Albert Einstein sagte einmal: „Everything should be made as simple as possible, but not simpler.“ Bezieht man diesen Rat auf die Kamerawelt, kann man die meisten auf dem Markt befindlichen Geräte als spektakuläre Fehlschläge bezeichnen, schon was die erste Hälfte des Zitats betrifft.

English version of this article here.

Im Juni 2015 hatte Leica die Q vorgestellt. Was Einsteins „Doktrin“ betrifft: Nach einem Jahr mit dem Apparat kann ich bestätigen, das die Q die erste und die zweite Hälfte des Zitats erfüllt. Damit könnte ich den Beitrag schon abschliessen, es ist alles gesagt…

Die Leica Q (Foto: M240 mit 90mm Macro-Elmar)…naja, nicht ganz. Denken wir mal zurück, wie es im Juni 2015 war, als die Q vorgestellt wurde. Anders als zuvor bei der X-Vario (als ein virtueller Lynchmob mit Fackeln, Mistgabeln und Dreschflegeln auf Wetzlar marschiert war), wurde sie von der „Leica-Community“ recht wohlwollend empfangen, nahmen sich doch ihre technischen Daten auf dem Papier recht gut aus. Entsprechend fielen die Reviews der „Großen“ aus (z.B. Jono Slack, Ming Thein, Kristian Dowling, Sean Reid etc.). Das direkte Konkurrenzprodukt war damals die Sony RX1RI, im Oktober 2015 stellte Sony dann die RX1RII vor, die die Q in den Staub treten sollte. Aber tat sie das?

Leica Q bei f/4.0 1/60sec ISO 100, An der WeserEs gibt keinen Zweifel, dass die RX1RII ein exzellenter Apparat ist, aber bei Einstein fällt er durch. Nehmen wir noch den Bauhaus-Grundsatz „form follows function“ dazu, ist die Sony im Vergleich weit abgeschlagen. Wohlgemerkt, wir reden hier nicht von Sensordynamik oder Rauschverhalten, da müsste die Sony besser sein. Bleibt nur die Frage, wie sich das „im wahren Leben“ auswirkt? Ich erinnere mich in dem Zusammenhang immer wieder an die Leica M9, die im DxO-Sensorranking eine absolut unterirdische Bewertung hatte. Was also sagt so etwas über eine Kamera aus? Null!

Die Q sprach mich sofort an. Selbst die 28mm-Brennweite, die für manche ein „no go“ war, machte sie mir gerade attraktiv. Aber ich kaufte sie nicht sofort, sondern wartete noch ab, denn damals verdichteten sich die Gerüchte über eine neue Systemkamera von Leica, auf die ich schon schielte. Als die SL jedoch herauskam, war klar, dass sie nicht für mich in Frage kam, viel zu groß (nichts gegen die SL, aber ich bin da einfach in der falschen Zielgruppe). Das andere war, dass ich mich nur ungern von der Fuji X100T trennen wollte (die ich nach wie vor für eine großartige Kamera halte), die durch die Q überflüssig werden würde.

Leica Q bei f/4.0 1/200sec ISO 100, Wintermorgen am Burgplatz

Sonnenaufgang am Burgplatz – Das Summilux-Objektiv der Q beweist seine guten Eigenschaften bei Gegenlicht

Anfang Dezember 2015 wurde ich endgültig schwach und holte sie mir. Es war die Zeit der Weihnachtsmärkte. Die Kamera lieferte mir DNG-Dateien, die meiner M240 um nichts nachstanden. Im Gegenteil, Dynamik und Farbe sind eindeutig besser. Schon nach einer Woche schrieb ich ein „Hands on„, in dem ich meine ersten Eindrücke schilderte und heute, nach einem Jahr, muss ich nichts davon zurücknehmen. Au contraire, ich bin mir nicht sicher, ob nicht mittlerweile die Q zu meiner Hauptkamera geworden ist, während ich die M240 nur für bestimmte Gelegenheiten nutze.

Leica Q bei f/1.7 1/60sec ISO 320, Auf dem Weihnachtsmarkt in Minden

Weihnachtsmarkt in Minden

Um die Weihnachtszeit gab es viele Möglichkeiten, die Low-Light-Performance der Kamera zu testen. Sehr bald war ich von der Brauchbarkeit der Bildstabilisierung überzeugt und die Schnelligkeit des Autofokus toppte alles, was ich bisher bei Kompaktkameras erlebt hatte. Beim Weihnachtsreiten unseres Reitvereins fand ein Mächtigkeitsspringen statt, die Kamera nagelte ein ums andere Mal die Pferde mitten im Flug über dem Hindernis fest. Kurze Zeit später, im Skiurlaub, bewies sie das wieder, als ich Skifahrer beim Springen mit der Serienbildfunktion fotografierte.Leica Q bei f/4.0 1/4000sec ISO 100 Dort im Gebirge und bei Sonnenschein kam ausserdem der elektronische Verschluss zur Geltung, der den ND-Filter bei großen Blendenöffnungen überflüssig macht. Wieder Schrauberei gespart.

Aber diese Dinge für sich allein waren für mich nicht so wichtig, mich überzeugten vielmehr die Eigenschaften der Q in der Summe. Die Einfachheit der Bedienung, die sofortige Verfügbarkeit manueller Kontrollen durch das clevere Design und nicht zuletzt die exorbitante Bildqualität, die der Sensor gepaart mit dem Objektiv immer wieder ablieferte. Hmm… Fanboy-Gequatsche? Vielleicht, aber nach einem Jahr revidiere ich mein Urteil immer noch nicht und kenne auch keine Kompaktkamera, die das gleiche „Fotoerlebnis“ oder mehr bietet.

