Brenta Durchwanderung mit der Leica IIIF

Ein Artikel von Henning Stolze

Seit 2019 nehme ich an der einwöchigen Wanderung einer Flensburger Gruppe von Bergfreunden unter der Leitung von Bergführerinnen und Bergführern teil. Dabei haben wir schon viele schöne Ziele, wie zwei Alpenquerungen, die Begehung des Walserweges, eine Besteigung von Gipfeln der Ortlergruppe etc. gehabt.

Leica IIIF
Leica IIIIF: Gruppe auf dem Grossté Pass

Die Erinnerungsalben sind gefüllt mit Handyfotos und Bildern aus verschiedenen digitalen Kleinbildkameras der Gruppenmitglieder. 2023 als wir verschiedene Gipfel der Ortlergruppe vom Martelltal bestiegen haben, bin ich das erste mal auf die Idee gekommen eine analoge Leica mitzunehmen. Meine Wahl fiel damals auf meine Leica IIIf (Baujahr 1954), da mir eine Leica M zu groß und zu schwer erschien (schließlich waren 3 Gipfel mit über 3000m dabei). Hier kommt es in der Tat auf jedes Gramm an. Beim Objektiv entschied ich mit jedoch nicht auf das typische Elmar f3.5 50mm sondern auf das lichtstärkere Summitar f2.0 50mm. Die Abbildungsleistung des Summitars ist hervorragend und entsprechend waren auch meine Wanderfreunde begeistert, da ich zudem auf Farbe verzichtete und mit Ilford HP5 fotografierte. So entstanden andere Bilder mit einem ganz eigenen Look, als die typischen Handyfotos. Etwas nachteilig war natürlich, dass die Leica IIIf gerade an heiklen Stellen im Berg nicht so spontan gezückt werden konnte, wie zum Beispiel ein IPhone. Als Belichtungsmesser verwendete ich damals den Hedeco Lime II und verwendete am Summitar einen Gelbfilter. Insgesamt war das Ergebnis sehr zufriedenstellend.

Bei der letzten Wanderung im Gsiesertal fiel mir bei den Fotoergebnissen dann erstmals auf, dass einige Fotos einen „verwischten Schatten“ aufwiesen, also ein Zeichen für einen nachhängenden Tuchschlitzverschluss. Insbesondere bei der 1/500 und 1/1000 Sekunde. Also kam die Leica IIIf diesmal für mich nicht infrage, da nun erst ein Service gemacht werden muss.

Leica IIIF
Leica IIIF mit Nickel-Elmar 1:3,5 50mm

Meine Wahl fiel nun deshalb auf meine schwarz lackierte Leica IIIF von 1933, da ich von den letzten Filmen wußte, dass ich mich auf sie verlassen kann. Neulich sah ich sie auch in der letzten Staffel von „Babylon Berlin“ in den Händen von Kriminalkommissarin Charlotte Ritter. Meine IIIF ist ein sehr schönes Stück, dass ich mir vor ein paar Jahren zugelegt hatte und nach dem Kauf auch einen Service durchführen ließ. Das fehlen der 1/1000 Sekunde, läßt sich verschmerzen. Als nächstes stellte sich mir die Frage nach dem Objektiv, welches ich mitnehmen sollte. Natürlich kam hier wieder das Summitar f2.0 50mm in Frage. Bei der Beschreibung der diesjährigen Tour „Durchwanderung der Brenta Dolomiten“ stellte ich fest, dass die 6-tätige Tour ganz schön anspruchsvoll werden würde und zum Beispiel zwei mal 1700 Höhenmeter bergauf zu bewältigen waren und auch eine Bergtour mit 22km Länge dabei war. 1700 Höhenmeter hören sich auf dem Papier nicht so dramatisch an, ist aber so als würde man das höchste Gebäude der Welt, den Burj Khalifa zweimal hinaufsteigen!

Leica IIIF
Leica IIIF mit Nickel-Elmar 1:3,5 50mm
Leica IIIF
Leica IIIF, mit Belichtungsmesser und Elmar auf der Waage

