Posted by on 3. August 2015

Auf unserem Rückweg vom Ossiacher See machten wir für zwei Tage in München Station.

Beim betrachten der Bilder kommen mir echt Zweifel. Ist das wirklich das, was ich von München in Erinnerung habe? Der Rummel auf dem Marienplatz, dem Viktualienmarkt, der Kauffingerstrasse? Welche der weibliche Teil meiner Familie natürlich sofort erforschen musste. Irgendwo habe ich gehört, dass sich die Verweildauer in Schuhgeschäften in männlicher Begleitung deutlich verkürzt. Das ist jedenfalls unwahr.

An der Isar Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8 1/500sec ISO 200

Woran ich mich lieber erinnere, wenn ich an die Tage in München denke, ist unsere Unterkunft dort, ein uriger Gasthof in Unterföhring, wo wir von der Wirtin freundlich begrüsst wurden. Das gute bayrische Bier und Essen Abends dort im gemütlichen Biergarten, immer noch bei sommerlicher Wärme. Oder die Fahrt mit dem Fahrrad an der Isar entlang zum Englischen Garten, die Sommerstimmung, die Badenden. Lauschige Plätze und Biergärten etwas abseits der Hauptströme. Ein Markt, wo sich meine Töchter mit frischen Kirschen voll stopften.

Markt Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8 1/250sec ISO 200

Aber natürlich waren wir als Touristen in München und als solche verpflichtet, die üblichen Orte „abzuklappern“. Dazu muss man sich nicht sehr überwinden, denn es ist alles sehr sehenswert, davon abgesehen, dass wir in der kurzen Zeit natürlich nur einen Bruchteil aufnehmen konnten. Ausserdem war es sehr heiss, was den Aktionsradius aus rein physiologischen Gründen etwas einschränkt.

Ich war das letzte Mal vor 24 Jahren in München, dafür immerhin vier Wochen lang, die ich ebenfalls in bester Erinnerung habe. Gleich nach dem Studium musste ich nämlich meinen Grundwehrdienst als „W12er“ ableisten, in München war Offiziersausbildung, weil ich als Stabsarzt einberufen worden war (also Bundeswehr „deluxe“ für mich, sehr angenehm, mit drei Pickeln auf der Schulter wurde ich von allen in Ruhe gelassen, die sonst Rekruten das Leben schwer machen wollen). Es war immer recht früh Dienstschluss, also Zeit genug, die Stadt zu erforschen. Es ist eigentlich kein Wunder, dass ich München mit einem angenehmen Lebensgefühl verbinde, denn damals hatte ich allen Grund, glücklich zu sein: Ich hatte mein Studium und die vielen anstrengenden Prüfungen für’s Staatsexamen hinter mir, die Approbation in der Tasche, war jung verheiratet und die Welt (in diesem Fall München) lächelte mich freundlich an.

München

Selfie. Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/3.4 1/2000sec ISO 200

Zurück zur Gegenwart: Meine Kamera, besser gesagt mein Messsucher, machte mir Kummer. Es fing schon sporadisch in Kärnten an, dass er „hing“, das heisst, ich konnte nicht nah fokussieren. Genauer gesagt, nah fokussieren ging schon, ich konnte das nur nicht im Messsucher sehen, weil er sich nicht von selbst vollständig zurückstellte, wenn die Schnecke des Objektivs den kleinen Hebel im Gehäuse bei den weiteren Entfernungen nach innen bewegte. Einziger „Workaround“: Der elektronische Aufstecksucher (den ich sonst nie gebrauche). Immerhin, wenigstens damit konnte ich noch nah einstellen, aber alles geht viel langsamer. Blende auf, fokussieren mit Fokuspeaking, Arbeitsblende einstellen, abdrücken. Nervig,  zeitraubend und bei weitem nicht so exakt und schnell wie mit dem (funktionierenden) Messsucher. Immerhin, bei der M9 wäre mit kaputtem Sucher „Ende im Gelände“, bei der M hat man wenigstens noch diese Option. Der nette Mitarbeiter im Leica-Store in der Brienner Strasse bestätigte nur, was mir eigentlich klar war: Die Kamera muss zum Customer Service. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, zu Gerard Wiener in die Landwehrstrasse zu gehen, aber erstens repariert der eigentlich nur analoge Leicas, zweitens war die Zeit viel zu kurz. Ich war schon allein deswegen niedergeschlagen, weil ich ja noch Paris in der Folgewoche geplant hatte und der Gedanke, die ganze Zeit mit dem blöden elektronischen Sucher zu verbringen, erschien mir nicht sehr attraktiv. Noch von München aus kontaktierte ich Leica und sie machten mir sofort einen Termin zur Reparatur. Ich versende die Kamera in den nächsten Tagen und werde sie sehr schnell wiederbekommen. Aber in Paris musste ich so klar kommen…wie das war, berichte ich noch. Jedenfalls nicht so schlimm, wie ich dachte.

