Das Rennrad ist das Sportgerät meiner Wahl. Schon als Jugendlicher hatte ich mir von dem Geld meines Ferienjobs ein „richtiges“ Rad gekauft, in den 80er Jahren. Damals war die Shimano 600er Schaltung der letzte Schrei und man fuhr Chrom-Molybdän Rahmen. Perlmutt-Weiß mit verchromter Vorderrad-Gabel. Hätte ich es nur nie weggegeben! Das wär heute so cool als Single-Speed!

Dann fuhr ich 15 Jahre ein Cannondale. Alu-Rahmen und im wesentlichen unzerstörbar. Shimano Ultegra und die Schalthebel am Lenker (die vorher waren schliesslich am Unterrohr) gaben ein neues Fahrgefühl. Kurzer Radstand, sehr hart, ein reines Wettkampfrad. Dabei war ich nie kompetitiv eingestellt, ich fuhr immer nur für meine eigene Fitness.

Das gelbe Trikot schenkte mir meine Frau zum Geburtstag. Ich ziehe es gar nicht so oft an, weil es mir immer das Gefühl gibt, was dafür tun zu müssen….

2018 wollte ich eigentlich nur ein paar Ersatzteile bei dem Händler meines Vertrauens holen. Da stand es: Ein Simplon Pavo. Genau meine Rahmengröße, in Carbon. Ultegra Ausstattung mit Scheibenbremsen. Ein Marathonrad, so bequem. Und man fährt jetzt 28mm Reifenbreite mit höchstens 6 bar, nicht mehr die knochenharten 8 bar-21 oder 23mm. Die ersten zwei Jahre bin ich Tubeless gefahren und das ist extrem komfortabel. Aber trotz Docblue-Milch im Reifen zur Selbstabdichtung bei Perforationen bin ich auf Clincher mit Schlauch zurückgegangen, weil man bei einem größeren Defekt „in the middle of nowhere“ schneller einen Ersatzschlauch zücken kann und sich damit selbst hilft. Die Ultegra-Scheibenbremsen erhöhen die Fahrsicherheit erheblich, und seit ich Radar an der Sattelstütze habe, gibt es keine Überraschungen mehr von hinten.

Das hat mich all die Jahre lang fit (und schlank) gehalten. Vor allem, als die Leukämie in 2020 so richtig schlimm war, kam mir das Zugute. Selbst in den Monaten der Chemo habe ich meine Runden gedreht, wenn ich auch da sehr kleine Brötchen gebacken habe.

Warum der Nostalgie-Trip? Damit man versteht, warum ich das manchmal brauche, ganz allein irgendwohin mit meinem Rennrad abzudampfen und nur dafür zu leben. Gut für Körper und Geist. Wie heisst es so schön: „Mens sana in campari soda“… oder so ähnlich.

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Aguessac am Tarn, Blick nach Süden. Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/4 1/400s ISO 64

In den Cevennen

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Wasserstelle an der Kirche von St. André de Vézines. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/2.8. 1/1000s ISO 64

Am Mittwoch nach Pfingsten rollte ich morgens in Aguessac ein. Den Campingplatz („La belle Etoile“) kannte ich von früher, nothing fancy, aber sauber und schön angelegt direkt am Tarn. Praktisch fand ich die Nähe zu Millau, nur sieben Kilometer auf einer kleinen Nebenstrecke. Die  „Gorges“ von Tarn und Jonte und die „Grand Causses“ Mejean und Noir nördlich quasi vor der Haustür. Die ganze Region kenne ich aus den Vorjahren ziemlich gut, so dass ich nicht an Navigation nach zuvor in Komoot festgelegten Strecken richten musste, sondern so ziemlich „der Nase nach“ fuhr. Was allerdings darin resultierte, dass meine Ausfahrten tendenziell immer größer waren, als gedacht, weil man die Distanzen gerade auf den Causses immer unterschätzt. Unter hundert Kilometer kam ich nie nach Hause.