Leica Q bei f/1.7 1/8000sec ISO 100, Magnolienbaum

Magnolienbaum – Viel Bokeh für so eine kurze Brennweite dank f/1.7

Leica Q bei f/1.7 1/15sec ISO 1000, Der Hermann leuchtetIm Verlauf des Frühjahrs 2016 merkte ich plötzlich, dass sie nicht mehr einfach eine „Zweitkamera“ zur M240 war, sondern praktisch gleichberechtigt, oft sogar bevorzugt. Mein Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit war inzwischen soweit gefestigt, dass ich die M240 zuhause liess, als im März die Lasershow „Der Hermann leuchtet“ stattfand. Die kleine Kamera lieferte „a hell of a job“, alles aus der Hand, ohne Stativ. Das war eigentlich die Feuertaufe für die Unabhängigkeit der Q, fortan liess ich die M240 oft zuhause, vor allem bei Wanderungen oder Radtouren, im Urlaub und im familiären Bereich. Schon vorher hatte ich oft die M240 einfach nur mit einem Objektiv (meist 28 oder 35mm) mitgenommen, wenn ich keine Lust hatte, mich mit einer Kameratasche mit Wechselobjektiven zusätzlich zu belasten.Leica Q bei f/1.7 1/125sec ISO 2500, Der Hermann leuchtet Bei dieser Neigung zur Minimierung der Ausrüstung war die Q genau das Richtige.

An der Ardèche kam mir das sehr entgegen, im Gewimmel eines französischen Wochenmarktes ist eine kleine, leichte und eher unauffällige Kamera (gegenüber den DSLR’s) sehr vorteilhaft, in der Tropfsteinhöhle Aven d’Orgnac konnte ich wieder über die Bildstabilisierung staunen, mit der man mit einer 1/4 Sekunde aus der Hand noch gestochen scharfe Bilder macht (zugegeben: Ich habe berufsbedingt auch ruhige Hände). An diese Sache habe ich mich inzwischen so gewöhnt, dass ich bei schlechtem Licht und unbewegtem Motiv sofort manuell eine Belichtungszeit von wenigstens einer 1/15 oder 1/8 Sekunde wähle.

Leica Q bei f/3.5 1/4sec ISO 200
In der Aven d’Orgnac, Foto aus der Hand mit einer 1/4 Sekunde Belichtungszeit. Die Bildstabilisierung ist von ungeheurem Nutzen.

Leica Q bei f/4.5 1/800sec ISO 100, in BarjacWährend ich all diese Erfahrungen machte und mir die Q (obwohl nur ein toter Gegenstand) immer mehr ans Herz wuchs, gab es zur gleichen Zeit eine Menge Stimmen, die sie aus verschiedenen Gründen niedermachten. Dazu war ein Review auf Dpreview  erschienen, dessen Bewertungskriterien äusserst zweifelhaft waren und der Kamera unrecht tat. Das kritisierte damals schon David Taylor-Hughes. Insgesamt ärgerte mich das alles auch, man kann sagen, ich war ziemlich angepisst! In der Folge schrieb ich ein sehr emotional angehauchtes „Statement zur Leica Q„, um die Welt für mich wieder gerade zu rücken. Offenbar hatte ich damit den Nerv vieler anderer getroffen, vor allem einiger Blogger-Kollegen, die sich über die klärenden Worte freuten.

Leica Q bei f/1.7 1/5000sec ISO 100, An der Ardèche

Freizeit an der Ardèche

Leica Q bei f/5.6 1/320sec ISO 100, Wanderung am Rieussec

Klettern, Mountainbiken oder Wandern – die Q macht alles mit

Leica Q bei f/1.7 1/125sec ISO 3200, Tanz der VampireDennoch war mir klar, dass die Q nicht alles bietet, was ich zuvor mit einer Systemkamera gewohnt war. Die M240 war keinesfalls abgeschrieben, es wäre ignorant, auf die Zeichnung oder Bildwirkung des 50er oder 35er Summilux, oder auch des 75er Apo-Summicron etc. zu verzichten. Bei einigen ziemlich dicht aufeinanderfolgenden Events entdeckte ich, wie gut sich beide Kameras ergänzen. Angefangen hatte das, als ich Anfang März eine Reportage von einem Konzert in einem Flüchtlingsheim machte. Dann kamen das Jahreskonzert der Musikschule Porta und das Varieté der Stufe Q1.

Leica Q bei f/1.7 1/80sec ISO 100, Varieté Mit der M alleine hatte ich immer heftig mit Objektiven jongliert, jetzt hatte ich einfach beide Kameras um und war so in der Lage, in Sekundenbruchteilen zwischen Brennweiten zu wechseln. Das man sich so weniger Staub auf dem Sensor einfängt, ist ein willkommener Nebeneffekt. Beim Varieté wurde ich auch in die Rolle eines Videographers gedrängt (eigentlich nicht mein Ding), jedenfalls entstand eine Menge Footage mit der Leica Q. Eins ist sicher: Entgegen anderslautenden Behauptungen ist die Videofunktion der Q mehr als zufriedenstellend. Das sie professionellen Ansprüchen nicht genügt ist klar, dafür ist die Bedienung narrensicher. Ich hatte einen kurzes Video zur Demo auf Youtube eingestellt.

Leica Q bei f/1.7 1/125sec ISO 10 000, Tanz der Vampire

Dieses Foto ist mit ISO 10 000 aufgenommen. Keine Spur von Banding.

