Leica vs. Fujifilm? So manchem Leica-Kunden dürfte da ein leiser Seufzer entfahren. Eine 64-seitige Fujifilm-Systembroschüre und im Fotogeschäft eine ganze Vitrine mit unterschiedlichen Kameramodellen, Objektiven und Zubehörteilen. Die Leica T, TL2 oder CL hat der geneigte Freund des roten Punktes nie erworben, längst wieder verkauft oder unbenutzt in der Schublade liegen. Und steht vor der Frage: Was hat Fujifilm mit seinem APS-System so gut gemacht – und warum ist das Leica nicht gelungen?

Beim Thema Leica vs. Fujifilm lohnt eine Rückblende ins Jahr 2009. Leica bringt die X1 auf den Markt, eine Kamera mit fest verbautem 24-Millimeter-Elmarit (Kleinbild-Äquivalent: 36mm) auf den Markt. Anfangsblende 2,8, CMOS-Sensor in APS-C-Größe, 12,2 Megapixel, externer optischer Sucher zum Aufstecken. Das ist eine beachtliche Leistung, die ersten Reaktionen auf die 1550 Euro teure Kamera sind positiv. 

Leica vs. Fujifilm: Das Rennen beginnt mit der Leica X1 (Produktbild)
Leicas erster Schritt mit APS-C-Sensor: Die X, hier im Gewand des letzten Modells X-E, kam ursprünglich 2009 als X1 mit aus heutiger Sicht bescheidenen technischen Daten auf den Markt. ©Jörg-Peter Rau

Leica vs. Fujifilm: Der Erfolg mit der X100

Eineinhalb Jahre später ziehen die Japaner im Wettlauf Leica vs. Fujifilm nach. Die erste X100 kommt 2011 auf den Markt, kurz vor der Leica M9. Sie hat ein mutiges Retro-Design, das eine Nähe zur Leica M nicht verleugnet. Wie bei Leicas X sind die Einstellräder intuitiv zu bedienen, aber es gibt einen eingebauten Sucher, der wahlweise elektronisch oder optisch funktioniert. Auch hier löst der APS-C-Sensor gut 12 Megapixel auf. Die altmodisch-neuartige Kamera kostet 999 Euro und wird sofort zum Verkaufserfolg.

Leica vs. Fujifilm: Fuji zieht mit der ersten X100 nach (Produktbild)
2011 kommt Fujifilm mit einer Kamera, die wahnsinnig nach Leica aussieht und aufzeigt, was die Wetzlarer auch hätten bringen können: Die X100 der ersten Generation legt den Grundstein für eine ganze Serie. ©Wikipedia/Kateer/CC BY-SA 3.0
Fünf weitere Generationen der X100 sollten folgen – immer nach der japanischen Kaizen-Devise: Das Gute behalten, jedes sinnvolle Detail verbessern. Und zum einmal gewählten Konzept stehen. Chapeau, Fujifilm. ©Fujifilm

Die Startbedingungen wirken ähnlich. Nicht gleich mit einem ganzen System, sondern mit einer vergleichsweise bescheidenen Kamera treten Leica und Fujifilm in den APS-C-Markt ein. Zu dieser Zeit gibt es bereits die ersten digitalen Spiegelreflex-Modelle mit Vollformat-Sensor, und die Canon EOS 5D hatte 2005 die Technologie für breitere Kundenkreise erschwinglich gemacht, doch APS-C ist vorherrschend. 

Für APS-C wird der Markt enger – zunächst

Zwei Jahre nach der Fujifilm X100, 2013, sollte die Sony Alpha 7 als erste Systemkamera mit Vollformat-Sensor den Markt auf den Kopf stellen. Am anderen Ende reüssiert das Micro-Four-Thirds-System mit seinem kleinen Sensor, der nur ein Viertel der Fläche des Vollformats hat. Die Nische für APS-C, das ist zu Beginn der Konkurrenz Leica vs. Fujifilm schon klar, wird von beiden Seiten her enger.

