für den M- Markt praktisch eingestellt. Das Distagon 35/1,4 aus dem Jahr 2014wird höchstwahrscheinlich das letzte ZM-Objektiv von Zeiss überhaupt bleiben. Ob aktuell noch neue ZM-Objektive produziert werden oder ob Zeiss nur noch Restbestände verkauft, ist unklar. Es wäre jedenfalls schade, wenn es mit ZM zu Ende ginge.
Dieser Testbericht befasst sich näher mit einer Untergruppe der ZM-Reihe: den Zeiss ZM C-Objektiven. Drei der insgesamt 13 jemals hergestellten ZM-Objektive haben das C in ihrem Namen – C Biogon 4,5/21, C Biogon 2,8/15, C Sonnar 1,5/50. Wofür das große C so steht, wird ja in verschiedenen Kontexten diskutiert, aber hier geht’s ausdrücklich nicht um Politik. Also zurück zu den Objektiven. Es gibt verschiedene Erklärungen, sogar von Zeiss selbst, was das C bedeuten soll. „Classic“ und „compact“ fällt häufig. Ich würde noch „charaktervoll“ hinzufügen, wie der folgende Text und die Bilder hoffentlich zeigen werden.
Konventionelle Rechnungen, hervorragende Vergütung
Wer mehr über das ZM-Programm erfahren möchte, findet viele Informationen in anderen Folgen der M-Files. Teil 5 behandelt die Zeiss Ikon-Kamera und die Objektive Biogon 25/2,8 ZM, Biogon 2,8/35 ZM und Planar 50/2,0 ZM. Der Teil 11 ist eine Rezension des Zeiss Distagon 18/4,0 ZM und des Zeiss 35/1,4 ZM. Teil 12 dreht sich ganz um das Zeiss Biogon 21/2,8 ZM, das Biogon 28/2,8 ZM und das Tele-Tessar 85/4,0 ZM. Und in Folge 21 ist die zweite moderne ZM-Kamera von Zeiss, die Ikon SW, das Thema. Auf Macfilos gibt’s das alles auch auf Englisch. Und hier wie da lohnen sich die oft sehr sachkundigen Kommentare unter den Artikeln!
An dieser Stelle sei nur gesagt, dass die meisten ZM-Objektive recht konventionelle Konstruktionen sind, die mit sphärischen Linsen auskommen. Ihr Konstruktionsziel ist nicht unbedingt die Reduzierung der Elemente, sondern eher ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die erhöhte Anzahl der Elemente und das damit verbundene Risiko von Kontrastverlust und Streulicht werden durch die hervorragende T*-Beschichtung von Zeiss gut kompensiert. Dies gilt für alle drei Zeiss ZM C-Objektive in diesem Test.

Zeiss ZM C-Objektive, hauptsächlich getestet mit der Leica M10
In diesem Review werden wir sehen, wie gut die rund 20 Jahre alten optischen Rechnungen aus dem Filmzeitalter auf einer modernen digitalen Messsucherkamera funktionieren. Für meine Tests habe ich hauptsächlich die M10 mit den Zeiss ZM C-Objektiven verwendet. Die älteren digitalen Ms sind in der Regel diffiziler, wenn es um Farbverschiebungen am Bildrand geht (mehr dazu in den Kapiteln über die einzelnen Objektive). Ich habe keine systematischen Tests auf Film gemacht, aber die Ergebnisse mit dem 4,5/21 lassen keinen Zweifel daran, dass alle drei Objektive im analogen Einsatz hervorragende Leistungen erbringen. Informationen zu Verfügbarkeit, Preisen (Stand Ende 2025) und Lieferumfang finden sich für jedes Objektiv im jeweiligen Kapitel.
Das C Biogon 4,5/21: Hmmm…

Technische Daten, Lieferumfang, Preis und Verfügbarkeit
Unser erster Kandidat aus dem Trio der Zeiss ZM C-Objektive ist das Carl Zeiss C Biogon 4,5/21 ZM T* (wie die Gravur auf der Vorderseite besagt). Es ist das Objektiv mit der kürzesten Brennweite in der Zeiss ZM C-Objektivreihe. Es wurde 2006 eingeführt, etwa zwei Jahre nach Start des Zeiss- ZM-Systems. Das umfasste in seiner Blütezeit zwei Kameras (die Messsucherkamera Zeiss Ikon und die sucherlose Zeiss Ikon insbesondere für Superweitwinkelobjektive, die ohnehin einen externen Sucher erfordern würden) und 13 Objektive.
Laut Zeiss handelt es sich beim Biogon 4,5/21 um eine moderne Version ihres Objektivs von 1952 mit derselben Brennweite und Lichtstärke. Die Neuauflage hatte jedoch nur eine kurze Lebensdauer; 2016 war schon wieder von einer Einstellung die Rede. Bei der Vorstellung des Objektivs auf der Photokina in Köln hob Zeiss die kompakte Größe des C Biogon 4,5/21 und eine „Bildqualität, die besser ist als bei den besten Farbfilmen unserer Zeit und die praktisch keine Verzeichnung aufweist.“ Wie sich bereits hier in der Beschreibung auf dem offiziellen Objektivdatenblatt zeigt, stand die Verwendung mit einer Digitalkamera bei der Entwicklung nicht im Fokus.
Das C Biogon 4,5/21 ist in der Tat bemerkenswert klein. Es ist nur 31 mm lang (im montierten Zustand, die Gesamtlänge beträgt 45 mm) und hat einen Durchmesser von 53 mm. Es wiegt nur 233 g (wie in meiner Tasche, mit beiden Kappen und Streulichtblende, das Objektiv allein bringt 196 g auf die Waage).
Wie mies können Objektivdeckel eigentlich sein?
Das Objektiv wurde mit vorderen und hinteren Deckeln geliefert, die rechteckige Streulichtblende (Artikel 1365-665) musste separat und zu einem stattlichen Preis erworben werden. Apropos Objektivdeckel: Die Frontdeckel von Zeiss für deren M-Optiken (und damit auch für die Zeiss ZM C-Objektive) sind die schlechtesten, die ich je gesehen habe. Zum Anbringen muss man mühsam herumfummeln, und dann bleiben sie nicht an ihrem Platz. Das ist der Marke wirklich unwürdig. Ich habe mir gleich mal einen Ersatz von einem Drittanbieter gekauft.