Leica Q bei f/5.6 1/400sec ISO 100, St. Chely du TarnIn der ersten Jahreshälfte hatte sich daher die Rolle, die die Q bei mir spielt, so weit gefestigt, das ich vor dem Sommerurlaub ernsthaft vor der Frage stand, ob ich die M240 überhaupt mitnehmen sollte. Diesen nahezu blasphemischen Gedanken verwarf ich wieder, das war auch gut so, denn die M hat nach wie vor ein paar Tricks im Ärmel, die für die Q unerreichbar sind. Ich wusste mittlerweile sehr genau, was die Q kann, aber auch, was sie nicht kann. Dabei komme ich mit den Grenzen gut klar und finde mich damit ab.

Leica Q bei f/1.7 1/15sec ISO 250, In der "Abime de Bramabiau"

Unterwegs mit dem Mountainbike zum Beispiel habe ich konsequent nur die Q dabei gehabt, dabei gibt an sich genug Gründe, auch mal längere Brennweiten einzusetzen. Oft genug hatte ich in der Vergangenheit die M9 oder M240 und ein, zwei Wechselobjektiven mit (und das war schon gegenüber DSLR-Zeiten eine Erleichterung), aber ich stelle eben fest, dass mir für meine Bedürfnisse und meine persönliche Erinnerung die Möglichkeiten mit 28mm reichen, auf den Rest kann ich gut verzichten.

Leica Q bei f/4.0 1/1250sec ISO 100, Würzburg

Leica Q bei f/16 1/13sec ISO 100, unterwegs beim MountainbikenMeine bevorzugten Einstellungen bei der Leica Q:

  • Blende wähle ich selbst je nach Gegebenheiten, selten kleiner als f/5.6. Gemeint ist die physische Blendenöffnung, also f/8 ist kleiner als f75.6! Z.B. meist etwa f/4 oder f/5.6 für Landschaft, bei Porträt oder ähnlichem bleibe ich oft bei f/1.7-f/2.8. Würde die „A“-Stellung nur wählen, wenn ich die Kamera verleihe…
  • Zeitwahlrad steht meist auf  Automatik, kürzeste Bel.-Zeit bei „A“ auf 1/30 sec begrenzt. Bei absolut statischen Motiven manuell bis zu 1/4 sec, bei bewegten Motiven je nach Geschwindigkeit 1/250, 1/500, 1/1000 sec u.s.w.
  • ISO steht normalerweise auf Auto, begrenzt auf 6400
  • Der automatische Weissabgleich der Kamera ist sehr gut (besser als der der M240), kein Grund, daran etwas zu verstellen
  • Bildstabilisierung habe ich meist an. Vorsicht! Bei bewegten Motiven ausschalten!
  • Schärfeeinstellung: Ein-Punkt-Fokus
  • Belichtungsmessung: Mittenbetont (habe mich von der M daran gewöhnt)
  • Dateiformat: DNG (daher gibt es bei mir keine besonderen JPG-Einstellungen)
  • Alle akustischen Signale aus, keine automatische Wiedergabe der Fotos, das hält nur auf. „Chimpen“ nur bei Bedarf.
  • Displayeinstellung auf EVF-Erweitert
  • Wasserwaage,Clipping und Histogramm lasse ich im Sucher anzeigen.

Leica Q bei f/1.7 1/60sec ISO 400, Ferienmusikwerkstatt

Leica Q bei f/1.7 1/15sec ISO 1250, AmsterdamDie Photokina kam und ging ohne die erwartete Ankündigung auf ein Upgrade der M oder eine Variante der Leica Q mit längerer Brennweite, auf die viele jetzt noch hoffen. Was das betrifft, habe ich ernsthafte Zweifel, ob z.B. eine 50mm Q technisch durchführbar ist, wenn sie ähnlich lichtstark sein soll. Denn ein solches Objektiv bekommt einen beträchtlichen Durchmesser, der die Proportionen einer Kompaktkamera sprengen würde. Eine 50mm-Q mit größter Blende von f/3.4 könnte man mit der vorhandenen Technologie bauen, aber wäre vermutlich ein tot geborenes Kind (huhu… X-Vario…).  Wenn man nicht die Gesetze der Physik überwinden will, müsste man sich radikal neue Technologien einfallen lassen, um trotz großer Anfangsöffnung das Objektiv klein zu halten. Die Forderungen nach einer solchen Kamera sind also genauso realistisch wie die Erwartung, dass die nächste VW-Modell-Generation fliegen kann.

Gut, es wäre nicht das erste Mal, dass die Leica-Ingenieure sich was cleveres einfallen lassen. Vor der M9 hat auch keiner geglaubt, dass man einen Vollformat-Sensor in dem Gehäuse unterbringen kann. Ich bin sehr gespannt auf die kommende M10, möglicherweise wird sie die Q für mich wieder mehr auf die Plätze verweisen. Allerdings hörte man nach kurzem aufflackern in der Gerüchteküche nichts mehr, wann denn diese Wunderding wirklich angekündigt wird. Erst hiess es November, der ist vorbei, jetzt soll es am 18. oder 19. Januar sein. Die Spannung steigt…

Leica Q bei f/1.7 1/250sec ISO 400, Dressurprüfung In den Herbstferien in Holland habe ich digital fast ausschliesslich mit der Q fotografiert (allerdings war ich auch sehr mit der M2 beschäftigt). Bei der zweiten Auflage des Musicals „Tanz der Vampire“ der Projektgruppe der Musikschule Porta hingegen war es für mich selbstverständlich, die bewährte Kombination Q+M zu benutzen, mit vorhersehbaren Resultaten. Das klingt relativ Leidenschaftslos, aber das fotografieren dieses Events hat wieder großen Spass gemacht, erst mal wegen der exotischen Motive, und zweitens, weil es ein gutes Gefühl ist, schon beim fotografieren zu wissen, das man ein adequates Ergebnis abliefern kann.

