Posted by on 29. August 2019

In vielen Campern steckt vermutlich etwas von einem Nomaden, irgendein Urinstinkt treibt einen weiter. Anders lässt es sich auch nicht erklären, warum wir die Dauphiné verliessen, denn da gab es noch jede Menge zu entdecken. Aber man muss ja auch einen Grund haben, wieder zu kommen.

Der Samstag als Gewitter- und Regentag war als Reisetag prädestiniert. unser Ziel war die Verdon-Schlucht in der Ostprovence. Ein bisschen ein „Retro-Trip“, denn dort waren wir das letzte Mal Anfang der 90er Jahre mit meinem alten T3-Bulli. Zwischenstopp in Sisteron, sicher einen Besuch wert, leider hatte ich bei Nieselregen so wenig Lust dazu, dass ich nicht ein Foto machte.

Schlucht

Am Ausgang der Verdon-Schlucht, der Lac de St. Croix. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Die Schlucht des Verdon

Wir liessen uns trotzdem Zeit für die Fahrt und kamen erst am späten Nachmittag am Lac de St. Croix an, dem Stausee, in den der Verdon nach der spektakulären Schlucht mündet. Den Gedanken, einen Campingplatz direkt am See zu nehmen, verwarfen wir ganz schnell, denn die waren zur Hauptsaison pickepackevoll. Schliesslich entschieden wir uns für einen Kompromiss. In der Nähe der Verdon Mündung gab es einen in Terrassen angelegten Platz am Hang, zum See braucht man nur über die Strasse. Meine Frau hatte sich in den Kopf gesetzt, unbedingt dort baden zu wollen, das Türkisfarbene Wasser hatte es ihr angetan.

Die Aussicht vom Stellplatz über den See konnte leider nicht ausgleichen, dass die Sanitäranlagen unterirdisch waren (also „unterirdisch“, Standard und Sauberkeit betreffend, nicht souterrain). Damit nicht genug, wir waren voll genervt von ein paar Vollpfosten, die die ganze Nacht durchsoffen. Das wäre ja nicht so schlimm, aber sie waren einfach laut. Am nächsten Morgen hörte ich aber noch an der Anmeldung, dass ein paar Niederländer sich immerhin derartig gestört fühlten, dass sogar die Gendarmerie einen der jungen Männer aus Ungarn in der Nacht zum ausnüchtern einkassiert hatte. Zum Glück waren wir nicht so nah bei denen. Irgendwie bestätigt das aber meine Vorurteile zu See- und Meer-Plätzen in der Hauptsaison.

Schlucht

Am Ausgang der Verdon-Schlucht, leider abgesperrt. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Eigentlich wollten wir einen der Kanadier nehmen, die es zur Vermietung am Strand gab, um damit ein Stück in die Schlucht hineinzufahren. Aber der Besitzer des Campingplatzes klärte mich mit entschuldigend erhobenen Händen auf, dass die Mündung wegen des starken Windes heute gesperrt sei. Offenbar sind die Touris, die mit diesen lächerlichen „Sit-on-Tops“ da hineinfahren und kaum wissen, wie man ein Paddel anfasst, bei etwas mehr Wind nicht in der Lage, da wieder herauszukommen. Meine Frau und ich sind im Kanadier ein geübtes Team, nach knapp vierzig Jahren Kanu-AG wissen wir, wie man Vortrieb erzeugt. Und was den Wind betrifft: Wir waren etwas später an der Brücke genau vor der Mündung und spürten den Wind. Da hatten wir vor allem am Ausgang der Schlucht der Ardèche schon ganz andere Windstärken.