Der Filtergewindeanschluss beträgt wie bei vielen anderen Zeiss- und Leica-M-Objektiven 46 mm. Der Preis bei Markteinführung betrug 1.049 Euro (in Deutschland, UVP inkl. MwSt.), und wenn heute ein gebrauchtes Exemplar in gutem Zustand auftaucht, kann man hoffen, eines für 700 Euro zu bekommen.
Optik und Abbildungsleistung
Aufbau
Das von der Brennweite her kürzeste der Zeiss ZM C-Objektive ist sowohl kompakt als auch klassisch konstruiert. Laut Zeiss handelt es sich um eine Rechnung aus dem Jahr 1952, die mit modernen Glasmaterialien und aktueller T*-Beschichtungstechnologie wieder zum Leben erweckt wurde. Es besteht aus acht Linsen in sechs Gruppen und ist relativ symmetrisch aufgebaut. Sein hinterer Nodalpunkt liegt recht nah an der Film-/Sensorebene. So haben wir auf der einen Seite eine bemerkenswerte Schärfe und Bildfeldebnung und andererseits den Effekt, dass die Lichtstrahlen den Sensor an den Bildrändern in einem sehr flachen Winkel erreichen.
Farbabweichungen und Vignettierung
Wer ein C Biogon 4,5/21 an eine Digitalkamera anschließt und die ersten Bilder sieht, wird zunächst schockiert sein: Dieses Objektiv zeigt wie kein anderes das Problem der Farbverschiebung („colour drift“). Am rechten Bildrand (im Querformat) ist ein deutlicher Magenta-Farbstich zu sehen, der sich über fast zehn Prozent der Bildbreite erstreckt und nach außen hin immer stärker wird.
Im Gegensatz zum „italienische Flagge”-Effekt gibt es jedoch auf der gegenüberliegenden Seite keinen Grünstich, sondern ebenfalls einen Magentastich, der allerdings viel weniger ausgeprägt, sehr schmal und oft nicht sofort erkennbar ist. Ursache dafür ist einer häufigen Erklärung zufolge der kurze Abstand zwischen der hinteren Linse und dem Sensor, wodurch die Lichtstrahlen in einem sehr flachen Winkel auf den Sensor treffen.



Dieser Bildfehler macht Fotos, die mit dem C Biogon 4,5/21 auf einer digitalen M (getestet bis einschließlich M10) aufgenommen wurden, bisweilen unbrauchbar. Selbst Korrekturprofile in der Kamera können das Problem nicht wirklich lösen. Bei Film- und Schwarz-Weiß-Fotografie ist die Farbverschiebung jedoch kein großes Problem.
Oft kann der Farbstich dann aber in der Nachbearbeitung korrigiert werden. Ein sehr hilfreicher und empfehlenswerter Artikel auf philipreeve.com stellt drei Möglichkeiten dafür vor. Für diesen Test habe ich mich entschlossen, die Methode mit einer linearen Verlaufsmaske auszuprobieren. Die Maske kann den Magenta-Farbstich mithilfe der Parameter „Temperatur“ und „Farbton“ recht gut neutralisieren.
Die Vignettierung des C Biogon 4,5/21 ist beträchtlich. In Lightroom gibt es ein Korrekturprofil für dieses Objektiv – es ebnet das Bild (ein wenig, weil es hier nicht viel zu tun gibt) und entfernt die Vignettierung. Letzteres geht für meinen Geschmack zu weit, deshalb sind die Bilder hier ohne diese Profilkorrektur und mit gänzlich unveränderter Vignettierung bearbeitet.
Chromatische Aberration
Das C Biogon 4,5/21 zeigt keine nennenswerte laterale oder axiale chromatische Aberration. Das ist für ein lichtschwaches Weitwinkelobjektiv nicht gänzlich überraschend, aber dennoch ein Beweis dafür, dass sowohl das Design als auch die verwendeten Glasmaterialien gut sind. In dieser Hinsicht zeigen die Zeiss ZM C-Objektive, was damals die Entwicklungsziele waren.
Schärfe
Hier zeichnet sich das C Biogon 4,5/21 besonders aus. Bei unendlich ist dieses Superweitwinkelobjektiv bereits bei voller Blendenöffnung und bis zu den Rändern scharf. In den äußersten Ecken scheint maßvolles Abblenden hilfreich zu sein. Es gibt jedoch keinen Grund, dieses Objektiv nicht in allen Situationen bei voller Blendenöffnung zu verwenden.
Auch bei Nahaufnahmen liefert es eine solide Leistung, wobei zu beachten ist, dass das C Biogon 4,5/21 eine Fokussierung bis auf 0,5 Meter ermöglicht. Hinzu kommen der sehr schöne Kontrast sowie die Abwesenheit von Verzerrungen, sodass man schnell sieht, was für ein gutes Objektiv das kürzeste der Zeiss ZM C-Objektive ist.


Bokeh und Streulicht
In den meisten Fällen erhält man mit diesem Objektiv ein Bild, das vom nächstgelegenen Objekt bis unendlich scharf ist – schließlich handelt es sich um ein 21er, und f/4,5 bietet bei dieser Brennweite bereits eine großzügige Schärfentiefe. Aber aus nächster Nähe lässt sich ein wenig mit Schärfe und Unschärfe spielen. Das Ergebnis sah gut aus, aber ich muss sagen, dass Bokeh sicherlich nicht im Mittelpunkt dieses Tests stand.
Auf der anderen Seite war Streulicht für mich aber ein wichtiges Thema. Insbesondere bei Weitwinkelobjektiven besteht immer ein hohes Risiko, dass eine Lichtquelle ins Bild gerät. Mit viel Aufwand gelang es mir, einige Flares und andere Bildfehler zu erzeugen, aber in fast allen Situationen zeigte das C Biogon 4,5/21 eine extrem gute Leistung und lieferte selbst bei Gegenlicht sehr kontrastreiche Bilder.



Mein Fazit, Optik
Ich habe selten ein Objektiv gesehen, das gleichzeitig so gut und so problematisch war wie das Zeiss C Biogon 4,5/21. Es zeichnet sich durch Schärfe, Kontrast und Verzerrungsfreiheit aus – aber gleichzeitig ist es eine Katastrophe, wenn es um Farbstiche geht, zumindest wenn es mit einer digitalen Leica M bis zur M10 verwendet wird. Ich kann nicht sagen, ob es mit einer M11 besser ist – wer hier Erfahrungen aus erster Hand hat, teile das Wissen dazu bitte in den Kommentaren!
Es ist nicht verwunderlich, dass dieses C Biogon 4,5/21 eines der ersten ZM-Objektive war, deren Produktion Zeiss eingestellt hat. Die Nische für Analog-/Schwarzweißfotografie innerhalb des ohnehion schon kleinen Marktes für Messsucherkameras ist oder war einfach zu eng. So war es das erste der Zeiss ZM C-Objektive, das gehen musste.
Mechanik und Handhabung
Erster Eindruck
Das kürzeste (in Bezug auf die Brennweite) Objektiv der Zeiss ZM C-Objektivreihe ist das Biogon 4,5/21, und es ist in der Tat ein kompaktes Objektiv. Es hat etwa die Größe eines 35-mm-Leica-Summicron und verfügt über alle üblichen Zeiss-Eigenschaften. Das heißt, es hat eine Erhebung anstelle der Leica-typischen Griffmulde am Fokussierring, ein Bajonett an der Vorderseite für die Gegenlichtblende und ein recht elegantes Design. Die Blendenstufen sind wie bei ZM-Objektiven üblich in Drittelschritten (für meinen Geschmack etwas übertrieben). Die Beschriftung ist gut gestaltet und einfach lesbar, und der Blendenring rastet schön ein.