Leica Q bei f/1.7 1/125sec ISO 2500, Tanz der Vampire

Leica Q bei f/2.8 1/60sec ISO 2000Am letzten Wochenende war ich auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Salzuflen. Es war schon dunkel. Während ich ein Glas Apfelpunsch schlürfte, beobachtete ich zwei Hobbyfotografen, wie sie mit Kameras auf den Stativen recht umständlich auf Motivsuche waren. Auch auf die Gefahr hin, einer gewissen Arroganz bezichtigt zu werden, gebe ich zu, dass ich mit dem Kopf schüttelte. Wer braucht heute noch ein Stativ für so etwas? Aber wenn man mit so einem Lichtschlucker-Monster-Zoom aus recycelten Glasbausteinen unterwegs ist wie die beiden, kann man auch mit einer Nikon-DSLR (ich konnte das genaue Modell nicht identifizieren, aber es war keine kleine) kaum Schnappschüsse machen. Ich merkte auch, dass sie das gar nicht erwarteten. Sie suchten sich nur statische Motive aus. Die Menschen schienen sie nicht zu interessieren. Trotzdem erzähle ich das nicht, um zu zeigen, wie unendlich viel schlauer ich bin, sondern weil das der Auslöser war, dass ich an die Q dachte und mir klar wurde, dass ich genau vor einem Jahr auf den Weihnachtsmärkten begonnen hatte, mich mit ihr vertraut zu machen. So wie die Dinge jetzt stehen, müsste da schon ein enormes Upgrade kommen, bevor ich mich von der Kamera trenne. Aber natürlich wird Leica das irgendwann schaffen.

Eine englische Version dieses Artikels ist auf Macfilos.com erschienen.

Leica Q bei f/1.7 30sec ISO 400, St. Jakob

Die Milchstrasse über der Kirche von St. Leonhard. Diese Bild aus dem Januar ist lange vor dem Update im Sommer gemacht, das die längstmögliche Belichtungszeit der Q beträchtlich verlängerte. Jetzt ist es noch leichter, die erforderliche Menge Sternenlicht einzufangen. Das einzig knifflige bei dieser Art Nachtfotografie ist, auf Unendlich zu fokussieren. Hier war es leicht, ich stellte manuell auf die Kirche scharf.

25 Kommentare

  1. Hallo Claus,
    erstmal ein riesiges Kompliment, erstens für den ausführlich bebilderten Bericht aus dem man sehr viel Wissen über die Q herauslesen und umsetzen kann. Zweitens für die Zeit die Du zur Beantwortung der Fragen investiert hast. sowas findet man heute noch sehr selten. Ich habe auch Jahrzehnte lang Spiegelreflexkameras herum gewuchtet und war es leid viele Kilos mit auf die Berge oder durch die Städte zu schleppen. Geliebäugelt mit einer Leica habe ich schon sehr lange und seit einem Jahr fotografiere ich fast ausschließlich mit meiner Q. Das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl damit Fotos machen zu können. Jeder andere „Reiskocher“ macht mit Sicherheit keine schlechten Fotos, die Technik ist hier auch auf Höhe der Zeit. Doch wenn ich meine Fotos wie gewohnt im RAW Converter entwickeln möchte, stelle ich immer wieder fest, dass man fast keine Regler mehr verschieben muss, das war ich von meiner Nikon ganz anders gewohnt.
    Leider gibt es von Leica viel zu wenig deutschsprachiges Info Material, man muss schon sehr lange suchen um gute Erfahrungsberichte wie die Deine zu finden.
    Eine Leica ist einfach eine Anschaffung fürs Leben und man spart sich jedem Trend hinterher zu rennen.

  2. Hallo Claus,
    deine Berichte über die Q habe ich mit großem Vergnügen gelesen und überlege nun, mir selbst eine zu kaufen. Das wäre meine erste Leica…
    Ist die zwischenzeitlich erhältliche Titanium-Version eine bloße Marketing-Spielart? Was ist „klassischer“ aus der Sicht eines alten Leica-Haasen? Schwarz oder Titan? Auch im Hinblick auf den Werterhalt…
    Herzliche Grüße aus dem Pott!
    Henrike

    • Claus Sassenberg

      Hallo Henrike,

      Die Titanium-Q ist ein Mode-Accessoire, der Stil entspricht auch nicht streng dem eigentlich klassischen Leica-Design, welches Chrom (oder Silber) mit Schwarz abgesetzt ist (wie die aktuellen M10 Modelle in Silber). Die ganz schwarzen Kameras waren früher (also 50er, 60er, 70er Jahre) eher selten, darum erlangen die schwarzen M3, M4 oder M6 auch höhere Sammlerpreise.
      Aber die schwarze Q ist so gesehen „klassischer“ als die mit Titan, und wenn ich bedenke, dass sie technisch identisch sind, würde ich mich für die ohne Schnickschnack (also die Schwarze) entscheiden. Trotzdem: Der Preisunterschied ist nicht riesig, am Ende ist es Geschmacksache. Ich kann nicht sagen, dass die Titan-Version das Auge beleidigt (und da gab es schon Leica-Kameras aus „Sonderserien“, die jedes Brechmittel ersetzen). Du kannst nicht wirklich etwas falsch machen. Für den Werterhalt dürfte Titan oder Schwarz auch keine Rolle spielen.