Schlucht

Der Verdon nahe der Mündung. Leica M10 mit 90mm Macro-Elmar

Schlucht

Der Verdon nahe der Mündung. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Aber gut, all unsere „gefühlte“ Kompetenz nützt da halt nichts. Meine Frau schwamm ihre Runde im See und erklärte dann, sie habe nun alles gemacht, was man hier machen kann und wir könnten gern weiter. Der Bulli war schnell abfahrbereit. Wie eben erwähnt, ist genau vor der Mündung der Verdon-Schlucht eine Autobrücke, von der aus man einen beeindruckenden Einblick hat. Dort hielten wir noch mal. Wir wollten gerade gehen, als ein Bus einen Haufen Japaner auswarf, die sofort die Brücke stürmten und wie verrückt Selfies machten. Ich musste unwillkürlich an eine ähnliche „Überschwemmungs-Szene“ denken, die ich schon mal am Glennfinnan-Viadukt  erlebt hatte. Und damit das nicht falsch herüberkommt: Nichts gegen Japaner (wie würde ich wohl in Japan in einer Reisegruppe von Europäern wirken?), nur zeigte uns das den Stellenwert, den die Verdon-Schlucht touristisch einnimmt. Ich dachte etwas wehleidig an die Abgeschiedenheit der französischen Alpen, die wir hinter uns gelassen hatten.

Schlucht

Camping bei La Palud. Leica M10 mit 28mm Elmarit

In La Palud

Wir fuhren die D952 hinauf nach Rougon. Das ist eine erhebliche Kurverei, für die man mit ein paar Aussichtspunkten entschädigt wird. Es war noch Vormittag und Zeit genug, daher fuhren wir verschiedene Campingplätze an, entschieden uns aber schliesslich für den „Municipal“ bei La Palud. Der Campingplatz war ruhig und schön angelegt mit großen Stellplätzen und altem Baumbestand, aber die echt altersschwachen Sanitäranlagen waren nur wegen des sehr guten Wetters tolerabel. Der Concierge, ein netter, aber etwas verpeilter Typ, war hauptsächlich damit beschäftigt, „Out of Order“-Schilder anzubringen. Das wurde bei uns in den nächsten Tagen zum running Gag. Wir stellten uns vor, dass der Inhalt seiner Werkzeugkiste einfach aus ein paar gelben Pappschildern und einem dicken Filzstift bestand, mit dem alle Probleme im Nu gelöst waren.

Schlucht

La Palud. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Ich finde es immer ganz praktisch, wenn ein Campingplatz nicht total „in der Pampa“ liegt, sondern ein kleiner Ort in der Nähe ist. La Palud war in fünf Minuten durch einen kleinen Fussweg erreichbar, der die Hauptstrasse vermied. Wir schauten uns dort um, meine erste Amtshandlung war der Kauf der obligatorischen IGN-Karte, anhand der wir bei einem „Jupiler“ in einem Café unser Wanderung für den folgenden Tag planten.

Schlucht

500m tiefer: Der Verdon. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Schlucht

Einer der Aussichtspunkte an der D23 . Leica M10 mit 28mm Elmarit

Am Nachmittag fuhr ich mit dem Rennrad die D23 ab, die von La Palud aus einen grossen Bogen entlang der Schlucht macht. Es gibt sehr viele Aussichtspunkte. Die Strasse führt nach La Palud zurück, ist also eine reine „Route Touristique“. Entsprechend waren viele (aber nicht abartig viele) Autos unterwegs. Die kamen mir allerdings alle entgegen, weil die D23 im westlichen Teil bis La Malene „Sens unique“ ist. Das war für’s Rennrad egal, ich fuhr genau anders herum. Ich traf kaum andere Rennradfahrer, dafür aber jede Menge E-Biker. Diese Dinger werden in La Palud vermietet, denn die Strecke an der Schlucht entlang weist ein beachtliches Höhenprofil auf. Die Steigungen kann (ich hätte fast gesagt: „Ein normaler Mensch“) ein ungeübter Radler nicht bewältigen. Mein Radcomputer zeigte meist so um die 9-14% an, und ganz kurz mal 20%… trotzdem war das nach den Alpenpässen nichts, „um nach Hause zu schreiben“ (ein direkt übersetztes englisches Idiom, das ich sehr anschaulich finde).

