Analoge Spitzenlichter – der helle Wahnsinn

Analoge Spitzenlichter – der helle Wahnsinn

Kommentare

  
  1. AvatarG. Rötter sagt:

    Lieber Herr Dr. Sassenberg,
    ein wirklich interessanter Artikel, genau wie der davor, den ich allerdings ziemlich oft lesen musste, aber jetzt ist alles klar.
    Eine Frage zum Verständnis hätte ich noch. Sie schreiben: “Dass wir uns nicht missverstehen: Das ist trotzdem “ETTR” (und nicht etwa “ETTL”)” Wenn ich beim analogen Film die Belichtung auf die dunklen Bereiche einstelle, dann betrifft das doch die linke Seite des Histogramms. Was verstehe ich da falsch?

    Herzl. Grüße

    Günther Rötter

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Herr Rötter,

      auf die Idee mit “ETTL” kann man leicht kommen. Ich habe das extra erwähnt, weil ich bei den Vorüberlegungen zudem Beitrag (kurz) dachte, man könnte das sozusagen als Antithese zu digital propagieren. Ist aber Quatsch. Und wieso?

      Nehmen wir mal an, man hätte eine Szene mit relativ vielen dunklen Bildanteilen vor sich. Das Histogramm dieser Szene (bei Belichtung auf die Mitteltöne) hätte dann nicht die Form etwa einer Gauß’schen Normalverteilung, sondern der “Bauch” wäre deutlich nach links (dunkel) verschoben, würde vielleicht sogar in den linken Rand hineinlaufen.
      Wenn wir so belichten (analog oder digital) sind die dunklen Bildbereiche im analogen quasi verloren, weil der Film dort so dicht wird, dass später (bei Dunkelkammer oder Scan) diese Bereiche nicht mehr durchdrungen werden können, es fehlt dann im Abzug jede Zeichnung. Schwarz. (Aber vielleicht will man das so, dann ist es in Ordnung)

      Dazu kommt, dass auch bei Film das Signal/Rauschen Verhältnis zur linken Seite des Histogramms hin immer ungünstiger wird.

      Wenn man aber “Durchzeichnung” auch der sehr dunklen Bildbereiche wünscht, wird man jetzt statt auf die Mitteltöne schon auf die tiefen Töne (oder kurz davor) belichten und verschiebt damit das Histogramm des resultierenden Bildes nach rechts! Und das ist ETTR, man macht also nichts anderes als bei der “digitalen Belichtung”, nur dass man bei letzterer immer die Schmerzgrenze der Highlights beachten muss und sich nicht so weit nach links traut, wie es mit Film möglich ist.

      Es kann natürlich sein, dass man später in der Dunkelkammer oder bei dem gescannten Negativ die Belichtung wieder absenkt, aber immerhin hat man die Option, die Schattenbereiche zu öffnen.

      Viele Grüße,

      Claus Sassenberg

  2. AvatarKonstantin Hilkert sagt:

    Erstmal muss ich mal wieder für diesen tollen, wie eigentlich jedesmal, Artikel bedanken!
    Am Anfangen des Jahres habe ich den Schritt gewagt und meine Rollei 35 zum Ersten mal benutzt. Heute kamen die Ergebnisse.
    Die Lange Wartezeit ist bis jetzt der einzige negative Punkt, den ich an dieser Art der Fotografie finden konnte. Wobei das irgendwie den Reiz ausmacht und die Vorfreude steigert.
    Das mit den Schatten und Lichtern kann ich natürlich bestätigen. Im Großen und Ganz hat die Belichtung gepasst.
    Leider komme ich mit dem Zonenfokus noch nicht ganz klar. Zumindest ist die Schärfe bei keinem der Bilder getroffen. Da das Tessar 3,5 einen relativen guten Ruf hat, nehme ich das auf meine Kappe und hoffe, dass ich zu Doof war, und nicht die Linsen nicht mehr richtig gelagert sind.

    Auf jedem Fall bin jetzt richtig im Analogmodus und habe daran großen Spaß gefunden.
    Auf Flickr habe ich mal meine liebsten Fotos der Rolle zusammengepackt: https://flic.kr/s/aHskNbYwjP
    Ich bitte die Qualität zu entschuldigen, da ich nur Abzüge mit dem iPad abfotografiert habe. Mir fehlen momentan die nötigen Geräte, um die Negative farbgetreu in einer höheren Auflösung zu digitalisieren.

    Liebe Grüße
    Konstantin

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Konstantin,

      die Rollei 35 hat mich auch schon immer gereizt, aber irgendwo muss man sich ja mal begrenzen… eine ikonische Kamera, und so kompakt! Leider fehlt ihr ein Entfernungsmesser, da muss man halt schätzen, und das ist manchmal gar nicht so einfach.