      Viel Freude mit der „Zukünftigen“, Grüsse aus Ostwestfalen,

      Claus

    • Eine schwarz verchromte Leica M4-P – zeigt auch nach Jahrzehnten keinerlei Gebrauchsspuren am Gehäuse auf. Die nur schwarz lackierten Objektive oder die schwarze M6 fallen nicht so robust gegen Abrieb aus. Beispielsweise dort, wo der Daumen das Gehäuse beim Betätigen des Schnellschalthebels berührt, kommt im Laufe der Zeit das blanke Metall zum Vorschein.

    • Hallo Henrike
      Dank Claus, oder gerade wegen ihm (wann bekommt er endlich Tantiemen von Leica 🙂 ), bin auch ich schwach geworden und habe die Leica Q nach einer heftigen Diskussion mit meinem Finanzchef (ich 😉 ) am Silvester bestellt. Kommt sie doch mir und meiner Vorstellung, was ich bildlich festhalten möchte, kann und darf, am Nächsten. Kein Technikgefummel in den dunkelsten Ecken des Sony Kellermenue. Ein Leica zu kaufen, wenn es doch so viel bessere und BILLIGERE Asiaten gibt (oft gebrachte Einwände in gewissen Foren, die man nicht unbedingt lesen muss), hat immer etwas mit Emotionen und Un..Vernunft zu tun. Dies hat dann auch Einfluss auf die Wahl, Schwarz oder Titan? Ich selber habe mich von meinen innersten, tiefsten und unergründlichsten Gefühlen leiten lassen und die Titan bestellt. Sehr zur Freude meiner lieben Frau. Im März sollte sie endlich in die Hände bekomme. Um die lange Wartezeit noch unterträglicher zu machen, habe ich unterdessen wohl alles im Internet gesucht und gelesen, was es über sie zu lesen gibt.

      Wie du dich auch entscheiden magst, Schwarz oder ganz keck Titan, sie wird deine Sehnsucht nach mehr Leica wecken. Bei mir war es so und die neue M10 wird spätestens nächstes Jahr bei uns zu Hause ein schönes Heim bekommen. 🙂

      Liebe Grüsse aus der Schweiz

  3. Matthias Schaad

    Hallo Claus
    Hätte da eine kleine Frage. Tippfehler?
    •Zeitwahlrad steht meist auf Automatik, kürzeste Bel.-Zeit bei „A“ auf 1/30 sec begrenzt…..
    Kürzeste? Meintest du nicht „längste“ bei A?
    Häbs guet 🙂

    • Claus Sassenberg

      Ups… vertan.

      Meinte in der Tat längste Belichtungszeit. Werde ich im Text noch korrigieren!

      Vielen Dank für die Info,

      Claus

  4. Hallo Claus
    Ich bin seit 2 Wochen Besitzer einer Leica Q und bin daran, die Kamera kennenzulernen. Gemäss deinem obigen Beitrag zu „Meine bevorzugten Einstellungen bei der Leica Q“ erwähnst Du, dass du die Blende selten kleiner als f/5.6 nimmst. Ich habe tatsächlich bei der Q gemerkt, dass bei offener Blende 1.7 eine sehr kleine Tiefenschärfe besteht und somit meine ersten Portraitfotos auch teilweise zwischen Nase und Augen unscharf geworden sind. Wie machst Du es selber mit der Blendeneinstellung, um ein schönes Bokem zu bekommen und trotzdem das ganze Gesicht scharf zu bekommen. Ausser bei gewollter Unschärfe/Gestaltung zw. 2 Punkten. Als Messpunkt stelle ich immer ein Auge mit der „Ein Punkt Fokus“ Einstellung scharf. Ich bin mir natürlich bewusst, dass auch der Abstand zw. Fotograf und Person sowie deren Hintergrund auch Einfluss auf die Schärfeebene haben. Danke für Deine Hilfe.

    Lieben Gruss aus der kalten aber schönen Schweiz
    Maurizio

    • Claus Sassenberg

      Hallo Maurizio,

      einen Irrtum muss ich gleich klarstellen: Wenn ich sage, ich benutze selten kleinere Blenden als f/5.6, meine ich damit nicht den kleineren Zahlenwert. Gemeint ist die Öffnung, also f/8 u.s.w. Ich muss werde das auch im Text noch verdeutlichen, weil dies ein Missverständnis ist, das leicht passieren kann. Tatsächlich benutze ich für Landschaft meist f/4-f/5.6, für Porträt f/1.7-f/2.8. Bei Low-Light ist f/1.7 durchgängig kein Problem, die „Tanz der Vampire“-Fotos sind alle mit dieser Blende gemacht.

      In meinem „Hands on“ zur Leica Q findest du ein Porträt eines Mädchens (in S/W), das bei f/1.7 gemacht ist. Das der Kamera zugewandte Auge ist scharf, das andere bereits ausserhalb der Tiefenschärfe. Ich mag das so. Wenn ich das nicht so gewollt hätte, wäre bei f/2.8 bei dem Abstand zum Motiv alles im Gesicht scharf gewesen.

      Bei Porträts oder anderem „kritischen“ Fokus benutze ich nie den Autofokus, auch nicht mit einem Punkt (der durchaus meine Standardeinstellung ist), sondern den exzellenten manuellen Fokus und stelle selbstverständlich auf die Augen scharf. Es gibt überhaupt keine Kamera, deren Autofokus ich bei dem geringen Abstand auf ein Gesicht zutrauen würde, den Unterschied zwischen dem Abstand zur Pupille oder mittlerem Augenwinkel reproduziebar sicher zu erkennen. Das Lotteriespiel kann man sich sparen, wenn man manuell einstellt. Da ich von der Leica M komme, erfordert das kein Umdenken meinerseits.