Verarbeitung
Das C Biogon 4,5/21 besteht vollständig aus Metall und Glas. Ich glaube, der blaue Zeiss-Punkt (anstelle des roten Leica-Punkts) für die Verriegelungsposition, ist das einzige sichtbare Teil aus Kunststoff. Das Objektiv scheint ausgezeichnet verarbeitet zu sein, und entgegen dem, was man immer wieder im Internet lesen kann, bin ich bei keinem meiner eigenen Zeiss ZM-Objektive jemals auf den berüchtigten Zeiss wobble (hier gut erklärt) gestoßen.
Wer allerdings davon betroffen ist, lasse es beizeiten reparieren, um nicht am Ende mit einem Objektiv dazustehen, das nicht mehr fokussiert werden kann und wertlos wird. Ich kenne das Problem von geliehenen Objektiven, und es ist ernst zu nehmen. Und: Im Gegensatz zu Leica würde ich mich mit drauf verlassen, dass die die Zeitspanne, in der ein Zeiss-ZM-Objektiv mit den erforderlichen Ersatzteilen repariert werden kann, noch Jahrzehnte beträgt.
Scharfeinstellung
Das C Biogon 4,5/21 ist mit dem Entfernungsmesser gekoppelt, und der Rotationswinkel von 0,5 m bis unendlich beträgt etwa 120 Grad. Das bedeutet, dass sich das Objektiv mit einer Leica M oder einer anderen M-Mount-Kamera auf die übliche Weise und sehr präzise fokussieren lässt, während freilich der Entfernungsmesser nicht das gesamte Bild anzeigt. Es braucht also einen zusätzlichen optischen (oder vielleicht besser einen elektronischen) Sucher. Die minimale Fokussierentfernung des Biogon beträgt übrigens 0,5 m – um diese nutzen zu können, braucht‘s Live-View oder einen EVF.
In meiner praktischen Erfahrung hat sich die Voigtländer Bessa R4M als super Plattform für dieses Objektiv erwiesen, da sie die einzige Messsucherkamera ist, die jemals mit 21-mm-Sucherrahmen hergestellt wurde (mehr über die Kamera hier). Vielleicht würde die Leica M EV1 mit ihrem eingebauten elektronischen Sucher sehr gut zum C Biogon 4,5/21 passen (je nachdem, wie das Problem der Farbstiche gelöst wird).



Sucher
Eine Sichtbehinderung durch den Sucher ist bei diesem Objektiv kein Problem, da man den eingebauten optischen Sucher einer Digital- oder Analogkamera ohnehin nicht zur Bestimmung des Ausschnitts verwenden kann (mit Ausnahme der Voigtländer Bessa R4A oder R4M). Mit dem optischen Sucher der Zeiss ZM-Reihe stört das kleine C Biogon nicht. Und… es gibt Fotografen, die so an die Brennweite von 21 mm gewöhnt sind, dass sie ihre Bilder ohne Sucher mit erstaunlicher Präzision komponieren können! Ich kenne mindestens zwei von ihnen persönlich, das ist kein Mythos.

Mein Fazit, Handhabung
Das C Biogon 4,5/21 ist – innerhalb der Grenzen einer Brennweite, die von fast allen Messsucherkameras nicht unterstützt wird – einfach zu bedienen und fügt sich bestens in die praktische Arbeit ein. Es ist ein gut verarbeitetes Werkzeug, an das man sich schnell gewöhnt.
Alternativen
Was ist als 21er für M-Mount empfehlenswert, wenn man sich nicht für das Biogon 4,5/21 aus der Serie der Zeiss ZM C-Objektive entscheiden mag? Voilà: Für diese Brennweite und Blende gibt es im M-Mount-Universum mehrere Optionen. Es gibt zahlreiche „historische“ 21er, aber auch aktuelle. Voigtländer hat das 3,5/21, genannt Color Skopar, in seinem aktuellen Programm. Dies ist ein sehr leistungsfähiges Objektiv (siehe Rezension in Folge 16 der M-Files), das die Farbstichprobleme des Zeiss Biogon 4,5/21 gut umgeht – und es ist auch etwas lichtstärker. Für alle, die ein universelles 21er-Objektiv für den digitalen Einsatz suchen, könnte dies die richtige Wahl sein.
Und Voigtländer noch ein weiteres 21er, das aus irgendeinem Grund ebenfalls Color Skopar heißt und dessen Rechnung noch aus der analogen Ära stammt. Und auf Film spielt dieses winzige Objektiv seine Stärken auch voll aus. Die ganze Geschichte gibt’s in Teil 2 der M-Files.
Wo sich der teure Griff zu Leica so richtig lohnt
Auf der anderen Seite ist da das Leica Super-Elmar 3,4/21, ein hervorragendes Objektiv oder, wie Blog-Gastgeber Claus Sassenberg es beschreibt, ein Superweitwinkel „auf Steroiden”. Es ist viel teurer als das ähnlich ausgestattete Voigtländer 21/3,5, aber nachdem ich beide verwendet habe, muss ich sagen, dass in diesem Fall das zusätzliche Geld für das Leica-Objektiv gut investiert ist. Im Vergleich zum Biogon 4,5/21 der Zeiss ZM C-Objektive spielt es ohnehin in einer anderen Liga.

Und schließlich hat auch Zeiss selbst eine Alternative im Sortiment. Das Biogon 2,8/21 ist ein ausgezeichnetes Objektiv und auf jeden Fall eine Überlegung wert (Testbericht in Teil 12 der M-Files). Es ist nicht viel teurer als das 4,5/21 und mehr als eine Blendenstufe lichtstärker. Der einzige wirkliche Nachteil ist also seine Größe.
Eine Überlegung wert könnte auch das nicht mehr erhältliche Leica 21/2,8 sein, das bis heute bei seinen Besitzern sehr beliebt ist. Und darf ich an das Konica 21/35 Dual-Range-Objektiv erinnern (Details hier in Folge 13 der M-Files)? Ich würde sagen, es ist fast so gut wie das Zeiss 4,5/21, hat kaum bis gar keine Probleme mit Farbstichen und kann auch als leistungsfähiges 35er eingesetzt werden. Hallo nach da draußen in die Industrie: Will denn niemand mehr diese Idee nochmals aufgreifen?
Das letzte Wort
Innerhalb der Zeiss ZM C-Objektive nimmt das C Biogon 4,5/21 einen besonderen Platz ein. Es zeichnet sich durch ausgezeichnete Auflösung, Schärfe und Verzerrungsfreiheit aus und ist damit im Kern eine super Wahl für Architektur- oder Landschaftsfotografie. Allerdings macht die Farbverschiebung zum rechten Bildrand dieses Objektiv mehr oder weniger unbrauchbar für die Farbfotografie mit digitalen Messsucherkameras bis zur Leica M10. Daher kann ich dieses Objektiv nur für analoge oder digitale Schwarz-Weiß-Fotografie empfehlen.