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Viaduc du Millau der A75. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/4.8 1/1500s ISO 125
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Wichtige Orte: Wasserstelle in Veyreau, links neben dem Tor. Leica M11 mit 35mm Ultron f/2.0 1/5000s ISO 64

Die Temperaturen waren eigentlich mit 25-30°C ziemlich erträglich, dennoch war das Wichtigste, zwischendurch immer Wasser „nachzutanken“. Zwei Liter sind beim Start am Rad, aber man braucht für Runden dieser Länge (und Steigung!) mindestens 5-6 Liter. Die eine oder andere Orangina nicht mitgerechnet. Das mit dem Wasser habe ich aus bitterer Erfahrung just in der Gegend vor ein paar Jahren gelernt, als ich in La Malene zu faul war, mir eine Flasche Wasser zu kaufen und dann auf der Serpentinen-Strecke hoch auf die Causse Mejean fast den Heldentod in Socken starb. Schleppte mich noch mühsam und völlig dehydriert bis zum Aussichtspunkt „Le Saltadou“ (über St. Chely du Tarn), wo es zum Glück einen Kiosk gab.

Wenn man das richtig anfängt, ist das gar nicht so kompliziert, zumal in den kleinen Orten auf den Causses immer öffentliche Wasserstellen sind, die ich inzwischen gut kenne.

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Schlucht des Jonte . Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/4 1/350s ISO 64

Mit Kamera auf dem Rennrad

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Typischer Strassenverlauf am Tarn. Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/4.8 1/1600s ISO 125

Bisher mussten alle M-Leicas und auch die Q-Modelle ihre Gebrauchsfähigkeit auch unter weniger „kuscheligen“ Bedingungen unter Beweis stellen, sei es im Wildwasser-Kanu, beim Bergsteigen, Skifahren, Wandern oder eben radeln. Keine Ausnahme für die M11. Aber um es beim Rennrad-fahren nicht zu übertreiben, kommt die Kamera in eine zweckentfremdete Packsafe-Bauchtasche, die ich quer über den Rücken trage. Der Vorteil: Stöße bei Schotter- oder Schlagloch-Strecken werden vom Fahrer abgefangen, der schon allein zur Schonung seiner Weichteile (!!) aus dem Sattel geht. Die Tasche ist bei Bedarf schnell nach vorn gezogen und die Kamera so jederzeit griffbereit. Noch mehr als die Vorgängermodelle kommt die M11 (wegen der 60MP) dabei mit einem Objektiv aus, ich bevorzugte meist 35 oder 28mm. Dabei passt z.B. das 90mm Macro-Elmar oder das 21er Color-Skopar ohne weiteres mit in die Tasche. Meist war das überflüssig. Die kleine Tasche stört auch bei zügiger Fahrweise nicht im geringsten. Gelegentlich liess ich die Kamera sogar mit extra kurz eingestelltem Leica-Standard-Gurt einfach um. Einen Arm durch die Schlaufe liegt sie dann am Körper an und baumelt nicht.

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Viadukt der A75 bei Millau. Leica M11 mit 21mm Color-Skopar bei f/4 1/1250s ISO 125
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Bar in Millau. Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/4.8 1/250s ISO 125

So machte ich diverse Touren durch die Täler und über die Hochebenen, den „Causses“ (die selbst gar nicht so eben sind, das geht immer so zwischen 900 und 1100 Meter Höhe hoch und runter). Ich startete immer morgens, wenn es noch kühl war und war nachmittags zurück, mehr oder weniger ausgepowert. Meist ruhte ich mich den Rest des Nachmittags aus und machte dann noch eine kleine Abendrunde auf dem E-Bike. Ja, richtig gelesen. E-Bike. Ideal, um sich die Beine zu lockern und ausserdem prima zum einkaufen am Ort und ein bisschen Sightseeing, wenn man nicht überall als Mamil (=Middle-aged man in Lycra) auftauchen will. Der Bulli kann stehen bleiben. Vor ein paar Jahren war meine Einstellung zu E-Bikes eher sarkastisch, aber inzwischen finde ich es als Verkehrsmittel sehr praktisch. Und hey: Jeder kann selbst entscheiden, wieviel „E“ er in Anspruch nimmt. Das kann auch ziemlich sportlich werden. Mein Cube mit dickem Akku und Bosch-Performance CX-Motor lässt jedenfalls alle Optionen offen.