Die beiden Hersteller entscheiden sich für unterschiedliche Wege. Bei Leica liegt der Fokus auf dem M-System, dem wohl wichtigsten Teil der Marken-DNA. Fuji setzt auf das kleinere APS-C-Format, baut zügig und entschlossen ein System auf. 

Fujifilm bringt eine Kamera nach der anderen

Leica vs. Fujifilm: Leica hat sein System schon wieder eingestellt, bei Fuji gibt es gleich mehrere Kameras und viele verschiedene Objektive (Produktbild)
Inzwischen ist es ein ganzes Programm: Rund um die X100 hat Fujifilm ein ganzes System auf Basis der Sensorgröße APS-C gebaut. ©Jörg-Peter Rau

Fujifilms X-Pro 1 kommt 2012, bald wird das Flaggschiff durch preiswertere Modelle ergänzt. Ein System entsteht, namensgebend wird das X-Bajonett. Die X-Objektivpalette wächst schnell, und die teureren Kameras erhalten den (freilich zuletzt nicht mehr ganz unumstrittenen) X-Trans-Sensor, der sich durch eine besondere Methode des Farb-Samplings auszeichnet. Über 20 verschiedene Kameramodelle werden im Laufe von 13 Jahren eingeführt, hinzu kommt die stetige Weiterentwicklung der X100. In der sechsten Generation hat sie einen 40-Megapixel-Sensor, Bildstabilisierung, seit der Vorversion V ein neu gerechnetes 2,0/23-Objektiv und jede Menge mehr oder weniger nützliche Elektronik-Funktionen.

Im Wettbewerb Leica vs. Fujifilm macht der deutsche Hersteller vieles anders als die Japaner. Die Leica T als erste Systemkamera mit APS-C-Sensor wird erst 2014 vorgestellt, die Zahl der Objektive bleibt überschaubar.

Am Kontsanzer Rheinufer mit der Leica T und dem 18-56 ©Jörg-Peter Rau

Es gibt ein Weitwinkel-, ein Standard- und ein Telezoom, keines mit durchgehender Blende von 2,8. Dazu einige Festbrennweiten. Das 2.8/18 Pancake und das 2.0/23 Summicron werden wie die Zooms von einem nie genannten Fremdhersteller in Japan gefertigt, das 1,4/35 Summilux und das 2,8/60 APO-Macro-Elmarit haben „Made in Germany“ eingraviert. 

Aus Leica T und T-System wird irgendwann das TL-System, was einerseits die Einbettung ins Thema L-Mount und in die L Mount Alliance dokumentiert und andererseits markenrechtliche Auseinandersetzungen mit der damaligen Telekom-Tochter T Systems vermeidet. Zugleich zeigt sich aber Weitsicht: Das neue Bajonett ist schon so gerechnet, dass es Vollformat-tauglich ist.

Kurzlebig und irgendwie nicht zu Ende gebracht: Das APS-C-System von Leica hat tolle Kameras und Objektive umfasst, aber lichtstarke Zooms, ungewöhnlichere Festbrennweiten und manche zeitgemäßen Features fehlten bis zuletzt. ©Jörg-Peter Rau

Leica vs. Fujifilm – die Voraussetzungen sind ungleich

Heute wissen wir: Das Rennen Leica vs. Fujifilm ist im Prinzip von Beginn an entschieden. Leica, der deutlich kleinere Hersteller, hat viele Eisen im Feuer. Im M-System kommen immer wieder neue Kameras. Und schon 2015 ergänzt das SL-System mit seiner Integration in die L-Mount-Allianz das Leica-Programm. 