Das C Biogon 2,8/35: Wow!

Technische Daten, Lieferumfang, Preis und Verfügbarkeit
Eine Vorbemerkung: Das Carl Zeiss C Biogon 2,8/35 ZM T* (um den vollständigen Namen wenigstens einmal zu verwenden) wurde bereits in Teil 5 der M-Files kurz vorgestellt. Dieser Artikel bietet ein Update mit der aktuellen M-Files-Methodik, basierend auf der Verwendung mit der Leica M10. Dies ist wichtig, da ja einige Probleme mit dem Objektiv auf der älteren M Typ 262 aufgetaucht waren.
Das C Biogon 2,8/35 ist eines der jüngsten Zeiss ZM C-Objektive – es wurde erst 2008, vier Jahre nach der Einführung des Systems, auf den Markt gebracht. Es scheint noch neu erhältlich zu sein, obwohl Zeiss sich möglicherweise aus dem ZM-Geschäft zurückzieht. Während das C Biogon 2,8/35 in mehreren der bekannten deutschen Online-Shops nicht mehr erhältlich ist, habe ich es in den USA habe ich für etwa 1000 Dollar gesehen. In Deutschland lag der letzte Preis, den ich finden konnte, bei 749 Euro. Aber ich weiß, dass das Biogon 35 zeitweise deutlich günstiger war.
Die Blende gibt’s auch von Voigtländer
Das Objektiv wird mit Vor- und Rückdeckel geliefert (zum Frontdeckel kein weiterer Kommentar). Eine Gegenlichtblende muss separat gekauft werden. Allerdings scheint die Zeiss-Streulichtblende (Artikel 1365-667) nicht mehr erhältlich zu sein. Die Voigtländer LH-6 (79 €) wirkt jedoch identisch und ist noch gut zu bekommen. Es handelt sich dabei um die Standard-Blende für mehrere Voigtländer VM-Objektive, die übrigens auch für das Zeiss Biogon 35/2 (noch nicht getestet) und das Planar 50/2 (siehe Folge 5 der M-Files) geeignet ist.

In Bezug auf Größe und Gewicht ist das C Biogon 2,8/35 fast identisch mit dem C Biogon 4,5/21: Montiert hat es eine Länge von 30 mm (43 mm insgesamt) und einen Durchmesser von 52 mm. Es wiegt 216 g, wie ich es in meiner Tasche habe (das heißt mit Deckeln und Streulichtblende) oder 178 g ohne Zubehör. Das Filtergewinde hat 43 mm Durchmesser, eine für Leica eher ungewöhnliche Größe, die jedoch in der Welt von Zeiss und Voigtländer recht häufig vorkommt. Wer sich keine extra Filter in dieser Größe kaufen will, kann sich mit einem Reduzierring von 46 auf 43 behelfen. Dann wird’s aber mit der Streulichtblende eng.
Optik und Abbildungsleistung
Aufbau
Das 2,8/35 ist ein weiteres Biogon – ein mehr oder weniger symmetrischer Objektivaufbau, der wohl für immer mit dem Namen des legendären Zeiss-Objektivkonstrukteurs Ludwig Bertele verbunden sein wird. Als lichtschwächstes der 35-mm-ZM-Objektive ist es recht konventionell aufgebaut, ohne asphärische Linsen oder floating elements (die man bei einem 2,8/35-Objektiv sicherlich auch nicht benötigt). Ein bisschen Moderne kommt in die Rechnung durch das hintere Element, das aus Glas mit anomaler Teildispersion besteht; dies hilft, chromatische Aberrationen zu vermeiden. Das C Biogon 2,8/35 hat sieben Linsen in fünf Gruppen, während viele andere 35er mit weniger Elementen hergestellt werden.
Farbabweichungen und Vignettierung
Das C Biogon 2,8/35 weist nur eine geringe Vignettierung auf, was bei einem so lichtschwachen Objektiv jetzt auch nicht überraschend ist. Bedeutender ist die Farbverschiebung. Als ich dieses Objektiv zum ersten Mal an einer digitalen Leica M (Typ 240/262) getestet habe, fiel mir ein deutlicher Magenta-Farbstich am rechten (oder oberen, im Hochformat) Bildrand auf. Dieser Effekt war unter bestimmten Lichtverhältnissen stärker und manchmal wirklich störend. Die gute Nachricht ist, dass der Sensor der M10 Lichtstrahlen, die in einem flachen Winkel auf den Sensor treffen, offenbar besser verarbeiten kann als sein Vorgänger. In einigen Situationen konnte ich trotzdem noch eine gewisse Farbverschiebung feststellen.



Chromatische Aberration
Sowohl die axiale als auch die laterale chromatische Aberration sind beim C Biogon 2,8/35 gut korrigiert. Grüner Farbstich im Bereich näher an der Fokusebene und roter dahinter treten kaum auf, sodass es keine Probleme mit axialer CA gibt. Das Gleiche gilt für die Wiedergabe von Punkten mit maximalem Kontrast, wo man kaum unschöne Farbsäume findet. Dies ist sicherlich ein Grund für die hervorragende Wiedergabequalität dieses Objektivs. Es erzeugt so knackige Bilder!
Schärfe
Das C Biogon 2,8/35 ist sowohl im Nahbereich als auch auf Unendlich, bei voller Blendenöffnung oder abgeblendet scharf. Es erzeugt Bilder nicht nur mit hohem Kontrast, sondern auch einer beeindruckenden Detailgenauigkeit. Die superbe Auflösung macht das kleine Biogon zu einer ausgezeichneten Wahl für die Landschaftsfotografie, aber es empfiehlt sich ebenso für Reportagen, Porträts im Kontext, Architektur oder alles andere, was man mit einem 35-mm-Objektiv eben so fotografieren möchte.



Bokeh und Streulicht
Das C Biogon 2,8/35 ist weitwinkliger als ein Standardobjektiv und auch lichtschwächer als viele andere Messsucherkamera-Objektive, daher ist Bokeh hier vielleicht nicht das Wichtigste. Aber wenn man nah genug rangeht, sind schöne Effekte möglich. Ich würde das Bokeh nicht als cremig oder mit einem der anderen Begriffe beschreiben, die üblicherweise für eine ansprechende Wiedergabe von Unschärfebereichen verwendet werden, aber für ein so kontrastreiches Objektiv ist die Darstellung von Objekten vor oder hinter der Fokusebene sehr gut. Streulichtfehler sind fast unmöglich zu erzeugen; das C Biogon 2,8/35 kann man auch unter schwierigsten Lichtverhältnissen bedenkenlos einsetzen.



