Posted by on 3. Juli 2018

Firmware Updates bei Leica

Am letzten Freitag war grosses Update-Release bei Leica. Die Firmware der Modelle M, Q, CL und TL ist überarbeitet worden. Bis auf eine Ausnahme (davon später) hat das die Gebrauchsfähigkeit der Kameras leicht bis deutlich erhöht.

Das Leica M10-Update

Ich hätte davon gar nicht so schnell etwas mitbekommen, hätte Martin mir nicht gleich am Freitag, als die Nachricht noch ganz „heiss“ war, sofort eine Mitteilung gemacht. Und in der Tat, da gibt es einen Quantensprung (als jemand, der sich mit Physik ein wenig auskennt, wundere ich mich immer, weshalb dieser Ausdruck für grosse Schritte gebraucht wird. Ein Quantensprung ist nämlich sehr, sehr klein) in der Sensorfunktion: Es sind nun bei Base-ISO Belichtungszeiten bis zu vier Minuten möglich! Das eröffnet neue Welten in der Langzeitfotografie. Nur mal nebenbei: Das ging schon mit dem CCD-Sensor M9, nach Umstellung auf CMOS bei der M240 war dann plötzlich Sense damit, 60 Sekunden war das höchste der Gefühle. Für einige Jahre.

Und für viele Belichtungs-Situationen reichte das auch völlig aus. Aber mir fällt sofort etwas ein, wo es immer schwierig wurde: Sternenhimmel. Es war immer knapp. Etwa dreissig Sekunden waren bei ISO 400 möglich, da brauchte man schon ein entsprechend lichtstarkes Objektiv, um genügend Sternenlicht einzufangen. Jetzt sind bei ISO 1600 immerhin 32 Sekunden möglich, das bedeutet einen Gewinn von zwei Blendenstufen.

Firmware Updates

Der Sternenhimmel über Vlotho. Ein Bild aus der M9, mit dem 21mm Elmarit bei f/2.8 32 Sekunden bei ISO 640 Das war so maximal möglich, aber viel Luminanz-und Farbrauschen. Da müsste nach dem Update mit der M10 was besseres drin sein.

Die vollen vier Minuten (bei ISO 100) empfehlen sich nicht, weil die Sterne sich in der Zeit ein gutes Stück weiterbewegen und darum nur als Streifen auf dem Bild erscheinen („richtige“ Astrofotografen haben natürlich besonderes Equipment für die Nachverfolgung). Will man aber vom  festen Stativ aus die Sterne noch punktförmig darstellen, gilt die Faustformel 600 : Brennweite des Objektivs = Maximale Belichtungszeit. Bei einer 21mm-Optik also etwa 30 Sekunden, bei 28mm ungefähr 20 Sekunden. Z.B. kann man mit 28mm Summicron den M-ISO-Wert der M10 auf 2500 stellen, die maximale Belichtungszeit ist 24 Sekunden. Mit diesen Einstellungen kann man die „eingefangene“ Lichtmenge optimieren.

Nun bin ich an diesem Wochenende nicht gleich losgerast, um die neuen Möglichkeiten auszuprobieren. Denn erstens hatten wir Vollmond, und der ging in aller Pracht auf, just als es endlich dunkel wurde. Zweitens brauche ich zur Zeit dringend meinen Nachtschlaf. Irgendwann in den nächsten Wochen ist Urlaub, da findet sich bestimmt ein Motiv.

Eine zweite wichtige Sache wurde in diesem Update endlich wiederhergestellt: Der „geschätzte“ Blendenwert in den Exif-Daten. Den hatte ich wirklich vermisst. Bei der M10 war der plötzlich verschwunden,  mit der Begründung, er sei sowieso zu ungenau. Quatsch mit Sosse! Sowohl bei M9 wie auch bei M240  passte er meist verblüffend gut, und selbst wenn er mal etwas daneben lag, hatte man noch einen guten Anhaltspunkt.

Die restlichen Veränderungen in dem Update hauen mich nicht so vom Hocker, aber sind o.k.

Das Leica Q-Update

Firmware Updates

Restlicht+Sternenhimmel über dem Tarn. Da wir schon bei Langzeit-Belichtungen sind: Das ist mit der Q so möglich, aber auch noch ordentlich am Rauschen. Wenigstens „merkt“ sich jetzt die Kamera, das der Selbstauslöser aktiviert ist.

