Das Beitragsbild ist von den Krimmler Wasserfällen. Ich habe es vor einigen Jahren mit der M9 und dem 21er Elmarit f/2.8 asph. gemacht.

Es war ein spontaner Entschluss, über Ostern ein paar Tage ins Tannheimer Tal zu fahren, eine Gegend, die uns seit Jahren ans Herz gewachsen ist. Nicht zuletzt wegen des Hotels, in dem wir immer absteigen, dem Lumberger Hof. Komfort, Wellness, Unterbringung und Essen lassen nichts zu wünschen übrig. Wer will, kann mit Franz (dem Chef) oder seiner Tochter Ramona auf geführte Wandertouren gehen.

in den Alpen

Die Kinder in Grän treiben am Ostersamstag mit Lärm den Winter aus

Das hätten wir auch gemacht (wie schon so oft), aber wie’s der Zufall wollte, lag sogar noch gut Schnee. Da wir alle ziemlich gern Ski fahren, war es daher keine Frage, was wir tagsüber machten. Ich wage es ja kaum zu sagen…  ich hatte die M240 zum ersten mal seit Jahren zuhause gelassen (Schande über mich!), aber ich wusste ja vom Januar, dass ich für die Bedürfnisse eines Skiurlaubs mit der Leica Q allein auskomme.

Leica Q (Typ 116) 28mm Summilux f/2.0 1/16000sec ISO 100

Fokus auf den Punkt: Slalom, mit einer 16000tel Sekunde festgenagelt

Obwohl ich darüber ja bereits ausführlich geschrieben habe, sei hier noch einmal kurz zusammengefasst, warum ich die Leica Q gegenüber der M beim Wintersport bevorzuge:

  • Kleiner und leichter, trägt sich gut beim Ski fahren
  • schneller Autofokus
  • mit einer Hand bedienbar
  • die von der M gewohnte mega-Bildqualität

All dies musste sie nicht erneut beweisen. Nachzutragen bleibt noch, dass wir zwar diesmal auch schönes Wetter hatten, aber auch ein Tag mit häufigen Schneeschauern dabei war, ein Umstand, der für mich kein Grund war, die Q davor zu schützen. Es störte sie auch nicht weiter. Einmal hatte es mich richtig verrissen, in einem hässlichen Gewirr von Skiern und Stöcken rutschte ich gut hundert Meter den steilen Hang herunter, bevor ich die Kanten in die Piste bekam. Als ich mich (unversehrt) aufrappelte, blickte ich erstaunt auf meine Brust. Ich konnte mich nicht erinnern, den Kopf eines Schneemannes umgehängt zu haben. Eine kurze archäologische Freilegung brachte die Q zutage, die zum Lawinenopfer geworden war. Ich klopfte den Schnee ab, reinigte den Front-Filter, und das war’s. Wieder Einsatzbereit.

Leica Q (Typ 116) 28mm Summilux f/1.7 1/60sec ISO 2000

Sammeln vor’m Hotel zum Laternen-Gang

Leica Q (Typ 116) 28mm Summilux f/1.7 1/40sec ISO 6400 Leica Q (Typ 116) 28mm Summilux f/1.7 1/60sec ISO 2000

Unterwegs

Ihre Low-Light-Eigenschaften konnte sie auch wieder unter Beweis stellen: An einem Abend machten wir eine Laternen-Wanderung mit Franz und einigen anderen Hotelgästen. Es war stockfinster, mondlos und sternenklar. Das einzige Licht kam von den Petroleum-Laternen.

Leica Q (Typ 116) 28mm Summilux f/1.7 30sec ISO 400

Uns so sah der Sternenhimmel aus, mehr Restlicht als in St. Jakob (Obersdorf liegt hinter den Bergen)

Doch der eigentliche Anlass für diesen Blog ist diesmal nicht die Q. Im Hotel waren nämlich neue Foto-Drucke (60X90cm) aufgehängt worden und einige davon… waren von mir. Ich hatte Franz in den Vorjahren mehrmals meine Fotos zur freien Verfügung überlassen (ich wusste schon, dass es Postkarten mit meinen Motiven gab), aber jetzt hatte er einige Drucke auf Leinwand anfertigen lassen. Anzumerken ist noch, dass ich die Fotos Franz das erste Mal vor ein paar Jahren kommentarlos gegeben habe (also nicht: „Hier, dass sind gaaanz tolle Fotos aus ’ner gaaanz tollen Kamera!“). Obwohl er bei seinen Touren regelmässig Fotos mit einer Point-and-Shoot macht, ist er kein „Hobby“-Fotograf. Er benutzt die JPG’s aus der Kamera und ist’s zufrieden. Warum auch nicht. Aber als er die von Raw-Bildern entwickelten Landschaftsaufnahmen aus der M9 sah, war ihm sofort klar, dass das eine andere Liga war. In den Jahren danach hatte ich meine Reputation dann schon gefestigt…