Mein Fazit, Optik
Innerhalb der Zeiss ZM C-Objektivserie ist das 2,8/35 sicherlich das unkomplizierteste Objektiv. Es liefert gute Ergebnisse, und die Probleme den randlichen Farbstichen der M (Typ 240) können mit der M10 als überwunden bezeichnet werden. Alles andere war bei diesem Objektiv schon immer gut – es zeigt eine hervorragende Leistung in allen wichtigen Parametern. Das hat natürlich seinen Preis, nämlich eine Blende von nur f/2,8. Aber die verbesserte ISO-Leistung moderner Kameras kann diesen Nachteil ausgleichen. Und man kauft ein eher lichtschwaches 35er-Objektiv ja auch nicht wegen seines Bokeh, oder?
Mechanik und Handhabung
Erster Eindruck
Das C Biogon 2,8/35 ist ein kompaktes Objektiv und passt gut zu jeder Messsucherkamera. Es ist aber definitiv kein Pancake-Objektiv, wie man es vielleicht erwarten würde, wenn die Strategie darin besteht, Lichtstärke gegen maximale Kompaktheit einzutauschen. Aber wie wir gesehen haben, war ja die Idee, an der Ausgangsöffnung Kompromisse zu machen, um maximale Auflösung und Schärfe zu erzielen. Auf jeden Fall ist es leicht, dieses Produkt vom Fleck weg zu mögen, sicher auch wegen des pragmatisch-schlichten, aber dennoch irgendwie eleganten Designs der Zeiss ZM C-Objektive.

Verarbeitungsqualität
Wie die beiden anderen Objektive in diesem Test ist auch das C Biogon 2,8/35 gut verarbeitet, komplett aus Metall und Glas. Der Fokussiermechanismus neigt dazu, den berüchtigten Zeiss wobble zu entwickeln. Erklärt wird dieses leidige Phänomen mit der Verwendung spezieller Teflonrollen in der Fokussierschnecke. Übrigens: Die Voigtländer VM-Objektive werden im selben Werk von Cosina hergestellt, sind jedoch anders konstruiert als die Zeiss ZM-Objektive und weisen kein solches Problem auf.
Fokussierung
Auch hier ist der übliche Zeiss ZM-Fokussierknopf hilfreich. In der 6-Uhr-Position sind die ZM-Objektive auf etwa 1,5 Meter eingestellt. Der Fokusweg beträgt etwas mehr als 90 Grad von der Messsucher- typischen Mindestentfernung von 0,7 m bis unendlich. Dies ermöglicht ein schnelles und präzises Scharfstellen. Ich habe bei keiner Entfernung und keiner Blendeneinstellung nennenswerte Probleme mit Front- oder Backfokus oder sonstigen Verschiebungen festgestellt. Insgesamt ist das C Biogon 2,8/35 da ein sehr zuverlässiges Objektiv.



Sucher
Ein Hauptgrund, warum Objektive für Messsucherkameras unbedingt klein sein müssen, ist die Notwendigkeit, das Sehfeld des Suchers so gut wie möglich freizuhalten. Dies wird systembedingt umso wichtiger, je kürzer die Brennweiten werden. Die 35-mm-Rahmenlinien in einem typischen 0,72er-Leica-Sucher umfassen den größten Teil des Fensters, sodass ein großes 35-mm-Objektiv – wie etwa das Zeiss Distagon 1,4/35 – einen erheblichen Teil dessen verdecken würde, was die Benutzer eigentlich sehen möchten oder sogar müssen.
Glücklicherweise ist das C Biogon 2,8/35 ein so kleines Objektiv: Ohne aufgesetzte Streulichtblende ist die Sichtbehinderung minimal. Mit der Blende ist ein erheblicher Teil des unteren rechten Quadranten des zukünftigen Bildes dagegen nicht sichtbar. Aber alles in allem eine solide Leistung.
Mein Fazit, Handhabung
Das Zeiss C Biogon 2,8/35 ist in Bezug auf die Handhabung ein top Messsucherobjektiv. Fokus- und Blendenringe lassen sich leichtgängig bedienen und behindern den Fotografen in keiner Weise. Dieses kleine Objektiv lässt sich aber auch in jeder anderen Hinsicht sehr gut handhaben. Da es fast identisch groß ist wie das 4,5/21, lässt sich mit diesem Duo tatsächlich nahtlos arbeiten.
Alternativen
35 mm ist eine weitere klassische Brennweite für Messsucherobjektive. Wer vom Biogon 2,8/35 aus Serie der der Zeiss ZM C-Objektive nicht überzeugt ist (oder kein Exemplar zu einem okayen Preis finden kann), hat viele andere Optionen. Wer es besonders klein mag, kann sich das Voigtländer Color Skopar 2,5/35 ansehen. Das ist ein echtes Pancake-Objektiv mit solider Leistung (siehe Folge 6 der M-Files), das jedoch optisch dem Zeiss unterlegen ist, insbesondere bei den heutigen hochauflösenden Sensoren.
Ähnlich wie das Biogon 2,8/35 ist in Bezug auf die Anfangsöffnung das Leica Summarit 35. Dieses wird jedoch leider nicht mehr hergestellt. Es war/ist ein kleines Juwel von einem Objektiv, egal ob man sich für die ältere 2,5- oder die neuere 2,4-Version entscheidet. Sie scheinen in ihrer optischen Rechnung identisch zu sein. Das „APSH.“ in der zweiten Version scheint lediglich etwas zu offenbaren, was von Anfang an vorhanden war. Hier steht ausführlich, warum es schade ist, dass Leica die Summarit-Reihe eingestellt hat.
Und wie wär’s mit einem Zweinuller?
Wenn kein Summarit zu einem vernünftigen Preis zu finden und das Color Skopar nicht das Richtige ist, könnte ein lichtstärkeres Zweinuller mit 35 mm Brennweite eine Option sein. Besonders empfehlenswert ist das Voigtländer Ultron 2,0/35 (siehe Testbericht in Teil 16 der M-Files), ein ausgezeichnetes Objektiv und vielleicht das einzige 35er, das man jemals braucht. Claus hat eindrücklich gezeigt, dass es das Summicron 35 von Leica übertrifft (natürlich nicht das nicht-APO). Außerhalb der Zeiss ZM C-Objektive hat Zeiss auch ein 2,0/35, ebenfalls ein Biogon, über das ich noch nichts sagen kann, außer dass es weniger kompakt ist als das 2,8/35.