Im Schatten Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8 1/500sec ISO 200

Am Stachus Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8 1/1500sec ISO 200

Immerhin gab mir der Besuch im Store die Gelegenheit, die Leica Q mal leibhaftig in Händen zu halten und auszuprobieren. Die Haptik ist sofort vertraut, das bekannte „Leica-Feeling“, wertig und solide. Sie ist deutlich leichter als die M, aber weit davon entfernt, sich hohl anzufühlen. Sehr schönes Sucherbild (kommt einem optischen schon sehr nahe…), blitzschneller Autofokus auch im schummrigen Ladengeschäft. Das ist natürlich alles nichts neues für den, der die Reviews gelesen hat. Dem ist also nichts hinzuzufügen. Sicher ist: Leica hat gepunktet mit dem Ding. Das ist wirklich die „Mini-M“, die viele erwartet hatten. Bleibt den ewig Unzufriedenen nur, an der Brennweite rumzumäkeln (die mir bekanntermassen sehr recht ist), aber eine längere Brennweite wäre bei den optischen Ansprüchen, die Leica hat, als Autofokussystem einfach zu riesig geworden.

L1000794-Bearbeitet

Streichquartett Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4 1/750sec ISO 200

Mit den derzeitigen Unzulänglichkeiten meines Messsuchers musste ich mich einstweilen abfinden und versuchte, das beste daraus zu machen. Bei unseren Wanderungen durch die Städte bevorzuge ich ja sowieso 28mm, die waren auch mit dem Handicap des Suchers kein Problem zu fokussieren. Die Surfer an der Surferwelle konnte ich ganz gut mit dem 50er Summilux und dem 90er Macro ablichten, denn mittlere Entfernungen funktionieren noch. Der Messsucher ist auch nicht dejustiert, er geht nur nicht in die Ausgangsstellung zurück.

Am kalten Bach Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/3.4 1/180sec ISO 200

 

Surfin'

Übrigens fühlte ich mich da in meinem Element, wie in Südfrankreich am Wildwasserschwall: Ich habe da bestimmt mindestens 50 Fotos oder mehr gemacht, solche „Action“ finde ich immer sehr fotogen. Und hier wieder der Hinweis für die Schlaumeier, die immer meinen, mit einer manuell zu fokussierenden Kamera ginge das nicht. Weit gefehlt. Alle Aufnahmen schön scharf, das ist nur eine Frage der Technik, Übung und des persönlichen Geschicks. Und davon hat mir der Liebe Gott genug mitgegeben, was sicher auch was mit meiner Berufswahl zu tun hat.

An einem Abend wartete ich im Englischen Garten, bis die Lichter angingen, und machte dann noch die übliche Runde durch die Innenstadt. Es war sommerlich warm und noch viel Leben auf den Strassen und Plätzen. Ich bin immer wieder erfreut, wie gut man mit der M aus der Hand bei solchen Lichtbedingungen klar kommt. Tipp nebenbei: Bei vielen Lampen im Bild ggf. die Belichtungskorrektur so um die 1 Blendenstufe zurückstellen, wenn man mit Live-View oder mit EVF komponiert und somit bei Mehrfeldmessung landet, denn die Kamera neigt dann zur Überbelichtung (weil sie auf Tageslichtbedingungen eingestellt ist).