Im selben Jahr stellen die Wetzlarer die Q vor und sind dem Vernehmen nach selbst überrascht über deren (bis heute anhaltenden) Erfolg. Sie haben damit eine Art Antwort auf die Fuji X100-Serie gefunden. 2017 kommt die CL als letzte Kamera des APS-C-Systems auf den Markt. Schon 2022, gerade einmal acht Jahre nach Einführung der Leica T, wird dieses offiziell wieder eingestellt

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Fujifilm X100IV, Leica Q und Leica CL
Die X100 (Mitte) setzt weiterhin den Trend; die Leica CL (rechts) blieb eine Episode. Vielleicht auch wegen des phänomenalen Erfolgs der Q (links)? ©Jörg-Peter Rau

Und doch bleiben da mindestens eine Frage und ein Gedankenspiel: Was hat Fujifilm besser hinbekommen als Leica? Und was wäre wohl passiert, wenn Leica das Engagement für APS-C nicht aufgegeben hätte? Letzteres muss spekulativ bleiben. Aber zur Kernfrage gibt es schon ein paar handfeste Antworten.

Auf Bergtouren war und ist sie eine gute Begleiterin: Leica CL, hier mit dem 23er Summicron. ©Jörg-Peter Rau

Fujifilms Strategie: Sorge dafür, dass man über dich spricht

Zunächst ist festzuhalten: Fujifilm hat seine Rolle als (nach Marktanteilen) kleiner Hersteller so definiert, dass ihm eine Nische genügt. Das waren zunächst hochwertige Kompakte mit klassischer Ergonomie, dann das APS-C-System und zuletzt das Mittelformat (falls man bei 33x44mm Sensorgröße ernsthaft davon sprechen will). Und weil sie auf Gedeih und Verderb dieser Nische ausgeliefert waren, haben sie nicht nur in Entwicklung investiert, sondern in hohem Maß in Marketing. 

Leica vs. Fujifilm: Zwei aktuelle Fujifilm-Kameras auf Systembroschüre (Produktbild)
Zwei aus einem ganzen System: Fujifilm hat sein APS-C-Programm konsequent und flott ausgebaut. Inzwischen umfasst das Programm (zusammen mit Drittanbietern) mehrere Dutzend Objektive. ©Jörg-Peter Rau

Die Marke Fujifilm wusste und weiß, dass sie für sich werben muss: bei Händlern, Kunden, Multiplikatoren. Dazu braucht es eine gesunde Mischung aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit. Flagship-Stores gehören dazu, aber für den Erfolg in der Breite sind andere Faktoren entscheidend, etwa die Verankerung im Handel und das Markenimage. Und die Liebe des Publikums. Zuletzt führten Händler lange Wartelisten für die X100VI und deren Wechseloptik-Pendant X-E5. Alles richtig gemacht.

Leicas Strategie: Vergiss nie, wo du herkommst

Leica hat mit dem Thema Nische natürlich ebenfalls Erfahrung, und die Marke bespielt sie gut. So gut, dass Leica von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt und innerhalb von 20 Jahren vom Insolvenzkandidaten zur Renditeperle geworden ist. Dass die Japaner im Rennen Leica vs. Fujifilm von den Wetzlarern einiges abgeschaut haben (bis hin zum Produktdesign), hat Leica vielleicht sogar mehr genutzt als geschadet. 

Trotzdem ist es wohl nicht vermessen festzuhalten, dass der APS-C-Bereich bei Leica nie wirklich große Liebe genossen hat. Das Marketing konzertierte sich schnell auf die vermutlich margenstärkeren Vollformatsysteme. Das muss keine schlechte Idee gewesen sein. Aber im Ergebnis fehlt Leica nun ein Angebot in einem Preisbereich, der engagierten Amateuren noch einigermaßen zu vermitteln ist. Und es hinterlässt eine Kundengruppe, die sich in die Sackgasse geführt fühlt. Da ist es auch nur bedingt ein Trost, dass wenigstens die Objektive an auflösungsstarken L-Mount-Kameras weiterhin nutzbar sind, freilich ohne den Vollformatsensor wirklich zu nutzen.