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Chaos de Montpellier le Vieux. Das „Tor von Mykene“. Es gibt allerlei phantasievolle Namen für die bizarren Gesteinsformationen dort. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/5.6 1/320s ISO 64

Aber da ich gerade davon spreche: Mein Tipp an alle E-Biker. Bitte schaltet an den Steigungen mehr herunter, oder fahrt überhaupt kleinere Gänge! Fast immer sehe ich Leute mit Zeitlupen-Tretkurbel-Umdrehungen fahren. Das Material wird es euch danken, und euer Körper auch.

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Markt in Millau. Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/4.8. 1/250s ISO 125

Bild-Protokoll einer Ausfahrt

Übersicht über die Strecke an dem Samstag. Den Jonte aufwärts über Meyrueis, Col de Perjuret, über Causse Mejean nach Montbrun, runter ins Gorge du Tarn, abwärts bis Le Rozier und zurück nach Aguessac auf der anderen Flussseite.

Beim Sichten der Bilder für diesen Beitrag rauchte mir der Kopf. Viel zu viele, welche sollte ich zeigen, um den richtigen Eindruck zu verschaffen? Um mir die Qual der Wahl zu erleichtern, zeige ich einmal Bilder von einer Ausfahrt in der Reihenfolge, wie sie auch entstanden sind. Zum einen kriegt man einen Eindruck von der Strecke und zum anderen sieht man, wie lohnenswert es ist, sich die Mühe zu machen, eine „richtige“ Kamera (sicher, es gibt tolle Handy-Kameras… aber… nix für mich) dabei zu haben. Das muss überhaupt keine Leica sein. Aber die Q oder auch die D-Lux 7 kommen absolut in Frage.

Am Samstagmorgen startete ich so um 9.00 Uhr. Die M11 war mit dem 35mm Ultron bestückt. Alle Fotos, die jetzt folgen, also mit dem Objektiv. Mein erster Stopp kam schon nach 800m: Auf der Brücke über den Tarn nach Paulhe.

Cevennen
Über den Tarn. Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/3.4 1/500s ISO 200

Hier ein Archivbild von der Burg Peyrelade, die bei Kilometer 7,5 gegenüber auf dem Kamm auftaucht. Nicht so fotogen von der Straße unten.

Cevennen
Nicht von der Tour, aber zur Übersicht: Unten links Peyreleau und Le Rozier. Hier treffen Gorges du Jonte (rechts) und Gorges du Tarn (links) aufeinander. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/5.6 1/320s ISO 64. Panorama aus zwei DNG’s

Bei Kilometer 38 bin ich einem Schleichweg gefolgt, den ich von früheren Aufenthalten in Meyrueis kannte. Die uralte Brücke „Pont des six Liards„, einziges Überbleibsel eines mittelalterlichen Klosters, überspannt hier den Jonte und ist fast so etwas wie ein geheimer Platz, weil kein durchreisender Tourist sie finden kann. Hinweisschilder an den Strassen gibt es nicht. Lädt zu einer kleinen Pause im Schatten ein.