Prinz-Carl-Palais Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8 1/25sec ISO 3200

Der Marienplatz Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8 1/30sec ISO 3200

An der Frauenkirche Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8 1/25sec ISO 3200

 

Selfie mit Violine Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4 1/45sec ISO 320

 

In der Kauffingerstrasse Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/4.0 1/60sec ISO 320

Am letzten Vormittag fuhren wir noch mit den Rädern zum Olympiapark. Die Architektur finde ich noch immer beeindruckend. Auf dem Rückweg machten wir Station in einem kleinen Biergarten im Luitpold-Park, dann war es Zeit, sich von München zu verabschieden.

Olympiapark Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/3.4 1/4000sec ISO 200

 

Olympiapark Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/3.4 1/3000sec ISO 200

 

Olympiapark Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/3.4 1/4000sec ISO 200

Abends waren wir schon wieder in Vlotho, ich begann am nächsten Tag meine Sachen für Paris zusammenzusuchen, denn ich hatte für einige Tage „frei“ bekommen. Ich hatte schon vor einem Jahr drei Wochen Urlaub von der Praxis geplant, da aber alle anderen Familienmitglieder in der letzten Woche etwas vor hatten (Ferienmusikwerkstatt…Blog kommt!), wollte ich nicht zuhause sitzen. Ich beschloss, mal wieder nach Paris zu fahren und meinem Hobby zu frönen. Das klingt ein bisschen eigenbrötlerisch, aber ab und zu kann ich eine „Auszeit“ gebrauchen, um so mehr freue ich mich wieder auf die gemeinsamen Unternehmungen.

Jedenfalls habe ich aus Paris einiges an Bildmaterial mitgebracht, welches ich zur Zeit sichte und für den nächsten Beitrag zusammenstelle.

Comments

  1. Hans-Jürgen Malchow
    20. September 2015

    Leave a Reply

    Guten Tag und ein großes Lob und Anerkennung für diese wirklich schöne sowie informatibe Webpräsenz!

    Ich lese ihre Seite nun schon eine ganze Weile (auch schon die „alte“ Version), weil ich mich seit langer Zeit damit beschäftige, ob ich nun soll oder nicht… nämlich zur Leica greifen. Bisher konnte ich mich nicht überwinden, aber als die Leica Q dann auf den Markt kam, war ich der erste Hamburger, der sie hatte 🙂 Im Gegensatz zu den M Modellen, kam mir dieses moderne Schmuckstück in vielen Dingen entgegen. Hierzu habe ich auch einige Anmerkungen auf meiner Seite geschrieben, daher an dieser Stelle nur der Hinweis dorthin: http://web-2000.org/leica-q-ein-resuemee/
    falls Interesse besteht.

    Als langjähriger, und auch nach wie vor begeisterter Nikon Fan mit einer guten Ausrüstung, u.a. D810, Carls Zeiss 15 mm und einiges andere mehr, wollte ich nicht schon wieder in Wechselobjektive investieren, zumal ich Nikon mäßig eigentlich schon alle Sahneschnittchen habe… das wäre fast so, wie Geld zum Fenster raus werfen. ABER, die Leica Q mit der Festbrennweite, ohne Gefahr zu laufen, einen zweiten teuren Objektovpark aufzubauen, hat mich dann überzeugt. Ich kann sagen, voll und ganz. Nur sie durfte mich dann auch in den zweiwöchigen Spanienurlaub begleiten, und das war gut so. Auch, und da muss man fair bleiben, wenn ihre Nachtufnahmequalitäten zwar gut sind, aber dann doch nicht an meine Nikon mit den entsprechenden Gläsern ran kommt. Dennoch, ich habe es nicht bereut, so viel sei gesagt. Klein, handlich und klasse Fotos macht sie. Was will man mehr. Übrigens, eine meiner Aufnahmen hängt seit 2 Wochen nun auch in der Leica Galerie in Wetzlar, auch dort konnte die „Kleine“ überzeugen 🙂

    So, nun endet mein Redeschwall auch schon wieder. Ich kann jedem nur empfehlen, wer noch keine Leica hat und mit dem Gedanken an eine Anschaffung so wie ich spielt, unbedingt die Leica Q anschauen.. es lohnt sich. Wobei ich natürlich nach wie vor ein Herz auch für „großen“ Leicas habe, nur, siehe oben.