Natürlich gibt es noch viele, viele andere Nicht-Leica-Optionen für ein 35-mm-Objektiv mit M-Anschluss. Einige davon sind enthalten im M-Files Navigator, wo alle getesteten Objektive nach Brennweite sortiert sind. Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, wie er die Gleichung aus den vier Variablen Lichtstärke, Kompaktheit, Preis und Bildqualität ausbalancieren möchte. Pick any three, wie ein geflügeltes Wort lautet.
Das letzte Wort
Die Serie der Zeiss ZM C-Objektive steht für kompakte und klassische Optiken, wobei das „C“ hier etwas mehrdeutig ist. Das C Biogon 2,8/35 zeichnet sich durch seine Kompaktheit aus, während seine Wiedergabe mit ausgezeichneter Auflösung, Schärfe und Kontrast ausgesprochen modern ist. Probleme mit Farbstichen an den Rändern digitaler Bilder scheinen mit der M10 überwunden zu sein. Dieses kleine Zeiss-Objektiv ist also eine gute Wahl für alle analogen und neueren digitalen Messsucherkameras, wenn man mit einer Ausgangsöffnung von 2,8 leben kann. Aber das ist kein Geheimnis mehr – gute gebrauchte Exemplare sind nicht leicht zu finden und sicherlich kein Schnäppchen mehr.

Das C Sonnar 1,5/50: Tja…

Technische Daten, Lieferumfang, Preis und Verfügbarkeit
Unter den Zeiss ZM C-Objektiven ist das Sonnar 1,5/50 aus mehreren Gründen der Veteran. Erstens handelt es sich um die Neuauflage einer bahnbrechenden Objektivrechnung der 1930er Jahre, die zum weltweiten Ruf von Zeiss beigetragen hat. Außerdem ist es das einzige C-Objektiv, das bereits bei der Einführung der Zeiss-Ikon-Reihe angeboten wurde. Das bedeutet, dass es seit 2004 erhältlich ist – bis heute, wie mehrere Online-Shops beweisen. Ende 2025 kostet es neu 1.099 Euro. Gebraucht ist es günstiger.
Bei der Streulichtblende kann man fremdgehen
Das C Sonnar 1,5/50 wird nur mit zwei Deckeln geliefert. Es benötigt eine spezielle Gegenlichtblende (Zeiss Artikel 1428-461), die ziemlich teuer ist (ca. 100 Euro). Ich habe die Haoge LH-ZV12 für etwa 30 Euro gekauft, und sie scheint besser verarbeitet zu sein, der Bajonettverschluss funktioniert hervorragend, und sie sieht mit ihrer matt-silbernen Oberfläche (die Innenseite ist natürlich mattschwarz) am Objektiv für meinen Geschmack auch noch besser aus. Mechanisch passt sie auch auf andere ZM-Objektive mit einem Filterdurchmesser von 46 mm, verursacht jedoch bei Brennweiten unter 50 mm Vignettierung.

Auch das C Sonnar 1,5/50 ist ein kompaktes Objektiv, ähnlich wie das 4,5/21 und das 2,8/35. Montiert ist es 37 mm lang (Gesamtlänge 45 mm) und hat einen Durchmesser von 56 mm. Mit beiden Kappen und der Haoge-Gegenlichtblende wiegt es 270 Gramm, ohne Zubehör 227 Gramm. Die Filtergröße entspricht dem inoffiziellen Messsucher-Standard von 46 mm.
Optik und Abbildungsleistung
Aufbau
Innerhalb der Zeiss ZM C-Objektive und auch weit darüber hinaus nimmt das Sonnar 1,5/50 eine Sonderstellung ein. Es handelt sich dabei nicht um eine neue Objektivrechnung, sondern um eine Neuauflage eines Designs von Zeiss aus den 1930er Jahren. Das Sonnar war damals dafür bekannt, dass es mit einer minimalen Anzahl von Linsen auskam und so interne Reflexionen und Lichtverluste reduzierte. Es war das lichtstärkste Standardobjektiv seiner Zeit und verschaffte der Zeiss Contax-Messsucherkamera einen erheblichen Vorteil gegenüber der Leica.
Das 1,5/50 verfügt über sechs Linsen in vier Gruppen, hat kein floating element, keine asphärischen Linsen und keine ausgefallenen ED-Glasarten. Aber es kombinierte 2004 ein revolutionäres Design von vor 75 Jahren mit der modernen Zeiss T*-Beschichtungstechnologie. Oder, wie Zeiss es selbst formuliert: „Das Objektiv C Sonnar T* 1,5/50 ZM ist die technologische Reinkarnation des klassischen Sonnar 1,5/50 für die Contax II Meßsucherkamera, damals das lichtstärkste Standardobjektiv seiner Zeit.“
Farbabweichungen und Vignettierung
Ein 50-mm-Objektiv sollte keine unschönen Farbverschiebungen am Bildrand aufweisen, da die Lichtstrahlen mehr oder weniger im rechten Winkel auf den Sensor treffen. Und tatsächlich verhält sich das C Sonnar 1,5/50 in diesem Bereich vorbildlich. Anders sieht es bei der Vignettierung aus: Ein so lichtstarkes und gleichzeitig kompaktes Objektiv neigt zu einem deutlichen Lichtabfall an den Rändern und in den Ecken. Und genau so verhält es sich beim Sonnar: Die Vignettierung ist stark, insbesondere bei weit geöffneter Blende. Dies lässt sich in der Nachbearbeitung relativ einfach korrigieren. Manche Leute finden den Lichtabfall an den Rändern bei einem Objektiv jedoch sehr reizvoll.



Chromatische Aberration
Dem C Sonnar 1,5/50 liegt eine historische Rechnung zugrunde. Man darf annehmen, dass sich die Vorfahren der heutigen Objektivkonstrukteure der üblichen optischen Fehler bereits sehr bewusst waren. Doch verfügten sie nicht über die heutigen Mittel, um diese zu korrigieren: Sie hatten nun mal keine Computer, um unzählige Iterationen einer Formel mit einer beträchtlichen Anzahl von Freiheitsgraden zu berechnen. Und einige der besten Glasarten von heute standen damals noch nicht zur Verfügung.
Innerhalb dieser Einschränkungen schneidet das Sonnar sehr gut ab. Im Vergleich zu dem, was heute in einem lichtstarken 50er möglich ist, entspricht das Sonnar dagegen sicher nicht mehr dem neuesten Stand der Technik. Es treten alle Arten von chromatischer Aberration auf. Das ist nicht allzu schlimm, aber auch nicht wirklich gut.