TL (oder früher T)-Objektive für den APS-C-Sensor lassen sich dank L-Mount auch an Vollformatkameras verwenden, allerdings mit verringerter Sensorausnutzung. An der SL2 wird das Summilux-TL 35 zum 50er und aus dem 47-MP-Sensor einer mit immer noch ganz anständigen 20 MP. ©Jörg-Peter Rau

Wenn die Q so gut läuft…

Das oben angekündigte Gedankenspiel führt, wie sollte es auch anders sein, ins Reich der Phantasie. Ich möchte  an zwei Beispielen illustrieren, was Leica und die Leica-Kunden verpasst haben. Erstens: Nach der X1, der X2 und der X-E hätte Leica ohne Weiteres an einer Kompakten mit sehr gutem Festbrennweiten-Objektiv, APS-Sensor und einem vergleichsweise moderaten Preispunkt festhalten können. 

Der Weg zu dem, was Fujifilm heute mit der X100VI anzubieten hat, wäre weit gewesen, und ein attraktiver Preis hätte einige Kompromisse erfordert, etwa eine Fertigung außerhalb Deutschlands. Aber mit der Q hat Leica gezeigt, dass sie es grundsätzlich und in der Umsetzung sehr gut können. Und vielleicht war der Erfolg der Q dann auch der Grund, sich von APS zu verabschieden und sich nicht im eigenen Haus Konkurrenz machen zu wollen.

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Fujifilm X100VI und Leica X-E
Natürlich ist es ein weiter Weg von der Leica X-E aus dem Jahr 2014 zur Fujifilm X100VI des Jahres 2025. Aber wenn Fujifilm das geschafft hat, hätte Leica es auch vermocht. Wenn man denn gewollt hätte. ©Jörg-Peter Rau

Und was aus der CL hätte werden können…

Zweites Beispiel: Die neue X-E5 führt vor Augen, wie eine Nach-Nachfolgerin der CL hätte aussehen können. Mit Sensor-Bildstabilisierung (was ein viel beklagtes Manko der TL-Objektive zumindest zu einem Gutteil aufgelöst hätte), zeitgemäßen Videofunktionen und doch unter Erhalt eines sehr traditionellen Bedienkonzepts. Wenn man sich im Vergleich die technischen Daten der CL ansieht (sehr schön dargestellt auf dieser Seite), könnte man durchaus auf die Idee kommen, dass dieser Weg vielleicht nicht ganz so weit gewesen wäre. 

Eine APS-Kamera hat einiges für sich, und Wechselobjektive erweitern die Möglichkeiten. Im Dom von Asti (Italien) mit der Leica CL und dem 11-23 Weitwinkelzoom @Jörg-Peter Rau

So schauen Leica-Besitzer nicht nur manchmal etwas wehmütig in den Fuji-Katalog, sondern manche greifen auch zu den Produkten. Fujifilm hat einen guten Adapter für M-Mount-Objektive im Programm, und so ein 50er Summilux macht an der X-E5 als hochlichtstarkes 75er eine sehr gute Figur. Gleiches gilt für andere Brennweiten. Und wer für bestimmte Anwendungszwecke doch was mit einem weiteren Bildwinkel oder mit Autofocus will, wird nicht nur bei Fujifilm selbst, sondern auch bei Sigma und anderen Herstellern fündig. Und das oft zu recht reellen Preisen.

Auch eine Option: Leica-M-Objektive lassen sich bestens an die Fujifilm-APS-C-Kameras adaptieren. Aus dem 50er Summilux wird so ein 75er. Inklusive Bildstabilisierung und gutem elektronischem Sucherbild. ©Jörg-Peter Rau

Was Barnack heute bauen würde?

Als Leica die CL eingeführt hat, hat sich das Wetzlarer Marketing zu der Behauptung verstiegen, das sei die Kamera, die Oskar Barnack heute bauen würde: handlich, leicht, unkompliziert in der Nutzung und zugleich mit dem Potenzial für technisch ausgezeichnete Bilder. All das könnte man, und, Achtung, Triggerwarnung, jetzt wird’s wirklich ketzerisch, auch auf die X-E-Serie von Fujifilm anwenden.