      Ich würde dir übrigens vorschlagen, ein paar Bilder für eine Distanz-Testreihe zu opfern. Motive in genau abgemessener Entfernung ablichten, mit dem Entfernungsring abgleichen und die Entwickelten Fotos auf Schärfe prüfen. Dann weiß man wenigstens, ob man sich auf die Skala am Distanzring verlassen kann (oder nicht).

      Weiterhin viel Freude, schiess dich analog ein,

      Claus

  3. AvatarDirk sagt:

    Lieber Claus,

    das ist schon wieder so ein wunderbarer Artikel. Ich frage mich, wo du die Zeit dafür her nimmst.
    http://erickimphotography.com/blog/2019/02/02/more-equipment-more-problems/?fbclid=IwAR1Uu6nWMWI53BgbPpOyerN1laGBRN-fcW2OIbtzh7P0CdF-SXFHiAggTW4

    Das paßt ein bißchen zu dem Thema, auch wenn es nicht um die Unterschiede zwischen digital und analog geht.
    Liebe Grüße,
    Dirk

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Dirk,

      keine Sorge, ich muss nicht in ein anderes Raum-Zeit-Gefüge eintreten, um diese Artikel zu produzieren. Tatsächlich hatte ich diesen hier schon länger vorbereitet, aber zunächst zurückgestellt. Jetzt lasse ich mir bis zum nächsten Beitrag etwas Zeit.

      Übrigens ein guter, geradezu philosophischer Artikel von Eric Kim, der mir aus der Seele spricht. Das minimieren der Ausrüstung ist schliesslich auch mein Steckenpferd. Die eigentliche Befreiung steckt in der Limitation.
      Dabei muss ich zugeben, dass ich zwar einiges an Equipment angehäuft habe, aber geradezu eine Aversion entwickelt habe, viel mitzuschleppen. Meist habe ich eine Kamera und ein Objektiv dabei (bevorzugt was bei 28-35mm), und wenn eine Tasche, dann die kleinste, die ich habe.

      Liebe Grüße zurück,

      Claus

  4. AvatarKai sagt:

    Moin, Claus,
    was für Begriffe- ehrlich gesagt, ich habe einige noch nie gehört- mir fehlt eben wohl der Zugang zum Digitalen.:-)
    Bei Trump schließe ich gerne den Minitrump Genrel und seine Fans der CSU wie Dobrindt, Scheuer, Söder und Seehofer mit ein. Nicht nur hirntod, sondern auch seelentot. Ganz anderes eben als ein guter analoger Film, der zwar keine Seele hat, aber eine Seele transportieren vermag.
    Ein paar Anmerkungen, Bestätigungen, Meinungen oder Fragen habe ich aber dennoch 🙂
    -Ich kann mir nicht ganz erschließen, warum das Bild mit dem braunen Pferd unterbelichtet sein soll, es hat doch eine gute Struktur und ist lange kein zweidimensionaler Schatten…..
    -Ich würde nicht pauschal jeden Schwarz-Weiss-Film überbelichten, gerade Ilford-Filme wie der Delta 100 sind kleine Diven, die man unbedingt korrekt belichten sollte. Aber irgendwie wird bei Kodak Tri X ja durchaus auch eine Belichtung von ISO 320 empfohlen, er wird dadurch feiner.
    -Es ist ganz spannend, ich habe gerade die Bunkeranlagen bei Blavand bei Tag und den im Februar ausgestorbenen Badeort Vejerstrand bei Nacht mit dem Tmax 3200 auf 3200 fotografiert und bin ganz neugierig auf die Ergebnisse. Denn das Labor Open Eyes in Hamburg verarbeitet tatsächlich standardmäßig auf die DX-Empfindlichkeit, alles andere wird gepusht oder gepullt. Der Artikel folgt in Kürze.
    -Was ich ein wenig schade und unverständlich in der heutigen Zeit finde, dass in zahlreichen digitalen Aufnahmen ein Schatten kein Schatten mehr sein darf und eine Nacht keine Nacht mehr. Wenn man die M-Magazine schaut von internationalen M-Fotografen, so sind Bildteile in der Schwarz-Weiss-Fotografie tatsächlich undurchdringlich schwarz. Und sie richten den Blick auf das Bildwichtige.
    Wenn ich heute digital alle Schatten so sichtbar mache, dass sich die Kontraste annähern, sind die Bilder oft so kleinteilig, dass sie mit Informationen völlig überfrachtet werden. Zudem wirken sie oft flau. Ich kann mit einer guten Fotografie Szenen dadurch sichtbar machen, dass ich anderes im Dunkel lasse. Einfach die ISO hochschrauben, das kann irgendwie jeder. Auch da zwingt der Film zur Gestaltung.
    -Starke Kontraste, eben auch durch eine Push-Entwicklung können in meinen Augen durchaus bildgestaltend sein.
    -Was oft vernachlässigt wird, ist auch die Schwäche einiger Sensoren bei Nebel und nieseligem Regen. Durch den Fokus auf scharfe Aufnahmen werden solche Aufnahmen schnell gekillt. Eine Feinabstufung in den schwächsten Kontrastbereichen stellt einige digitale Systeme vor unzumutbaren Aufgaben. Schlimmer allerdings dabei ist es, wenn der Fotografierende das nicht bemerkt:-)
    -Mittlerweile gibt es ja schon Programme, die Korn und Vignetten möglich machen. Das analoge Bilder in ihrer Unvollkommenheit durchaus auch reizvoller sein können, scheint sich also auch in der digitalen Welt herum gesprochen zu haben. Übrigens, wenn man in der Dämmerung unterwegs ist und sich selbst beim Sehen beobachtet, wird man feststellen, dass man auch gar real ein leichtes Rauschen in den dunklen Bereichen wahrnimmt. Digitales Rauschen dagegen empfinde ich persönlich gelinde gesagt nicht bildgestaltend. Dagegen nutze ich gerne mal auch bei Tageslicht 3200er Filme und belichte sie auch als solche, um gerade durch die Körnung einen antiken Effekt hinzubekommen, beispielsweise in einem Freilichtmuseum. Durch solche Art der Aufnahmen unterstreiche ich noch einmal den Bezug zur früheren Zeit.
    Und dann erinnere ich mich an die Fotoausstellungen, egal ob Feininger oder Augen auf bei Leica- mit weltberühmten Aufnahmen, ordentliche Vergrößerungen, ohne dass die Körnung dem Motiv in irgendeiner Form schaden. Ausstellungen mit inhaltlich vergleichbarer Qualität aus der digitalen Zeit sind mir noch nicht so häufig begegnet- dabei wird doch beim (fotografieren?) draufgehalten, was das Zeug hält.
    –Bei allem: Du bedienst beide Möglichkeiten und zeigst einmal mehr, wie entspannt eine Koexistenz mit beiden Systemen möglich sind.
    Die Überschrift für einen Artikel habe ich jedenfalls schon mal: Bist Du noch technikverliebt oder fotografierst Du schon? 🙂 Denn gerade die so technikverliebten, die immer dem Neuesten nachgeiern und noch mehr Forderungen an Kameras haben, die ohnehin schon völlig überfrachtet sind, diese Menschen sind selten in der Lage, wirklich mehr als Automatikprogramme zu bedienen bzw. sich von diesen bedienen zu lassen. Geschweige denn, ein Motiv zu entdecken und als solches zu erkennen. Weil sie sich mit dem einen Motiv gar nicht identifizieren, schießen(!) sie schon die nächsten 8 Bilder/pro Sekunde- Die entsprechende Kamera gibts ja her :-))