Schlucht

Am Point Sublime bei Rougon. M10 mit 21mm Super-Elmar

Eine Wanderung durch die Schlucht

Schlucht

Canyoning. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Wir machten also die Wanderung, die vom Point Sublime bis La Maline mit 6-7 Stunden angesetzt ist. Entsprechend früh am Tag starteten wir, schon wegen der zu erwartenden Mittagshitze. FYI: „Sublime“ ist kein Ort, sondern ein Adjektiv und bedeutet „erhaben, überwältigend“. Es ist sozusagen ein Aussichtspunkt mit Qualitätsvermerk, kein schnöder „Belvedere“. Ich war später z.B. noch an einem anderen „Point Sublime“ am Tarn. Dieser hier liegt in der Nähe von Rougon und ist nur ein paar hundert Meter von der D952 entfernt, entsprechend treten sich dort tagsüber autofahrende Horden tot. Wir waren zu der Zeit die einzigen zusammen mit drei französischen Rucksackwanderern, ideal, um gegenseitig Handyfotos für die Lieben daheim zu machen…

Wir stiegen zum Fluss ab und trafen dort unten gleich auf einige Dutzend Leute jeden Alters, die „Canyoning“ machten. Soll heissen, sie wurden von den „Guides“ in Neopren gesteckt, mit Helm und Schwimmweste versehen und durften sich anschliessend zwei, drei Kilometer den Fluss hinabtreiben lassen. Aufregend (gähn!). Wenn ich mich schon so anziehe, sollte zwischen mir und dem Fluss wenigstens noch ein Kanu sein. Ein bisschen weiter stand „Escalade“ auf dem Programm. Ein leicht übergewichtiger Familienvater wurde an ein Seil gehängt, rutschte ein paar Meter auf dem Allerwertesten die Felsen herab und schwang dann wie ein nasser Sack über dem Fluss. Yaay! Abenteuer! Was das allerdings mit „Klettern“ zu tun hat, entzieht sich mir.

Schlucht

Unterwegs in der Schlucht. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Schlucht

Diese Felsspalte wird mit Eisentreppen erklommen, gegen die die Besteigung des Ulmer Münsters „Peanuts“ ist. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Hmmja…. bin ich politisch inkorrekt? Gerne immer wieder. Es gibt genügend Leute, die aus gesundheitlichen Gründen nichts Anstrengendes unternehmen dürfen, das ist klar. Aber wundert es einen, wenn unsere Gesellschaft immer mehr „Sofakartoffeln“ hervorbringt, wenn alles vermieden wird, was beim Gesunden irgendwie Herz-Kreislaufsystem auf moderate Weise belastet und so eine gewisse Ausdauer erzeugt? Wandern zum Beispiel. Bei unserer Wanderung durch die Schlucht trafen wir nur auf wenige andere. Setzte ich das ins Verhältnis zu den Massen, die oben an der Strasse (und mit E-Bikes) unterwegs sind, bin ich im Promille-Bereich. Dabei kann ich ja froh sein, ich habe meine Ruhe dort unten, zusammen mit wenigen Gleichgesinnten.

Schlucht

Unten am Fluss. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Aber ja, jetzt noch weiter zurückgerudert: Die Wanderung am Verdon entlang ist fordernd und sicher nichts für jemanden, der sonst nie wandert. Auch Familien mit kleinen Kindern sollten sich überlegen, ob sie die ganze Strecke machen oder vielleicht lieber nur ein Stück hinein und dann zurück. Es gibt keine Ausstiege, nur an den Endpunkten. Am Anfang geht es einige hundert Meter durch einen (dunklen) Tunnel. Früher musste man an eine Taschenlampe denken, heute hat man sein Handy. Der Weg durch die Schlucht bleibt keineswegs auf Flussniveau, vielmehr geht es ständig auf und ab, gelegentlich werden beträchtliche Steigungen überwunden. An einer Stelle sind Treppen in eine Felsspalte gebaut, mit derart vielen steilen Stufen, dass die Turm-Besteigung des Ulmer Münsters dagegen ein Klacks ist. Genug zu essen, aber vor allem zu trinken mitzunehmen ist obligatorisch, es gibt keine „Verpflegungsstelle“ unterwegs. Am Ende muss man aus der Schlucht nach La Maline aufsteigen, noch mal knapp 400 Höhenmeter dazu.

Schlucht

Am Ende der Wanderung bei La Malene. Von da unten steigt man auf. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Wir waren gut eine Stunde früher als veranschlagt dort, was keine besondere Leistung ist, weil kleinere Gruppen nun mal schneller unterwegs sind. Wir hatten uns jedenfalls nicht extra beeilt. Trotzdem waren wir „kaputt“, gönnten uns ein paar kühle Getränke und genossen die Aussicht  auf der Terrasse von La Maline, denn das ist ein Ausflugsrestaurant. Später stiegen wir in den Wanderbus ein (mit dem wir morgens zum Point Sublime gefahren waren), der uns nach La Palud zurückbrachte.