Wieder dachte ich an das Gewicht und die Größe der Kamera. Das Gewicht musste runter. Schließlich muss auch noch der 20L Rucksack mit Regenbekleidung, 2 Litern Wasser, das Jausenbrot, Wechselwäsche, Kulturbeutel und Hüttenschlafsack getragen werden (ca. 7kg)! Auch war meine ich, dass ich gerne die Originalkombination mit dem „Nickel-Elmar“ f3.5 50mm von 1933 verwenden wollte. Dies ist ein noch unvergütetes Objektv, dass nun auch schon 93 Jahre auf dem Buckel hat. Nachteilig ist jedoch, dass ich diesbezüglich nur über einen Gelbfilter verfüge, der auf das Objektiv aufgesetzt wird und dieser zum Verstellen der Blende jeweils abgesetzt werden muss. Das war mir zu fummelig, also blieb der Gelbfilter zuhause. Jetzt noch zum Belichtungsmesser: Mittlerweile bin ich etwas Altersweitsichtig geworden und kann die Messwerte für Blende und Verschlusszeit auf dem Hedeco nicht mehr ohne Brille ablesen. Auf der Leica IIIF kann ich hingegen die Beschriftungen für Blende und Zeit noch ohne Brille ablesen. Also fiel meine Wahl den Gossen Digisix. Hiermit komme ich auch noch ohne Brille zurecht und man kann sich das leichte Teil einfach mit der mitgelieferten Schnur um den Hals hängen. Bei den Filmen war ich nicht groß wählerisch und entschied mich wieder für ISO 400 und fand in meinem Kühlschrank noch einen Ilford HP5 und einen Agfa 400 APX. Damit war meine Ausrüstung komplett, die im Deckelfach meines Wanderrucksacks verstaut wurde, die Kamera zusätzlich in einem wasserdichten Beutel. Auf einen Tragegurt wollte ich verzichten und die Kamera wie gesagt einstecken. Zusammen bringt das Equipment ohne Filme 576g auf die Wage. Verglichen dazu wiegt meine Leica M6TTL mit meinem leichtesten Objektiv (Summicron M f2.0 35mm IV) 783g. Also gar nicht so viel mehr, aber der Größenunterschied ist doch deutlich.

Leica IIIF

Handhabung auf der Tour

Leica IIIFDie ausgewählten Touren waren eine echte Herausforderung. Mein Dank gilt unserer Bergführerin die uns sicher bis ans Ende der Tour brachte und der unerschütterlichen Solidargemeinschaft meiner Wanderfreunde. Nun zur Tour: Mehr als 1500 Höhenmeter rauf hatte ich bisher noch nicht gemacht. Die 1750 Meter rauf zum Monte Peller waren anstrengend. In der ersten Nacht auf 2000m Höhe schlief ich in der Hütte auch schlecht. Alles tat weh und mein Körper war heiß wie eine aufgedrehte Heizung. Erstaunlich, dass sich am nächsten Morgen wieder alles ok anfühlte. Das Gelände des ersten Tages war bis auf eine „ausgesetzte Stelle“ unterhalb des Gipfels ungefährlich, so dass ich bequem ein paar Fotos machen konnte. Einsatz von Leica IIIF und Digisix mini völlig unproblematisch. Auch am zweiten Tag fiel mir auf, dass mir an Stellen, an denen es steil hinunter ging (eben „ausgesetzt“) etwas mulmig wurde und an Fotografieren für mich nicht zu denken war. Ich mußte mich voll und ganz auf meine Schritte konzentrieren. Am 3. Tag ging es von Molveno aus auf den Croz dell Altissimo (2339m). Wir gingen 850m rauf, aber auf nur 4km Strecke! Das Gelände war schwer und verblockt. Unterwegs lernten wir auch noch gefährliche „Dolinen“ kennen: Metertiefe Spalten im Kalkstein. Am Gipfel dann wieder ausgesetzte Stellen und Felsblöcke, die erkraxelt werden müssen. Oben angekommen ein Steinhaufen von ca. 30qm Fläche am Gipfelkreuz und dahinter geht eine 1000m hohe Felswand hinunter. Ich war völlig paralysiert und zu keinem Leicafoto fähig. Um das Gipfelkreuz mit dem 50mm Elmar abzubilden hätte man auch Abstand nehmen müssen – dann mal Tschüss! Deshalb gibt es vom Gipfel nur IPhone-Fotos.

Leica IIIF
Croz Dell Altissiomo im Hintergrund
Leica IIIF
Blick auf den Molvenosee

Ähnlich war die Tour am 4. Tag: 1700m oder 14km rauf, vom Molvenosee über Pass und Scharte zur Rifugio Agostini. Unheimlich schön und abwechselungsreich und unheimlich anstrengend. Wir gingen im T-Shirt, deshalb konnte ich die Leica nicht in die Jacke stecken. Das hieß also: In Pausen Rucksack herunternehmen, Kamera aus dem Deckelfach des Rucksacks nehmen und Fotografieren. Ich hätte mir gewünscht spontaner auf die Leica zugreifen zu können. Das Handling der Kamera selbst und des Belichtungsmessers hingegen war völlig unproblematisch. Da sich das Licht auf den Touren auch nicht ständig geändert hat musste man mit dem Digisix auch nicht ständig nachmessen. Einmal Blende und Belichtungszeit gewählt passte es häufig (auch wenn ich penibel immer wieder das gute Stück gezückt habe). Den leichten Digisix hingegen trug ich mit der mitgelieferten Schnur meist um den Hals.