Cevennen
Le Pont des six Liards. f/2 1/500s ISO 125

Folgt man dem Pfad über die Brücke, kommt man wieder auf die D996. Die Strasse steigt stetig, aber angenehm mit 6-7%, bis man den Col de Perjuret erreicht (Kilometer 48). Am Col verliess ich die Hauptstrasse scharf links und machte mich an die Überquerung der Causse Mejean Richtung Montbrun. Ein Abstecher zum „Chaos von Vieux Nimes“ blieb undokumentiert. Die asphaltierte Strasse endet auf einem Gehöft „Le Veygalier“, das einladend genug ist. Man kann dort parken und einen „Sentier Geologique“ (geologischem Pfad) folgen, um sich die bizarren Gesteinsformationen anzusehen. Ich war aber am Tag zuvor erst in „Vieux Montpellier“ gewesen und hatte genug von den Brocken gesehen. Es gibt von dort eine Schotterstrasse Richtung Florac, aber das wollte ich mir nicht antun. Ich fuhr die kurze Strecke zurück bis zur Kreuzung und folgte dann der mir bekannten Strasse, die zunächst am Rand der Schlucht entlang führt (wo es einen Aussichtspunkt zur Beobachtung der Geier gibt) und  und sich dann nach Norden Richtung Hures wendet.

Auf der Causse bewegt man sich immer in einer Höhe zwischen 900 und 1100 Metern, also nicht direkt flach. Ich fuhr nach Nordwesten bis zur D16, bei „Tour-Kilometer“ 82 bog ich links in die kleine Strasse ab, die nach Montbrun (Kilometer 89,5) führt, um von dort ins Gorges du Tarn herunter zu fahren. Ich hatte inzwischen längst mein Wasser aufgebraucht und wollte in Montbrun auftanken. Dort gab es zwar Wasser, aber es schmeckte leicht chlorig. Bäh.

Beim abfahren in die Schlucht blies mir ein heisser Wind entgegen, als hielte ich mein Gesicht in einen Fön. Ich erkannte, dass das Klima im Vergleich zur Schlucht oben auf der Causse wesentlich angenehmer war. Der Wind kam stetig von Westen und brachte keinerlei Kühlung. Ich bog links auf die D907 ab und folgte ihr die gesamte Stecke über Le Rozier bis Aguessac. Die Tarnschlucht abwärts gibt es ein paar interessante Motive.

Cevennen
Kilometer 94, Castelbouc auf der anderen Tarnseite. Der beste Aussichtspunkt nicht der offizielle, sondern ein paar hundert Meter weiter. f(4.8. 1/500s ISO 125

Mir wurde klar, dass ich mit dem komischen Wasser aus Montbrun nicht glücklich werden würde und machte mich auf nach St. Enimie, Kilometer 101. Dort kaufte ich ein große Flasche Wasser. Als ich die Flasche in leicht verschwitztem Zustand entgegennahm, bedankte ich mich mit den Worten: „Monsieur, vous me sauvez ma vie“ (Sie sind mein Lebensretter). Er warf sich in die Brust und entgegnete mit demselben Pathos: „Je suis ravi d’être à votre service!“ (Ich bin entzückt, Ihnen zu Diensten zu sein!)

Ich hydrierte erst mal ausgiebig und füllte den Rest in eine meiner Flaschen. Die andere hielt immer noch Wasser aus Montbrun, für das ich einen anderen Verwendungszweck entdeckte: Ich kippte es mir während der Fahrt über den Helm, von wo aus es angenehm kühlend den Körper herunter lief. Endlich verstand ich, warum man das bei der Tour de France so oft sah. Bis dahin war ich auf den Gedanken noch nie gekommen, aber so wurde selbst der heisse Gegenwind neutralisiert.

Kurz nach La Malene (Kilometer 114) überholte mich ein Radler mit einem Triathlon-Rad sehr zügig. Kein Problem damit, jeder fährt sein eigenes Tempo. Aber grüßen sollte man schon, das hatte er versäumt. Egal, mir kam eine andere Idee: Mit ein paar Tritten hängte ich mich in seinen Windschatten und blieb dort bis zum Pas de Souci (Kilometer 124). Er machte die Arbeit und ich trat locker mit. Zwischendurch bedankte ich mich aber brav. Am Pas de Souci, Ort eines ungeheuren Felssturzes in den Tarn, liess ich ihn sausen. Fotoshooting:

Start und Ziel: Camping „La belle Etoile“ in Aguessac. Archivbild, Leica M10 28mm Elmarit bei f/3.4. 1/1500s. ISO 200

Am Pas de Souci ist eine Aussichtsplattform. Ich kaufte mir im Kiosk unten zwei Orangina. Zutritt zur Plattform kostet 50 Cent und ich bekam dafür von dem Kiosk-Besitzer die Zusicherung, ein Auge auf mein Rennrad zu haben. Oben kippte ich die Orangina quasi auf Ex, genoss die Aussicht und tauschte Höflichkeiten über die schöne Aussicht mit einem französischen Ehepaar aus.

Mit frisch gestärktem Blutzucker nahm ich dann die letzte Etappe über Le Rozier bis Aguessac zum Campingplatz, Tour-Kilometer 151.

Markt in Millau

Freitags ist Wochenmarkt in Millau und da ist richtig was los. Ich flanierte hauptsächlich mit der Leica M4 darüber, geladen mit Silbersalz 250D. Als der verschossen war, drehte ich noch eine Runde mit der M11 und 35mm Ultron. An den Kameras und dass ich damit fotografierte, störte sich kein Mensch und ich bezweifle nicht, dass der Formfaktor wieder eine große Rolle spielte. Ich denke, die übliche Kombo fernöstlicher Hardware mit dickem Zoom-Objektiv davor würde ggf. mehr Anstoss erregen. Ich muss jetzt eine Kröte schlucken: Bei so einer Gelegenheit kann man natürlich mit 60MP (da ich sonst immer für weniger Auflösung plädiere) nachträglich eine Menge aus den Fotos isolieren, wenn man auf irrelevanten Kontext verzichten will.

Unter den Cevennen

Von den diversen Höhlen in der Gegend finde ich die „Grotte de Dargilan“ am sehenswertesten. Sonntagmorgen radelte ich dorthin und machte gleich die erste Führung mit. Wir waren zu dritt. Unser Guide nahm seine Aufgabe trotzdem ernst. Die Führung ist auf Französisch, für mich ok, aber wer mehr Info braucht, bekommt einen Zettel mit deutschen Erklärungen an der Kasse. Ich hatte das 28mm Summicron vor die M11 genommen. Irgendwann habe ich die Leica Q zur idealen Höhlenkamera erklärt, und das ist bis heute wahr, schon wegen der Bildstabilisierung. Aber auch ohne das läuft die M11 ihr in Punkto Bildqualität den Rang ab. Kann ich ohne weiteres behaupten, habe ich doch aus derselben Höhle auch Fotos aus der Q.

Cevennen
In der Grotte de Dargilan. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/3.4. 1/125s ISO 1000

In der Auvergne

Früh zum Col d’Entremont: Chapelle St. Antoine. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/5.6. 1/1600s ISO 125

Da bleibt noch einiges unerwähnt von dem, was ich in den Cevennen und Auvergne gemacht und welche anderen lohnenswerten Motive ich an den Strecken so gefunden habe. Ich hatte z.B. die M10-M mit und es gibt einige Infrarot-Aufnahmen, unter anderem vom Viaduc du Millau. Vielleicht rede ich darüber in einem gesonderten Beitrag. Jedenfalls versetzte ich am Dienstag morgens nach Neussargues in der Auvergne. Dort fand ich einen schön angelegten und gut gepflegten Campingplatz. Ich unternahm von dort Fahrten in die Vulkan-Landschaft westlich von Murat, vor allem den Puy Mary wollte ich am Pas de Peyrol überqueren und Salers besuchen.

Panorama südlich des Puy Mary. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/8. 1/750s ISO 125
Vom Pass kann man den Gipfel des Puy Mary erklimmen. Das war mir denn doch zu viel. Leica M11 mit 28mm Summicron f/6.8. 1/750s. ISO 125
Die beiden niederländischen Rennrad-Enthusiasten am Pas du Peyrol lernte ich am Vorabend auf dem Campingplatz kennen. Die beiden hatten Großes vor: Eine Riesentour quer durch Südfrankreich und die Pyrenäen mit zig-tausend Höhenmetern. Nur mit Rennrad und rudimentärem Gepäck. Chapeau!