Gap

Der Himmel über Gap. Leica M10 mit 28mm Elmarit

In Gap

Gap

Innenstadt von Gap. Leica M10 mit 50mm Summilux

Schon ein bisschen auf dem Rückweg, blieben wir zwei Tage in Gap und besuchten die Innenstadt mit ihren schmalen Gassen, Plätzen und Cafés. Auch in Gap wirkte die Tour de France noch nach, denn die Stadt war Zielort der 17. Etappe gewesen. Es fanden sich noch Spuren und ein überdimensionales gelbes Trikot hing auch noch da. Eine Wanderung in der Nähe von Ancelle vom Col de Moissiére aus zum Gipfel des Berges St. Philippe brachte nicht nur den Fernblick auf Gap und den skurrilen Berg Céüse, die hochaufragenden Ecrins nördlich oder den Lac de Serre Poncon südöstlich, sondern führte auch an den Ruinen des Ortes Faudon entlang (von dem keiner genau weiss, weshalb er aufgegeben wurde). Nach der Wanderung durfte ich mit dem Rennrad am Col starten, über einige Umwege schlängelte ich mich zurück zum Campingplatz, meine Abschiedstour in der Dauphiné.

Gap

Blick vom St. Philippe nach Nordosten. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Zwischenstation in Strassbourg

Über die Schweiz erreichten wir Strassbourg, dort haben wir gute Freunde und sind immer willkommen. Abends gingen wir alle essen, echt französisch, kein Touristennepp. Und wenn man schon mal da ist, schaut man natürlich auch mal ins historische Zentrum. Dort lief die allsommerliche Lasershow am Münster. Man ist wirklich übersättigt, das gebe ich zu, denn irgendwie riss mich das nicht mehr vom Hocker. Netter war’s, den warmen Sommerabend bei einem Glas Rosé ausklingen zu lassen.

Strassbourg

Lasershow am Strassburger Münster. Leica M10 mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4 1/15s ISO 3200

Am Point Sublime: Die Schlucht des Tarn

Viadukt von Garabit

Das Viadukt von Garabit, erbaut von Gustave Eiffel. Ein Aussichtspunkt liegt an der A75 bei St. Flour. Ich kam dort mitten in der Nacht vorbei. Kein HDR! Leica M10 mit 28mm Elmarit bei f/4.0 20s ISO400

Ich hatte jetzt noch eine Woche Urlaub, aber meine Frau nicht. Nach zwei Tagen zuhause (einer war der Abschlusstag der Ferienmusikwerkstatt) belud ich den Bulli aufs neue und fuhr noch einmal los. Es ging nach Südwesten durch die Auvergne zum Tarn. Die Gegend zwischen Florac, La Malene und um Meyrueis am Jonte kannte ich schon gut, diesmal suchte ich mir als Standort einen Punkt weiter südwestlich in der Nähe von Millau. In der Nacht kam ich am „Point Sublime“ an (der am Tarn ist in der Nähe des Ortes St. Georges-de-Lévéjac). Direkt dort ist campen verboten, ich ruhte mich ein paar Stunden in einer Bucht der D46 aus und fuhr im Morgengrauen zum Aussichtspunkt.

Schlucht

Sonnenaufgang am Point Sublime am Tarn. Leica M10 mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4 1/500s ISO 200

Ich war schon einmal da gewesen, nach einer Gewitternacht (siehe Mitte dieses Blogs), und hatte 6X6 Mittelformat-Aufnahmen gemacht. Die Filmrolle war dann beim Entwicklungsservice für immer verschwunden. Vermutlich hatte mich ein posthypnotischer Befehl wieder an diesen Ort geführt. Ich machte wieder Fotos mit der Hasselblad 501c und dem 50mm Distagon von Zeiss, als die aufgehende Sonne die Felsen im Westen berührte. Gegenüber dem, was auf dem „verlorenen“ Film war, ist die Lichtstimmung allerdings recht zahm.