Schärfe
Nun ja, wie soll ich es ausdrücken? Das C Sonnar 1,5/50 und die Schärfe sind ein kleines Problemthema. Wenn man es tatsächlich schafft, den perfekten Fokuspunkt zu treffen, ist die Leistung schon bei weit geöffneter Blende zufriedenstellend. Bei einer Blende 5,6 ist die Leistung sogar ganz gut. Aber: Es ist nicht so einfach, dieses Objektiv präzise einzustellen, insbesondere mit dem optischen Messsucher. Außerdem gibt es erhebliches Koma, gerade bei offener Blende und an den Bildrändern. Nein, man kann dieses Objektiv nicht als gestochen scharf bezeichnen.
Bokeh und Streulicht
Oft ist in Sachen Schärfe ja die Kehrseite der Medaille das Bokeh. Und was dem C Sonnar 1,5/50 vielleicht an knackiger Schärfe fehlt, liefert es als wunderbar weiche Wiedergabe der unscharfen Bereiche. Vielleicht ist diese Eigenschaft sogar die beste überhaupt in diesem Objektiv. Was Streulichtprobleme angeht, hätte ich mir mehr erwartet, da das Sonnar schon konstruktiv darauf ausgelegt ist, interne Reflexionen zu minimieren. Hinzu kommt die T*-Beschichtung von Zeiss, und diese der Kombination ließe eine überragende Leistung erwarten. Das Sonnar ist für ein lichtstarkes 50er sicherlich nicht schlecht, aber die Streulichtresistenz ist nicht seine größte Stärke.



Mein Fazit, Optik
Um die optische Leistung des C Sonnar 1,5/50 zu beurteilen, gibt es zwei Ansätze. Man kann darin ein fast 100 Jahre altes Design sehen, das nur ein wenig durch moderne Fertigungs- und Beschichtungstechnologien verbessert wurde, und dann wird man zurecht sehr beeindruckt sein. Als echtes, echtes Vintage-Objektiv liefert das Sonnar selbst an modernen hochauflösenden Kameras eine außergewöhnlich gute Leistung. Man könnte es jedoch auch als ein 50er aus den 2000er Jahren mit einer für diese Zeit nicht ungewöhnlichen Lichtstärke, dafür aber mit einem stattlichen Preis, betrachten. Aus dieser Perspektive ist das Sonnar enttäuschend. Es gibt andere lichtstarke 50-mm-Objektive, die messbar besser sind, vorhersehbarere Ergebnisse liefern und überdies teils weniger kosten.
Mechanik und Handhabung
Erster Eindruck
Das Zeiss C Sonnar ZM 1,5/50 ist mit eher geringem Abstand das größte der drei Zeiss ZM C-Objektive. Das bedeutet, dass es auch sehr kompakt ist (erstes „C“ abgehakt). Allerdings fällt es aufgrund seines höheren Gewichts und seines größeren Durchmessers sofort auf. Ansonsten entspricht alles den Zeiss-Standards, und man merkt, dass Zeiss es ernst gemeint hatte mit der Idee, wirklich kompakte Objektive für Messsucherkameras herzustellen.


Verarbeitung
Auch hier handelt es sich um ein Zeiss ZM-Objektiv, und alles, was ich über das 4,5/21 und das 2,8/35 geschrieben habe, gilt auch für das 1,5/50. Ich besitze alle drei seit einigen Jahren, und sie scheinen gut zu altern. Bislang gab es keine mechanischen Probleme. Ich habe diese Objektive in Silber und kann nur bestätigen, was andere Rezensenten schreiben: Sie sehen auch nach langer Zeit noch gut aus (ich kann nicht sagen, ob die Objektive in Schwarz mehr Gebrauchsspuren entwickeln).
Scharfeinstellung
Hier kommt ein großes Problem des C Sonnar 1,5/50 zum Tragen: Das Fokussieren ist bei diesem Objektiv objektiv schwierig. Zunächst einmal ist man durch die minimale Entfernung von 0,9 m eingeschränkt. Das ist wohl ein Tribut an das historische Design, aber es ist nicht mehr zeitgemäß. Klar, mit der Messsucherkamera macht man keine Makros, aber die üblichen 0,7 m bieten einfach mehr Möglichkeiten.
Der Fokus-Drehwinkel bis unendlich beträgt 90 Grad, was für eine präzise Fokussierung eigentlich ausreichen sollte, aber der Weg ist auch gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass das Sonnar in beiden lästigen Formen focus shiftaufweist. Bei einer festen Blende liefert es nicht bei allen Entfernungen die beste Schärfe, selbst wenn im Sucher alles perfekt ausgerichtet ist. Und bei einer festen Entfernung wandert die Fokusebene ein wenig, wenn man die Blende verändert.
Die einzige wirkliche Lösung, die ich gefunden habe, war die Verwendung des elektronischen Suchers der M10 mit seiner Zoomfunktion. Aber der Visoflex hat 020 seine Grenzen, und man kauft doch kein 50-mm-Objektiv für M, um dann den Messsucher der Kamera nicht zu verwenden, oder? Aber wer weiß, vielleicht gibt die neue Leica M EV1 all den C-Sonnaren, die in irgendwelchen Schubladen liegen, eine zweite Chance.



Sucher
Da das Objektiv kompakt ist und die 50-mm-Bildfeldbegrenzung nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten M-Suchers abdeckt, gibt es keine Probleme mit dem Sichtfeld. Wer Gegenlichtblende anbringt (wie erwähnt, habe ich ein durchbrochenes Modell von Haoge), sieht diese im unteren rechten Teil. Dies ist jedoch kein wirkliches Problem für die Bildkomposition. Ich würde übrigens generell empfehlen, für Objektive wann immer möglich eine Blende zu verwenden. In den meisten Fällen sind sie sehr wirksam gegen Streulicht. Außerdem bieten sie einen gewissen mechanischen Schutz. Es ist ein bisschen so, wie viele es mit der Verwendung von UV-Filtern halten – die zusätzliche Sicherheit lohnt sich.
Mein Fazit, Handhabung
Ich glaube, ich hatte noch nie ein Objektiv, das so speziell in der Handhabung war. Und das nicht, weil es kompliziert oder empfindlich wäre, ganz im Gegenteil. Es ist nur schwierig, die Schärfe genau dort hinzulegen, wo man sie haben möchte. Das hängt natürlich mit der optischen Rechnung zusammen und steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Mechanik und Haptik. Gleichwohl führen die Besonderheiten des Sonnar 1,5/50 auch als Handling-Probleme.
Alternativen
Alternativen zum Sonnar 1,5/50 aus der Reihe der Zeiss ZM C-Objektive? Kein Problem! Es gibt unzählige lichtstarke 50er für Leica M, und ein Vergleich zwischen den verschiedenen 50-mm-Optionen mit einer Ausgangsöffnung von etwa 1,4 würde sicherlich einen eigenen Artikel in Anspruch nehmen. Daher werde ich nur einen kurzen Überblick über Alternativen zum Zeiss C Sonnar 1,5/50 geben.
Da fällt mir natürlich sofort das Leica Summilux 50/1,4 ein. Die zwei neuesten Versionen verfügen über floating elements, und kein Geringerer als Peter Karbe von Leica bezeichnet das Summilux 50 als eines seiner Lieblingsobjektive. Die jüngste Version bietet überdies eine verbesserte Naheinstellgrenze, aber um davon zu profitieren, benötigt man Live View oder einen elektronischen Sucher. Und natürlich ist das Leica-Objektiv mit 4.690 Euro mehr als viermal so teuer wie das C Sonnar. Nicht zu vergessen ist auch Leicas Neuauflage des klassischen Summilux (prä-ASPH., 3.850 €), das einem ähnlichen Konzept wie das Sonnar folgt.
Lichtstarke 50er gibt’s zuhauf
Eine überaus erwägenswerte Alternative ist das Voigtländer Nokton 1,5/50, das fast so kompakt wie das C Sonnar ist und gleichzeitig eine hervorragende Bildqualität liefert (ausführlicher Testbericht in Folge 27 der M-Files). In derselben Preisklasse wie das Sonnar könnte es die klügere Wahl gegenüber der Zeiss’schen Diva sein. Lichtstarke 50-mm-Objektive werden auch von mehreren chinesischen Herstellern angeboten, darunter Thypoch (das Simera 50/1,4 wird bald Thema einer weiteren Folge der M-Files sein), TTArtisan oder Light Lens Lab.