Leica Q (Typ 116) 28mm Summilux f/4.0 1/3200sec ISO 100

Leica Q: Blick auf den Haldensee vom Neunerköpfle, Ostermontag

Leica M (Typ 240) mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8 1/750sec ISO 200

Leica M240: Ähnliche Perspektive im Oktober 2014 mit dem 28er Elmarit. Man achte auf den unterschiedlichen Bildwinkel, die Q (Winterbild) erfasst etwas mehr, so als ob sie nicht 28mm, sondern vielleicht 26mm Brennweite hat. Ohne Zweifel hat dies etwas mit der In-Camera-Software-Korrektur der Optik zu tun. Es gibt Puristen, die sich an so etwas stören und es als „mogeln“ empfinden. Ich halte dagegen, dass so etwas in moderatem Maß angewandt dazu beiträgt, die Abmessungen von Objektiven kleiner zu halten und auch Kosten zu sparen. Vermutlich in diesem Fall eher das Erstere, denn seit wann hat man bei Leica davon abgestanden, etwas besser zu machen, nur weil es mit Kosten verbunden ist?

Ich stand also angenehm überrascht vor großformatigen Drucken meiner eigenen Bilder und freute mich über die Details, die kein (normaler) Monitor zeigen kann. Dabei wurde mir klar, wie viele solcher Fotos ich habe, selbst wenn ich nur die aus der M9 und der M240 zähle (und in den Jahren vor 2010 gibt es natürlich jede Menge Bilder aus verschiedenen Canon-Modellen bis hin zur 5D Mark II, die auch nicht alle Schrott sind). Ich bin nun mal ein Alpen-Fan, wenn ich nicht mindestens einmal im Jahr dort bin, fehlt mir was.

 Leica M (Typ 240) mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/5.6 1/1000sec ISO 200

Gegenlicht am Vilsalpsee

Aber die Möglichkeiten der Landschaftsfotografie beim Wandern und Radfahren erschlossen sich erst so richtig für mich, als mir die M9 mit den kleinen Objektiven in meine Hände fiel. Die Hemmschwelle, Kamera und ein oder zwei Wechselobjektive mitzunehmen, strebte plötzlich gegen null. Nicht nur das, meistens liess ich sie beim Wandern gleich um. Auf die Idee wäre ich mit der Canon 5 D II mit 24-105er Objektiv wohl kaum gekommen. Wer schon mal tausend Höhenmeter mit einem Mühlstein um den Hals hinter sich gebracht hat, kann sich vorstellen, warum.

In my bag

In my Bag: Das geht alles in die kleine Hadley Digital. In diesem Fall nur weite Brennweiten, normalerweise würde ich statt des 12er Voigtländer-Objektivs (das nur sehr begrenzt einsetzbar ist)  eher das 90er Macro-Elmar mitnehmen, 21er, 28er und 50er Brennweite sind dabei. Dann:

  • Ein Ministativ (sehr stabil, von Manfrotto, hat mir schon gute Dienste geleistet)
  • LED-Lampe von Viktorinox, unverwüstlich… leider nicht mehr im Handel
  • Graufilter ND 0.9
  • Lenspen, Mikrofasertuch zur Objektivreinigung
  • Elektronischer Sucher (lasse ich auch meist Zuhause)
  • Ersatz-Speicherkarte

Das Essentielle beim Wandern und in Städten

Wie gesagt: Das kann man alles mitnehmen, aber aus meiner heutigen Sicht tue ich das nur in den seltensten Fällen. Mittlerweile ist das hier meine bevorzugte Kombination: 50er Summilux, 28er Elmarit (auf der Kamera) und 21er Super-Elmar zusammen sind mehr als Genug.
Ich persönlich lasse im Zweifelsfall immer das 28er auf der Kamera und den Rest zu Hause.