Schlucht

Blick vom Point Sublime nach Südewesten. Hasselblad 501c mit 50mm Zeiss Distagon, Kodak Portra 400

Aguessac

Freundlicher Empfang. „La belle Etoile“. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Aguessac und Millau

Die Fotos im Kasten, fuhr ich dann noch 40km Tarnabwärts, wo ich einen schönen Stellplatz auf dem Camping „La belle Etoile“ direkt bei Aguessac bekam. Das ist auch so ein „einfacher“ Platz, wie ich sie bevorzuge. Aber er liegt direkt am Tarn (wenn man baden möchte), die Stellplätze sind riesig (sicher drei mal so groß wie alles, was man in Deutschland zugewiesen bekommt), die Sanitaires neu und gepflegt und der Patron an der Anmeldung supernett. Er wunderte sich über das „Dr.“ auf meinem Ausweis und als ich ihn dann aufklärte, wofür das steht, meinte er, wie beruhigend es doch sei, einen „Docteur“ auf dem Platz zu haben. Ich hatte nicht das Herz, ihm mitzuteilen, dass ich bei Zahnextraktionen jederzeit zur Verfügung stünde. Er wünschte mir jedenfalls „bon installation“, „gute Einrichtung“. Diesen Wunsch hatte ich in Frankreich schon häufiger auf Campingplätzen gehört, eine entsprechende Redewendung im Deutschen fehlt. Das ist eben französische Höflichkeit (man komme mir jetzt nicht mit einem Haufen von Gegenbeispielen. Schliesslich gibt’s überall Vollpfosten).

Compeyre

Abendlicht auf Compeyre. Gleich links am Flussufer des Tarn liegt der Campingplatz „La belle Etoile“. Panorama aus drei Bildern, Leica M10 mit 90mm Macro-Elmar im Hochformat.

Millau

Der „Beffroi“ in Millau. Leica M4 mit 35mm Summicron, Orange-Filter

Aguessac liegt nur 7km von Millau entfernt, über die D187 kommt man bequem mit dem Rad dorthin. Der Tarn fliesst an Millau vorbei, das Tal wird dort sehr breit. Am Fluss entlang, auch am Dourbie, der dort in den Tarn mündet, reiht sich ein (meist überfüllter und „vollanimierter“) Campingplatz neben den anderen.

Millau ist auf jeden Fall einen Besuch wert, im historischen Zentrum befindet sich unter anderem der „Beffroi“, ein Turm, von dessen Höhe man einen schönen Überblick über Stadt und Umland hat, vorausgesetzt, man kommt nach der Besteigung wieder zu Atem. Traditioneller Wochenmarkt und ein direkt an der Altstadt befindliches modernes Einkaufszentrum stehen im merkwürdigen Gegensatz.

Im Slider einige Bilder, als ich mit der M4 und 35mm Summicron in Millau unterwegs war

Millau

Das moderne Einkaufszentrum. Dreht man sich um, ist dort direkt die Altstadt. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Millau

Aussichtsplattform. Leica M10 mit 50mm Summilux

Das weite Tal des Tarn wird von dem „Viaduc de Millau“ überspannt, auf dem die A75 nach Süden führt. Das Viadukt ist die längste Schrägseilbrücke der Welt und ein architektonischer Meilenstein, dessen Besichtigung man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man schon in der Gegend ist. Es gibt ein modernes Informationszentrum über den Bau direkt am Viadukt, dort ist auch eine Aussichtsplattform. Da ich (ausnahmsweise) mit dem Auto dort war, war das für die Hasselblad ein lohnendes Mittelformat-Motiv.

Viaduc de Millau

Das Viaduc de Millau. Hasselbald 501c mit 80mm Planar, Kodak Portra 400. Ich muss sagen, speziell in diesem Fall wird dieser Scan aus dem Epson Perfection V700 dem „echten“ Negativ nicht gerecht, darum habe ich gezögert, das Bild in den Blog zu nehmen. Manch einer könnte sagen: Lange nicht so gut, wie das, was meine digitale Hm-Hm-Hm kann“, aber das täuscht. Ich sollte für so etwas vielleicht doch mal High-End-Scans aus dem Labor bestellen. Sicher ist: Die Bildqualität einer Mittelformat-Aufnahme ist gegenüber Digital immer noch „voll auf der Höhe“