Ich drehte erst mal eine Runde über Puy Mary und Col du Pertus, dann durch den Skiort Le Lioran über Murat nach Neussargues zurück. Eine recht einfache Strecke, bis auf die etwas unbequeme Steigung von 12-14% den Col du Pertus hoch. Die wahre „Challenge“ kam erst am Tag danach. Salers und zurück über Puy Mary. Im Winter war ich die Strecke auf meinem Garmin Flux-Trainer gefahren. Simuliert. Die Bergankunft am Puy Mary von Salers kommend war Ziel einer Tour de France Etappe 2020. Lennard Kämna und Martinez lieferten sich ein Duell (hier der letzte Kilometer auf YouTube), bei dem Martinez am Ende mit unfassbaren 25km/h die 17% Steigung raufpowert und die Etappe gewinnt.

Dieser Anstieg zum Pas de Peyrol von der Seite ist ein richtiger Hammer und ich war schon froh, überhaupt da hochfahren zu können, wenn auch mit der halben Geschwindigkeit der Profis. Salers und zurück nach Neussargues sind nur etwas über 100 Kilometer, aber durch die Höhenmeter kommt man auf seine Kosten.

Auf dem Anstieg von Salers kommend gibt’s noch von der Tour ziemlich viel zu lesen. Mn kann auf einem Foto nur erahnen, wie steil das da ist. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/5.6 1/500s ISO 125

Salers ist so ein über-restaurierter Mittelalter-Ort, ehrlich gesagt eine Touristenfalle. Gruselig perfekt. Da fand ich Murat, das auch nicht ungepflegt ist und einen historische Stadtkern hat, realistischer. Da wohnen und arbeiten Leute ganz normal. Auf dem Rückweg von Salers kaufte ich in einer unscheinbaren Boulangerie eine Tarte au Pomme, ein kleines Mädchen von höchstens 11 Jahren bediente mich souverän. Die Tarte war exzellent.

Murat in der Mittagsruhe. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/4 1/1000s ISO 125

Ausflüge nach Saint Flour und zum Viaduc du Garabit waren ebenfalls auf dem Programm. Saint Flour hat eine besondere Lage auf einem Felsplateau und unterteilt ich in eine Ober- und Unterstadt. Als ich da war, musste ich leider feststellen, dass der Lack dort so ziemlich ab ist. Das gleiche Problem wie viele kleine Städte auch bei uns, viele Leerstände und zu wenig Geld zum renovieren.

Das Viaduc du Garabit trägt eine berühmte Handschrift, es ist von keinem geringeren als Gustav Eiffel konstruiert. An der A75 ist ein Aussichtspunkt, aber ich wollte schon immer mal darunter durchfahren. Weiss auch nicht, was das ist, dass mich Brücken so faszinieren. Wahrscheinlich berufsbedingt.

Unter dem Viaduc du Garabit. Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/3.4. 1/1000s ISO 64

Am letzten Abend radelte ich noch zu einem Wasserfall, der „Cascade de Prapsou“. Nichts gewaltiges, aber hübsch gelegen. Auf dem Rückweg zum Campingplatz machte ich mein Abschiedsbild von der Auvergne. Am nächsten Morgen fuhr ich nach Hause, die Strecke war völlig unproblematisch, wenig Verkehr und ich war Abends da.