28er oder 40er-Bildwinkel? Was den Leica-Q-Käufer in schwere Entscheidungsnot bringen kann, ist für den Fujifilm-Kunden kein großes Ding. Er kauft sich einfach das andere Pancake-Objektiv zur handlichen X-E5. ©Jörg-Peter Rau

Dazu bietet die X-E5 ein Bedienkonzept, das wenige Fragen offen lässt. Fujifilm macht das generell ganz gut, aber nicht so radikal wie Leica. Der puristische Ansatz der Wetzlarer bei der „User Experience“ ist wirklich herausragend, und man merkt es erst, wenn man mal fremdgegangen ist. Ich frage mich manchmal, warum andere Hersteller das nicht kopieren, aber dann fällt mir die Antwort auch gleich wieder ein: Was ein solch reduziertes Bedienkonzept an Knöpfchen und Rädchen einspart, müssen die Benutzerinnen und Benutzer mit Wissen ausgleichen. Kann man wohl nicht von allen erwarten …

Festzuhalten bleibt aber doch: Wer von Leica kommt, dürfte sich mit einer Fuji auch ohne langes Schmökern im Handbuch schnell anfreunden. Hier steht es im APS-Match Leica vs. Fujifilm also mindestens 1:1.

Zum vollen Bild gehört sicher auch, dass Leica als der Kleinbild-Pionier schlechthin kaum eine Wahl hatte und das klassische (und ja nachweislich auch bei anderen Marken erfolgreiche) 24x36mm-Format pflegen musste. Was Leica ja auch sehr gut gemacht hat. Insofern hatte Fujifilm da mit seiner Strategie, das Vollformat einfach auszulassen, sicher größere Freiheiten. Ganz verkürzt könnte man also sagen: Leica hat seine DNA bewahrt, Fujifilm hat sich eine neue geschaffen (und im Markennamen nicht verleugnet, wo man einst herkam, vom Film). 

Leica vs. Fujifilm? Oder sowohl – als auch?

Also Leica vs. Fujifilm oder doch eher Fujifilm plus Leica? Beides stimmt. Die Marken ergänzen sich gut. Und trotzdem zeigt ein Blick auf den Markt, dass Leica etwas hat liegen lassen. Sony hat APS-C immer weitergeführt, wenn auch zuletzt eher halbherzig. Nikon und Canon sind wieder und diesmal mit beachtlichem Engagement eingestiegen – auch, um ein bestimmtes Preissegment zu besetzen. Und weil ein APS-C-Sensor in vielen Fällen auch objektiv gut genug ist: 40 Megapixel, gute Optiken und eine ausgezeichnete Bildverarbeitungs-Engine machen sehr, sehr Vieles möglich. 

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Leica M3 und Fujifilm X-E5
Verträgt sich auch nicht schlecht in der Fototasche: 70 Jahre Fototechnik liegen zwischen M3 und Fujifilm X-E5, und dank Adapter passen die gleichen Objektive. Allerdings mit 1,5-fach-Cropfactor an der Fujifilm. ©Jörg-Peter Rau

Ein System für den Einstieg fehlt Leica

Und in manchem Leica Store wäre man bestimmt froh, Kundinnen und Kunden einen Systemeinstieg mit einem Neugerät inklusive Wechselobjektiv für, sagen wir mal, knapp 3000 Euro ermöglichen zu können. Dafür war die CL mit dem 18-56-Zoom oder auch dem 18er Elmarit nämlich richtig gut. Und die Kunden hätten es im vielem Fällen dabei sicher nicht belassen, sondern entweder ihr APS-C-System ausgebaut, oder sie wären doch irgendwann auf Vollformat umgestiegen. Diese niedrige Einstiegshürde in ein System gibt es de facto nicht mehr.