Dourbie

Die Mühle von Korp am Dourbie. Panoramaaufnahme aus 4 Bildern im Hochformat, Leica M10 mit 28mm Elmarit

Die Hasselblad 501c (das ganze V-System) ist ein Garant für technisch gute Bilder. Jetzt erfährt das System eine Aufwertung durch die Möglichkeit, das neue digitale Rückteil von Hasselblad anzusetzen. Das brauche ich zwar nicht, mir genügt Film, aber das holt sicher manche 500er aus dem Dornröschenschlaf. Ich nutze die Kamera eher selten, weil sie mir für unterwegs (egal ob zu Fuss oder mit Rad) meist einfach zu schwer ist. Ich bin zu sehr von einer leichten Ausrüstung verwöhnt, ein schwerer Fotorucksack kommt nicht in Frage.

Jonte

Bizaarre Felsen an der D986 kurz vor Myrueis. Panorama aus vier Bildern im Hochformat, Leica M10 mit 28mm Elmarit

Panorama-Aufnahmen

Jonte

Passage durch Meyrueis, dort war ich im Vorjahr häufig. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Natürlich fuhr ich in dieser letzten Ferienwoche viel Rennrad und dann war mein Hauptbegleiter aus praktischen Gründen die M10 mit 28mm Elmarit. In die kleine Pacsafe-Tasche, die sich störungsfrei quer über den Rücken tragen lässt, passt zudem ohne weiteres noch das versenkbare 90mm Macro-Elmar. So war ich eigentlich mit Mini-Gepäck für alles gerüstet, zudem machte ich gelegentlich (da es im wesentlichen um Landschaftsfotografie ging) einfach Panoramaaufnahmen mit 3 oder 4 Bildern, wenn ich mit dem Bildausschnitt der Objektive nicht zufrieden war. Das lässt sich mit etwas Übung sehr gut aus der Hand bewerkstelligen, dabei die Kamera im Hochformat halten. Man sollte allerdings die Belichtungswerte (ISO, Blende, Zeit) für die Panoramafotos fest einstellen. Ich habe Routinemässig sonst „Zeitautomatik“ eingestellt, aber bei einem Schwenk können dann natürlich unterschiedlich belichtete Bilder resultieren, und das ist für’s spätere Zusammensetzen ungünstig. Dadurch kam die analoge Fotografie diesmal etwas ins Hintertreffen. Aber ich hatte die Leica M4 mit 35mm Summicron, Orange-Filter und Kodak TMax bei einem Bummel durch Millau dabei.

Jonte

Die Schlucht des Jonte, meine persönliche „Lieblingsschlucht“. Alle hängen immer am Tarn herum, aber über die Causse Mejan schein keiner hinauszukommen. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Radtouren durch die Schlucht und über die Causses

Tarn

St. Chely-du-Tarn. Man kann da nicht vorbeifahren, ohne ein Foto zu machen. Leica M10 mit 28mm Elmarit

In meinem „Dunstkreis“ gab es drei Schluchten: Natürlich die des Tarn, dann die vom Jonte, der ein paar Kilometer oberhalb bei Peyreleau im Tarn mündet und die Schlucht des schon erwähnten Dourbie, der sich bei Millau mit dem Tarn vereint. Die Schluchten sind von Hochebenen getrennt, den „Causses„. Ebene ist allerdings geschmeichelt, auch dort oben geht es rauf und runter. Die Causses werden von Kalkstein gebildet (darum viele Höhlen) und sind recht wasserarm, es versackt einfach. Faszinierend sind die bizarren Felsformationen, z.B. die bei „Montpellier-le -Vieux, die ich schon in den Vorjahren (siehe Blog-Beiträge von August und September 2018) besuchte und diesmal ausliess, obwohl sie ganz in meiner Nähe waren und ich mit dem Rad auch mehrmals daran vorbeikam. Ich fuhr alle Schluchten ab und kreuzte über die Causses, so konnte ich immer eine Rundtour machen. Die Tarnschlucht fuhr ich ganz hoch bis St. Enimie (der wirklich interessante Teil beginnt beim „Pas de Souci“ kurz vor La Malene), kreuzte über die Causse Mejan nach Meyrueis und fuhr die Jonte-Schlucht wieder runter. Das sind 120km und knapp 2000 Höhenmeter.