Cascade. Leica M11 mit 28mm Summicron bei f/16 1s. ISO 64
Abschied von der Auvergne. Leica M11 mit 35mm Ultron bei f/4.8. 1/1000s. ISO 64

 

12 Kommentare

  1. Jörg-Peter Rau

    Danke, Claus, für den schönen und ermutigenden Bericht und die tollen Bilder. Da packt einen doch gleich das Reisefieber, zumal ich die Region ein bisschen kenne. Nur das mit der umgehängten M… ich weiß nicht so recht. Lenkertasche ist aber auch keine Alternative. Bei der Rad-Durchquerung des Baltikums habe ich da vor über 20 Jahren mal eine analoge EOS 50 in Einzelteilen rausgeholt. Objektiv von der Kamera weg. Bajonett vom Body getrennt, Spiegel lose in der Tasche, Batteriefachdeckel auch irgendwo. Rudimentär repariert (hielt noch ein paar Tage) und gelernt: Noch schlimmer als Staub sind Vibrationen. Grüße Jörg-Peter

    • Claus Sassenberg

      Guten Morgen Jörg-Peter,

      seit Jahrzehnten fahre ich Rad mit Kamera „dabei“, aber immer am Körper, nie am Fahrrad. Rennrad, Mountainbike, Trekking, egal. Aber am Rahmen macht das keine Kamera mit. Die Stöße sind zu stark. Zumindest, wie ich fahre.
      Dass die Kamera bei einem Sturz (unter Umständen) eine gewisse Verletzungsgefahr birgt, ist klar. Aber das Fahrrad selbst ist auch nicht gerade aus Schaumstoff. Ohne Kamera ist für mich im Urlaub keine Option, und so nehme ich das in Kauf. Meine Entscheidung. Kann jeder mit sich selbst abmachen.

      Viele Grüße nach Konstanz,

      Claus

  2. Wunderschöne Landschaft, spektakuläre Bilder und Respekt vor der guten Kondition im Sattel! Besten Dank für den umfangreichen Reise- / Fotobericht.

  3. Guten Tag Claus,
    ich habe mit sehr viel Freude und Neugier diesen Bericht gelesen und diese Bilder sehr genossen. Danke für die Mitnahme. Die Kombination M11 und das 35mm und bei mir das 24mm ist immer wieder eine Wucht. Wenn alles gut geht und uns nicht wieder das C überrascht wird dieses Paket – ergänzt durch das 75 Apo – die Reise von Passau an das Schwarze Meer begleiten.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sommer und ich freue mich auf neue Berichte. Vielen Dank und einen lieben Gruß aus Berlin

    • Claus Sassenberg

      Guten Morgen Frank,

      ich freue mich, wenn man mit den Reiseberichten was anfangen kann oder man eine Anregung mitnimmt! Ich hatte übrigens auch häufig das 28mm Summicron vor der M11. Das hatte ich wegen der Lichtstärke mit, weil ich vor der Reise überlegte, ob ich mal ein paar Sterne fotografiere. Das hatte sich schnell erledigt, meinen Nachtschlaf brauchte ich aus offensichtlichen Gründen.
      Will aber sagen: 28mm! Normalerweise hatte ich schon früher ganz oft das 28mm Elmarit f/2.8 für solche Zwecke vor der M10. Das ist eine Super-Optik und doch klitzeklein. Hätte ich es mit gehabt, wäre das ganz klar 1. Wahl gewesen für die Touren (werde ich jetzt hier zuhause wieder öfter einsetzen).
      Für deine Reise wünsche ich alles Gute – mit deiner Objektiv-Kombination wird auf jeden Fall nichts fehlen 😉

      Viele Grüße aus Ostwestfalen,

      Claus

  4. Lieber Claus,

    ein wunderbarer Bericht mit so schönen Beschreibungen und erst die Bilder. Die Farben gefallen mir sehr gut. Offensichtlich sind die gewählten Objektive eine gute Paarung mit der M11.