      Speziell bei Porträts empfehle ich, genügend Abstand einzuhalten. Als Rahmenhilfe evtl. die 35er oder sogar die 50er Rahmen benutzen, um die Proportionen zu wahren. Die Kamera hat genug Auflösung dafür.

      Viel Freude mit der „Neuen“, frohe Weihnachten in die Schweiz,

      Claus

      • Hallo Claus
        Danke erstmals für Deine Erklärungen und Präzisierungen. Dachte ich mir gleich, dass ich es missverstanden habe. Werde tatsächlich versuchen den manuelle Fokus für die Portraits etc. zu benützen und somit mehr Gestaltungsfreiheit und Treffsicherheit zu erzielen. Dieses geht ja mit dem Fokus Peaking und dem exzellentem Leica Q Objektiv wie Butter.

        Danke für Deine Hilfe und auch Dir eine besinnliche Weihnachtszeit.

        Maurizio

  5. SUMMICRON-M versus SUMMICRON-M ASPH:
    Die unterschiedliche Ästhetik der Fotos hier im PhotoBlog – mal mit einem Doppel-Gauß-Objektiv und mal mit den neusten asphärischen Konstruktionen fotografiert, spiegelt auch meine Wahrnehmung wider.
    „Merkmal der aktuellen Objektive ist ein visuell schnellerer Verlauf von Schärfe zu Unschärfe. … Die Unschärfekreise wirken oft etwas unruhiger und das sollte man bei der Aufnahme beachten.“ (Quelle: Die Seele der Leica M Objektive)
    Weiterhin zeigen die Retrofokus Objektive immer geometrische Verzerrungen, je weiter sich die Orthogonalen von der Bildmitte befinden.
    Alles Merkmale, die auch „digital“ nicht zu kompensieren sind!
    Fazit: Die Optik macht’s – unabhängig vom Speichermedium.

  6. Lieber Claus,
    Danke für den ausführlichen Bericht und den Einblick in Deine Q Erlebnisse.
    Ich hadere mit mir selbst wegen der Q – soll ich oder soll ich nicht. Ich nutze meine Oly EM1 und die Fuji X100T. Die EM1 ist super und mit dem letzten Firmware Update noch vielseitiger einsetzbar (ich fotografiere auch gerne Makro). Die Fuji habe ich aus Neugierde gekauft, war anfangs nicht überzeugt, aber das hat sich geändert. Vor allem im Kreis der Familie und mir den eigenen Kindern (1,5 J) kommt die Fuji viel zum Einsatz. Jetzt kommt die „F“ und es schaut nach „more of the same“ aus und die Q lockt schon wieder (Autofocus, Vollformat, super Bildwirkung, Stabi (kenn ich von der Oly). …).
    Ich hab letzte Woche die Q im Leica Shop kurz probiert. Zwei Fragezeichen: Gewicht und Suchervergrösserung. Beim Gewicht stell ich mir die Frage ob man gut mit einer Hand fotografieren kann (wie gesagt Kinder). Ich finde keine Angabe zur Suchervergrößerung, nur zur Qualität des EFV und die ist ja unbestritten super.
    Falls Du Lust zu einem Hinweis Fuji Upgrade versus Wechsel ins Q Lager hast, würde ich mich auf eine Antwort freuen.
    Beste Grüße
    Herbert

    • Und das Thema „fill light“, da doch viele Fotos im Haus gemacht werden und die Q keinen Blitz hat.

      • Claus Sassenberg

        Lieber Herbert,

        zunächst: Die Q kann natürlich keine Systemkameras ersetzen. Benutzt man häufiger längere Brennweiten, wird man diese irgendwann vermissen. Macro ist eine nette Funktion, aber wenn ich wirklich so etwas machen will, nehme ich die M und mein 90mm Macro-Elmar.
        Die Q kann allerdings die Fuji X100T voll ersetzen, Blitz oder nicht ist irrelevant (bei der Sensordynamik der Q können die Tiefen immer soweit angehoben werden, das Personen im Gegenlicht zu sehen sind. Selbst zu Zeiten meiner X100T kann ich die Gelegenheiten an einer Hand abzählen, bei denen ich Aufhellblitz benutzte. Zumindest für die Q ist das also ein Relikt aus analoger Zeit). Ausserdem ist die Q zwar massiver als die X100, aber selbstverständlich lässt sie sich mit einer Hand bedienen. Der Bildstabilisator nützt dir übrigens beim fotografieren wuseliger Kinder nichts, im Gegenteil, den musst du dann abschalten. Die Suchervergrösserung… keine Ahnung, ist das wichtig? Du hast doch selbst hindurch gesehen, War’s o.k. oder nicht? Ich persönlich vermisse da nichts.

        Am Ende solltest du selbst wissen, was du willst. Die Fuji X100T ist eine exzellente Kamera, und ihr Upgrade wird mit Sicherheit kein Rückschritt sein. Welche Möglichkeiten die Q hat ist vermutlich auf meine Seiten zu sehen. Ob es das ist, was du brauchst, und ob es dir das Wert ist, ist deine eigene Entscheidung. Der Kauf einer Q ist keine voll rationale Handlung. Ich würde sie aber nicht wieder hergeben wollen.