    Herzliche Grüße aus Hamburg,
    Hans-Jürgen Malchow

    • Claus Sassenberg
      21. September 2015

      Leave a Reply

      Hallo Herr Malchow,

      vielen Dank und grosses Lob zurück für Ihre eigene Seite!

      Was die Leica Q betrifft, kann ich jedes ihrer Worte unterschreiben. Wie Sie wissen, fällt für mich die Kompaktheit der Ausrüstung sehr schwer ins Gewicht, also würde ich einer kleinen und leichten Kamera (bei fast gleicher Qualität) immer den Vorzug geben.
      Ich bin selbst sehr in Versuchung, mir dieses kleine Teil zu gönnen, aber bisher rief mich immer die Stimme der Vernunft zurück (sehr lästig, sowas…), weil ich im Prinzip schon eine recht kleine Kombination mit der M und dem 28er Elmarit habe.

      Viele Grüsse nach Hamburg,

      Claus Sassenberg

  2. Klaus
    4. August 2015

    Leave a Reply

    Hallo Claus!
    Schöne Webseiten hast Du jetzt, besonders das monochrome Aussehen als sw-Fan gefällt mir. Das der Kondensstreifen durch die beiden Türme der Frauenkirche gehen, ist gut gesehen.

    Ich tippe darauf, dass Du für Paris Deine alte M3 mit einem 28’er eingesteckt hast.

    Viele Grüße, Klaus.

  3. Martin Pitsch
    3. August 2015

    Leave a Reply

    Lieber Herr Dr. Sassenberg,

    schon seit langem lese ich – auch auf Ihrer alten Homepage – regelmäßig Ihre Reisebeschreibungen wie auch technischen Beschreibungen und Anleitungen. Diese waren und sind für mich mit ausschlaggebend, mich den Festbrennweiten zu widmen – jedoch an an einer Nikon KB Kamera.

    Auch sehr interessant war Ihr Artikel zur monochromen Bearbeitung der Bilder mit Silver Efex Pro, das Video dazu als Bearbeitungswegweiser motivierend. Darauf hin habe ich mir kurzer Hand ebenfalls dieses mächtige Programm gekauft und wende es nun neben LR 6.x bei meiner Bildbearbeitung an.

    Die neue Leica Q – auch Ihr Interesse scheint sie geweckt zu haben, scheint es zu schaffen, meine Neugierde für Leica neu zu entfachen. Ich finde, das Leica mit dieser Kamera und dem Schritt hin zu gemäßigter „Modernität“ den richtigen Weg beschreitet. Zudem schmeichelt sie sehr in den Händen und mit ihrem Sucher (wirklich brillant) vor dem Auge. Hier könnte mit der Zeit bei mir „das will haben Gen“ Oberhand gewinnen … möchte aber auf noch weitere Ausführungen der „Q-Serie“ von Leica warten.

    Auch diesen Bericht von Ihrem Aufenthalt habe ich mit großen Interesse gelesen. Es freut mich, dass Sie die Tage in München entsprechend geniessen konnten. Mich hat dieser Bericht erneut inspiriert, eine seit längerem (wohl schon zwei Jahre … ) geplante Radtour entlang der Isar und durch Teile des Englischen Garten, aber bei kühlerem Wetter, mit meiner Frau demnächst in Angriff zu nehmen.

    Gespannt auf Ihren Bericht aus Paris …

    … grüße ich Sie herzlich aus Regensburg,

    Martin Pitsch

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