    Viele Grüße
    Dirk

  5. Lieber Herr Sassenberg,
    Meine M ist auch schon öfter am kurz eingestellten Leica-Gurt auf dem Rücken Rennrad-, Crosser- und MTB-Touren mitgefahren und hat dadurch einige meiner Lieblingsfotos ermöglicht. Mulmig wurde mir aber immer beim Gedanken an einen kapitalen Sturz. Dann machen rund ein Kilo Messing und hochvergütetes Glas aus einem einen Schwerstpflegefall. Arrgh!
    Die Kamera im Rucksack ist für mich auch keine gute Lösung – fummelig und selbst mit zusätzlichem Rückenprotektor würden schlimmste Verletzungen nur ein wenig gedämpft. Gibt es mittlerweile Bikepacking-Lenkertaschen, die die M ausreichend schützen und sie trotzdem schnell griffbereit machen? Jedwede Taschen am Rad sehen ja leider auch nichts aus, aber einen Tod muss man halt sterben!
    Take care!
    BS

    • Claus Sassenberg

      An einen Sturz mit dem Ziegelstein im Kreuz habe ich auch schon mit mulmigen Gefühlen gedacht, aber bisher erfolgreich verdrängt. Eine sehr weiche (!!) Lenkertasche wäre vielleicht eine Option, aber so richtig Ausschau danach habe ich noch nicht gehalten. Falls dir (ist „du“ ok?) was über den Weg läuft, bin ich für Vorschläge offen.

      Viele Grüße und „bonne Route“,

      Claus

  6. Sebastian Urban

    Lieber Herr Sassenberg,

    schöner Bericht und tolle Fotos. Besonders „Markt in Millau“ und „Le Pont des six Liards“ gehören in eine besondere Klasse. Das Licht ist schon magisch. Ein Bericht über den Workflow findet bestimmt viele Leser.

    Viele Grüße und viel Gesundheit!

    P.S: Gibt es eine GPX-Datei von der Tour? Könnte ich dann mal nach fahren wenn ich in der Nähe bin,

    • Claus Sassenberg

      Lieber Sebastian,

      der Workflow ist gar nicht so kompliziert. Das Licht machte schon für sich das meiste aus und in LR wurden lediglich die Tonwerte etwas nachgestellt. Freilich: Das Farbprofil der M11 (statt wie sonst Adobe Standard) liegt allen Bildern zugrunde, und das ist recht gut gesättigt.

      Die GPX Datei schicke ich per Mail!

      Viele Grüße und gute Fahrt,

      Claus

  7. Kay Schwieren

    Hallo Herr Sassenberg,

    ein sehr persönlicher und wahrscheinlich gerade deswegen schöner Reisebericht mit tollen Bildern.
    Als regelmäßiger Leser freue ich mich schon auf weitere Beiträge.

    Gruß Kay

  8. ingo reinhardt

    Lieber Doc.,
    Sie verfolgen mich nicht nur mit dem Leica-Virus, sondern auch mit Ihren Reiseberichten (die ich alle aus der Studentenzeit und später kenne) und jetzt auch noch mit Rennrädern. Wenn ich Ihren Bericht analysiere sind die Eingangsgrößen der Frankreichfahrt mit: Beanspruchungsgrad, Geschwindigkeit, Bewegungsart (Fahren /Fotografieren), Temperaturen, den Störgrößen wie Werkstoff / Geometrie der Kette/Zahnkranz und den Wechselwirkungen zwischen den Elementen (Gegenkörper (Kette) zu Grundkörper (Zahnkranz)) erheblich. Die Ausgangsgröße aus der Systemstruktur mit Kraft, Drehmoment, Bewegung, Drehzahl wird im wesentlichen beeinflusst durch das richtige Kettenöl für das Simplo Pavio. Wenn Doc mit Leica auf Rennrad, dann bitte auch ein Hochleistungsöl. Die Besten sind: Holmenkol, Mac-Off und F100. Ich fahre ein Stevens xenith mit Mac-Off. Öl ist nicht einfach Öl.
    Wenn im Leicaforum steht, (lese ich nicht mehr), das man Fahrradöl auch für Objektive nutzen kann staune ich.
    Weiter so über Leica, Urlaub und sonstiges auf diesen Niveau.
    Liebe Grüße aus Graz
    Ingo Reinhardt

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