        Viele Grüße,

        Claus

      • Danke für Deine Antwort. Die Oly will ich nicht ersetzen genau wegen der mittleren und langen Brennweiten. Schauen wir einmal was das Christkind so für mich übrig hat und ja rational ist ein Upgrade sicher nicht, aber emotional juckt es mich gewaltig :))

      • Heute ist das gute Stück eingetroffen und kam im familiären Umfeld bereits zum ersten Einsatz (Foto und Video). Wow kann ich nur sagen. Die 28er Brennweite muss ich noch trainieren, da würd ich mich über ein paar Tipps von Dir freuen.
        LG Herbert

      • Claus Sassenberg

        Hallo Herbert,

        Glückwunsch zur neuen Kamera uns viel Freude damit. Wenn du mit der Fuji X100 klar gekommen bist, sollte dich die 28er Brennweite kompositorisch nicht vor allzu grosse Probleme stellen.

        Grundsätzlich gilt bei diesen Weitwinkel-Brennweiten: Bei Porträts nicht zu nah herangehen (sonst: Dicke Nase, Glubschaugen), lieber ggf. die 35er oder 50er Rahmenhilfe nutzen oder später das Bild ausschneiden, Auflösung ist genug da. Bei Personen/Gruppen: Kamera und Motiv sollten auf einer Ebene sein (nicht zu sehr von unten/von oben fotografieren), Distortion ist dann minimiert (Wasserwaage im Sucher hilft!). Bei Kindern: Hinknien!

        Bitte habe Verständnis, dass ich nicht ausführlicher werden kann. Dann bleibt noch die grausame Tatsache, dass es Menschen gibt, die Gefühl für Bildkomposition haben und andere, die es nie kapieren werden, egal wieviel sie darüber lesen. Ein bisschen wie mit Musikalität.

        Am besten, du sammelst deine eigenen Erfahrungen. Wie gesagt, du bist ja mit der X100 vertraut, der Schritt zur Q (kompositorisch) ist nicht so gross (Was die pure Bildqualität betrifft, allerdings schon ein Unterschied).

        Liebe Grüße,

        Claus

      • Portraits in Innenräumen – insbesondere von spielenden Kindern – gelingen mit kurzen Verschlußzeiten und mittleren Blenden aus der Hand am besten. Dazu verwende ich gern einen entfesselten Blitz, den ich auf ein Stativ fixiere oder Jemanden bitte, ihn zu halten. So bleibe ich als Fotograf beweglich in der Wahl der Perspektive und kann die künstliche Ausleuchtung vorab gut in die Komposition mit einbeziehen.
        Steve McCurry verwendete oft aufwendige Blitzanlagen zur Ausleuchtung seiner Portraits, fotografiert mit seinem favorisierten Kodachrome 25: http://www.stevemccurry.com

    • Die Olympus OM-D E-M1 läßt doch keinen fotografischen Wunsch offen, oder? Die Olympus E-1 war meine erste „echte“ DSLR, die auch heute noch – ohne Makel – beste Bilder liefert. Hier hängen einige Urlaubsfotos mit Passe Partout gerahmt im Bildformat von 18×24 cm an der Wand. Sorgfältig belichtet, auf den Punkt fokussiert und mit ruhiger Hand fotografiert, gelingen Fotos, die auch mit den neusten DigiCams (mit Vollformatsensoren) nicht schöner ausfallen – bei identischer Druckvorbereitung mit beispielsweise Photoshop. Die neuere KB DSLR schaffte ich mir wegen der viermal größeren (ebenfalls austauschbaren) Einstellscheibe an, damit ich bei Portraits besser die Schärfeebene an beliebiger Position der Mattscheibe manuell festlegen kann.
      Im Vergleich zur Fujifilm X100T erlaubt die Olympus E-M1 sogar via Klappdisplay ein bequemes Portraitieren auf „Augenhöhe“ – wie mit einer Lichtschachtkamera …