Tarn

Der typische Strassenverlauf am Tarn. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Causse Noir

Eine rettende Wasserstelle in St. André de Vézines. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Das wichtigste dabei ist, genug zu trinken. Da man soviel Wasser gar nicht mitnehmen kann, ist es vorteilhaft, dass sich in fast jedem Dorf eine Trinkwasserstelle befindet. Bei Temperaturen von 30-35° steckt man auch gerne mal den Kopf unter den Wasserhahn. Gelegentlich sehnt man eine Wasserstelle herbei wie ein Verdurstender in der Wüste. Ich hatte eine solche Situation, als ich vom Dourbie  auf die Causse Noir geklettert war. Ich kam nach St. André de Vézines, fand die Wasserstelle gleich bei der Kirche und trank erst mal gefühlt 2 Liter. Wer schon mal richtig Durst hatte, kann vielleicht nachvollziehen, was für eine Wohltat klares, kühles Wasser ist. Das Wasser auf den Causses schmeckt meist, als hätte jemand eine Schippe Kalk darunter gerührt, aber das ist einem in dem Augenblick völlig egal.

Jonte

Die Schlucht des Jonte nicht weit vor der Mündung in den Tarn. Leica M10 mit 28mm Elmarit

Millau

Blick vom „Beffroi“ über Millau. Leica M10 mit 90mm Macro-Elmar

Überflüssig zu erwähnen, dass die Tage bei bestem Wetter wie im Flug vergingen. Das Rennrad fahren stand im Vordergrund und der „Weg war das Ziel“. Ich kam meist Spätnachmittags von meinen Touren wieder und verbrachte dann den Abend mit einem guten Buch und einem kühlen Glas Rosé (sehr gut, aus der Cave gleich „um die Ecke“) vor meinem Bulli (es geht nichts über einen Kompressor-Kühlschrank!). Ganz einsiedlerisch verhielt ich mich aber nicht, oft machte ich Smalltalk mit meinen Campingnachbarn, das waren Franzosen und Niederländer. Ich war bis auf eine Nacht der einzige Deutsche auf dem Platz, und als das Wohnmobil aus Köln eines Abends hereinrollte, wollte ich schon hingehen und sagen: „Sie zerstören meinen Status“, hielt mich aber im letzten Augenblick zurück. Insgesamt gab es in der gesamten Gegend sehr wenig deutsche Touristen. Und das ist weder gut noch schlecht, einfach eine Beobachtung. Anscheinend haben unsere Landsleute diesen Teil Frankreichs nicht „auf dem Schirm“. Dafür die Niederländer um so mehr, die das Strassenbild und alle Campingplätze faktisch dominieren, gefolgt von den Franzosen und ein paar Belgiern. Und auch das ist völlig o.k., weil das friedliche und nette Leute sind. Was ich völlig faszinierend dabei finde, ist die Tatsache, dass dieses kleine Völkchen sich im Sommer über ganz Europa verteilt und trotzdem noch wer in den Niederlanden ist.

Im Slider noch einige Bilder aus der M4 mit 35mm Summicron und Orange-Filter, Kodak TMax 400

Am letzten Tag mache ich nur eine kleine Abschiedstour und besuchte Peyreleau, Compeyre und die skurrile Burg Peyrelade (an Burgen herrscht in Frankreich nie Mangel), hauptsächlich, um noch den Kodak TMax in der M4 vollzukriegen. Der extrem nette Campingplatz-Besitzer hatte nur abgewinkt, als ich ihn bat, doch erst am späten Nachmittag abzureisen (normalerweise muss man auf einem Campingplatz Mittags verschwunden sein) und gesagt, „kein Problem, wann immer ich wolle“.

Millau

Viaduc de Millau, Leica M4 mit 35mm Summicron, Orange-Filter, Kodak TMax 400

Nach drei (vor allem rennradtechnisch) erfüllten Wochen gab und gibt es in der Praxis viel zu tun, darum komme ich auch kaum mit den Blog-Beiträgen nach. Da ist z.B. auch noch die alljährliche Barockoper der Ferienmusikwerkstatt, über die es zu berichten gilt. Ich muss mal schauen, wann ich das schaffe. Zum Glück ist da keiner, der mich treibt, ausser ich selbst.

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