    • Claus SassenbergClaus Sassenberg sagt:

      Hallo Kai,

      mach dir nix aus dem digitalen Gebabbel, das ist redundantes Wissen. Wenn man erst mal anfängt, technisch-physikalische Hintergründe zu erforschen, merkt man irgendwann nicht mehr, dass man sich ausserhalb des normalen Sprachgebrauchs befindet…

      Wegen des “unterbelichteten” Pferdes: Eigentlich ist das falsch ausgedrückt, das Bild ist nicht wirklich unterbelichtet. Was mir aber trotzdem nicht gefällt, ist die Grenzwertigkeit im Schatten, ich hätte da gern mehr (potentielle) Möglichkeit der Anhebung. Ob ich das dann mache, sei dahingestellt.
      Überbelichten: Auf keinen Fall sollte das so verstanden werden, dass ich neuerdings Überbelichtung als “Way of Life” empfehle. Gemeint war lediglich, dass man auf Bildrelevante Teile belichtet (das müssen nicht die dunkelsten sein) und sich um die helleren Bereiche keine Sorgen machen muss.
      Ebenso ist deine Anmerkung, dass das natürlich auch vom Film abhängt, völlig richtig! Bei Kodak Portra, Ektar, Tri-X und TMax oder Ilford HP5 ist Spielraum, aber das kann man nicht einfach auf alles übertragen.
      Bin gespannt, wie deine Erfahrungen mit dem TMax P3200 sind!
      Und das mit den Schatten ist ja genau mein Lamento! Wie dieser Fuzzie mit dem HDR-mässigen Auswurf nach ellenlangem Photoshoppen, von dem ich berichtete. Keine Schatten mehr! Und das scheinen viele bei ihren S/W- Bildbearbeitungen nicht mehr zu checken, wie künstlich das aussieht.
      Es ist wirklich bezeichnend, wie viele “Filter” und Programme es gibt, die einzig zum Ziel haben, eine digitale Aufnahme analog erscheinen zu lassen. Da fotografiere ich lieber gleich mit Film.
      Naja, und über die Gear-Heads” kann man nur den Kopf schütteln. Die sind in ihrer eigenen Hölle gefangen.

      Liebe Grüße,

      Claus

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