  7. Lieber Caus,
    es erinnert mich ein wenig an meine erste Leica, die Minilux mit dem 40mm Objekiv. Ich habe sie immer noch und vor wenigen Jahren konsequent und ausschließlich für eine Imagebroschüre über Schleswig-Holstein eingesetzt. Klar, auch hier wurde immer von einer unechten Leica gesprochen. Aber, sie war klein und kompakt und sie zwang mich, mit der vorhandenen Brennweite zurecht zu kommen. Und hier ist genau das Geheimnis der Q, man wird nicht mit dem Variieren beschäftigt sondern ist gezwungen, sich den Bildausschnitt zu suchen und damit klar zu kommen. Eigentlich eine Tatsache, die seit Beginn der Fotografie besteht.
    Was ich bei der Fuji, die ich mir nicht wieder kaufen würde, nicht gut finde: Viel zu viele Menüs, Möglichkeiten und Funktionen. Der elektronische Sucher und ein recht künstlich wirkendes Bild.
    Die Q habe ich noch nie in Händen gehabt, seit einem halben Jahr aber das neue 28mm-Objektiv und bin selbst überrascht, wie vielfältig man damit fotografieren kann. Nun habe ich mir einmal Bilder herausgesucht und nach Brennweiten sortiert und festgestellt, dass mit Abstand die meisten Aufnahmen mit 28 oder 50mm entstehen. Was ich mir gewiss wieder zulegen werde, ist für recht seltene Aufnahmen das 90mm. So überrascht der Schritt von Leica wenig, die Q ausschließlich mit 28mm anzubieten und Leica tut gut daran, es dabei zu belassen. Selbst die Q, vom Preis ja schon professionell, erreicht Ansprüche, die gefühlt 90% ihrer Nutzer gar nicht benötigen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die meisten Bilder in digitalen Archiven verschwinden und nur die wenigsten ausgedruckt oder mit entsprechendem Beamer projeziert werden.
    Was ich mittlerweile sehr skeptisch finde, ist die Kombination von Fotografie und Video in einer Kamera. Und dieses ist keine technische Skepsis sondern ein ganz menschlicher und deswegen umso ernster zu nehmender Aspekt: Sind wir mit der Digitalkamera unterwegs, sind die Menschen nämlich verunsichert, weil sie nicht wissen, ob wir filmen oder ein Motiv suchen. Abwehrhaltung ist mitunter die Folge. Bei einer Cam währe dies eindeutig.
    Da ich mir sicher bin, dass bei einer erneuten Wahl einer Digitalkamera diese auf Leica fiel, käme für ich die Q schnell dann infrage, wenn sie einen analogen Sucher hätte. Mir ist übrigens schleierhaft, warum die Q nicht mit ebensolchem angeboten wird, immerhin ist der Sucher einer der Kernkompetenzen Leicas.
    Zudem warte ich darauf, dass Kameras solargeladen werden können. Denn, ist man längere Zeit unterwegs ohne Stromanschluss, was bei Wanderungen durchaus vorkommt, geht nichts mehr.
    Was das Leica-Bashing betrifft- das kann nur von Leuten kommen, die Fotografie nie verstanden haben: Egal, gegen wen oder was gehetzt wird, es soll glaubend machen, es gäbe nur ein System, mit dem man gute Bilder machen kann. Dabei ist Fotografie vielfältig und der Fotograf, wenn er wirklich einer ist, aufgeschlossen, neugierig, experimentierfreudig. Menschen, die bashen, sitzen meist mehr hinter dem Computer anstatt draußen zu sein und zu entdecken- egal ob mit Zeichenblock, einer alten Minox oder dem neuesten Sonykram. Die Kamera ist einzig ein Handwerkszeug, das passen muss wie ein paar Schuhe, jeder wird dies anders fühlen. Und wenn man es schafft, mit der ausgewählten Kamera Bilder zu machen, die wen auch immer berühren, dann hat man die richtige Entscheidung getroffen und nicht einen Cent zu viel bezahlt. Ich jedenfalls bin glücklich mit meiner analogen M, aber sehr neugierig auf die Q. Deine Bilder haben dazu wesentlich beigetragen:-)
    Lieber Gruß ins Weserbergland.
    Kai

    • Meine besten Fotos fotografierte ich freihand mit Brennweiten von 35 bis 85 mm im Kleinbildformat; dieses Jahr knipste ich meine Landschaftsaufnahmen auf Reisen ausschließlich mit dem f1,4/50mm Standardobjektiv meiner vollmechanischen SLR, um die Proportionen – wie gesehen – zu dokumentieren. Zuhause kam meist meine KB DSLR zum Einsatz – einfach, weil es bequem ist und Portraits oft mehrere Versuche beanspruchen.
      Meine über fünf Jahre alte DigiCam hat sicherlich ihren Zenit schon überschritten; als Ersatz wäre eine Leica M-D (262) prima, die aber auch nur für wenige Jahre zu gebrauchen wäre, denn jeder CMOS Sensor altert – unabhängig vom Hersteller. Da ich digital immer im RAW Format speichere und von Hand (AF-Taste) fokussiere, benötige ich kein Display an der Kamera oder tief gestaffelte Menüs. Adobe DNG gefällt mir auch gut. Hoffentlich verlagert Adobe den RAW Converter nicht in die Cloud …

      • Eine M-D könnte mir auch gefallen, sie wäre derzeit mein Favorit. Was nur schön wäre, wenn man den CMOS austauschen könnte. Sollte bei dem Preis drin sein. Zum anderen ärgert mich aber hier die Preispolitik von Leica, die wesentlich mehr als abgespeckte VAriante kostet, obwohl die fehlenden Bauteile einiges an Produktionskosten sparen. Aber ich mag eben auch das Gefühl, etwas in der Hand zu haben, mir sind die Proportionen der M auch nach wie vor sehr angenehm.

      • Ja, die Proportionen (77x138x36) fallen prima aus, zumindest für meine großen Hände! Die Preise für DigiCams mit sogenannten Vollformat Sensoren scheinen momentan zu explodieren – auch bei den japanischen Top Modellen. Eine M-D inklusive dem 50 mm APO Summicron liegt satt im fünfstelligen Bereich! Dafür bekommt man auch eine feinmechanische MP ohne jegliche Elektronik, die ich aber auf (Flug) Reisen nicht einsetzen würde. Solange Kodak Alaris ihr Sortiment anbietet, werde ich Filme belichten und diese in einem guten Fachlabor entwickeln, scannen und ausbelichten lassen. Meine seit Jahrzehnten favorisierte Ausrüstung besteht aus einer Leica M mit dem f2/35mm inklusive der passgenauen Streulichtblende – ohne Stativ und Blitzgewitter …

  8. Prima, daß du DEINE Kamera gefunden hast! Es ist die Einfachheit, die auch mich immer wieder zu meinen beiden (baugleichen) Leicas greifen läßt. Die eine ist mit dem 35iger WW und die andere mit dem 90iger bestückt, sodaß ich vor Ort einfach nur die gewünschte Kamera nehme – ohne mich um die Lage der wenigen Bedienungselemente kümmern zu müssen.
    Mit dem 28iger in Kombination mit dem 50iger oder 75iger können doch auch viele Motive – ohne den zeitraubenden Austausch der Linsen – sogar in staubiger Umgebung fotografiert werden, oder?

    Viel Spaß mit deinen digitalen Leicas wünscht Jolomy!

    PS: Tests ignoriere ich komplett, sondern erfreue mich an zahlreichen Vergrößerungen bis 30 x 40 cm vom Kleinbild …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.