Leica IIIF
Rifugio Agostini mit den dahinterliegenden Brentatürmen

Die Resultate

Ich knipste beide 36er Schwarzweißfilme auf der Tour ab. Die letzten Bilder stammen aus Trento, einer wunderschönen Stadt, die ich bisher nicht kannte. Wie üblich sendete ich die Filme zu Jörg Bergs von Mein Film Lab. Nach wenigen Tagen bekam ich die sorgfältig entwickelten Resultate (Scangröße L) und war in doppelter Hinsicht überrascht. Erstens waren alle Bilder etwas geworden, keine krassen Über- oder Unterbelichtungen, kein hängender Verschluss. Zweitens haben die Bilder einen ganz eigenen Look und erinnern in der Tat an Bergfotos aus den 20er oder 30er Jahren (Louis Trenker und Heinrich Harrer lassen grüßen!). Ich denke dies liegt überwiegend an dem unvergütetem Elmar Objektiv. Flare tritt bereits in leichten Gegenlichtsituationen auf:

Leica IIIF
Flare: Wandergruppe unterhalb Grossté Pass, leichtes Gegenlicht
Leica IIIF
Neptunbrunnen in Trento
Leica IIIF
Türme von Trento
Leica IIIF
Flare

Aber Flare stört mich überhaupt nicht, sondern kreiert eben jenen besonderen Look. Motive in vollem Sonnenlicht (also Blende > 6,3) hingegen sind kontrastreich und gestochen scharf:

Leica IIIF

Bei diffusem Licht hingegen sind die Bilder meiner Empfindung nach eher etwas kontrastarm (vielleicht im Vergleich zu M Objektiven an der M6TTL).

Leica IIIF
Wanderer im Nebel

Manche Fotos sind vielleicht etwas unscharf:

Leica IIIF
In einer Bar

Aber Schärfe wird ja bekanntermaßen sowieso überbewertet. Zugegebenermaßen ist der Einblick in den Messsucher der IIIF auch wirklich klein und vielleicht auch nicht mehr so hell wie bei einer neuen Kamera. Einen Unterschied zwischen Agfa APX und Ilford HP5 hingegen konnte ich ehrlich gesagt nicht feststellen.

Leica IIIF

Fazit

Bei der nächsten Bergtour kommt die Leica IIIF auf jeden Fall wieder mit. Mit ihrer kleinen Größe und dem versenkbaren Objektiv ist sie einfach ideal. Ich konnte mich voll auf sie verlassen, ebenso wie auf den Digisix. Die Bilder sind toll und haben den „Leica Glow“ vergangener Jahre. Allerdings möchte ich bei der nächsten Tour schnelleren Zugriff auf die Kamera haben und habe mir deshalb eine kleine Hüfttasche gekauft in die ich sie leicht verstauen und schnell herausnehmen kann. Vielleicht sind dann ja auch Fotos an spektakulären Stellen möglich – wenn ich trittsicher und abgebrüht genug bin!

3 Kommentare

  1. Yves Corneille

    Sehr geehrter Herr Stolze, es ist herrlich Ihre Bilder zu sehen und Ihren Reisebericht zu lesen. Ich selbst wandere mit zwei Freunden seit vielen Jahren jeweils ein gute Woche. Die Alpen haben wir überquert. Damals noch digital, mit Übernachtungen in Hütten. Seit ein paar Jahren sind wir nun in den Pyrenäen unterwegs vom Mittelmeer in Richtung Atlantik. Diesmal mit Zelt und fotografisch mit der Hasselblad X-Pan und Tri-X. Das Entwickeln übernehme ich selber und beim Vergrößern in der Dunkelkammer erlebe ich die Reise immer noch ein zweites mal.
    Trotz meiner Ultraleichtausrüstung für das Wandern, waren es mir die knapp 2 KG Analogausrüstung immer wert. Mit freundlichen Grüßen Yves

    • Henning Stolze

      Hallo Yves! Danke für den freundlichen Kommentar und meine Hochachtung dafür eine Bergwanderung mit einer Mittelformatkamera zu bestreiten! Aber ja, die Bilder sind es sicherlich wert! Beste Grüße, Henning

  2. Hüfttasche dachte ich auch gleich! Schöne Bilder – gerade, weil sie nicht perfekt und gestochen scharf sind!

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