Eine ganze Menge kleinerer Verbesserungen. Die wichtigsten für mich: Die Bildstabilisierung hat nun eine „Auto“-Einstellung, d.h. sie aktiviert sich von selbst ab 1/60s Belichtungszeit und länger. Das ist aus zwei Gründen hilfreich: Erstens braucht man sie bei kürzeren Zeiten wohl kaum, zweitens will man dann vielleicht bewegte Motive aufnehmen, und da stört die Bildstabilisierung! Man muss jetzt nicht dauernd daran denken, sie dann abzuschalten.

Eine nervige Eigenschaft wurde abgestellt: Die Kamera „vergass“ nach dem abschalten (oder nach Standby) immer den Selbstauslöser. Jetzt nicht mehr. Brachte einen jedes Mal zur Weissglut, wenn man Langzeitbelichtungen machte und den Selbstauslöser auf zwei Sekunden stellte, um vom Stativ verwackelungsfrei auszulösen. Immer wieder ins Menü, neu einstellen. Gut, es gab da „Workarounds“, aber trotzdem…

Schnellere DNG-Verarbeitung, ja gerne. Wenn das auch im praktischen Leben bisher kaum störte. Favoriten-Menü wie bei der M10, kann auch nicht schaden. Elektronischer Verschluss ist dauerhaft aktivierbar, auch o.k. Diverse weitere Kleinigkeiten, nichts zu meckern.

Bei bewegten Motiven musste man bisher daran denken, die Bildstabilisierung auszuschalten. Das kann man jetzt auf Automatik stellen.

Aber jetzt: Am Freitag kam das Update heraus. Die Installationsanleitung für die Q war leider hanebüchener Unsinn! Wer danach vorging, kam auf keinen grünen Zweig. Es schadete der Kamera nicht, aber das Update konnte man nicht installieren. Bis Montag morgen war der Blödsinn auf der offiziellen Downloadseite von Leica. Eine effizientere und subtilere Art, tausende von Leica Q-Nutzer weltweit zu verärgern, hätte man sich auch in wochenlangen Beratungen bei Leica kaum ausdenken können! Peinlich hoch Zehn! Und das ganze Wochenende. Hat das wirklich vorher keiner in Wetzlar mitbekommen? Als Verantwortlicher wäre ich zur Not auch Nachts mit hochrotem Kopf zur Firma gefahren und hätte den Fauxpas richtiggestellt. Erst am Montagmorgen wurde die Sache korrigiert.

O.K., ein Luxusproblem. Schwamm drüber.

Das Leica CL-Update

Das hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, weil ich die Kamera ja nicht habe. Aber… da scheint was schiefgelaufen zu sein mit der vermeintlichen „Verbesserung“. Als ich gestern auf Macfilos schaute, konnte ich Mikes Lamento lesen.

Wie viele CL-Besitzer nervte ihn die Tatsache, dass sich der Fokuspunkt ständig verstellte, weil die Kreuzwippe viel zu leicht anspricht, wenn man die Kamera aus übliche Weise um hat. Ein Punkt, den er schon wenige Tage nach Vorstellung der Kamera beklagte. Nun versprach das Update durch eine neue Tastensperre-Funktion Abhilfe.

In der Ankündigung des Updates war Mike voll des Lobes, gestern total frustriert. Weil er nämlich gemerkt hat, dass alle Tasten gesperrt sind und die Kamera zur „Point and Shoot“ degradiert wird. Ständig die Tastensperre zu lösen, um Einstellungen (Blende, etc.) zu verändern, ist offenbar noch nervtötender als den Fokuspunkt wieder einzustellen. Also zwei Schritt vor, einer zurück. Über’s Ziel hinausgeschossen.

Als ich Mikes Text las, musste ich schmunzeln. Nicht aus Schadenfreude, sondern weil man merkt, wie er als Brite seine Emotionen im Griff hat. Jeder andere wäre ausgerastet.

Exkurs: Das haben die Angelsachsen übrigens mit den Ostwestfalen gemeinsam: Starke Gefühle hat man unter Kontrolle. Ausserdem pflegt man auch hier das Understatement. Zum Beispiel kommt in Ostwestfalen auf die Frage, wie das Essen geschmeckt hat, unweigerlich die Erwiderung: „Kannste nix von sagen“, und das ist das höchste Lob, sozusagen drei Sterne mit Eichenlaub und Schwertern. Des weiteren schont man auch die Gefühle der Mitmenschen. Wenn das Essen nicht so gemundet hat, kommt nur der lakonische Kommentar : „Brauchste nich‘ wieder kochen.“  Oder wird zum Beispiel ein neuer Einrichtungsgegenstand (Vasen, Möbel, Bilder etc.) stolz vorgeführt und der Ostwestfale/die Ostwestfälin hat Mühe, sein/ihr Essen unten zu behalten, sagt er/sie nur kurz: „Hmm, wo’s hinpasst“, und das ist leider eine vernichtende Kritik. Zudem ist der Ostwestfale/die Ostwestfälin Fatalist. Über die Zustände in der Welt schüttelt er/sie traurig den Kopf und merkt an: „Das is‘ alle was!“