Schade ist es sicher nicht nur um die T/TL/TL2-Kameras mit ihrem radikalen Bedienkonzept, die ihrer Zeit vielleicht einfach zu weit voraus waren. Auch ungenutzte APS-C-Objektive hinterlassen bei ihren Käufern nicht nur ein Gefühl der Fehlinvestition, sondern werden auch zunehmend zu nutzlosen Schätzchen. Schade, dass man sie nicht auf Fujifilms X-Bajonett adaptieren kann, aber das ist mechanisch und elektronisch wohl schlicht unmöglich. 

Ihrer Zeit voraus: Die Leica TL2 war eine revolutionäre Kamera. Wer einen Sucher wollte, musste ihn zusätzlich anschaffen. ©Jörg-Peter Rau
Zu modern für die konservative Leica-Kundschaft? Die T/TL/TL2 hat ein immer noch revolutionäres Bedienkonzept. ©Jörg-Peter Rau

Eine gute Kamera bleibt: eine gute Kamera

Auf eine Mini-Q mit APS-Sensor werden Leica-Kunden vermutlich ebenso warten müssen auf eine Wiederauferstehung des APS-Teils von L-Mount. Panasonic wird die Lücke auch nicht füllen, denn dort hat man sich ganz offenkundig auf Vollformat und Micro Four Thirds festgelegt. Was aber bleibt, sind Leica-APS-Kameras, mit denen man heute noch viel Freude am Fotografieren haben kann. Denn eine Kamera, die mal gut war, bleibt ja gut!

Zu schade für die Schublade: Die Leica CL bleibt eine tolle Kamera. Hier mit dem 11-23 im Piemont. ©Jörg-Peter Rau

Leica vs. Fujifom: Was haben die Japaner nun wirklich anders gemacht?

So zeigt sich in der Betrachtung der Geschichte von Leica vs. Fujifilm: Für Leica war das APS-C-Engagement ein eher randlicher Handlungsstrang und vielleicht von vornherein als Episode geplant, bis ein breites und überzeugendes Programm im Vollformat stand. Bei Fujifilm gehört das APS-C-System dagegen seit vielen Jahren zum Markenkern und wird entsprechend gepflegt. Und das mit großem und verdientem Erfolg.

Leica vs. Fujifilm: Produktbild zeigt Leica M11 und Fujifilm X-E5
Für Leica ist das M-System der Markenkern, Fujifilm hat sich früh auf APS-C festgelegt. So entwickelten sich die Produktpaletten auseinander, und doch blieben Parallelen, auch zwischen aktuellen Modellen M11 beziehungsweise X-E5. ©Jörg-Peter Rau

Dass ein kleiner Hersteller wie Leica nicht, wie zeitweise der Fall, fünf Produktlinien parallel aufrechterhalten (im Mittelformat S, in Vollformat M, SL und Q, in APS-C CL/TL) und sich dazu noch im Kompakt-Markt engagieren kann, ist nachvollziehbar. Und doch zeigt der Vergleich Leica vs. Fujifilm, wie weit Leica eigentlich schon mal war und was da vielleicht auch noch gegangen wäre. Seufz.

Abenddämmerung für Leicas APS-Segment. Da wäre sicher noch was drin gewesen, wenn schon das einfache 18er Pancake so schön zeichnet. ©Jörg-Peter Rau

Ein Kommentar

  1. Sebastian

    Hallo zusammen,

    Wenn ein APS-C Objektiv an einer Vollformat-Kamera angesteckt wird, dann verlängert sich doch nicht die Brennweite wg. dem Crop-Faktor sondern das ist doch umgekehrt oder (also Vollformat Linse an APS-C Kamera – weil da dann gecroppt wird…). Oder hab ich einen Denkfehler? Auf dem Sensor kommt das Licht eines 35mm Objektives an und damit es keine Schwarzen Ränder gibt, regelt die SL2 die Auflösung runter… Aber das, was am Sensor aufschlägt ist das gleiche, was auf einem APS-C Sensor aufschlagen würde…

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