Schließlich gibt es sogar eine Option von Zeiss selbst – das Planar 50/1.4, das natürlich nicht aus der Riege der Zeiss ZM C-Objektive stammt, sondern ursprünglich für das Contax/Yashica-System hergestellt wurde. Skyllaney baut dieses Objektiv in Schottland in ein M -Objektiv mit Entfernungsmesserkopplung um. Folge 15 der M-Files beleuchtet das beeindruckende Ergebnis dieser akribischen Handwerkskunst. Und nur am Rande sei erwähnt, dass es noch ein weiteres 50-mm-Zeiss-ZM-Objektiv gibt, das Planar 50/2.0, das sich in Teil 5 der M-Files als sehr kompetente und erschwingliche (etwa 750 Euro, alle Preise Stand Ende 2025) Option erwiesen hat.
Das letzte Wort
Innerhalb der Zeiss ZM C-Objektive nimmt das Sonnar 1,5/50 einen besonderen Platz ein. Das C in seinem Namen könnte nicht nur für „classic” (was angesichts der Tatsache, dass es sich im Grunde um ein Design aus den 1930er Jahren handelt, gerechtfertigt ist) oder „compact” (dieses Objektiv ist für seine Brennweite und Größe außergewöhnlich klein) stehen, sondern auch für „controversial”. Das 50er Sonnar ist so etwas wie eine Diva: nicht einfach im Umgang und unberechenbar in dem, was so rauskommt.
Während die Leistung abgeblendet in Ordnung ist, kann sie bei voller Öffnung (und dafür kauft man sich so eine Optik ja wohl) zu wünschen übrig lassen. Man kann das als Charakter, als Unvollkommenheit oder einfach als Ärgernis bezeichnen. Als einziges lichtstarkes 50er für die Leica M würde ich das C Sonnar 1,5/50 niemals empfehlen. Aber warum sollte man es nicht – Achtung: nachdem man gründlich Erfahrungen gesammelt hat – als Alternative für spezielle Projekte, insbesondere Porträts, verwenden?

Zeiss ZM C-Objektive: Das Gesamtfazit
Trotz ihrer gemeinsamen Nomenklatur haben die Protagonisten im Trio der Zeiss ZM C-Objektive weniger gemeinsam, als man erwarten könnte. Letztlich ist es primär ihre kompakte Größe, die sie verbindet – alle drei Objektive sind in der Tat bemerkenswert klein. Beim C Biogon 4,5/21 und beim C Biogon 2,8/35 geht dies zu Lasten der Lichtstärke. Beim C Sonnar 1,5/50 ist die besondere Wiedergabe mit ihren Unvollkommenheiten Teil des Kompromisses. Ob es sich um einen guten oder faulen Kompromiss handelt, muss jede und jeder selbst entscheiden.

Wo ist welches Zeiss ZM C-Objektiv sinnvoll?
Von den drei Objektiven ist das C Biogon 2,8/35 sicherlich das vielseitigste. Auf neueren digitalen Leica M-Kameras kann es seine Stärken ausspielen, insbesondere die hervorragende Auflösung, den ausgezeichneten Kontrast und die Abwesenheit von Verzerrungen. Auf älteren digitalen M-Kameras kann jedoch der randliche Farbstich ein Problem darstellen. Das C Biogon 4,5/21 lässt ein historisches Design wieder aufleben, aber auch alle seine Einschränkungen, insbesondere den Magenta-Schleier am Bildrand. Ich würde es daher vor allem für den analogen Einsatz oder auf einer monochromen digitalen M empfehlen. Das C Sonnar 1,5/50 schließlich muss man wohl als Objektiv bezeichnen, das man entweder liebt oder hasst. Es ist sicherlich nichts für Mainstream-Anforderungen und auch wahrlich nicht einfach im Handling.
Mutig war’s auf jeden Fall
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Folge der M-Files über die drei Zeiss ZM C-Objektive sicherlich eine Nische innerhalb der Nische abdeckt. Für alle drei Objektive gibt es vielseitigere (und meist auch günstigere) Alternativen. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Trio keine Daseinsberechtigung hat. Vor allem der Mut von Zeiss, das Sonnar nach Jahrzehnten wieder auf den Markt zu bringen, ist bis heute beeindruckend. Das Gleiche gilt für das „altmodische“ C Biogon 4,5/21. Das C Biogon 2,8/35 war mit seinem Verzicht auf die eigentlich zum Standard gewordene Ausgangsöffnung von 2,0 ein Wagnis. Aber mit seiner ansonsten ausgesprochen modernen Auslegung übertrifft es viele andere 35-mm-Objektive in Bezug auf Kontrast und Auflösung.

Ob Messsucherfotografen und -fotografinnen mit einem der Zeiss ZM C-Objektive glücklich werden, können nur sie selbst entscheiden. Ich persönlich kann, for what it is worth, nur sagen, dass vor allem das C Biogon 2,8/35 und ein Stückweit auch das C Sonnar 1,5/50 etwas an sich haben, das mich immer wieder zu ihnen zurückkehren lässt.



Die M-Files: M-Mount-Objektive, -Kameras und passendes Zubehör jenseits von Leica M
Die M-Files sind ein Langzeit-Projekt. Es konzentriert sich auf Foto-Ausrüstungsteile mit oder für Leica M-Bajonett, die von anderen Firmen als Leica hergestellt werden/wurden oder die sonstwie nicht zum M-System von Leica gehören. Es verfolgt einen mehr oder weniger enzyklopädischen Ansatz, ohne wissenschaftlich zu sein. Der Schwerpunkt liegt immer auf der praktischen Nutzung von Kameras, Objektiven und anderen Produkten. Zu den in den M-Files besprochenen Ausrüstungsteilen gehören Kameras, Objektive, Sucher, Belichtungsmesser und mehr. Einige der Marken auf der wachsenden Liste sind Billingham, Contax, Gossen, Konica, Minolta, Rollei, Sekonic, Voigtländer und Zeiss.