Nachdem die CL-Gemeinde so aufgeschrien hat, gibt es vielleicht eine Nachbesserung? So schnell bestimmt nicht, dafür kenne ich Leica zu gut. Reaktionszeit wie ein Gletscher. Aber genug Gemecker. Für meine Modelle, die M10 und die Q, sind in der neuen Firmware echte Verbesserungen eingetreten!

Comments

  1. Klaus R.
    12. Juli 2018

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    Hallo Claus!
    Ich muss mal naiv fragen: Wie wird denn der Blendenwert vom Objektiv übertragen? Die M-Objektive sind doch alle rein mechanisch oder nicht?
    Gruß, Klaus.

    • Claus Sassenberg
      12. Juli 2018

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      Hallo Klaus,

      gar nicht naiv, das ist schon eine Frage wert!

      Ausser der TTL-Messung hat die Kamera noch einen weiteren Sensor für das Umgebungslicht. Ein kleiner, runder Einlass direkt am oberen Rand vorne, wo die Stufe zum Zeitenrad ist. Die Kamera vergleicht den Lichteinfall durchs Objektiv mit dem extern gemessenen Wert und errechnet die Blende. Das funktioniert erstaunlich gut und liegt nur selten daneben. Aber selbst dann hat man die „Hausnummer“, was man eigentlich eingestellt hat und das ist natürlich für die Bildanalyse sehr hilfreich.

      Die M9 und die M240 hatten das auch, nur bei der M10 war das plötzlich „wegrationalisiert“, warum auch immer. Für mich sehr erfreulich, dass man sich da besonnen hat.

      Liebe Grüße,

      Claus

  2. Günter Szwoch
    5. Juli 2018

    Leave a Reply

    Hallo Claus,
    hier ist der Günter aus Canada. Nach Einspielung der Firmware V 3.0 auf meine Leica Q habe ich festgestellt, daß die maximale Verschlußzeit bei 1+ nur 1 Sekunde ist. Mit dem Daumenrad kann ich nur 0.6 oder 0.8 einstellen.
    Mache ich erwas falsch? Die Version 2 gab uns 120 Sekunden.
    Wäre Dir sehr dankbar wenn Du mir helfen kannst, hast es schon mal getan nochmals danke dafür.
    Viele Grüße Günter

    • Claus Sassenberg
      6. Juli 2018

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      Hallo Günter,

      alles wie immer: Zeitenrad auf +1, Daumenrad nach links drehen, ISO muss aber auf 100 stehen, damit du in den Genuss der vollen 120 Sekunden kommst.

      Vielleicht hattest du das Rad nach rechts gedreht, dann kommt man nämlich auf die 0,8 oder 0,6 Sekunden.

      Liebe Grüße nach Kanada,

      Claus

      • Günter Szwoch
        6. Juli 2018

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        Hallo Claus,
        danke für Deine Antwort. Habe alles versucht Daumenrad nach links drehen kein Ergebnis. Habe heute mit Leica Wetzlar gesprochen. Der gute Man hat erst mal die V3.0 eingespielt, dann hat es bei Ihm geklappt. Sein Rat Batterie raus wieder rein, keine Abhilfe, dann Kamera zurücksetzen. Dann hat es geklappt. Warscheinlich ein kleiner hicup wie wir so sagen.
        Trotzdem nochmals taused Dank, schön, dasß Du immer versuchst zu helfen.
        Schönes Wochenende, viele Grüße aus Canada
        Günter

  3. Martin
    3. Juli 2018

    Leave a Reply

    Hallo Claus,

    gerne, gerne …

    Irgendwann wird die M10 oder ihr Nachfolger dann meine M-P ablösen bzw. ersetzen. Leider gab es ein entsprechendes Update mit Erhöhung der möglichen Belichtungszeit für die M (240) nicht. Groll …

    Als langsam alternder Ruhrpottler fühle ich mich glatt daheim beim „Exkurs“. Beim Lesen ereilte mich ein Schmunzeln im Gesicht. Gesagtes passt absolut …

    … und in mir keimt ein Stückchen Hoffnung auf, so dass ich beschlossen habe, Ostwestfale zu werden. Habe fertig, zur Zeit, hier in Ndby. …

    Herzliche Grüße,
    Martin

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