 

Sowohl die M9 als auch die (jetzige) M mussten bei mir einiges aushalten. Ich weiss noch, wie ich die M9 bei strömendem Regen mit in der Breitach-Klamm hatte, wo zudem das Wasser auch noch von den Felswänden kam. Noch nie war sie so nass geworden. Und überlebte noch einiges andere beim Wandern, Mountainbiken und Kanu-Fahren. Als ich sie schweren Herzens verkaufte, kam das blank polierte Messing an allen Ecken durch. Meine eigene Leica „Correspondent“.

Leica M9 mit 50mm Summilux asph. f/1.4 1/45sec ISO 250

Prost! In der Kissinger Hütte, draussen Regen und Schnee. Bild mit der M9 und dem 50er Summilux. Ich werde nie verstehen, wie manche nur DxO-Messwerte vergleichen. Diese Kamera hatte ein unterirdisches Ranking, und doch habe ich damit Aufnahmen gemacht, die die Canon 5D II echt alt aussehen liessen. Leute, glaubt euren Augen, nicht DxO! Die Wahrheit ist: Beim M-System sind Objektiv und Sensor eine Einheit, die man so leicht nicht toppen kann. Und so etwas ist eben nicht messbar!

Der M240 ist es seither nicht anders ergangen. Ich weiß, dass viele die M’s mit Samthandschuhen anfassen, aber ich kann keine Kamera gebrauchen, die nicht alles mitmacht, was ich unternehme. Wo sollen sonst die Bilder herkommen? Die Q hat auch schon ihr Teil abbekommen.

Fujifilm X-E2 mit XF 23mm bei f/5.6 1/210sec ISO 200Selbst beim Mountainbiken bleibt die Kamera manchmal einfach um. Zuviel Mühe, sie ständig aus dem Rucksack zu holen.

Ich  nahm  mir die Zeit, die Gebirgs-Fotos aus den letzten Jahren zu sichten (ausgenommen die aus dem Ski-Urlauben, das ist wieder eine andere Kategorie) und kam zu dem Schluss, dass ich ruhig mal meine Portfolio-Seiten erweitern könnte, die ich sowieso ziemlich schnell zusammengeschmissen hatte, als ich die Webseite neu gestaltet habe. In den nächsten Tagen werde ich also Alpen-Bilder neu hinzufügen, einmal Farbe, einmal Schwarzweiss.

Breitach-Klamm, Leica M9 mit 21mm Super Elmar f/3.4 1/8 sec ISO160

In der Breitach Klamm bei Dauerregen

Einer der nassesten Ausflüge, die ich je mit der M9 gemacht habe. Ich musste den Filter vor der Frontlinse des 21mm Super-Elmar wegnehmen, weil er von innen beschlug (!)

2 Kommentare

  1. Hallo Claus,

    herrliche Bilder aus der Bergwelt, welche Du bereits in unter Deinem Portfolio präsentierst. Gerade bei den Fotos mit offensichtlicher Offenblende bin jedesmal wegen der teilweisen Dreidimensionalität überrascht – brillant!
    Hervorstechend sind auch die Aufnahmen mit relativem Größenbezug, wie jene z. B. von den „Hohen Tauern“. Mit dem Stilmittel der in das Foto einbezogenen Personen zeigen sich in fantastischer Weise die vor Ort sich vorzufindenden tatsächlichen Größenverhältnis.

    Highlight Deiner Präsentation sind für mich aber die monochromen Aufnahmen – wie könnte es auch anders sein. 😉 Da mag ich mich unmittelbar aufmachen und in die Berge fahren …

    Liebe Grüße,
    Martin

    • Claus Sassenberg

      Hallo Martin,

      ja, 35er und 50er Summilux haben ein enormes Freistellungspotential, das ich gerne nutze. Bei Tageslicht muss man sich die Mühe machen, einen 0,9 ND-Filter (3 Blendenstufen) vor das Objektiv zu setzen, sonst kommt man mit der Belichtungszeit nicht klar. Den habe ich immer standardmässig in der Fototasche. Allerdings blende ich bei den „klassischen“ Landschaftsaufnahmen immer auf f/4.0 – f/5.6 ab, im allgemeinen möchte man ja doch eher viel Tiefenschärfe haben. Wenn es nicht im Vordergrund etwas gibt, was man freistellen möchte, ist das Offenblendige ziemlich witzlos.

      Und was die Berge betrifft… du hast es gut, du bist ja nah dran. Unser heimisches Mittelgebirge ist ganz schön, aber leider kein Ersatz für die Alpen.

      Viele Grüße, schönes Wochenende,

      Claus

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